Dorfchronik Bergerhausen - Das Jahr 2000

 

   
Freitag, 14. Januar 2000

Werner Stump, seit September 1999 erster gewählter hauptamtlicher Landrat des Erftkreises, lädt zum traditionellen Neujahrsempfang auf Schloss Bergerhausen ein. Über 300 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung sind der Einladung gefolgt. Der Landrat möchte den Empfang, der bisher stets in Schloss Frens stattgefunden hat, künftig jedes Jahr auf einem anderen Schloss geben, denn schließlich brauche man an der Erft „den Vergleich mit den Häusern an der Loire in Frankreich nicht zu scheuen.“ Den Gastgebern Willi und Josef Stollenwerk dankt Werner Stump mit Blumen.1

 

Mittwoch, 1. März 2000

Bürgermeister Ralf Valkysers bietet Heiratswilligen ab heute an, von ihm persönlich im Kaminzimmer von Schloss Bergerhausen getraut zu werden. Im Anschluss an die Trauungszeremonie können die Brautleute mit ihren Gästen im Wintergarten anstoßen. Für diese Sonderleistung berechnet das Standesamt einen Aufschlag von 100 DM auf die üblichen Gebühren.2

 

Sonntag, 2. April 2000

Hermann-Josef und Karola Erken eröffnen das Hotel „Zur Wasserburg“. Das von Hermann-Josef Erken weitgehend in Eigenleistung errichtete Hotelgebäude liegt an der Ecke Wasserburg/Am Hubertushof an der Stelle von Nebengebäuden des früheren Anwesens Hoch. Einige Tage vor der Eröffnung schalteten die Inhaber Zeitungsanzeigen in denen es hieß:


Aus dem alten bäuerlich Anwesen der Stiftung Hoch wurde ein Hotel  (Foto: Franz-Peter Dohmen, 23.4.2000)

 
„Unweit der romantischen Wasserburg öffnet in Kürze das gleichnamige Hotel seine Pforten. Die ruhige und dennoch zentrale Lage bietet Erholungsuchenden wie auch Kurzbesuchern gleichermaßen die nötige Entspannung.
Das Hotel verbindet modernes Ambiente mit freundlicher Gastlichkeit. Die hellen, geschmackvoll eingerichteten Zimmer verfügen über TV, Telefon, Dusche und WC. Ein großer Konferenzraum bietet genügend Platz für die unterschiedlichsten Veranstaltungen.
Frau Erken und ihr Team würden sich freuen, Sie bald als Gast begrüßen zu dürfen.“3
 

Samstag, 29. April 2000

Im hundertsten Jahr ihres Bestehens finden sich nur noch vier Bergerhausener Namen unter den Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Blatzheim: Der langjährige Löschzugführer Josef Stollenwerk und der altgediente Feuerwehrmann Josef Brandt, sowie die jüngere Generation mit Detlef Kappas und David Dohmen.


Fototermin für das Programm der 100-Jahrfeier vor der Kulisse des Schlosses am Samstag nach Ostern4

 

Dienstag, 16. Mai 2000

Margareta Stendera, geb. Viktor wird beerdigt. Margareta Viktor war am 21. April 1924 geboren und am 10. Mai nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Sie hinterlässt ihren Mann Reinhard, Tochter Rita, zwei Enkelkinder sowie ein Urenkelkind.5

 

Donnerstag, 18. Mai 2000

Aus gut informierten Kreisen verlautet, „dass tatsächlich die Umgehungsstraße um Bergerhausen und Blatzheim herum, auf der Südseite erfolgen soll, also zwischen Burg Bergerhausen und dem Bergerbusch...“. Keine aktuelle Notiz, sondern eine, die Walter Freiherr von Loë heute vor 35 Jahren, also bereits am 18. Mai 1965, verfasste.6 Wie heißt es so schön? Gut Ding will Weile haben.

 

Freitag, 2. Juni 2000
 


Videobilder: © 2.6.2000 Franz-Peter Dohmen


 


Im Festzelt an der Bergstraße in Blatzheim beginnt um 19 Uhr der Festkommers zur 100-Jahrfeier der Blatzheimer Feuerwehr. Höhepunkt der festlichen Veranstaltung ist ein nach 22 Uhr beginnender Fackelzug zum Park der Burg Bergerhausen.

