Dorfchronik Bergerhausen - Januar bis April 2002

 
Dienstag, 8. Januar 2002

Auf Gut Giffelsberg freut man sich über Familiennachwuchs: Um 15.20 Uhr ist Justus Paul Heinrich Gesmann  zur Welt gekommen.

 
 
Samstag, 12. Januar 2002
 

Reiner Gebhard, der seit seiner Geburt an einer Beinverkürzung leidet, im Laufe der Jahre immer schwerfälliger beim Gehen wurde und sich zuletzt nur noch mit Hilfe eines Gehgestells fortbewegen konnte, kam auch mit dem Hilfsmittel nicht mehr weiter und musste deshalb im November 2001 in ein Pflegeheim ziehen.

Seit dem Tod seiner Eltern war Rainer im Grunde auf sich selbst gestellt.


Mathilde, geb. Senior, Rainer und Josef Gebhard

Das Foto oben stammt aus dem Besitz von Marlene Kochs, geb. Senior. Das Foto links zeigt Rainer Gehard beim morgendlichen Spaziergang mit seinem Dackel am 19. Mai 2001.

 

Es gab aber immer einige Menschen in Bergerhausen, die sich ein wenig um ihn kümmerten. Vor allem Karl Hofma und seine Söhne waren ihm eine wertvolle Hilfe. Sie kümmerten sich auch um die Vermittlung des Pflegeplatzes sowie die Auflösung des Haushaltes in der Dürener Straße 37 und nahmen die kleine dicke Dackeldame "Marny" bei sich auf.

Rainer war auf dem Wirtschaftshof von Burg Bergerhausen aufgewachsen, wo sein Vater Josef eine Stelle als Melker, bzw. "Schweitzer" - wie man bei uns sagt, inne hatte. Als junger Mann hat Rainer dann selber in der Landwirtschaft und dem Gartenbaubetrieb der von Loe'schen Gutsverwaltung und später bei Rheinbraun gearbeitet. Nachdem die Mutter verstorben war, wohnten Vater und Sohn einige Jahre in einer Wohnung im Hause der Restauration Klosterhalfen. Dort hatte man sich mit neuen Möbeln eingerichtet, was den Vater zu der Schlussfolgerung bewegt haben soll, dass Rainer bei einem so guten Hausstand Anspruch auf die Vermählung mit einer Lehrerin habe. Es soll auch einschlägige Zeitungsannoncen gegeben haben, die aber nicht die erhoffte Braut ins Haus holen konnten...

Vor ein paar Tagen kam Rainer ins Krankenhaus wo er heute verstarb. Da ihm eine anonyme Bestattung auf Kosten des städtischen Sozialamtes droht und somit nicht einmal eine Grabinschrift an ihn erinnern wird, mögen diese Zeilen die Erinnerung an ihn aufrechterhalten.

 

Seit Jahren ist es guter Brauch, dass die Blatzheimer "Junge Union" die ausgedienten Weihnachtsbäume einsammelt. Deshalb findet in diesen Tagen in vielen Haushalten Weihnachts-Kehraus statt. Die jungen Leute laden die vor den Häusern deponierten Bäume auf einen Wagen und sammeln dafür einen kleinen Obolus von 2 Euro ein, der im Sommer für die Ausrichtung eines Kinderausflugs eingesetzt wird.

Unser unermüdlicher Ortsvorsteher Klaus Ripp lässt es sich nicht nehmen, das bei dieser Aktion eingesetzte Treckergespann selber zu fahren.

 


Abtransport der Weihnachtsbäume
Auf dem Wagen: Georg Schlang; am Steuer: Klaus Ripp,
auf Klingeltour (verdeckt): Alexander Bittner

 
Da soeben das entsprechende Stichwort fiel, sei der Nachwelt an dieser Stelle übermittelt, dass - wie in weiten Teilen Europas - seit 1. Januar auch in Bergerhausen die Währungseinheit "Euro" (€) als neues gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt worden ist. Obwohl der Handel gehalten ist, bis zum 28. Februar die gute alte Deutsche Mark als Zahlungsmittel zu akzeptieren, sorgt Kioskbetreiber Valy Balogh in Bergerhausen für klare Verhältnisse. Er hält seine Kunden seit Beginn der zweiten Januarwoche dazu an, nur noch mit dem neuen Zahlungsmittel bei ihm einzukaufen. Das veranlasste dann auch den Chronisten am 8. Januar seine letzten D-Mark-Bestände bei der Bank gegen den neuen Euro einzutauschen.
 
