| Bedeutende historische Entwicklungen beginnen häufig ganz unauffällig. Man wird getrost davon ausgehen können, dass den Menschen in Bergerhausen in der zweiten Jahreshälfte 2007 nicht bewusst ist, dass es in diesen Monaten in und um unser Dorf herum Entwicklungen gibt, deren volles Ausmaß uns erst in einigen Jahren bekannt werden wird. Und wie immer gilt: Man kann den Lauf der Dinge nicht aufhalten, aber man kann Dinge gestalten. Wünschen wir unserem kleinen alten Dorf, dass diejenigen, die die Möglichkeit zur Gestaltung haben, sich ihrer Verantwortung für unser Gemeinwesen bewusst sind und "ein glückliches Händchen" besitzen. | ||
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| Foto vom 14.08.2007 | Foto vom 30.01.2008 | |
Rückblick und AusblickUngefähr fünf Monate liegen zwischen den Aufnahmedaten der beiden obigen Fotos und auf den ersten Blick wird man die jahreszeitlichen Unterschiede bemerken - links Sommer, rechts Winter. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man dann das Fehlen eines Daches (rechts) und eines ganzen Hauses (links). Bedauerlich ist dabei vor allem, dass es sich um zwei der ältesten und weitgehend unverfälscht über die Jahrhunderte erhalten gebliebenen Häuser unseres Dorfes handelt. |
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| Das alte Zentrum von Bergerhausen stirbt. Haus Beusch steht nicht mehr und die linke Seite des alten Gesindedoppelhaus (Dürener Straße 49) ist seit dem Brand vom 16. September 2006 unbewohnbar. | Von Haus Jülich (Dürener Straße 48) ist zum Jahresende nur noch als Ruine übrig geblieben. (Hier gesehen von den Grundmauern von Haus Beusch aus.) | |
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| Oben: Historische Ansicht der Häuserzeile Beusch-Pingen-Dohmen um 1950 (Hermann-Josef Baum) und die fotografische Darstellung desselben Motivs vom 14. August 2007, kurz nach Beginn der Abbrucharbeiten (unten). |
Oben: Frau Jülich vor ihrem Lebensmittelgeschäft im Jahre 1912. Unten: Das zuletzt von Maria Esser bewohnte Haus Jülich am 04.08.2007 |
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August 2007 |
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| Das Haus Dürener Straße 47 - hier "Haus Beusch" genannt - ist etwas ganz Besonderes. Es ist eines der drei alten Häuser in Bergerhausen, die im Jahre 1988 als besonders schützenswert in die Denkmalliste der Stadt Kerpen aufgenommen worden sind und es ist zugleich das älteste Haus unseres Dorfs, das letzte der aus dem 17. Jahrhundert datierenden alten Giebelhäuser. In früheren Jahren wurde in diesem Haus Gasthaus betrieben. | |||
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Sie waren die letzten ihrer Art in Bergerhausen, aber Haus Beusch (links) "überlebte" die anderen beiden um mehr als 50 Jahre: |
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| Oben rechts Haus Nr. 18 (Viktor) wurde um 1949 und oben links Haus Nr. 33 (Dohmen) im Jahre 1954 abgetragen. | |||
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Samstag, 4. August 2007Nach dem Tod der letzten Beusch-Tochter, Sybille Pieper, stand das Haus zunächst jahrelang leer. Am 4. August 2007 sind die ersten Anbauten abgetragen. Am gegenüber liegenden Haus Jülich hängt ein handgemaltes Schild "Zu verkaufen". |
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Dienstag, 7. August 2007Das Dach des alten Haus Jülich ist abgedeckt. Der bisweilen ergiebige Sommerregen kann ungehindert in das alte Haus eindringen. |
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Mittwoch, 26. September 2007Die Anbauten stehen nicht mehr. Nun befindet sich das Dachgeschoss des Stammhauses in Abbruch. Die Arbeiten werden von Hand vorgenommen, vorwiegend vom Schwiegersohn der letzten Bewohnerin. |
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Sonntag, 7. Oktober 2007Inzwischen sind der Dachstuhl und der hintere Teil des Hauses weggerissen. |
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Dezember 2007
Auch Haus Jülich steht nun ohne Dachstuhl da. Die
eingedrungene Feuchtigkeit hat das komplette Mauerwerk
erfasst.