Langsam senkt sich die Dunkelheit an diesem schönen, warmen Frühsommertag über das Dorf, als der lange Festzug gegen 23 Uhr Bergerhausen erreicht. Vorneweg lenkt Sigmund Weitzig das aus dem Jahre 1956 stammende Opel Blitz-Löschgruppenfahrzeug LF8, das junge Feuerwehrmänner, zu denen auch David Dohmen gehört, in wochenlanger Arbeit liebevoll instandgesetzt haben. Eine Blaskapelle und zwei Spielmannszüge, auswärtige Wehrleute, die Fahnenschwenker der Bürgerschützen, Vertreter aller Ortsvereine und aus Politik und Verwaltung, eskortiert von Fahrzeugen der Wehren, hinab zur Burg, wo der erste von drei Festtagen mit einem „Großen Zapfenstreich“ vor der Burg und anschließendem Freibier für alle auf dem Burghof ausklingt.
 


Digitalfotos: © 2.6.2000 Franz-Peter Dohmen


 

 


Freitag, 9. Juni 2000

Nach kurzer, schwerer Krankheit verstirbt heute der zuletzt in der Kerpener Bachstraße wohnhaft gewesene Josef Münch. Josef Münch war am 23. November 1939 als Sohn des Stefan Münch und seiner Frau Petronella, geb. Senior in Bergerhausen geboren. Nach seiner Eheschließung mit Maria Daubner war er nach Kerpen gezogen. Um ihn trauern seine Kinder Irene, Stephan, Renate und Andreas sowie die Enkelkinder Sabrina, Jessica, Marko, Sven und Mario.7

 

Samstag, 10. Juni 2000
 


Foto vom 24.10.1964
Marlene Kochs, geb. Senior

Seit dem Burg Bergerhausen für die Durchführung von Veranstaltungen vermietet wird, feiern dort vor allem gerne Hochzeitsgesellschaften. Davon abgesehen, sind der Schlosspark und die Burg seit Menschengedenken ein Anziehungspunkt für Hochzeitspaare. Hier findet der Profi-Fotograf ebenso wie der fotobegeisterte Hochzeitsgast den romantischen Rahmen und die richtige Kulisse für ein festliches Foto.

Im Sommerhalbjahr kommen aus diesem Grund fast jeden Samstag Hochzeitsgesellschaften in den Ort. Leider ist es seit einigen Jahren in Mode gekommen, dabei ein wildes Hupkonzert zu veranstalten; sicherlich ein Spaß für die Hochzeiter und ihre Begleitung, aber lange schon nicht mehr sonderlich originell und auf die Dauer nervtötend für die Anwohner.


Heute haben wir eine Hochzeitsgesellschaft zu Gast im Ort, die den üblichen Lärm der Autokonvois weit hinter sich lässt, gerade deshalb originell ist und (trotz des infernalischen Lärms) positiv aus dem Rahmen fällt und für Aufmerksamkeit sorgt.

Digitalfotos:
© 10.06.2000, Franz-Peter Dohmen




Mark Maaßen, Inhaber des Blatzheimer Abbruch- und Transportunternehmens Maaßen, heiratet nämlich und man hat alles aufgeboten, was zu so einer Hochzeit gehört: das Hochzeitspaar sitzt in einer Pferdekutsche und ein hupender Autokonvoi fährt hinterher.

Das Besondere an diesem Konvoi ist aber, dass er aus lauter roten Lastwagen besteht, die ihre mächtigen Hörner mit vereinter Power erklingen lassen.


Und die Kutsche wird auch nicht von Pferden gezogen, sondern steht auf einem geschmückten Tieflader.

 

Juni 2000
 

Die 17jährige Martina Wittwer kommt von einem 10-monatigen USA-Aufenthalt, den sie bei einer Familie in Cadiz, Südwest-Kentucky verbracht hat, zurück.

„Mit meiner Gastfamilie verstand ich mich von Anfang an prima und auch der Unterricht an der örtlichen High School bereitete keine Probleme. Nach ein paar Wochen des Eingewöhnens lief es auch mit meinem Englisch sehr gut. Die Zeit bis zu meiner Abreise verging wie im Flug und obwohl ich mich sehr freute wieder nach Hause zu kommen, fiel es mir schwer, meiner Gastfamilie, Freunden und Amerika goodbye zu sagen.“


Martina Wittwer bei einer Stippvisite in Washington D.C.
(Originalfoto aus dem Besitz von Martina Wittwer)

 


Montag, 10. Juli 2000

Klazina Hüffel verstirbt an den Folgen einer Krebserkrankung.8 Viele Jahre hatte die am 6. Juli 1938 geborene Tochter des Milchverteilers Jakob Koenz mit ihrem ersten Mann Herbert Parpart und Sohn Henry in Bergerhausen gelebt.
 

 

Josef Stollenwerk wird 70 und „JEDER ist herzlich willkommen“, auf dem Girbelsrather Betriebsgelände mit ihm zu feiern. Und so ist denn auch am Samstag „halev Blotzem und Berjehuse“ in Girbelsrath versammelt.


