Dorfchronik Bergerhausen - Das Jahr 1992

   
Donnerstag, 9. Januar 1992

Kurz und schmerzlos ist der Feuerwehreinsatz bei Bulig in Dorsfeld. Ein Holzstapel hatte Feuer gefangen.1


 
 

Montag, 13. April 1992

Das Rheinland bebt. Immer mal wieder jedenfalls. Die nördlichen Rheinlande gehören neben dem Oberrheingraben und der Schäbischen Alb zu den bedeutendsten Erdbebengebieten Mitteleuropas. In Mitteleuropa entstehen Erdbeben, weil sich die afrikanische Platte nach Norden bewegt und dabei Italien gegen die europäische Platte drückt, so dass in der Erdkruste Druck- und Zugspannungen herrschen. Werden diese Spannungen zu stark, kommt es zum Bruch der Gesteine. Dabei wird ein Teil der aufgestauten Energie in Form von seismischen Wellen freigesetzt.2


Schadenbeben im nördlichen Rheinland. (Karte der Erdbebenstation Bensberg) 3

Meistens sind die Erschütterungen so schwach, dass sie von den Bewohnern nicht wahrgenommen werden, aber heute früh in der Nacht schrecken auch in Bergerhausen die Menschen aus dem Schlaf. Ein dumpfes Grollen ist zu hören, der Boden schwankt, Gläser klirren, Töpfe kippen um. Das Epizentrum des Bebens liegt in der niederlänischen Grenzstadt Roermond. Mit einer Magnitude von 5,9 gehört es zu den schweren Erdbeben dieses Jahrhunderts und verursacht einen Sachschaden von über 200 Millionen DM. Das Beben ist selbst in Berlin, München und London zu spüren.
   


Sonntag, 10. Mai 1992

Pfarrer H.-J. Smialek überreicht Jakob Dohmen den von Papst Johannes Paul II. Zuerkannten Verdienstorden „Pro Ecclesia et Pontefice“. Die gleiche Auszeichnung erhält auch die langjährige, äußerst beliebte Blatzheimer Kindergartenhelferin Katharina Heinrichs.

 

Sonntag, 17. Mai 1992

Helene Kurth, geb. Uelpenich (* 17. März 1922) verstirbt.

 

Samstag, 20. Juni 1992

Aus dem Feld strömendes Wasser erfordert einen Einsatz der Feuerwehr bei Stollenwerk. 18 Mann sind zur Hilfeleistung eine Stunde lang im Einsatz.4


Juni 1992

Im Juni 1992 erscheint in den Kerpener Heimatblätter eine ausführliche Beschreibung des Schlossparks, seiner botanischen Beschaffenheit und den anzutreffenden Vogelarten. Verfasser ist der Kerpener Lehrer und Hobbyornithologe Walter Zenker. Hier mit seiner freundlichen Genehmigung sein Bericht, der sich auf Untersuchungen stützt, die er in den Jahren 1975 bis 1992 angestellt hat:

„Der Bergerhausener Park liegt in der Neffelaue ca. 3,5 km westsüdwestlich des Kerpener Zentrums. Am östlichen Ende der verhältnismäßig schmalen in Ost-West-Richtung verlaufenden Anlage, die mittlere Breite beträgt nur ungefähr 100 m, erhebt sich das von einem Weiher und Graben fast allseitig umgebene Schloß. Während einiger Untersuchungsjahre diente es als Heim für Schülerinnen einer therapeutischen Einrichtung. Im letzten Jahr erschien es unbewohnt.

Der Park ist ganzjährig geöffnet und Naherholungsgebiet für die Kerpener Bevölkerung. Im Bereich des Schloßweihers kann an Wochenenden der Besucherstrom anwachsen, wenn die zahmen und halbzahmen Enten überfüttert werden, während die restlichen Wege im allgemeinen nur mäßig begangen bzw. mit Rädern befahren werden.

Die Umgebung des Parks bilden an den Längsseiten im Süden meist mit Kohl bebaute Felder und die ehemalige Vorburg mit Wirtschaftsgebäuden, im Norden die Gärten an der Dürener Straße. An der Schmalseite nach Westen zu schließt sich ein längeres Grünlandband an, das als Viehweide dient, im Osten ein zweiter Wirtschaftshof und eine Brachfläche, ehemals mit Obstbäumen bestanden, die jenseits der Neffel zu Grünland überleitet. Die ehemalige Vorburg einschließlich aller Gebäude und der Wirtschaftshof östlich des Wasserschlosses gehören nicht zur 6,34 ha großen Untersuchungsfläche.

