Dorfchronik Bergerhausen - Das Jahr 1984

 

     
21. Januar 1984

„Wir bleiben das, was wir sind“, zitiert die Kölnische Rundschau den frisch gebackenen Schlossbesitzer Willi Stollenwerk. Willi und sein Bruder Josef Stollenwerk haben nämlich in der vergangenen Woche notariell eine Transaktion mit Freiherr Degenhard von Loë unter Dach und Fach gebracht, die sie zu Eigentümern von Schloss Bergerhausen, Burghof, 10 Hektar Schlosspark und 80 Hektar landwirtschaftlichen Flächen machen. Die Brüder wollen allerdings nicht selber in die Mauern des Schlosses einziehen, sondern „einfach Bergerhausener Bürger bleiben“, wie sich Josef Stollenwerk ausdrückt. Auch am Hauptnutzer der Burg, dem Psychotherapeutischen Institut, soll sich vorläufig nichts ändern, denn der Mietvertrag läuft noch bis 1989.

Die Ärmel aufkrempeln wollen Willi und Josef Stollenwerk allerdings, was die Instandsetzung des Geländes angeht, schreibt Rundschau-Redakteur Manfred Lang. Sobald das Wetter es zuläßt, versprechen sie, sollen dringend erforderliche Arbeiten am Dach, an den Fenstern und am Mauerwerk vorgenommen werden. Außerdem soll ein Vertrag mit der Stadt Kerpen ausgehandelt werden, der die Sanierung des arg lädierten Schloßparkes regelt.

Kurz vor der Presse unterrichteten die Landwirte und Konservenfabrikanten Stollenwerk den Kolpingstädter Bürgermeister Werner Stump von dem perfekt gemachten Ankauf der Burg. Der gab die Neuigkeit unverzüglich an Stadtdirektor Wolfgang Bell und die drei Ratsfraktionen weiter. An Bell schreibt er:“Seit Jahren war ich zusammen mit Baron Clemens von Loe bemüht, eine Restaurierung der Burg Bergerhausen mit Hilfe des Landeskonservators sicherzustellen. Nach dem Tod des Baron setzte ich die Gespräche mit dem Bruder, Baron Degenhard von Loe, fort. Im Hinblick auf die hohen Kosten, die zur Restaurierung aufgebracht werden müssen, zeichnete sich ein Verkauf der Burg ab.“

     

Foto: Kurth, Kölnische Rundschau
     
Den Stadtvätern geht es in ihren Bemühungen vor wie nach um den Schloßpark, der in alter Tradition den Blatzheimer und Bergerhausener Bürgern offensteht. Deshalb soll Bell nach Stumps Vorstellungen jetzt mit Stollenwerk einen Vertrag über die Sanierung aushandeln. Unabhängig davon erklärten die Stollenwerk-Brüder im Pressegespräch, daß der Park nach seiner Sanierung auf jeden Fall für die Öffentlichkeit offenbleibt. Außerdem soll die Burg in der Dunkelheit angestrahlt werden.

Eine offizielle Stellungnahme der Stadt zum Burgenkauf war gestern noch nicht zu bekommen. Nachdem feststeht, daß Stollenwerk allen Kerpener Bemühungen zum Trotz mit seiner Konservenproduktion nach Merzenich-Girbelsrath abwandert, ist man im Kolpingstädter Rathaus etwas reservierter. Es zeichnet sich jedoch ab, daß die Stadt - auch in ihrem eigenen Interesse - zur Burg Bergerhausen eine Zusammenarbeit mit den neuen Burgherren sucht.

Josef und Willi Stollenwerk unterstrichen im Pressegespräch, warum sie ein Gebäude gekauft haben, das keine Rendite abwerfen dürfte:Auf dem Burghof, dem Bauernhof der mit zur Burg gehört, sind beide großgeworden. Außerdem seien sie mit Clemens von Loe befreundet gewesen und hätten die Ländereien, die zur Burg gehören, schon seit langem bewirtschaftet. Umgekehrt sei vom Verkäufer Wert darauf gelegt worden, daß Ländereien und Burg in ein und derselben Hand bleiben. Ausschlaggebendes Moment, so Stollenwerk-Prokurist Daubach, sei aber die „enge Bindung“ an die Familie von Loe gewesen.