 
Sonntag, 10. Februar 2002
 
 
 

"Holland" war das Thema des diesjährigen Blatzheimer Karnevalsumzuges, der traditionsgemäß in Bergerhausen Aufstellung nimmt.

Angefangen hatte es mit einer "Italienischen Nacht"1 am 14. November 1987. Seitdem veranstaltet die überaus rührige Karnevalsgesellschaft "Knollebuure" jedes Jahr im November eine Themen-Ballnacht. Und deren Thema prägt dann auch die folgende Karnevals-Session.

Familie Pingen (links) gehört bisher zu den wenigen, die für den Umzug eigens ihr Haus - und sich selber - schmücken. 

 

An das vorgegebene Thema ist natürlich nur der veranstaltende Verein selber gebunden. Alle anderen Zugteilnehmer können ihrer Phantasie freien Lauf lassen.

Die Clique auf dem Foto rechts scheint "teuflisch gut drauf" zu sein. Aus Bergerhausen dabei: Familie Horst, Franz Cremer und der kleine Manuel Pingen (Ausschnitt). Rechts unten im Bild: Katharina Gatzweiler, die amtierende Schülerprinzessin der Schützenbruderschaft.

Mehr Fotos vom Karnevalsumzug auf der Homepage von Klaus Ripp!

 


 

 

Damit die Menschen unbeschwert feiern oder "Kamelle" aufsammeln können, sorgt die Feuerwehr für die Sicherung des Umzuges; hier: David Dohmen.

Als knackiger Kürbis - in seiner botanischen Form übrigens ein Gemüse, das seit ein paar Jahren von Familie Dieckmann auf Bergerhausener Feldern angebaut wird - war Edith Küppers in einer Fußgruppe der Katholischen Frauengemeinschaft unterwegs.

 
Ein wichtiger Sponsorpartner nicht nur für den Kölner Rosenmontagszug sondern auch im heimischen Karneval, ist die Firma Stollenwerk, deren Fahrzeuge zur Nachhut des Umzuges gehörten.
 

 
Die Bilanz des Zugleiters Heinz-Albert Pingen (KG Knollebuure): Über 550 Zugteilnehmer in 30 Gruppen.
 
 
 
 

Freitag, 15. Februar 2002

Schlechte Nachrichten brachte der Kölner Stadt-Anzeiger auf seinen heutigen Lokalseiten; schlecht, weil in der Umgebung unseres Dorfes schon wieder riesige Installationen der Energiewirtschaft in die Landschaft gestellt werden sollen.

Nach dem Bau der Hochspannungsmasten in den 70er Jahren und dem Wildwuchs an Windrädern in den letzten Jahren, soll nun eine weitere große Stromleitung an Bergerhausen vorbeigeführt werden.

Grafik: Böhne/Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger Nr.39/02 SBG12    
     

Diesmal handelt es sich um eine 110-KV-Stromtrasse zur Versorgung der neuen Hochgeschwindigkeitsbahn Köln-Paris und der S-Bahn. Aus Hürth kommend soll der Strom bei Sindorf in die Oberleitung eingespeist werden.

Statt des direkteren Weges entlang der BAB 61 wählte man den wohl größtmöglichen Umweg vorbei an Kerpen, Langenich, Bergerhausen und Geilrath, wo die abweisenden Stahlskelette demnächst im Abstand von ungefähr 350 Metern je 20 bis 25 Meter hoch in den Himmel ragen werden.

 
     
Auf dem vorstehenden Foto vom 16.3.2002 sieht man die Basiskonstruktion des neuen Mastes vor einem der bereits seit 27 Jahren bestehenden Hochspannungsleitungen am Neffelbachrandweg zwischen Bergerhausen und Langenich. Hier ein letztes Mal der (halbwegs) unverstellte Blick vom Waldrand an der Steinheide auf Bergerhausen und Blatzheim:
 

(Foto vom 3.3.2002)

 
     
 

März 2002 

(Foto: Klaus Ripp  vom 24.02.2002)   (Foto vom 30.07.2001) 
 
Das Schild wurde bereits entfernt. Zwischen Spielplatz und Neffelbach hat der Erftverband seit 1970 in Bergerhausen ein kleines Areal mit einigen Garagen, die zu Lagerzwecken genutzt wurden, unterhalten. Wie Ortsvorsteher Klaus Ripp vom Erftverband erfahren konnte, wird das Gelände jetzt nicht mehr genutzt. Der Ortsvorsteher sieht nun eine ideale Möglichkeit, den Spielplatz in Bergerhausen zu vergrößern. Schon seit langem ist es Wunsch vieler Kinder, eine kleine Rasenfläche zum Ballspielen zu haben.

