Dorfchronik Bergerhausen - Das Jahr 1983

 

 

 

Freitag, 14. Januar 1983

Die BILD-Zeitung titelt „Schicksalsschläge – Drama in Adelsfamilie“:

Das alte Adelsgeschlecht derer von Loë wurde in einem Monat von drei Schicksalsschlägen heimgesucht: Vater Walter und Sohn Clemens starben; sie werden heute (Anm.: richtig: am 15.1.) bestattet. Ein weibliches Mitglied der Familie war an einem tödlichen Unfall beteiligt.

Die Kette der tragischen Ereignisse begann am 13. Dezember. Ein Auto erfasste in der Nähe von Maastricht einen jungen Mann. Er hatte am Straßenrand mit einem Mädchen geplaudert. Die Polizei: ‚Am Steuer saß eine Baronin von Loë. Der Wagen muß von der Fahrbahn abgekommen sein.‘


Walter Freiherr von Loë (links) und sein Sohn Clemens Freiherr von Loë (1974)

Am 6. Januar fuhr Walter Reichsfreiherr von Loë zur Feier seines 80. Geburtstages nach Schloss Bergerhausen bei Blatzheim. Am Steuer des silbergrauen Audi saß der Fliegergeneral a.D. Gerhard Barkhorn (63). Auf der Autobahn bei Köln wurde der Wagen von einem schleudernden Opel erfasst, der einem italienischen Lkw ausweichen wollte. Der General und seine Frau starben. Walter von Loë erlag zwei Tage später seinen schweren Verletzungen.

Sein Sohn Clemens (53) wartete auf Schloss Bergerhausen vergebens auf die Geburtstagsgäste. Er regte sich auf. Am 10. Januar starb er an einem Herzinfarkt.“1

 

 

Samstag, 15. Januar 1983

Die Einsegnung der beiden letzten Vertreter des Bergerhausener Adels erfolgt am Samstag, dem 15. Januar 1983 um 14.00 Uhr in der Burgkapelle zu Bergerhausen. Das feierliche Requiem findet in der Pfarrkirche Blatzheim statt. Die Verstorbenen werden in ihrer Familiengruft unter der Burgkapelle beigesetzt.

Die Beisetzungsfeierlichkeiten sind der Bedeutung des Anlasses angemessen. Die Bevölkerung nimmt großen Anteil an den Trauerfeierlichkeiten, zu denen Vertreter bedeutender Einrichtungen erscheinen. Einen Abglanz vergangener Adelspracht vermittelten dabei vor allem die Vertreter des Malteserritterordens, die in ihren farbenprächtigen Uniformen erschienen sind.

Nach dem plötzlichen Tod des letzten Freiherrn von Loë wird Schloss Bergerhausen von den Erben an die Brüder Josef und Willy Stollenwerk verkauft,2 die in den Folgejahren umfassende Renovierungsmaßnahmen an den Dächern und Mauern vornehmen werden. Insbesondere die frühere Vorburg wird auf diese Weise vor dem drohenden Verfall, der insbesondere an dem trutzigen Eckturm besorgniserregende Ausmaße angenommen hatte, bewahrt. Aber auch die repräsentablen Innenräume des Herrenhauses hatten, insbesondere in den Jahren der Nutzung durch das psychotherapeutische Institut, arg leiden müssen und bedurften der Instandsetzung.

 

 

 

Sonntag, 13. Februar 1983

Straßenkarneval in Bergerhausen, "d'r Zog kütt". Mit dabei - Herbert Parpart im Clownskostüm.

 
 

Sonntag, 10. April 1983

 

     

(Fotos aus dem Besitz von Ramona Nacken, 10.4.1983)
 

Erstkommunion 1983, Pfarrer Smialek hastet an der Kirchenmauer entlang. Die Kinder Diana Bremer, Marc Maaßen und Ramona Nacken sind guter Dinge.

