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1. Januar 1975 Waren wir über viele Jahrhunderte bis zum gestrigen Tag ein Ortsteil von Blatzheim mit hinlänglichen Mitgestaltungsmöglichkeiten im Gemeinderat, so sind wir ab heute nur noch ein „Stadtteil“ von Kerpen.
Fastelovend 1975 Josef
Stollenwerk und Jakob
Dohmen konnten
Ihre Stellung im Karnevalsgeschehen in den letzten Jahren weiter
ausbauen. Seine Rolle als „Jungfrau“ in der Session
1966/67 ist für “Knolle Jupp” ein Höhepunkt
gewesen aber gleichzeitig auch nur eine Episode in vielen Jahren
Zugehörigkeit zum Traditionskorps „Kölner Funken
ruut-wieß vun 1825“, in dem er rasch in eine
Spitzenfunktion aufstieg und als „Generalpossmeister“
einen (von vier) „Knubbel“ (Abteilungen) der
Funkengarde kommandiert. Mit seinem prächtigen Wagen, der
“Funkeposs” nimmt er alljährlich am Kölner
Rosenmontagszug teil. Für den Rest des Jahres steht der
Wagen dann in der weitläufigen Scheune der alten Vorburg. |
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Jakob Dohmen präsidiert
inzwischen auch außerhalb Blatzheims, nicht zuletzt auch in
der Karnevalshochburg Köln.
(Foto:
Urheber unbekannt; |
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6. April 1975 Nachdem am 27. November 1973 ein entsprechender Planfeststellungsbeschluss erfolgte, baut die Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerke AG Essen (RWE) zur Zeit an einer „110/380 KV-Hochspannungsfreileitung“. Die Leitung kommt von Oberzier her, verläuft nördlich von Blatzheim und Bergerhausen durch die Felder und nimmt östlich die Bundesstraße 264 in südlicher Richtung überquerend weiter Richtung auf Kierdorf.1 |
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23. April 1975
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9. Juni 1975 Johannes Stupp verstirbt. Seitdem steht Gut Onnau unter der Leitung von Tochter Karoline und Ehemann Joachim Lüpschen.2
2. Juli 1975 Hans-Adolf Roß belegt mit 72 Schlägen den zweiten Platz bei einem Minigolf-Turnier der Kerpener Bahnengolf-Sportvereinigung an dem 60 Hobbyspieler teilgenommen haben.
26. August 1975 Infolge der Nähe zu Bonn ist der Flugplatz Nörvenich der „Vorzeigeverband“ der Luftwaffe. Aus allen Nato-Ländern treffen hier Abordnungen ein. Prominentester Besucher ist US-Präsident Gerald Ford. Er besucht heute den Flugplatz, auf dem seit der Nato-Unterstellung vor einigen Jahren auch Amerikaner stationiert sind. Ihnen obliegt die Kontrolle der Sonderwaffen, deren Einsatz das Jagdbombergeschwader 31 Boelcke aufgrund seines Auftrages im Ernstfalle zu verantworten hat.3
26. Oktober 1975Der
Schlosspark ist Austragungsort für einen Herbstwaldlauf, den
der TV „Viktoria“ Blatzheim veranstaltet.4 |
1976Der über 160 Jahre alte Teschenhof wird abgerissen. Die letzten Bewohner, die Mitglieder der Familie Christian Graß, beziehen ein modernes Wohnhaus oberhalb des Hofgeländes nahe der Hauptstraße. Nur der frühere Kuhstall bleibt stehen. Das ganze frühere Burgareal wird eingeebnet, wobei eine große Wiesenmulde entsteht, die über den Standort der ehemaligen Scheiffartsburg hinausreicht.5 |
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Es entsteht eine Halle zur Unterbringung der landwirtschaftlichen Maschinen. Der Wiesengrund wird als Gehege einer Damwildzucht genutzt. |
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15. Juli 1976Seit heute vermietet Clemens Freiherr von Loë das Untergeschoss seines Schlosses an den 27jährigen Psychologen Dr. Hans-Werner Geßmann. Der Freiherr selbst bewohnt übergangsweise das obere Stockwerk und wird später in das Wirtschaftshaus der Vorburg ziehen. Bis zur geplanten Betriebsaufnahme am 15. September 1976 müssen noch umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt werden. Sanitäre Anlagen müssen erneuert, Heizungen eingebaut und Elektroanlagen verlegt werden. „In einem Jahr“, so schätzt der junge Psychologe, „werden wir wohl drei Viertel der gemieteten Räume nutzen können.“ |
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Von Loë war das Schloss mit seinen 45 Räumen für sich zu groß geworden. Er stand vor der Alternative, das Schloss verkommen zu lassen oder es voll im Rahmen einer Vermietung, auch wirtschaftlich, zu nutzen. „Ein Verkauf schied für mich von vornherein aus.“ Das musste von Loë auch dem an einem Kauf interessierten Bauunternehmer und „Burgenkönig“ Herbert Hillebrand sagen.6 |