 

  Sonntag, 24. März 2002

Schreck in der Morgenstunde für Herbert Parpart und Irene Linden: Ein Frühlingssturm wehte einen Baum um, der auf das Dach ihres Häuschens stürzte. Glücklicherweise wurden dabei lediglich ein paar Dachziegel beschädigt.

(Fotos aus dem Besitz von Gabi Linden)
 
 
Ostermontag, 1. April 2002
 

 
Wer hätte das gedacht? Die führende Bank Deutschlands hat die Landbevölkerung entdeckt. Mit einem völlig neuartigen Konzept, will sie die Zielgruppe der Landwirte an sich binden. In Anlehnung an die Drive-In Restaurants amerikanischer Fastfood-Ketten, will die Bank den Landwirten ermöglichen, ihre Geldgeschäfte von ihren Traktoren aus zu tätigen, und zwar dort, wo die Landwirte arbeiten, nämlich auf dem Feld. Im Rahmen eines entsprechenden Pilotprojektes wird das Unternehmen am 1. April in Dorsfeld die erste "Trac-In"-Geschäftsstelle eröffnen und zwar mitten auf einem Acker zwischen den Höfen Bulig und Hons.
 
    (Fotos vom 29.03.2002)
 
Größere Vermögensbestände können die Bauern in silage-artigen Paketen bei der Geschäftsstelle abliefern.   Links am unteren Bildrand des nebenstehenden Fotos sieht man den neuartigen Geldautomaten. Er ist so konzipiert, dass die Bauern ihre Geldscheine bündelweise von Ihren Landmaschinen aus einwerfen können.
 
Übrigens: Sämtliche hier gezeigten Bilder sind unbearbeitete Originalfotos von Franz-Peter Dohmen. Skeptiker können sich bei einem Osterspaziergang nach Dorsfeld mit eigenen Augen von der Echtheit der bildlichen Darstellungen überzeugen!
 

"Aprillsjeck" (Aprilnarr) nennt man bei uns einen Mitmenschen, den man am erfolgreich "in den April geschickt" und so zum Narren gehalten hat. Nach alten Überlieferungen soll der 1. April ein Unglückstag sein. An diesem Tag soll Judas Ischariot geboren und Luzifer aus dem Himmel geworfen worden sein. Aber auch das Herumschicken Jesu "von Pontius zu Pilatus" oder, richtiger, von Herodes zu Pilatus und von Hannas zu Kaiphas, wird als Erklärungsversuch für das unsinnige Herumschicken von Menschen herangezogen.

Wer sich aufgrund des vorstehenden Berichtes auf den Weg nach Dorsfeld gemacht hat, konnte sich immerhin davon überzeugen, dass dort wirklich der abgebildete Container, der Kassenautomat und ein Schild der Deutschen Bank zu finden sind. Wer dagegen  geglaubt hat, dass hier ein Bankschalter für Traktorfahrer zu finden ist, hat sich zum "Aprellsjeck" machen lassen.

 
 
Gelegentlich ziehen Pilger auf dem Weg nach Trier oder nach Santiago di Campostella an unserem Dorf vorbei, aber eine "Demo" - also einen Demonstrationszug - hat es in Bergerhausen seit Menschengedenken noch nicht gegeben. Deshalb freut es den Chronisten, dass er an dieser Stelle über ein "historisches" Ereignis berichten kann.  

Samstag, 27. April 2002

 
Unter dem Motto "6 feet for freedom" - also "6 Füße für Freiheit" hatte sich gestern eine Gruppe von Hundehaltern mit ihren Vierbeinern in Aachen auf die 140 Kilometer lange Strecke über Düren, Kerpen und Köln nach Düsseldorf begeben, um morgen vor dem dortigen Landtag gegen die rigiden Beschränkungen zu protestieren, die eine neue Gesetzesvorlage Hunden und Haltern auferlegen will.
 