Der durch die langgestreckte Form bedingte hohe Randlinieneffekt erfährt eine Verstärkung durch die Struktur des Parks. Er ist in seinen Randbereichen überwiegend aus dichten Gehölzstreifen aufgebaut, während im Inneren offenere Flächen vorherrschen. Querriegel, einer nur aus schönen hohen Bäumen, besonders Platanen, bestehend, untergliedern den Park in jeweils anders geartete Teilbereiche. Im östlichen dominiert das Schloß mit Weiher und Graben. Nach Westen zu folgt eine aus einem trockengefallenen zweiten Weiher hervorgegangene eingesenkte Wiese. Sie ist von den schon erwähnten Platanen, einer sehenswerten Blutbuche, einem Tulpenbaum, einem mit Gebüsch angereichertem Baumgürtel, einer langschaftigen Rotbuche und Walnußbäumen umgeben. Leider hat die Trauerbuche, die mit einem abgestützten, weit ausladenden Stamm eine Art Laubengang bildete, ihre schöne Form verloren.

Darauf schließt sich ein von einer freistehenden Eiche geprägter Wiesenbereich an, während das Innere des großen Westteils überwiegend aus Grünland besteht, das als eingezäunte Viehweide genutzt wird. Hier begleitet den leicht geschwungenen Lauf der Neffel auch ein Mittelweg. Die beiden durchgehenden Längswege verlaufen dagegen mehr in den Randbereichen.

An der Zusammensetzung des Gehölzbestandes sind neben den schon erwähnten noch weitere nicht bodenständige und fremdländische Baumarten beteiligt, wie es in solchen Parkanlagen üblich ist. Genannt seien nur die im Westteil parallel zur Neffel stehenden Lärchen, Rot- und Sumpfeichen, ein aus sechs hohen Sommerlinden gebildeter enger Kreis unweit der mächtigen Blutbuche, wiederholt eingesprengte Robinien, Roßkastanien und besonders Bergahorn.

Ein erheblicher Teil der Baum- und Strauchschicht setzt sich auch aus Arten der potentiellen natürlichen Vegetation zusammen, z. B. aus Eschen, Stieleichen und Vogelkirschen, während die Hainbuche kaum vertreten ist. Zur Strauchschicht zählen Feldahorn, in zunehmendem Maße Schwarzer Holunder, ferner Hasel, Gemeiner Schneeball, Pfaffenhütchen, die nicht bodenständige, überreichlich vertretene Schneebeere neben Jungaufwuchs von Berg- und stellenweise Spitzahorn.

Die Bodenflora beschränkt sich mehr auf Saumbereiche und ist unter den dichten Gehölzstreifen für einen Auenbereich eher spärlich ausgebildet. Nicht zu übersehen sind u.a. Aronstab, Echte Nelkenwurz, Gundermann, Giersch, Nesselblättrige Glockenblume und an einer Stelle der vermutlich eingebrachte Bärenlauch. Der Finger-Lerchensporn im zeitigen Frühjahr fällt dagegen weniger auf. Einen reizvollen Aspekt bietet der Park, wenn auf den Grünflächen des östlichen Teils hunderte von Blausternen, Krokussen und Schneeglöckchen erblühen.

Die ökologischen Verhältnisse für die Vögel des Parks haben sich über einen Zeitraum von zwanzig Jahren vermutlich nur wenig geändert. Nach dem Wechsel der Eigentümer im Jahre 1983 wurden Eingriffe an der aufgekommenen Naturverjüngung vorgenommen und einige Einzelbäume gepflanzt. Die vorübergehende, jeweils kurzzeitige Durchführung eines Ferienlagers für Kinder kann sich für einige Spätbrüter negativ ausgewirkt haben. Von den zeitweise im Schloß untergebrachten Jugendlichen sind, soweit eigene Beobachtungen ergaben, keine Beeinträchtigungen der Vogelwelt ausgegangen. Ob man das für die intensivierte landwirtschaftliche Nutzung auf den südlich angrenzenden Äckern, die durch die starke Betonung des Kohlanbaues bedingt ist, auch sagen kann, erscheint mehr als fraglich. Dorthin flogen besonders Tauben- und Finkenvögel aus dem Park zur Nahrungssuche. Die Untersuchung des Vogelbestandes erfolgte auf 14 - 17 etwa einstündigen Begehungen von Anfang März bis Anfang Juli, wobei alle Bruthinweise kartiert wurden, wie Reviergesang, Nestfunde, fütternde Altvögel und kaum oder eben flügge Junge. Eine Erfassung des winterlichen Vogelbestandes unterblieb, da Erhebungen, besonders quantitative, zu dieser Jahreszeit problematisch sind. Die nachfolgende Tabelle zeigt das Ergebnis der sieben Untersuchungsjahre. Die Abudanzwerte geben die Schwankungsbreite der Brutdichte – Anzahl der Brutpaare bzw. Reviere je Hektar – und den errechneten Mittelwert an. Dasselbe gilt für die Dominanzwerte, die den prozentualen Anteil einer Vogelart am Gesamtbestand ausdrücken.