 

 

 

Donnerstag, 21. April 1983

150 Zuhörer, darunter viele Belegschaftsmitglieder der Firma Stollenwerk und Anwohner aus dem Siedlungsbereich Buirer Weg sind in der Blatzheimer Schule gekommen um sich über die geplante Aussiedlung der Firma auf das umstrittene Gelände im Nordwesten des Vogelsruther Weges zu informieren. Dass die Stollenwerk-Brüder dort ihre Fabrik bauen werden, wo bereits seit Jahren ihre Lagerhallen stehen, daran zweifelt zu diesem Zeitpunkt niemand. Das beständig wachsende Unternehmen braucht dringend mehr Platz. Um die immer noch gegen die Aussiedlung kämpfenden Anwohner zu beruhigen, verspricht die Stadt Kerpen, dass sie darauf achten will, dass sich Geruchs- und Lärmbelästigung in erträglichen Grenzen halten und die Stollenwerk-Brüder haben ihrerseits einen Landschaftsarchitekten damit beauftragt, Fabrik und Hallen hinter einen „grünen Mauer“ aus Bäumen und Sträuchern zu verstecken. In fünf Jahren könnte sie stehen.3 Geplant ist eine hohe Böschung, die das gesamte Gelände nicht nur umranden, sondern die Fabrik sogar optisch verschwinden lassen soll. Ein Großteil der Bürgeranhörung widmete sich indes nicht dem zukünftigen Aussehen der Firma Stollenwerk und technischen Fragen, sondern der Vergangenheit. Die Firma habe immer wieder rechtswidrig gewerbliche Arbeitsstätten geschaffen, die nur zur landwirtschaftlichen Nutzung genehmigt waren, war von den Bürgern zu hören. Als landwirtschaftliche Lagerstätten genehmigt, würde in den bestehenden Hallen nicht nur gewerblich Gemüse gelagert, sondern auch produziert- Widerrechtlich sei auch der Firmenparkplatz, sowie ein Abstellplatz für Paletten und Hochcontainer.


Die umstrittene Halle in Bergerhausen (Foto vom 23.7.1983: Franz-Peter Dohmen)

Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit sei die Firmenhalle in Bergerhausen, die ebenfalls zur landwirtschaftlichen Nutzung genehmigt worden sei, in der die Firma allerdings zwischenzeitlich eine Waschstraße für ihre Lastwagen eingerichtet habe.4

 

 

Samstag, 23. April 1983

Die Bürger-Schützenbruderschaft St. Kunibert veranstaltet einen Wettbewerb für alle ehemaligen Schützenkönige und -prinzen. Der „Freiherr Clemens von Loë-Gedächtnispokal“ soll jedes Jahr bei der Vereinsmeisterschaft ausgeschossen werden.5

Den von Achim Röhr im Gedenken an den verstorbenen Protektor der Bruderschaft gestifteten Pokal gewinnt nach dem 39. Treffer Hubert Blezers aus Dorsfeld.6

 

Auf großes öffentliches Interesse stieß eine Bürgerversammlung, die vorgestern in der Grundschule Blatzheim stattfand. In der knapp zweieinhalbstündigen Veranstaltung wurden die Pläne für eine Umsiedlung der im Ortskern von Blatzheim liegenden Produktionsstätte der Gebrüder Stollenwerk an die Peripherie von Blatzheim (Vogelruther Weg, Nähe Buirer Weg) vorgestellt und diskutiert. Während die Umsiedlungspläne auf den Widerstand einer 92köpfigen Bürgerinitiative, die sich im Blatzheimer Neubaugebiet im Bereich Buirer Weg gebildet hat, stößt, scheint der Vollzug der Umsiedlung für die beteiligten Behörden bei Stadt, Kreis und Land beschlossene Sache zu sein. Zur Besänftigung der Umsiedlungsgegner wurden in der Veranstaltung Begrünungspläne für die Umgebung der geplanten Produktionshallen vorgestellt. Die Ernsthaftigkeit solcher Überlegungen wurden von den Gegnern unter Hinweis auf früheres Fehlverhalten der Firmeninhaber in Frage gestellt. Dabei wurde u.a. ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit herangezogen, wonach in der Firmenhalle in Bergerhausen, die zur landwirtschaftlichen Nutzung genehmigt worden sei, inzwischen eine Waschstraße für die firmeneigene Lastwagenflotte eingerichtet worden sei.7

 

Freitag, 29. April 1983

Der Flugbetrieb auf dem berüchtigten Starfighter, der inzwischen wegen seiner vielen Abstürze auch „Witwenmacher“ genannt wird, wird eingestellt.8 Es erfolgt eine Umrüstung auf den „Tornado“, einem von deutschen, englischen und italienischen Firmen entwickelten „Super-Flugzeug“.Bis zum ersten eigenen Tornado im August soll es auf dem Flugplatz ruhiger zugehen. Nötige Startbahn- und andere Bauarbeiten zur Unterstellung der jeweils 39 Millionen Mark kostenden Maschinen lassen bis dahin keinen Flugbetrieb für Strahlflugzeuge mehr zu.9