Fotos oben und links unten: Danksagung Josef Stollenwerk 12/2000
 


Der Fuhrpark

In dem beim Ortsteil Girbelsrath gelegenen Gewerbegebiet Merzenich ist inzwischen mit 90.000 qm der größte zusammenhängende Hallenkomplex der Region entstanden. Hierher kommen zu 80% Rohprodukte aus der rheinischen Region, um von den über 150 Mitarbeitern der Firma Stollenwerk veredelt zu werden. Erst kürzlich ist, gefördert vom Land NRW und der Europäischen Gemeinschaft, eine neue Verpackungs- und Etikettieranlage hinzugekommen.9

 

Eine Luftaufnahme auf der Vorderseite der Einladungskarte zu den Geburtstagfeierlichkeiten zeigt die Dimensionen des Firmengeländes in der Gemeinde Merzenich:

 

Montag, 31. Juli 2000


Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wird der Dorsfelder Landwirt Johannes Konen zu Grabe getragen. Als Vorsitzender der Vereinigten Ortsvereine Blatzheim und Ehrenbrudermeister (von 1975 bis 1995 Erster Brudermeister) der Bürger-Schützen-Bruderschaft St. Kunibert war Johannes Konen ein bekannter Mann in der Gemeinde und sehr beliebt. Konen war am 31. Januar 1928 in Mödrath geboren. Er verstarb – unerwartet - am 26. Juli 2000 und hinterlässt seine Witwe Sibille, geb. Gey und drei Töchter.10

 


Freitag, 6. August 2000

Viele Bergerhausener haben sich auf dem Friedhof versammelt, um einem noch recht jungen Mitbürger das letzte Geleit zu geben. Der 42jährige Max Linden hatte am vergangenen Sonntag beim Bauer Grass ausgeholfen. Als er sich gerade ein Päuschen gönnen wollte, brach er aus heiterem Himmel tot zusammen. Auf ähnliche Weise war einige Jahre zuvor bereits sein Vater Johann Linden gestorben. Max hinterlässt seine Witwe Gabriele und seinen nicht ganz18jährigen Sohn Alexander.

 


Digitalfoto © 2000 Klaus Ripp

Sonntag, 27. August 2000

Ortsvorsteher Klaus Ripp fordert in einem Antrag an Bürgermeister Ralf Valkysers die Bepflanzung der Erdwälle entlang der Kiesgrube bei Dorsfeld: „Dies zum einem als Ausgleich für das 1998 errichtete Transportband, das beide Dorsfelder Kiesgruben verbindet und zum anderen als Auflage für die Verlängerung der Auskiesungsgenehmigung. Doch vor Ort tut sich nichts. In diesem Sommer fällt der Blick wieder auf Disteln statt auf Bäume und Sträucher.“


In einem weiteren Antrag geht es unter anderem um Baumpflanzungen im Bereich Giffelsberg/Onnau: „Zwischen Gut Giffelsberg und Gut Onnau sind einige Pappeln abgestorben und drohen, wie teilweise bereits geschehen, beim nächsten Sturm umzustürzen. Im Landschaftsplan 4 "Zülpicher Börde" war vorgesehen, die Pappeln durch Eichen und Eschen zu ersetzen. Die Stadt Stadt soll darlegen, welche Maßnahmen außerdem noch anstehen und wie sie realisiert werden könne.“11

Auf seiner Homepage veröffentlicht Klaus Ripp heute die Geschichte des Weilers Dorsfeld sowie Informationen zu den dortigen Windkrafträdern.

Wenn man in diesen Tagen von Bergerhausen in nord-westliche Richtung blickt, rücken zwei neue, riesige Windkrafträder in das Blickfeld. In einer Entfernung von einigen hundert Metern zum ersten Windpark werden zur Zeit westlich der B477 zwischen Blatzheim und Manheim zwei neue, noch leistungsstärkere Anlagen errichtet. Die neuen Windräder haben drei Flügel, eine Nabenhöhe von 68 Metern und einen Rotordurchmesser von 62 Metern, so dass eine Höhe von 99 Metern erzielt wird. Die Nennleistung eines Windrads beträgt 1300 KW. Der Betreiber ist wie beim Windpark I die Firma Energiekontor.


Sonntag, 10. September 2000

Heute, am „Tag des offenen Denkmals“, kommt eine Gruppe Radfahrer durch Bergerhausen, um sich die alte Burgmühle anzusehen. Die Teilnehmer sind um 9.30 Uhr an der Blatzheimer Klostermühle gestartet, radeln von Bergerhausen weiter zur Obermühle und besuchen dann eine Ausstellung zur Geschichte der Kerpener Mühlen im Foyer des Rathauses. Danach folgen Besichtigungen der Sindorfer und Horremer Mühlen.