Mittwoch, den 25. Januar 1984

Aus dem Besitzerwechsel des Schlosses ergibt sich nach Ansicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden Bernhard Ripp eine Verpflichtung für die Stadt Kerpen. Er bittet in einem Schreiben an Bürgermeister Werner Stump um einen möglichst schnellen Abschluss eines Nutzungs- und Pflegevertrages mit den neuen Besitzern. Auch zukünftig wird der an das Schloss angrenzende Park für die Blatzheimer und Bergerhausener Bürger als Erholungspark zur Verfügung stehen. Ripp regt an, in diesem Zusammenhang die Gestaltungs- und Verbesserungsvorschläge des Bergerhausener Bürgers Franz-Peter Dohmen zu berücksichtigen.1


Montag, 30. Januar 1984

„Der doppelte Schwan von Bergerhausen“ ist ein Foto von Jürgen Streich überschrieben, das der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Ausgabe vom 30. Januar 1984 veröffentlicht:

Zwischen zwei Regenschauern und überhaupt ganz unbeeindruckt von dem nassen Winterwetter zieht der Schwan von Bergerhausen bei Kerpen seine Bahn. ... Im stillen Wasser spiegeln sich Schwan und die malerischen Brückenbogen - der Moment, auf den jeder Fotograf wartet.2

 
 
(vermutlich) Ende Januar 1984

Bei einem solchen Wasserstand wäre es vor dem Ausbau des Neffelbachs in den 60er Jahren unweigerlich zu Überschwemmungen gekommen.

 
     

Donnerstag, 9. Februar 1984

Tödliche Verletzungen erleidet ein 41jähriger Radfahrer aus Kerpen bei einem Unfall auf der Kreisstraße 39 zwischen Dorsfeld und Geilrath. Um 15.40 Uhr fuhr ein 29jähriger Lkw-Fahrer aus Simmerath mit einem beladenen Sattelschlepper aus der Weber-Kies-Ausfahrt und wollte nach links auf die K 39 einbiegen. Dabei übersah er den aus Richtung Geilrath kommenden Radfahrer. Der Notarzt konnte nur noch des Tod des Kerpeners feststellen.3
 

     
Dienstag, 14. Februar 1984
   
Posten 6 am beschrankten Bahnübergang bei Geilrath ist das letzte noch mit Personal besetzte Bahnwärterhaus auf der Strecke Köln - Aachen. Wenn in Kürze der neue Verbindungsweg zum Klarahof fertiggestellt ist, wird der Bahnübergang aufgelöst.
 

 

 

Fotos: Jörg Harbring, Kölner Stadt-Anzeiger 14.2.1984

     

Der Autoverkehr auf der K 39 rollt bereits über die neue Brücke, deren Baukosten sich wegen der hohen Personalaufwendungen rein rechnerisch bereits in fünf Jahren rentiert haben sollen. Der seit Jahren in Geilrath tätige Schrankenwärter Peter Neumann soll in den Rangierdienst versetzt werden. Als die Brücke noch nicht existierte, hieß es alle drei bis vier Minuten Schranke hoch und Schranke runter. Größere Unfälle hat es an dem Übergang, den täglich etwa zweihundert Züge passieren, nicht gegeben.4

  Schrankenwärter Peter Neumann
     

Sonntag, 26. Februar 1984

„Rund um den Fliegerhorst Nörvenich“ heißt das Motto der 2. Internationalen Wandertage, ausgerichtet vom TV Viktoria. Eine zehn Kilometer lange Strecke führte über Niederbolheim, Clemenshöfe und Bergerhausen durch den Park zurück nach Blatzheim und eine zweite Strecke führte über zwanzig Kilometer rund um den Flugplatz.


Foto: Norbert Kurth, Kölnische Rundschau
v.l.n.r.: Matthias Lerschmacher, Jakob Dohmen, Max Karlisch und Bernhard Ripp

Mit dabei: Vizelandrat Jakob Dohmen und der Schützenkönig des Südbundes, Max Karlisch, aus Bergerhausen.5

 

____________________

 

Einer der markantesten Baumriesen des Parks ist eine Rotbuche, deren runzelige graue Rinde und vor allem ein rüsselförmiger Seitentrieb im Volksmund zu der Bezeichnung "Elefantenbaum" geführt haben.

Eine weitere Skurrilität stellt eine Buche an der Westseite des Schlosses dar. Der Baum wurde in etwa zwei Metern Höhe in die Horizontale gezwungen. Im Sommerhalbjahr bildet sein Blätterdach über hölzernen Abstützungen eine Art Laubengang. Im Winterhalbjahr wird dagegen der Blick auf die bloßen, schlangenartigen Äste frei, so dass die Kinder vom "Schlangenbaum" sprechen.

     
 
Die kleine Ramona Nacken aus der Dürener Straße 75 auf dem Rüssel des "Elefantenbaumes"...   ... und mit einer Freundin im Geäst des "Schlangenbaumes".
(Fotos aus dem Besitz von Ramona Nacken)



Dr. Hans-Werner Geßmann, Leiter des Instituts Burg Bergerhausen e.V.