(Foto vom 13.01.2008) |
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| Es gehört zum ganz normalen Lauf der Dinge, dass alte Häuser abgerissen und durch neue ersetzt werden. Worin besteht dann die besorgniserregende Entwicklung? Die Häuser Jülich und Beusch liegen unmittelbar gegenüber. Die Haus Beusch benachbarte Doppelhaushälfte wurde durch einen Brand im unbewohnbar. Das dann folgende Doppelhaus wurde bereits vor einigen Jahren abgetragen. In unmittelbarer Nachbarschaft stehen weitere alte Häuser, die von alleinstehenden Menschen bewohnt werden. Bei einer normalen dörflichen Entwicklung gehen Häuser von einer Generation auf die andere über, werden instandgesetzt, erweitert oder komplett erneuert. Bei uns fallen Häuser weg oder gehen in fremde Hände über, die kein Interesse an einer eigenen Nutzung haben. Somit wächst die Gefahr, dass solche Häuser und Grundstücke zu Spekulationsobjekten werden, wo am Ende keine herkömmliche Weiterentwicklung mehr stattfíndet sondern alte familiäre und dörfliche Strukturen durch Gewinnstreben und /oder Überfremdung zerstört werden. | ||
| Parallel dazu gibt es eine Entwicklung, die außerhalb der Mauern unseres Dorfes stattfindet aber schon bald sichtbar auf unser Dorf einwirken wird: |
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Sonntag, 16. Dezember 2007Am 16. Dezember 2007 gaben 993 von 1384 stimmberechtigten Bürgern unseres Nachbardorfs Manheims ab 16 Jahren ihre Stimme ab. 81,05 Prozent der Wähler, nämlich 804, entschieden sich für den Umsiedlungsstandort Kerpen-Hupperbusch, 15,72 Prozent (156 Menschen) für den Standort Buir-Süd und lediglich 3,22 Prozent, nämlich 32, für den dritten Standort Kerpen-West. 1977 hatte der damalige Ministerpräsident Heinz Kühn mit seiner Unterschrift unter den Braunkohleplan das Schicksal des seit rund tausend Jahren in nordwestlicher Nachbarschaft zu Bergerhausen gelegenen 1.700-Seelen-Dorfes Manheim besiegelt. Es soll den Kohlebaggern weichen, die im Jahr 2017 die Linie der heutigen Autobahn 4 zwischen Elsdorf und Buir überschreiten werden und damit auch unserem Heimatdorf bedenklich nahe kommen werden. |
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Bei einer Bürgerinformation im April 2004 stellte die Stadt Kerpen den Manheimern eine Standortanalyse mit fünf möglichen Umsiedlungsstandorten vor. Zwei dieser Umsiedlungsstandorte, nämlich "Kerpen-West" und "Blatzheim Ost" grenzten unmittelbar an Bergerhausen (vgl. Abb. rechts). Planungsskizze aus Folie 9 der Präsentation "Bürgerausschuss zur geplanten Umsiedlungsortschaft Kerpen-Manheim" in der Bürgervollversammlung vom 30.März 2006 (www.manheim-online.de). Rot gekennzeichnet: Bergerhausen |
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| Nachdem im weiteren Verlauf der Überlegungen bis zu 13 verschiedene Umsiedlungsorte in der Diskussion gestanden hatten, setzte die Manheimer Dorfgemeinschaft zuletzt bei der dafür zuständigen Bezirksregierung ein Wahlverfahren durch, in dem drei Standorte zur Wahl standen. | ||
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Wie man auf der Luftaufnahme gut erkennen kann, liegt die von den Manheimern gewählte Stelle beiderseits der früheren Grenzlinie Blatzheim/Kerpen und historisch gesehen auf Kurkölnischem und Brabantischem Gebiet. Für die (historisch zu Jülich-Berg gehörenden) Manheimer ist es erfreulich, dass sie gewissermaßen in Sichtweite des bisherigen Standortes siedeln könen. Bedauerlich ist hingegen, dass damit im Umland von Bergerhausen ein weiteres Stück naturnaher Landschaft für immer verloren sein wird. |
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Historische und kritische Betrachtung zum Umsiedlungs-Standort"Die Mehrheit der Bürger entschied sich
für Kerpen-Dickbusch" verkündeten die Medien und
man fragt sich, ob denjenigen die diesen Begriff verwenden eigentlich klar ist, wo
das Umsiedlungsgebiet tatsächlich liegt. |
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Östlich der zu Bergerhausen gehörenden "Scheiffartsburgäcker" sehen wir auf dieser Karte aus dem 17. Jahrhundert die St. Hubertskapelle und den sich bis zur Chaussee und nahe Bergerhausen erstreckenden S. Hubertsbusch (Historisches Archiv der Stadt Köln, u.a. abgedruckt in Kerpen - Neue Stadt in alten Bildern", Kerpen, 1985) |
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Wer die alten Flurnamen kennt, denkt beim Namen
"Dickbusch" an ein Waldstück, das nordöstlich
des nach Geilrath gelegenen Wiggelersbuschs liegt und sich nach
Sindorf hin erstreckt, wo im übrigen auch eine zur
ehemaligen Glashütte gehörige Siedlung an der
Hüttenstraße den Namen "Dickenbusch" trägt.
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klar getrennt von dem weiter südlich gelegenen
"St. Huppertsbusch", der sich bis zum Beginn des 20.
Jahrhunderts bis zur Straße zwischen Bergerhausen und
Langenich erstreckte, wo im übrigen der Standort einer dem
Hl. Hubertus geweihten Kapelle war. |
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Abb. oben und unten: Ausschnitte aus im Jahr 2007 in Manheim kursierenden Planungsskizzen. |
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Ein Übertragungsfehler oder der fehlende Hinweis auf den Hupperbusch in einer neueren Karte dürfte ab den 1970er Jahren dazu geführt haben, den Namen des nördlichen Waldabschnitts "Dickbusch" für das gesamte Gebiet des Kerpener Waldes zu verwenden. Richtig ist diese Namensverwendung dadurch jedoch nicht. Aufklärung bringt u.a. ein Blick auf die Grundkarte der Bezirksregierung Köln. Danach heißt nicht nur das südwestliche Waldstück "Hubertusbusch" sondern auch die als Siedlungsraum ausgewählte vorgelagerte Ackerfläche. Der am Waldsaum entlang laufende Graben trägt im übrigen den Namen "Hubertusfließ" . |
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Man erkennt in der Mitte am linken Bildrand die im
Jahre 2007 abgebrannte Feldscheune. Von dort bis hinüber zum
Modellflugplatz und hinunter bis zur alten Bahntrasse nahe der
alten Bundesstraße 264 soll sich demnach das umgesiedelte
Manheim in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bergerhausen
erstrecken. |
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Die beiden Strommasten auf dem nebenstehenden Foto
markieren die Ausdehnung unseres Nachbardorfs Manheim nach der
geplanten Umsiedlung. |