Dorfchronik Bergerhausen - 1958 bis 1960

 

 

17. Januar 1958

Die Ländereien der im Dreieck zwischen Dorsfeld, Geilrath und Bergerhausen liegenden Flur „Auf der Heide“ befinden sich im Besitz der Gemeinde Blatzheim und sind an mehrere Landwirte verpachtet. Nachdem die letzte katasteramtliche Vermessung im Jahre 1826 stattgefunden hat und inzwischen Unstimmigkeiten in der Größe der verpachteten Parzellen festgestellt worden sind, beschließt der Gemeinderat, einen Landvermesser mit der Neuvermessung zu beauftragen. Dabei soll eine Einteilung in 1 ha große Parzellen vorgenommen und in Stein gesetzt werden, damit nach Ablauf der Pachtverhältnisse im Herbst dieses Jahres eine ordnungsmäßige Neuverpachtung erfolgen kann.

Das „Rheinische Heim“ in Bonn hat gegenüber der Gemeinde ihr Interesse bekundet, in unmittelbarer Nachbarschaft der Blatzheimer Heide, gegenüber Hof Hons in Dorsfeld, 9 Nebenerwerbssiedlungen anzusiedeln.

Michael Bulig aus Dorsfeld wird als stellvertretender Schiedsmann der Gemeinde wiedergewählt.

Zwischen der Amtsverwaltung und dem Erftverband wird darüber verhandelt, dem Verband die Unterhaltung und Pflege des Neffelbachs zu übertragen.1


20. Januar 1958

Das am 1.9.1957 gegründete2 Jagdbombergeschwader 31 wird von Büchel/NL nach Nörvenich verlegt. Von nun an trägt die vom Flugplatz verursachte Geräuschkulisse den Namen F-84 F. Den Aufbau leitet Kommodore Major Gerhard Barkhorn. Barkhorn ist ein Veteran aus dem zweiten Weltkrieg, der als Flieger-As gilt. Auf sein Konto gehen 301 Abschüsse.3

 

 

16. Februar 1958

Bergerhausener Narrenschiff beim Karnevalsumzug vor dem Hause Breuer in Blatzheim.

Im Matrosenhemd sehen wir Oskar John, der auch das Foto zur Verfügung stellte.

Wer sind die anderen?


 

21. März 1958

Zur Verbesserung der Stromversorgung von Bergerhausen beabsichtigen die Kreiswerke den Bau einer Transformatorenstation (Maststation) auf einer dem Landwirt Voiß aus Kerpen gehörenden Parzelle. Den Kreiswerken wird im Falle einer späteren Bebauung der Grundfläche die Nutzung eines dort befindlichen Grabens für eine Zufahrt zu der Station zugesichert. (Es handelt sich um eine freie Parzelle auf der der Einmündung der Alten Straße gegenüberliegenden Fläche jenseits der Hauptstraße.)4


April 1958

Es ist Krieg in Bergerhausen - nein, glücklicherweise nicht wirklich, aber aus der Sicht eines Kindes ist es erschreckend zu sehen, dass im Schlosspark Soldaten kampieren und mit Lastwagen und Panzern die Anlagen zerstören. Das in der Kaserne Hellersen/Lüdenscheid stationierte britische Batallion 1 Bn ORD führt dort ein Manöver durch.5


1. August 1958

Auch diesmal werden Kaspar Dohmen, Johann Senior und Michael Bulig für die neue Amtszeit der Schöffen und Geschworenen vom 1.1.1959 bis 31.12.1960 benannt.6


22. August (1958?)

Annegitt von Loë, mittlerweile mit ihrem Ehemann Richard Graf Preysing in Velden-Vilz wohnhaft, verkauft den Giffelsberger Hof an Leo Freiherr von Diergardt zu Schloß Roland. Seitdem wird das Gut von einem Verwalter der Diergardts bewirtschaftet, bis in die 90er Jahre von der Familie Heinrich Henschel, ab 1998 von Sohn Jörg Henschel. 7


31. August 1958

Nach einigen vorbereitenden Freundschaftsspielen tritt der SC Bergerhausen heute zum ersten Meisterschaftsspiel in der 3. Kreisklasse Bergheim-Süd an. Der Gegner, Ahe, gewinnt das Spiel mit 4 zu 0 Toren. Dieses Ergebnis sollte für die nächsten Jahre kennzeichnend für den Erfolg der Mannschaft bleiben. Doch das tut der Freude an der Sache keinen wesentlichen Abbruch.8


15. September 1958

Der „Schmitte-Weg“ soll auf einer Länge von 300 Metern eine Teersplittdecke erhalten und im weiteren Verlauf die Schlaglöcher ausgebessert werden.

Die Straße in „der Siedlung“ (Hubertusstraße) wird befestigt. Nun sollen dort auch zwei Kandelaberleuchten angebracht werden.

Die Brennstelle Höhe Zaudig soll mit neuen Leuchtkörpern versehen werden. Dazu vermerkt das Protokoll: „Die im Haushaltsplan 1958 vorgesehenen Mittel für Straßenbeleuchtung sind mit diesen Maßnahmen erschöpft, so dass weitere Wünsche der Bevölkerung bis zum nächsten Rechnungsjahr zurückgestellt werden müssen.“

Der Gemeinderat beauftragt die Verwaltung, die gegenüber der Einmündung „Alte Straße“ gelegene Wiese anzupachten, weil diese sich als Kinderspielplatz eignet.9

Auf dieser Wiese stand zuvor eine große Backsteinscheune, die vor kurzem einem Feuer zum Opfer gefallen war10 und daraufhin abgebrochen werden mußte. Die Scheune und die umgebende Freifläche hatten durchaus prägenden Charakter für diesen Teil unseres Dorfes, das damit um ein Stück ländlichen Charmes ärmer geworden ist.