Insgesamt brüteten in den sieben Untersuchungsjahren 44 Vogelarten im Bergerhausener Park, davon 20 alljährlich, weitere 9 fehlten ein- oder zweimal. Mit einigen Ausnahmen schritten sie sehr wahrscheinlich außerhalb des Parks mehr oder weniger regelmäßig zur Brut, vor allem in dem westlich angrenzenden Gehölzstreifen und Restwäldchen oder in den Gärten der Dürener Straße. 11 Arten traten nur ein- oder zweimal als Brutvögel auf. Auch sie erschienen zur Nahrungssuche wiederholt im Park, wie Mäusebussard, Turmfalke, Bachstelze, Weidenmeise, Hänfling, Elster und Rabenkrähe und gehörten daher zum Brutbestand der näheren Umgebung.

Von 1975 bis 1984 zeigt sich eine gleichmäßige leichte Zunahme bei der Gesamtpaar- bzw. Revierzahl, während danach eine absinkende Tendenz zu verzeichnen ist. An der ,,Wende“ mögen die kalten Winter Mitte der achtziger Jahre mitgewirkt haben. Die Abnahme bei den Zugvögeln, wie z.B. bei Gelbspötter, Zilpzalp, Turteltaube, mit gewisser Einschränkung auch beim Star, lassen sich damit nicht erklären.

Vielleicht ist das Wiederauftreten des Sperbers als Brutvogel in der Umgebung auch einer der Gründe für die Abnahme bei einigen Kleinvögeln. Der Habicht ließ sich im Park wesentlich seltener sehen, jagte aber in der südlich angrenzenden Feldflur, die den Ringeltauben und anderen Taubenarten als wichtiges Nahrungshabitat dient. Die Hohltaube als Höhlenbrüter scheint weniger gefährdet als die freibrütenden Arten, und besonders empfindlich reagiert die Turteltaube auf Störungen am Nest. Inwieweit jagdliche Maßnahmen Einfluß auf den Taubenbestand hatten, kann nicht eingeschätzt werden.

Die stetige Abnahme des Feldsperlings bis zu seinem völligen Ausbleiben findet eine Parallele in der Naturwaldzelle des Kerpener Bruchs, wo seit einigen Jahren eine ähnliche Entwicklung festzustellen ist (unveröffentlichtes Manuskript; Schaefers, schriftlich). Vermutliche Ursache für den Rückgang dürfte die intensive Bewirtschaftung des Ackerlandes sein, die die Lebensbedingungen für den Feldsperling erschwert.

Ähnlich wie beim Gesamtvogelbestand zeigt sich auch bei der Artenzahl eine ansteigende Tendenz bis 1984. Danach setzt eine rückläufige Entwicklung ein, so daß 1992 nur noch 27 Arten gegenüber 34 acht Jahre zuvor zu verzeichnen waren.

Am deutlichsten ist der gegenläufige Trend bei den Freibrütern ausgeprägt, während die Schwankungen bei Höhlen- und Bodenbrütern unregelmäßiger verlaufen und eher als normal anzusehen sind.

Die Rückgänge zwischen 1984 und 1985 wären wenigstens teilweise durch den strengen Winter erklärbar. Es schlossen sich auch noch zwei weitere kalte Winter an, doch dann folgten mildere, und besonders der letzte zeichnete sich durch relativ hohe Temperaturen, keine langen Frostperioden und fehlende Schneebedeckung aus.

