Dienstag, 13. August 1996
Burg
Bergerhausen wird zum Museum titelt die heutige
Erftkreis-Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers. Und weil Redakteur
Ralph Jansen den Artikel so launig geschrieben hat, soll er hier im
Originalwortlaut wiedergegeben werden:
Knolle Jupp
hat sich gefreut wie ein Kind. Sofort ist er auf den Eisensitz
geklettert, und dann hat er dem dunkelblau lackierten alten
Treckerchen deftig die Sporen gegeben. Mit der Macht seiner 17
Pferdestärken wuchtete der 2200 Kubikzentimeter große
Vielstoffmotor (der Einzylinder schluckt zum Aufwärmen Benzin
und erst dann ein Dieselchen) sich auf satte 950 Umdrehungen pro
Minute hoch. Dann schoß Jupp mit einem Affenzahn durch das
Tor der Burg Bergerhausen auf die Straße hinaus - der Tacho
zeigte schon die Höchstgeschwindigkeit von 18,3
Stundenkilometern. Aus dem vertikalen Auspuffrohr stiegen meterhoch
graue Rauchringe in den strahlendblauen Himmel. Eine rote
Geschenkschleife mit meterlanger Schleppe war das letzte, was man um
die Kurve fegen sah. Nein, was für ein schönes
Geburtstagsgeschenk, bedankte Jupp sich nach der Jungfernfahrt
bei seinen Geschäftsfreunden Werner Neuhann aus Warburg und
Ulrich Florin aus Willich. Knolle Jupp, unter diesem
Namen ist Josef Stollenwerk, Produzent von Gemüsekonserven,
unter seinen närrischen Freunden bei den Roten Funken in Köln
beliebt. Immerhin firmiert er dort als Vizepräsident und
Generalpostmeister. Gar nicht närrisch gemeint ist eine Idee,
die an Stollenwerks 66. Geburtstag am 28. Juli geboren wurde: Burg
Bergerhausen soll ein Trecker-Museum werden. Daß die Brüder
Josef und Willy Stollenwerk begeisterte Sammler der
Traktoren-Oldtimer sind, ist bekannt. Nun aber haben sie Nägel
mit Köpfen gemacht. Sie gründeten den Verein der Freunde
von Lanz Bulldog und alter Landmaschinen. Josef Stollenwerk,
gemeinsam mit seinem Bruder Eigentümer der Burg, verzichtete an
seinem Geburtstag auf Geschenke und bat statt dessen um Spenden für
das selbstverständlich öffentlich zugängliche
Museum in einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude der
Burg. Insgesamt besitzen die Stollenwerks schon einige Dutzend der
dunkelblauen Raritäten mit den knatschroten Speichenrädern.
Doch die Lanz D1706 (Jahrgang 1953), den die beiden Freunde
Stollenwerks schenkten, bekommt einen Ehrenplatz: So einen
hatten wir nämlich noch nicht.
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