 

 
Im Gegensatz zu diesen Besuchern, die leise und fast unbemerkt Bergerhausen auf der Neffelbachroute durch den Park und weiter nach Kerpen passieren, macht eine andere und wesentlich zahlreichere Besuchergruppe lautstark auf sich aufmerksam. Das aber liegt in der Natur der Sache. Das Tambourcorps „Edelweiß“ Blatzheim feiert sein 75jähriges Bestehen und viele andere Musikkapellen und Vereinsabordnungen feiern mit.

Menschen mit leichtem Schlaf, waren bereits gegen 7.00 Uhr morgens von Marschmusik geweckt worden. Nachmittags um 14.30 Uhr nahmen etwa 40 Gruppen im Schlosspark Aufstellung auf der Zufahrtsstraße zur Burg. Von dort aus marschierte der lange Festzug über die Dürener Straße nach Blatzheim.
Es war ein guter Tag zum Feiern, denn es herrschte ein wunderbares Spätsommerwetter. Die Menschen freuen sich darüber, denn allzu lange war der Himmel über Bergerhausen in diesem Sommer grau in grau. Nach einem insgesamt wunderschönen Frühling, zeigte der diesjährige Sommer sich von seiner schlechtesten Seite und bescherte uns im Juli Niederschläge in bis dahin nie verzeichneter Menge. Insbesondere die Getreideernte fiel deshalb miserabel aus.

 

Samstag, 23. September 2000

Willi Gillissen zieht aus seinem 6-Familienhaus in der Dürener Straße 35 aus in sein neu gebautes Eigenheim in Blatzheim.

 

Sonntag, 1. Oktober 2000

Siegfried Wittwer aus der Alten Straße nimmt als einer von Läufern am 4. Ford Köln-Marathon 2000 teil und belegt unter 15.396 gemeldeten Läufern den 995. Platz in der Gesamtwertung.

 

November/Dezember 2000

Normalerweise gibt's im November in unserer Gegend den ersten Kälteeinbruch. Manchmal beginnen die Fröste um Allerheiligen (1. November) herum und sorgen dafür, dass die Friedhofsbäume ihr Laub auf die frisch hergerichteten Gräber abwerfen. Der Martinszug (12. November) findet fast immer bei frostigen Temperaturen statt. In diesem Jahr war alles anderes. Robuste Naturen konnten ihre Wintersachen ohne weiteres bis Mitte Dezember im Kleiderschrank lassen. Die Temperaturen lagen meistens um die 15 Grad. Erst in der dritten Dezemberwoche setzten Fröste ein und am zweiten Weihnachtstag gab es sogar den von vielen erhofften Schnee.

In diesen Wochen verließen uns drei langjährige Dorfbewohner:

Oskar John, der sich seit dem Eintritt ins Rentenalter immer fürsorglich darum gekümmert hat, dass im Dorf alles ordentlich ist, dass die Mülltonnen rechtzeitig vor's Haus gestellt werden und die Türen am Auto verschlossen sind, ist nach Blatzheim gezogen; jedoch nur wenige Schritte hinter der Grenze des Dorfes, so dass er uns weitgehend erhalten bleibt.

Ellen Riedel aus der früheren Bahnhofstraße (jetzt: „Wasserburg“), eine ehemalige Gefängnisaufseherin aus Köln, die auch im Dorf bisweilen streng auf die Einhaltung von Recht und Gesetz achtete und sich zum Beispiel über den Mist aufregte, der seit eh und je hinter dem Hubertushof aufgeschichtet ist, ist fortgezogen.

Birgit Kühn, die elf Jahre lang eine Praxis für Naturheilkunde bei Kleintieren und Pferden im alten Meurer-Haus in der Alte Straße betrieben hat und dort auch wohnte, ist nach Müddersheim bei Nideggen gezogen, wo sie ein hübsches Fachwerkhaus erwerben konnte.

 

 

        

 

 

1Kölner Stadtanzeiger Nr. 13 vom 17.1.2000 –SBG 9

2Sonntagspost, 5. KW, 30.1.2000

3u.a. Stadtblatt, 25.3.2000

4Foto: Peter-Josef Hövel, 29.4.2000, aus dem Programm „100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Kerpen, Löschzug Blatzheim“

5Traueranzeige der Familie

6Archiv Jakob Dohmen, Mai 1965

7Traueranzeige im Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 136 vom 14.6.2000

8Traueranzeige im Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 158 vom 11.7.2000

9„CDU-MIT Merzenich besucht Stollenwerk“ in Düren im Blick, Dezember 2000, Seite 19

10Traueranzeige im Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 173 vom 28.7.2000 und Festschrift 150 Jahre Bürger-Schützen-Bruderschaft St Kunibert 1849 Blatzheim e.V. (Foto)