Mittwoch, 7. März 1984

Das psychotherapeutische Institut Burg Bergerhausen e.V. macht in den letzten Wochen mehr und mehr von sich reden. Außer dem in der Burg untergebrachten therapeutischen Schulmädchenheim vergrößerte sich auch die daneben bestehende Abteilung „Psychotherapie“ weiter. Institutsleiter Dr. Hans-Werner Geßmann entwickelt hier mit einigen seiner Mitarbeiter einen neuen Test für Krankenpflegeschüler, der nach einer mehrjährigen Erprobungsphase bald bundesweit angewandt werden soll.

Der Test gliedert sich in zwei Gebiete. Aufgaben zum Leistungsbereich sollen unter anderem Aufschluss darüber geben, ob der Schüler ein gutes Gedächtnis räumliches Vorstellungsvermögen und Konzentrationsfähigkeit hat. Im Persönlichkeitsbereich sollen die individuellen Eigenschaften des Schülers deutlich gemacht werden.6


Samstag, 10. März 1984

Gegen 16.30 Uhr befuhr ein 15jähriger Schüler mit seinem Mofa den Gehweg entlang der Dürener Straße und überquerte in Höhe der Einmündung „An der Wasserburg“ plötzlich die Fahrbahn. Ein aus Richtung Kerpen mit seinem PKW in den Ort einfahrender 44jähriger Gastwirt konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und stieß mit dem Mofafahrer zusammen. Der Junge musste mit dem Rettungswagen in das Krankenhaus Bergheim gebracht werden.7


März 1984

Vor dem Zeitpunkt der Flurbereinigung im Jahre 1967 durchquerte der Emmerichgraben das „Buchsbaumsmaar“ und versorgte es mit Wasser. Nach der Flurbereinigung führte der Graben um das Maar herum und wurde wasserbaulich befestigt. Mit einer Überfallschwelle wurde der Zufluss zum Maar verhindert. Außerdem wurde Teile des Maares angeschüttet und aufgeforstet, so dass nur noch ein kleiner Teilbereich um eine alte Stileiche dem ursprünglichen Zustand entspricht.

Bedingt durch den extrem niederschlagsarmen Sommer 1983 ist das Feuchtbiotop „Buchsbaumsmaar“ jetzt ausgetrocknet. Nach starken Niederschlägen Anfang Februar zeigte eine Ortsbesichtigung am 7. Februar, dass der Emmerichgraben so viel Wasser führte, dass die Überfallschwelle überwunden wurde und Wasser in die Maarsenke floss. Jetzt will die Stadt die Schwelle um 20 cm absenken, und den dahinter liegenden Graben um 10 bis 20 cm vertiefen.8


Montag, 2. April 1984

Das Psychotherapeutische Institut sucht immer wieder nach Wegen, Gelder aufzubringen. Heute hatte man den Vorsitzenden des Kreisschulausschusses, eine Kreistagsabgeordnete und den künftigen Kommodore des Flugplatzes zu Besuch, um die noch fehlenden Mittel – etwa 1.000 Mark - aufzutreiben, damit acht Mädchen auf eine Abschlussfahrt nach Berlin gehen können.9


Donnerstag, 12. April 1984

„Atomangriff auf Nörvenich würde niemand überleben“ titelt die Rundschau und berichtet über eine von Dr. Wolfgang Marre und der Friedensinitiative Horrem herausgegebene Broschüre, in der dargestellt wird, was mit wem, wo und wie im Umkreis des Flugplatzes passiert, würde er zum nuklearen Angriffsziel. In direkter Folge würden 12 Prozent der Einwohner des Erftkreises sterben. Für weitere 82 Prozent gebe es auf Dauer keinerlei Überlebensmöglichkeiten. Der größte Teil von ihnen werde kurze Zeit nach einer Explosion an Verbrennungen und Verstrahlungen sterben. Kälte und mangelnde Nahrungsmittel würden den Übrigbleibenden jede Überlebenschance nehmen.10

     

        

     

1Kölnische Rundschau vom 25.1.1984

2Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 25 vom 30.1.1984

3Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 36 vom 11./12.2.1984 und Kölnische Rundschau vom 11.2.1984

4Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 38 vom 14.2.1984

5Kölnische Rundschau und Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 50/BG 17 vom 28.2.1984

6Werbe-Post vom 7.3.1984

7Kölnische Rundschau vom 12.3. und 13.3.1984; Kölner Stadt-Anzeiger vom 12.3.1984

8Kölnische Rundschau vom 22.3.1984

9Kölnische Rundschau und Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 82/BG 13 vom 5.4.1984

10Kölnische Rundschau vom 12.4.1984