August 1976In diesen Tagen entstand auf der oberhalb des Burggeländes im Park gelegenen Wiese ein Holzpavillion. Nun säumen Bundeswehrzelte das Areal. Nach 18 Jahren einmal wieder ein zerstörerisch wirkendes Manöver in unserem schönen Park? Nein, Gemeinschaftsspiele, Basteln und Malen, Schaukeln im Autoreifen am Baum und Nachtwanderungen stehen auf dem Programm eines Kinderferienzeltlagers, das die Stadt Kerpen in den Sommerferien auf der Wiese im Schlosspark veranstaltet. Für das Essen sorgt die Bundeswehr, amerikanische Soldaten organisieren Grillabende, die Feuerwehr demonstriert ihre technischen Einrichtungen und die Kölnische Rundschau titelte „Begeisterung im Zeltlager Bergerhausen kennt keine Grenzen“.7 |
(Foto: Walter K. Schulz/Kölnische Rundschau) |
1977Nachdem die vorausgegangenen Innenrenovierungen etwas länger gedauert haben, als ursprünglich geplant war, zieht im Juni das Institut mit Pädagogen, Psychotherapeuten und einer Schar junger Mädchen, welche in der Burg eine Heimat finden sollen, ein.8 Dr. Hans-Werner Geßmann leitet ein Psychotherapeutisches Institut, das als „Psychotherapeutisches Institut Burg Bergerhausen e.V.“ firmiert. Vereinssitz ist Duisburg. Das Psychotherapeutische Zentrum in Bergerhausen wird von der 32jährigen Diplom-Psychologin Irmtraud Brückmann geleitet, während die Verwaltung und die Abteilung „Psychodrama“ von der Kölner Professorin Dr. Shearon geführt wird. Das Institut beschreibt sich als stationäre Jugendhilfeeinrichtung, die sich als therapeutisch orientiertes Schulmädchenheim versteht. Aufgenommen werden „Kinder und Jugendliche weiblichen Geschlechts ..., bei denen aufgrund ihrer bisherigen Entwicklung und ihrer Verhaltensauffälligkeiten Freiwillige Erziehungshilfe gewährt oder Fürsorgeerziehung angeordnet wurde. Auch die Unterbringung zur Beobachtung gemäß § 66 des Jugendwohlfahrtsgesetzes ist möglich.“9 Die Einrichtung wird bis Ende der 80er Jahre bestehen und dann aufgelöst. In den ersten Wochen kommt es zu gelegentlichen Konflikten mit einigen recht rabiat auftretenden jungen Damen. Danach erfolgt eine Umschichtung in der Belegung und es tritt wieder eine relative Ruhe ein, wobei allerdings nicht übersehen werden darf, daß die Anwesenheit von jungen Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren auf die männliche Jugend der Umgebung eine geradezu magnetische Anziehungskraft ausübt. Die Mauern der früheren Neffelbachbrücke am Eingang des Parks werden zu einem beliebten Treffpunkt. In dem einen oder anderen Fall beginnen hier lebenslängliche Verbindungen und mindestens in einem Fall wird so eine neue Bergerhausener Familie gegründet. |
September 1977Mit Protesten von zumeist erst in den letzten Jahren nach Blatzheim zugezogenen Bürgern aus dem Wohngebiet Buirer Weg und Golzheimer Weg sehen sich Josef und Willi Stollenwerk konfrontiert. Nachdem die Klärung der Abwässer bereits seit drei Jahren als Problem offenbar ist, hat sich jetzt eine „Interessengemeinschaft (IG) Bauvorhaben Sollenwerk“ gebildet, die sich gegen Überlegungen, die Fabrikation aus der Ortsmitte in den Bereich der bestehenden Lagerhallen an der Gartenstraße zu verlegen, formiert hat. |
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(Fotos:
Dieter Klein/Kölner Stadt-Anzeiger) |
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„Die Fabrik ist auf die Landwirtschaft angewiesen und nicht umgekehrt. Da wir aber eine eigene Kläranlage in der Nähe der neuen Lagerhallen bauen müssen, ein betriebseigenes Projekt mit einem Kostenaufwand von über zwei Millionen Mark, sind wir gezwungen, auch unsere Produktion dorthin zu verlegen“, zitiert der Kölner Stadtanzeiger die Betriebsinhaber. „Wir werden diese Kläranlage aber nicht bauen, wenn wir dort keine Genehmigung für den Neubau unserer Produktionsanlagen erhalten. Dann kann Blatzheim die Konservenfabrik Stollenwerk vergessen.“10 |
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22. Oktober 1977