 

 

Samstag, 30. April 1983

Das Jabo-Geschwader feiert sein 25jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. Es gibt Fallschirmabsprünge, Flugvorführungen mit Starfightern und Tornadoflugzeugen sowie Starts von Heißluftballons.10

 

 

Nacht zum 1. Mai 1983

Der kleine Weiler Geilrath im Norden von Bergerhausen hat mit der Geschichte unseres Dorfes nicht allzu viel zu tun und findet deshalb in dieser Chronik auch weniger Beachtung als etwa Dorsfeld, Giffelsberg und Onnau, zu denen es mancherlei Bezüge gibt. Immerhin kommt im frühen 19. Jahrhundert mit der Familie Curtius vom Geilrather Hof auch ein Stückchen Geilrather Geschichte in unser Dorf und im 20. Jahrhundert pflegt die Familie Wilkens - die sich heute den Geilrather Hof mit der Familie Schäfer teilt - intensive freundschaftliche Beziehungen nach Bergerhausen. Und weil Gerald Spitzig eine schöne Reportage11 über unseren kleinen Nachbarn gemacht hat, soll diese hier zitiert werden:

 

 

Bernd und sein Fest zum Mai
von Gerald Spizig
 

Vor genau fünfzig Jahren wurde in Geilrath bei Sindorf der erste Maibaum gesetzt. Nach einer Pause gab es in dem Dorf - Radio Luxemburg nennt es das kleinste deutsche Dorf - wieder einmal ein Fest. Für alle 22 Dorfbewohner. Und eingeladen hatte Bernd Merzenich, einziger Junggeselle von Geilrath.

Nur ein paar Meter entfernt von der Zugstrecke Köln - Paris, an der Straße von Sindorf nach Blatzheim, liegen die Bauernhöfe, die das Dorf Geilrath bilden. Früher war der ganze Ort ein landwirtschaftliches Gut. In einer Aufzeichnung des 11. Jahrhunderts über die Besitztümer des Erzbischofs Kunibert von Kunibert von Köln (um 623 bis 663 amtierte er) wird der Name „Geilinrode“ zum erstenmal erwähnt. Heute leben dort mehrere Familien, die Schäfers und Schiefer, die Merzenichs und drei Generationen Peter Wilkens. Die meisten arbeiten noch in der Landwirtschaft. Nur zwei Hinzugezogene haben sich im Ort inzwischen niedergelassen: Map Sauer, die Kölner Galeristin und die Filmemacherin Ute Diehl12. Auch sie fühlen sich inzwischen dort heimisch. Den 22 Bewohnern stehen jede Menge Vierbeiner gegenüber: 1.200 Schafe, 28 Kühe, fünf Hunde und eine Ziege. Nicht zu vergessen die viereinhalbtausend Hühner.


 (Fotos: Gerald Spizig/Kölner Stadt-Anzeiger)

 

Drei Ortsschilder künden den Namen Geilrath. Der Name scheint es in sich zu haben; denn de öfteren müssen die Arbeiter vom Straßenbauamt kommen, um die gestohlenen Schilder zu erneuern. Vermutlich zieren sie jetzt irgendwelche Partykeller. Die Einwohner haben es gelernt, zu ihrem Ortsnamen zu stehen. Wenn der Beamte auf der Behörde fragt: „Geilrath mit 'ai'?“, dann antworten sie selbstsicher: „Mit 'ei', was denn sonst!“

In der Mitte des Ortes steht die Kapelle, die allen Einwohnern gehört. Alle 14 Tage schaut der Pastor vorbei. Zweimal sind auch schon Hochzeiten in ihr abgehalten worden. Das kleine Gotteshaus trägt die Nummer 13. Im Frühjahr und Sommer werden in dieser Gegend oft Suchrallyes ausgetragen. Wenn dann die Wagen halten und es schellt, dann kennen die Geilrather die Frage schon: „Entschuldigung, wo ist hier das Haus mit der Nummer 13?“ Vor eben jene Kapelle lud Bernd Merzenich Bewohner und Freunde zu seiner Maifeier ein. Er selber stellte sich ironisch vor: „Ich bin der erste und zweite Vorsitzende, der Kassenwart sowie das einzige Mitglied des hiesigen Maivereins.“

Ein großer Maibaum schmückte den Platz vor der Kapelle. Es gab Bier vom Faß, Gegrilltes und kräftige Stimmungsmusik. Bernd, der als Agrar-Ingenieur bei einer Futtermittel-Firma arbeitet, mußte zugeben, daß ihm zwei „Ehemänner“ beim Aufstellen des Baumes geholfen hatten.