Die dargestellte Populationsdynamik und die Erklärungsversuche führen zu dem Schluß, daß offenbar mehrere Faktoren an der auffallenden Entwicklung des Brutvogelbestandes beteiligt waren. Die Frage, welchem Einfluß das größte Gewicht beizumessen ist, läßt sich nicht eindeutig beantworten.

Neben den Brutvögeln vervollständigen Nahrungsgäste, Durchzügler und Wintergäste die reichhaltige Vogelgesellschaft. So wurden auf zusätzlichen Spaziergängen, teils im Winter, teils in den Zugzeiten im Frühjahr und Herbst, auch in Jahren, in denen keine quantitativen Erhebungen erfolgten, die nachfolgend angeführten Arten im Park angetroffen (bei seltenen Beobachtungen ist das Datum angegeben):

Haubentaucher (1.9.84), Zwergtaucher (23.11.88, 8.1.91), Graureiher (1992 ziemlich regelmäßig), Krickente (3.12.88, 8.1.84), Waldohreule (25.3.75, 16.5.75 ein flügger, noch bettelnder Jungvogel), Grünspecht (19.1.76, 28.3.76, 21./29.2.88), Grauspecht (25.3.75), Buntspecht, Gebirgsstelze (24.6.83), Klappergrasmücke, Waldlaubsänger, Wintergoldhähnchen, Sommergoldhähnchen, Trauerschnäpper, Hausrotschwanz, Rotdrossel, Sumpfmeise, Goldammer, Bergfink, Kernbeißer (5.6.84), Gimpel, Pirol (4.6.65).

Vollständigkeitshalber sei noch erwähnt, daß Mauersegler, Mehl- und Rauchschwalben während der Zeit ihres Aufenthaltes in unseren Breiten häufig über dem Parkgelände dem Nahrungserwerb nachgingen.

Die Bedeutung des Bergerhausener Parks für die Ornithologie ist darin zu sehen, daß am Nordostrand der ausgeräumten und vogelarmen Zülpicher Börde ein Lebensraum für eine artenreiche Vogelgesellschaft besteht, der gleichzeitig Rückzugsgebiet, Nahrungs- und Trittsteinhabitat für in Nordrhein-Westfalen gefährdete Vogelarten ist. Von den Brutvögeln sind es Hohltaube und Nachtigall, von den Gastvögeln Zwergtaucher, Graureiher, Sperber, Habicht, Grünspecht und Pirol.

Darüber hinaus sind von den Brutvögeln des Parks Turteltaube, Girlitz und Dohle im Kerpener Raum und auch in Teilen des Erftkreises verhältnismäßig selten und können daher lokal als potentiell gefährdet bezeichnet werden.“5


Mittwoch, 9. September 1992

In den frühen Morgenstunden verstirbt Jakob Dohmen in seinem 66. Lebensjahr an den Folgen eines Krebsleidens.


Sonntag, 25. Oktober 1992

In einem von Landarbeitern bewohnten Nebengebäude der Burgmühle ist eine Matratze in Flammen aufgegangen. Die Feuerwehr verhindert Schlimmeres.6


Dienstag, 29. Dezember 1992

Ein Baum im Park ist durch einen Feuerwerkskörper in Brand geraten. Die Feuerwehr rückt mit 16 Mann aus.7

   

        

1   Jahresberichte 1.11.1990 bis 15.11.1993 der Freiwilligen Feuerwehr Stadt Kerpen, Löschzug Blatzheim

2   Vgl. Presse-Information 206/2000 der Universität zu Köln vom 5.12.2000 http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/12_2000/206_00.htm

4   Jahresberichte 1.11.1990 bis 15.11.1993 der Freiwilligen Feuerwehr Stadt Kerpen, Löschzug Blatzheim

5   Zenker, Walter, Die Vogelgesellschaft im Schloßpark Kerpen-Bergerhausen, Kerpener Heimatblätter 1/1992, S. 74 f. Die Originalveröffentlichung enthält zudem zwei Tabellen sowie einleitende Verweise auf andere Erhebungen.

6  Jahresberichte 1.11.1990 bis 15.11.1993 der Freiwilligen Feuerwehr Stadt Kerpen, Löschzug Blatzheim

7  Jahresberichte 1.11.1990 bis 15.11.1993 der Freiwilligen Feuerwehr Stadt Kerpen, Löschzug Blatzheim