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27. Juli 1978Um die Abwasserproblematik und die Standortfrage ist in den letzten Monaten ein Gerangel entstanden, bei dem nur noch schwer durchschaubar ist, wer an der entstandenen Misere schuld ist. Stadt Kerpen, Erftkreis sowie der Regierungspräsident und natürlich die Vertreter der verschiedenen politischen Parteien beziehen einmal für und einmal gegen die Interessen der Bergerhausener Unternehmer Position. Die Blatzheimer Bürgerinitiative wendet sich in einem Flugblatt an die Einwohner von Blatzheim und Bergerhausen, in dem sie sich gegen eine Ansiedlung der Produktionsstätten im Blatzheimer Nordwesten, aber für eine Ansiedlung im Bereich der dort bereits betriebenen Kläranlage südlich von Bergerhausen ausspricht.11 Die Stollenwerk-Brüder haben deshalb heute namhafte Vertreter aus Politik und Verwaltung zu einer Pressekonferenz in ihren Betrieb eingeladen. Sie beklagen die mittlerweile eingetretene Rufschädigung, bei der einige Kunden bei Kontraktabschlüssen bereits Bedenken hinsichtlich der Lieferzuverlässigkeit geäußert hätten und stellen die Vorteile einer Betriebsverlagerung nördlich des Vogelsruther Weges für den Ort und das Unternehmen dar. |
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Bei dieser Gelegenheit werden auch einige interessante Unternehmensdaten veröffentlicht: „Die Firma J. & W. Stollenwerk OHG beschäftigt zur Zeit ca. 240 Personen. Der Umsatz betrug 1977 mehr als 22 Mio. DM. Von Einkäufen für Rohware und Verpackung etc. abgesehen, werden jährlich von der Firma Stollenwerk im hiesigen Raum an Kosten für Personal, Unterhalt und Betrieb von Kraftfahrzeugen, sowie Instandhaltung, Werbung, Provisionen etc. ca. 5 Mio. DM verausgabt. Zusätzlich investierte die Firma Stollenwerk 1977 ca. 5,2 Mio. DM.“ |
9. Juni 1979Heute verstarb die am 5. Januar 1901 als Barbara Beusch geborene Barbara Dickmann. Aus ihrer Ehe mit Josef Dickmann entstammen Sohn Willi, der eine Landwirtschaft in Dorsfeld betreibt, und Tochter Susanne, die mit dem Baustoffhändler Gustav Gillessen verheiratet ist. |
Herbst 1979Nicht nur die Sauerkonserven der Bergerhausener Gebrüder Stollenwerk sind ein typisches Produkt unseres Dorfes sondern auch und gerade das wohlschmeckende "Heinzelmännchens Sauerkraut" aus der Produktion der Familie Weiers vom Gürtzenich-Hof. Auf dem nebenstehenden Foto sehen wir Margarete Titze in der Sauerkrautfabrik beim Schneiden der Kohlköpfe. |
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Bei der Kommunalwahl am 30. September 1979 war Jakob Dohmen mit 69,37 % der gültigen Stimmen in den Kreistag Gewählt worden. Vom Kreistag wurde er zum stellvertretenden Landrat gewählt.12 |
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18. Dezember 1979In der heutigen Ratssitzung der Stadt Kerpen wurde unter anderem der Bezirksausschuss Blatzheim/Buir/Manheim gewählt. Einziges Mitglied aus Bergerhausen ist Clemens Freiherr von Loë. Vorsitzender des Ausschusses wurde Bernhard Ripp (Blatzheim). Die Bezirksausschüsse sollen eine "bürgernahe Politik" gewährleisten. Nach aktuellem Ratsbeschluss wurden die Zuständigkeiten dieser Ausschüsse erweitert um Entscheidungsbefugnis für die Pflege des Ortsbildes, die Ausgestaltung von Grün- und Parkanlagen, die Betreuung und Unterstützung örtlicher Vereine sowie ein Anhörungsrecht bei allen wichtigen Angelegenheiten, die den jeweiligen Stadtbezirk berühren.13 |
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22. Dezember 1979Anzeigen
aus der Festschrift 50 Jahre Gartenbauverein Blatzheim: |
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1vgl. Schreiben des Regierungspräsidenten Köln vom 8.2.1974 Sammlung Jakob Dohmen 2Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Höfe und Güter in Kerpen, Kerpen 1990, S. 70; Amtsgericht Kerpen, Grund- und Landwirtschaftsakten 3Kölnische Rundschau vom 10.2.1962 4Kölner Stadt-Anzeiger, 22.10.1975 5Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 261 6Kölnische Rundschau, Erftkreis/Bergheim, 7.8.1976 und 20.8.1976 7Kölnische Rundschau, Erftkreis/Bergheim, 20.8.1976 8vgl. Clemens Freiherr von Loë, Chronik der Burg Bergerhausen, Festschrift 5 Jahre Burg Bergerhausen, Psychotherapeutisches Institut Berg Bergerhausen e.V. 1982 9Böhnack, Michael, Psychotherapeutisches Institut Burg Bergerhausen e.V. – Stationäre Jugendeinrichtung, Festschrift 5 Jahre Burg Bergerhausen, 1982 10Kölner Stadt-Anzeiger, 23. und 29.9.1977 mit Fotos von Dieter Klein 11Flugblatt „Ganz Blatzheim ist durch Gestank bedroht!“ vom 23.2.1978, Sammlung Jakob Dohmen 12Mitteilungsblatt der CDU Blatzheim, Dezember 1979, Seite 2 13Mitteilungsblatt der CDU Blatzheim, Dezember 1979, Seite 3 |