Früher, da war das noch ganz anders“, erinnert sich Peter Wilkens senior. „Vor fünfzig Jahren haben wir hier den ersten Maibaum gesetzt. Der wurde mit der Hand gesägt, und vier Leute haben ihn auf der Schulter querfeldein getragen. Da haben wir noch ohne Traktor gearbeitet!“


Das Ehepaar Merzenich kam verspätet zur Feier. Es hatte im eigenen Waldstück nach Baumdieben Ausschau gehalten. Dann konnte es zünftig losgehen mit der Feier.

Nur fünf Häuser hat der winzige Ort. Das Radio hat schon über ihn berichtet. Zwei Wochen lang drehte hier auch schon ein Fernsehteam. Doch wenn es nicht die scharfe S-Kurve im Orte gäbe, die meisten Durchfahrenden würden ihn vermutlich überhaupt nicht registrieren.

Maifest Geilrath
Peter Wilkens jun., Bernd Merzenich, Peter Wilkens sen.

 

 

Mittwoch, 11. Mai 1983

Stadtverordneter Bernhard Ripp schlägt vor, im zwischen Bergerhausen und Langenich gelegenen Buchsboomsmaar eine Feuchtstelle einzurichten, um das kleine Biotop vor dem Austrocknen zu bewahren. Dazu könnte das in direkter Nähe vorbeiführende Fließ zum „Maar“ hin umgeleitet werden.13

 

 

Mittwoch, 25. Mai 1983

Dr. Bernhard Worms wird für das Amt des NRW-Ministerpräsidenten kandidieren und hat für Ende August seinen Rücktritt als Landrat des Erftkreises angekündigt. Zur Zeit werden in der Öffentlichkeit Spekulationen über die Nachfolge angestellt. Zu den Anwärtern auf das Amt des Landrates gehört auch Jakob Dohmen. Der Köner Stadt-Anzeiger schrieb in seiner Ausgabe vom vergangenen Freitag: "Daß Dohmen nicht von vorneherein genannt wurde, liegt sicher an seiner sprichwörtlichen Zurückhaltung. Nach den ersten Gesprächen unter führenden CDU-Leuten des Kreises wurde dann aber auch Dohmen genannt, und er ist sicher nicht einmal Außenseiter: Seit rund acht Jahren ist Jakob Dohmen der Stellvertreter von Worms."...

"Landrat zu sein, wäre ein interessantes Amt für mich. Mir bliebe jedoch zu wenig Zeit, um es auszuüben" wird der Bergerhausener heute im Stadtanzeiger zitiert. "Mein Kreistagsmandat werde ich weiterhin ausüben. Ich möchte Bürgern helfen, aber lautlos."14

 

 

 

 


Mittwoch, 8. Juni 1983

Die SPD-Fraktion Kerpen verhilft den Mädchen aus der Burg zu einer Abschlussfahrt mit dem Fahrrad in die Vogesen. Peter Müller überbringt Fahrräder aus den Fundbeständen der Stadt sowie Geld- und Sachspenden, damit die Fahrt, die an Geldmangel zu scheitern drohte, durchgeführt werden kann.15

(Foto: Froitzheim/Werbepost)

 

 

2./3. Juli 1983

Zum Auftakt des diesjährigen Schützenfestes holen die Schützen am Samstag ihren König Max Karlisch in einem Umzug ab. Nach dem Gottesdienst am Sonntag wird der neue Protektor eingeführt. Nach dem Tod des Freiherrn Clemens von Loë tritt Jakob Dohmen jetzt dessen Nachfolge an.16 Strahlender Sonnenschein sorgt dafür, daß das Schützenfest großen Zulauf hat.17

 

 