Kurz vor 11 Uhr erreichte der aus Läufern, Skateboardfahrern, einem Behindertenfahrzeug sowie mehreren Autos bestehende Tross den Ortseingang von Blatzheim, wo sie von Marlies und Willi Hefler aus dem Blatzheimer Oberdorf mit Getränken für Mensch und Tier sowie Selbstgebackenem empfangen wurden.

Während es in unserer ländlichen Gegend noch gar nicht so lange her ist, dass die hier lebenden Hunde frei herumlaufen konnten, haben Verstädterung und die Neigung staatlicher Stellen, das Leben der Menschen immer mehr regulieren und beschränken zu wollen inzwischen dazu geführt, dass Hunde sich nicht einmal mehr in Begleitung ihrer Halter frei bewegen dürfen, sondern an die Leine zu nehmen und je nach Größe und Rasse sogar mit einem Maulkorb auszustatten sind.

 

Nachdem Mensch und Tier ihre wunden Füße oder Pfoten gekühlt und sich gestärkt hatten, ging es bei trübem, windigem Wetter im Laufschritt weiter durch Blatzheim und Bergerhausen, wo die Demonstranten leider nur wenig Beachtung fanden.

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Nur noch schemenhaft ist der Schriftzug "Baubedarf Gustav Gillessen" auf der Frontseite der Halle an der Straße von Blatzheim nach Manheim zu erkennen, wo der in Bergerhausen lebende Gustav Gillessen bis zum Jahreswechsel 2001/2002 eine florierende Betriebsstätte mit Spedition, Lagerhallen und Baumarkt betrieben hat. Inzwischen sind die Hallen leer geräumt und das Inventar sowie die Fahrzeuge verkauft worden.

 

Gustav Gillessen hat den wohlverdienten Ruhestand angetreten und sein inzwischen in Blatzheim wohnender Sohn Willi möchte sich in Zukunft anderen Geschäften zuwenden.

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Das Foto aus dem Besitz
der Familie Titze entstand
während eines Urlaubs in
den 80er Jahren.

 

Heute verstarb Margareta Titze, eine besonders liebenswerte Bewohnerin unseres Dorfes, an den Folgen eines schweren Krebsleidens. Als Margareta Schmitz war die aus Blatzheim stammende Tochter von Josef und Agnes Schmitz am 9. August 1938 geboren. Sie wuchs mit acht Geschwistern auf. Nach ihrer Schulzeit machte sie eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und arbeitete bei Stüssgen in Kerpen. Nach ihrer Vermählung mit Heinz Titze zog sie 1958 in das Haus ihrer Schwiegereltern nach Bergerhausen. 1959 wurde Tochter Angelika und 1963 Tochter Luise geboren.

Inzwischen arbeitete Margarete Titze im Haushalt des Freiherrn von Loë, anschließend in der Sauerkrautfabrik und im Haushalt der Familie Weiers, bis ein Krebsleiden, von dem sie sich aber wieder gut erholte, sie 1982 zur Aufgabe ihrer Berufstätigkeit zwang. Am 10. Januar 2002 traten unerwartet Hirnmetastasen auf, an deren Folgen sie jetzt verstarb.

         

1 Am 15.11.1986 veranstaltete die KG Knollebuure unter dem Motto "Met de Knollebuure ne schöne Ovend en Bloozem" erstmals eine Ballnacht. Danach lieferten stets Länder und Kontinente die Themen für weitere Tanzabende und die jeweilige Karnevals-Session (Quelle: Sessionsheft 2001/2002 der KG Knollebuure Blatzheim 1982 e.V., Seite 37):

14.11.1987 Italienische Nacht
12.11.1988 Karibische Nacht
18.11.1989 Afrikanische Nacht
17.11.1990 Texanische Nacht
16.11.1991 Sibirische Nacht
14.11.1992 Spanische Nacht
13.11.1993 Schottische Nacht
12.11.1994 Französische Nacht
18.11.1995 Tropische Nacht
16.11.1996 Ägyptische Nacht
15.11.1997 Mexikanische Nacht
14.11.1998 Ungarische Nacht
13.11.1999 Bayrische Nacht
18.11.2000 Chinesische Nacht
17.11.2001 Holländische Nacht