Mittwoch, 13. Juli 1983

Bei einem Verkehrsunfall, der sich gegen 22.48 Uhr ereignete, wurde ein 20jähriger Autofahrer schwer, drei andere Personen wurden leicht verletzt. Der 20jährige, ein Dachdecker aus Kerpen, der in Richtung seines Wohnortes fuhr, war in Höhe des Hauses Dürener Straße 77 mit seinem PKW nach links von der Fahrspur abgekommen und auf die Gegenfahrbahn geraten. Ein entgegenkommender Wagen konnte noch ausweichen, doch das nächste Auto stieß frontal mit dem PKW zusammen. In dem Wagen saßen der 38jährige Fahrer und zwei Beifahrer. Der 20jährige wurde zunächst nach Düren und später in die Uniklinik Aachen gebracht. Die drei anderen Verletzten konnten das Krankenhaus Bergheim nach ambulanter Versorgung wieder verlassen. Der entstandene Sachschaden wird auf 10.000 Mark geschätzt.18

 

 

Freitag, 15. Juli 1983

3,85 Millionen Mark lassen sich der Bund, der Erftkreis und die Bahn ein Brückenbauwerk kosten, dass demnächst das Bahnwärterhäuschen mit dem beschrankten Bahnübergang an der Kreisstraße 39 bei Geilrath überflüssig machen soll.

 

(Foto: Lang/Kölnische Rundschau)

Die zum größten Teil aus Fertigbauteilen bestehende Brücke, die zwischen April und Juli buchstäblich aus dem Boden gestampft wurde, ist nur ein Teil der gesamten K39-Umgehung, die demnächst auch den Ort Geilrath umgehen wird. Die Brücke wird dann noch durch Rampen angebunden werden. Insgesamt wird so auf rund 900 Metern die Trasse der K39 höhergelegt werden.19

 

 

Dienstag, 26. Juli 1983

Pünktlich zur Wiederaufnahme des Flugbetriebs am 1. August diesen Jahres setzt heute um 15.15 Uhr die erste Maschine des neuen Einsatzmusters MRCA „Tornado“ auf der Landebahn des Fliegerhorstes Nörvenich auf. Weitere Flugzeuge dieses Typs sollen in den nächsten Tagen folgen. Gleichzeitig wird auch das amerikanische Detachment 4 den Flugbetrieb mit seinem Waffensystem A 10 wieder aufnehmen.20


Vizelandrat Jakob Dohmen vor dem neuen Tornado. Das Foto entstand anlässlich einer Vorführung vor 100 Gästen aus Politik und Wirtschaft am 12.8.1983.

(Foto: Siegburg/Kölnische Rundschau)21

Vorführung Tornados

 

 

Freitag, 29. Juli 1983

Auf der Koppel von Gut Onnau verendet ein weißes Shetland-Pony an den Folgen von Tollwut.22

 

 

Donnerstag, 4. August 1983

Die Gemeinde Merzenich profitiert von dem sich über viele Jahre erstreckende Gezerre um einen geeigneten Standort für die Fabrikationshallen der Firma Stollenwerk. Die derzeit noch in Bornheim-Waldorf produzierende „Rheinland Konservenfabrik“, bei denen die Gebrüder Stollenwerk bestimmende Mitgesellschafter sind, wird im neuen Teil des Merzenicher Gewerbegebiets bei Girbelsrath einen neuen Betrieb errichten. Auf Blatzheimer Boden hätte die größte Konservenfabrik Deutschlands entstehen können, hätte die Stadt Kerpen den Gebrüdern Stollenwerk nicht schon seit langem signalisiert, dass die Aussiedlung ihrer Konservenfabrik aus der Ortsmitte an den Ortsrand auf keinen Fall größer ausfallen dürfe, als bereits geplant ist.

Die „Rheinland Konservenfabrik“ hat heute mit drei Landwirten Grundstückskaufverhandlungen über 135.953 Quadratmeter Gelände abgeschlossen. Die weitere Planung sieht nun vor, dass mit dem Bau des Betriebes bei Girbelsrath Mitte nächsten Jahres begonnen wird. Derzeit hat der Betrieb 50 bis 60 ständige Mitarbeiter. Er produziert hauptsächlich Gemüsekonserven, aber auch - wie die Gebrüder Stollenwerk in Blatzheim - eine große Palette Obstkonserven. Im kaufmännischen Bereich arbeiten beide Firmen eng zusammen.23

 

 

Bahnhofstraße
(Foto: Siegburg/Kölnische Rundschau)

Dienstag, 9. August 1983

Wenn die Erfttalstraße hoffnungslos durch den Autobahnzubringerverkehr verstopft ist, benutzen viele Autofahrer aus dem Raum Sindorf den „Schmittenweg“ zwischen Dorsfeld und Bergerhausen als Ausweichmöglichkeit. Auch für Blatzheimer ist der asphaltierte Feldweg eine willkommene Abkürzung, um auf dem Weg in den Norden des Kreises den Umweg über Manheim zu vermeiden. Doch inzwischen wurde den Autofahrern durch ein „Durchfahrt verboten“-Schild die Abkürzung unmöglich gemacht. Die Sperrung erfolgte durch das Ordnungsamt auf Wunsch der Landwirtschaftskammer. Wer die schmale Straße dennoch befuhr riskierte ein Bußgeld. Das wiederum brachte der Stadt eine Menge Proteste ein und als sich auch die Landwirte über das neue Schild ungehalten zeigten, wurde nun der alte Zustand wieder hergestellt.24

 

 

Mittwoch, 17. August 1983

Ein Sachschaden von 10.000 Mark entstand, als heute gegen 13.10 Uhr ein 34jähriger Manheimer auf der K39 in Dorsfeld die Gewalt über sein Fahrzeug verlor. Verursacht wurde das Unglück durch einen Ladekran. In Höhe des Kilometersteins 1,8 schwenkte der auf einem Lastwagen befindliche Kran plötzlich aus, woraufhin der Kraftfahrer von der Fahrbahn abkam. Der Kran beschädigte außerdem mehrere Bäume und einen Telefonmast.25

 
 
Sonntag, 28. August 1983

Auf der Fahrt von Blatzheim in Richtung Kerpen kam heute um 19.20 Uhr am Ortsausgang Bergerhausen ein vermutlich unter Alkoholeinfluss stehender 31jähriger Autofahrer aus Pulheim in einer Linkskurve von der Fahrbahn ab, rutschte auf dem Grünstreifen und prallte auf der Gegenfahrbahn mit dem PKW eines 21jährigen zusammen. Beide Fahrer konnten nach ambulanter Behandlung das Bergheimer Krankenhaus wieder verlassen. Der Sachschaden wurde auf 14.000 Mark beziffert.26

 

 

Dienstag, 13. September 1983

Der Kerpener Rat zeigt sich entrüstet. Eigentlich hatte man heute eine Änderung des Flächennutzungsplans am Vogelsruther Weg beschließen wollen, wo zehn Hektar als Gewerbegebiet ausgewiesen werden sollten, aber daraus wurde nichts mehr. Die Stollenwerk-Brüder hatten den Blatzheimer Ratsvertreter Bernhard Ripp wissen lassen, dass nun auch die Blatzheimer Fabrik ins benachbarte Girbelsrath ziehen soll. Am Vogelsruther Weg käme gegebenenfalls eine Kistenfabrik in Betracht. Stadtdirektor Wolfgang Bell: „Herr Stollenwerk ist nicht der Ortsgewaltige.“ Bürgermeister Werner Stump nannte Stollenwerks Verhalten eine Brüskierung des Rates und SPD-Ratsherr Ferdi Wind sprach von „Kölsch Hänneschen Theater“ und verlangte ernsthaft zu prüfen, ob man für die entstandenen Planungskosten in Höhe von 240.000 Mark Schadensersatz geltend machen könne.27

 

 

Donnerstag, 22. September 1983

Ein Autodieb beschädigte um 6.45 Uhr während eines Überholvorgangs in einer Rechtskurve auf der Dürener Straße den Wagen eines 50jährigen Anstreichers. Da sich der rücksichtslose Fahrer nicht um den Schaden kümmerte, verfolgte der Geschädigte den flüchtigen Autofahrer bis nach Kerpen, verlor ihn aber aus den Augen, nachdem der Verfolgte mit ausgeschaltetem Licht entgegen einer Einbahnstraße fuhr. Die Aufregungen müssen den Flüchtigen dann aber sehr ermüdet haben, denn die Polizei entdeckte ihn auf dem Rücksitz schlafend, nachdem sie einen Hinweis aus der Bevölkerung erhalten hatte.28

 

 

Sonntag, 2. Oktober 1983

Seit dem Höherlegen des vorbeiführenden Straßendammes der Kreisstraße 39 lag die 1830 erbaute Geilrather Kapelle in einer künstlichen Senke und war von Regenwasser in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Putz fiel von den Wänden und überall trat Feuchtigkeit auf. Das alte Holztürmchen war wegen Baufälligkeit schon 1962 von Matthias Schäfer, der auch die jetzt wieder ihrer Bestimmung zugeführten Glocken in Verwahrung genommen hatte, abgetragen worden.

 

Nachdem die Geilrather ihre Kapelle in Eigenleistung renoviert und vor dem Verfall bewahrt haben, erfolgte am heutigen Erntedankfest im Rahmen einer Messe um 11 Uhr die feierliche Einweihung durch den Blatzheimer Pfarrer Helmut Johannes Smialek.

Aus der Chronik des Geilrather Hofes ist überliefert, dass die ursprünglich dem Heiligen Marzellinus geweihte Kapelle im siebten Jahrhundert vom Kölner

Einweihung

(Foto: Overbeck)/Kölnische Rundschau)

Erzbischof Kunibert gegründet und mit Kapital aus den Renten von den Höfen Blatzheim, Geilrath, Lechenich und Dorsfeld ausgestattet war. Wo sie genau gestanden hat, ist nicht überliefert. Im Jahre 1356 baute Johannes de Breidemair im Rahmen einer Stiftung die Pfarrkapelle Geilrath, der ein eigener Friedhof angeschlossen war, an der Stelle, wo jetzt die Stallungen des Gehöftes Schäfer stehen. 1830 wurde das kleine, inzwischen dem Heiligen georg geweihte Bethaus dort abgetragen und durch die heutige, an der Kreisstraße 39 gelegene Kapelle ersetzt. Um die Jahrhundertwende wurde sie von den Bürgern in Marienkapelle umgetauft. Die hellen Steinringe innerhalb der aus Feldbrandziegeln erbauten Kapelle stammen noch von der alten Pfarrkapelle.29

 

 

Sonntag, 9. Oktober 1983

Im Rahmen des Erntedankfestes des Gartenbauvereins wird Jakob Dohmen für seine 25jährige Mitgliedschaft geehrt.30

 

 

Mittwoch, 12. Oktober 1983

Der Kölner Stadtanzeiger berichtet über einen Brief, den Stadtratsmitglied Bernhard Ripp an Stadtdirektor Wolfgang Bell geschrieben hat. Bernhard Ripp möchte erreichen, dass der Schlosspark von Bergerhausen wieder ordentlich hergerichtet wird. Er weist auf eine Vereinbarung hin, die mit dem verstorbenen Baron Loë getroffen wurde. Vor allem geht es ihm darum, dass der Park mit seinem wertvollen Baumbestand der Bevölkerung zugänglich bleibt. Zudem moniert Ripp, dass die Brücke über den neffelbach fast völlig zerstört sei. Hier solle rasch Abhilfe geschaffen werden. Die Bevölkerung müsse den Wanderweg, der über den Neffelbach führt, benutzen können.31

 


 

Sonntag, 16. Oktober 1983

Einen guten Ruf unter Vogelzüchtern haben Johann Becker und sein Sohn Franz. Johann Becker ist heute Leiter einer Ausstellung der Vogelliebhaber in der Kerpener Jahnhalle und Franz Becker darf sich darüber freuen, dass sein Blauschecke nicht nur mit dem Prädikat „vorzüglich“ ausgezeichnet wird, sondern überdies als bester Wellensittich und gleichzeitig bestes Tier der Ausstellung bewertet wird.32

Foto: Axel Keldenich, Kölner Stadt-Anzeiger


 

  Anzeige aus der „Werbe-Post“ vom 2.11.1983

 

 

Anfang Dezember 1983

Christian Heinen verstirbt.33

 

 

Samstag, 10. Dezember 1983

Nachdem Bernhard Ripp sich bereits im Mai für die Wiederherstellung des Buchsbaumsmaar als Feuchtbiotop ausgesprochen hat, fordert jetzt auch der Vorsitzende des Stadtverbandes der CDU, Werner Stump, die Bewässerung und die Erhaltung der dort stehenden Stieleiche.34

Eine kleine Pyramide der Horremer Künstlerin Ulla Fritzsche-Lückerath wird zum „Stein des Anstoßes“, weil ein Unbekannter in Blatzheim unter das Bild eines Traktors „Stollenwerk - Nein danke“ geschrieben hat. Die Horremer Künstlerin hatte unter Beteiligung von Bürgern für jeden Kerpener Stadtteil eine solche Pyramide gefertigt und im Foyer des am 28. Oktober eingeweihten neuen Kerpener Rathauses ausgestellt. Nachdem es Beschwerden von Blatzheimern, unter ihnen auch die Gebrüder Stollenwerk, gegeben hatte, sann man im Rathaus auf eine Lösung und drehte die Pyramide einfach so, dass die Aufschrift nicht mehr zu lesen war. Wenige Tage später entdeckte Bürgermeister Werner Stump „durch Zufall“ einen Riss im Stein und ordnete eine sofortige Demontage der Pyramide an.35

 

 

14./15. Dezember 1983

 

Foto: M. Mallmann, Kölner Stadt-Anzeiger

 

Von Jubiläen und Jubilaren berichtet die Presse in diesen Tagen. Anni Habicht (geb. Senior) wird in der Bergheimer Kreisstelle der Landwirtschaftskammer als einzige Frau unter 28 Jubilaren für ihr 25jähriges Betriebsjubiläum bei der Firma Stollenwerk geehrt.36 Josef Brand erhält aus der Hand von Kreisdirektor Helmut Vreden das silberne Ehrenzeichen für seine 25jährige Dienstzeit bei der Freiwilligen Feuerwehr.37

 

Josef Brandt

Foto: Max, Kölner Stadt-Anzeiger

 

        

 

1  Pikart, Wilma, BILD Aachen, 14. Januar 1983, Seite 9

2  www.stadt-kerpen.de

3  Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 94/BG 15 vom 23./24.4.1983

4  Kölnische Rundschau Nr. 94 vom 23.4.1983

5  Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 93/BG 12 vom 22.4.1983

6  Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 98/BG 12 vom 28.4.1983

7Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 94/BG 15 vom 23./24.4.1983; Kölnische Rundschau Nr. 94 vom 23.4.1983

8  Informationsschrift des Jagdbombergeschwaders 31 Boelcke, 1983, S. 23

9  Kölnische Rundschau Nr. 98 vom 28.4.1983

10  Kölnische Rundschau Nr. 98 vom 28.4.1983

11Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 103/BG 14 vom 4.5.1983

12Ute Diehl wurde insbesondere bekannt durch ihren TV-Film „Die Ute ist weg“ sowie die Familiendokumentation „Die Fussbroichs“

13Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 109/BG 15 vom 11.5.1983

14Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 116/BG12 vom 20.5.1983; Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 119 vom 25.5.1983

15Werbepost vom 15.6.1983

16Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 146/BG 11 vom 28.6.1983

17Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 153/BG 12 vom 6.7.1983

18Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 161/BG 19 vom 15.7.1983; Kölnische Rundschau vom 16.7.1983 und Werbe-Post vom 20.7.1983

19Kölnische Rundschau vom 15.7.1983

20Kölnische Rundschau vom 1.8.1983

21Kölnische Rundschau vom 13.8.1983

22Kölnische Rundschau vom 30.7.1983

23Kölnische Rundschau vom 6.8.1983

24Kölnische Rundschau vom 9.8.1983

25Kölnische Rundschau vom 22.8.1983

26Kölnische Rundschau vom 30.8.1983

27Kölnische Rundschau vom 14.9.1983 und Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 214/BG 13 vom 15.9.1983

28Kölnische Rundschau vom 24.9.1983

29Kölnische Rundschau vom 3.10.1983 und Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 230/BG 19 vom 4.10.1983

30Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 235/BG 8 vom 10.10.1983

31Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 237/BG vom 12.10.1983

32Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 241/BG 7 vom 17.10.1983

33Anzeige von Elisabeth Heinen in der Werbepost vom 4.1.1984: Sechswochenamt am 14.1.1984

34vgl. Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 286/BG 14 vom 10./11.12.1983 sowie Kölnische Rundschau und Werbe-Post vom 14.12.1983

35Kölnische Rundschau vom 10.12.1983

36Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 289/BG/KL 14 vom 14.12.1983

37Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 280/BG 15 vom 15.12.1983