24. Oktober 1958

Wie im Zusammenhang mit der Wahl des Bürgermeisters im Jahre 1956 vereinbart, legt Johann Senior in der heutigen Sitzung des Gemeinderates sein Amt als Bürgermeister nieder.

Unter dem Vorsitz des ältesten Gemeinderatsmitglieds, Michael Bulig, finden Neuwahlen statt, bei denen Jakob Dohmen, der zwölf Tage zuvor seinen 32. Geburtstag feiern konnte, mit 7 Stimmen bei einer Stimmenthaltung zum Bürgermeister und Johann Senior mit 8 Stimmen zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt wird. Zu diesem Zeitpunkt ahnt niemand, dass mit Jakob Dohmen der letzte Bürgermeister in der jahrhundertealten Geschichte der Gemeinde Blatzheim, dem vormaligen Gerichtsbezirk Blatzheim, sein Amt antritt.


8. Dezember 1958

Die Bundesrepublik Deutschland kauft der Gemeinde die auf dem Flugplatzgelände liegenden gemeindeeigenen Flächen ab. Es handelt sich um ein Einzelgrundstück von 12.500 qm, sowie 9.499 qm an Wegen und Gräben, die im landwirtschaftlichen Gebiet und 5.467 qm an Wassergräben, die im forstwirtschaftlichen Gebiet liegen. Die Einzelfläche wird zu einem Hektarpreis von 15.000 DM die Wege und Gräben zu einem Hektarpreis von 6.000 DM und die Wassergräben im forstwirtschaftlichen Gebiet zu einem Hektarpreis von 1.900 DM veräußert. Hinzugerechnet werden 5 Pozent Zinsen für die Zeit vom 6.5.1955 bis 5.11.1958, so dass die Gemeinde insgesamt einen Gesamtpreis von 29.948,55 DM erzielt.11

Der größte Flächenanteil des nun ausschließlich im Besitz des Bundes befindlichen Flugplatzgeländes entfällt indes auf Ländereien der Bergerhausener Burg, die sich im Besitz der Freiherr von Loë’schen Forstverwaltung befanden.


15. Januar 1959

In der Gaststätte Kreutz findet eine Besprechung statt, an der Vertreter des Erftverbandes, Vertreter von Amt und Gemeinde sowie die Eigentümer der Mühlengräben, Bergerhausen, Peters und von Loë teilnehmen. Man wird sich einig, dass die Gemeinde die Unterhaltung des Neffelbachs gegen Übernahme des Arbeitslohns für einen Arbeiter (einschließlich aller Soziallasten und Zulagen wird die Summe von 8.000 DM genannt) jährlich dem Erftverband übertragen wird. Die Eigentümer sollen in entsprechender Höhe – umgerechnet 1,08 DM je Meter Bachlauf – an den Kosten beteiligt werden. Freiherr von Loë erwog daraufhin, auf seine Wasserrechte zu verzichten. Da er dann aber auch sein Eigentumsrechte aufgeben und obendrein noch für die Dauer von zwanzig Jahren für die Unterhaltungskosten aufzukommen gehabt hätte, entschloß der Freiherr sich dazu, unter der Aufsicht des Erftverbandes weiterhin mit eigenen Arbeitskräften den in seinem Besitz befindlichen Bachlauf zu unterhalten.12


März 1959

Clemens Freiherr von Loë hat mit Erfolg die Landwirtschaftsmeisterprüfung abgelegt.13

 


Hauptstraße Nr. 8 (Steingaß), Nr. 6 (Jülich/Walzel) und Nr. 5 (Fischer, Krümmelshof) im April 1959  Foto: Jakob Dohmen


20. März 1959

Neben dem Grundstück Hauptstraße 43 verläuft ein gemeindeeigener Graben. Der Anlieger, Johann Bremer, hat diesen noch als Kanalisation dienenden, früher offenen Graben, im Jahre 1941 verrohrt. Bremer konnte jetzt mit der Gemeinde vereinbaren, dass ihm dieses 2,28 ar große Grundstück unentgeltlich übertragen wird, wobei der Gemeinde ein Nutzungsrecht an der in dem Grundstück befindlichen Kanalisation verbleibt.14
 

 

Weißer Sonntag 1959

„Das ist der schönste Tag in deinem Leben“ oder auch „Bleibe wie du heute bist, der Himmel Dir dann sicher ist“ - so und so ähnlich steht es auf den Schildern, über den mit Girlanden geschmückten Haustüren, der Erstkommunikanten. Im Alter von 8 bis 9 Jahren dürfen die katholischen Kinder nach vorausgegangenem „Kommunionsuntericht“ zum ersten Mal am Abendmahl, der Kommunion, teilnehmen. In unserer Region geschieht dies am ersten Sonntag nach Ostern, dem „Weißen Sonntag“. Die Mädchen - „Engelchen“ genannt - tragen an diesem Tag weiße Kleidchen und einen weißen Blütenkranz im Haar, die Jungen einen festlichen, meistens schwarzen Anzug und eine Mütze dazu.


„Kommunionspaar“ Franz-Peter Dohmen und Hans-Adolf Roß
.


Küchendienst am Weißen Sonntag - Foto: Jakob Dohmen, 1959
v.l.n.r.: Brigitte Müller (Cousine aus Lohmar), Agnes Ebert geb. Dohmen, Hiltrud Dohmen

Meine modebewußte Mutter hatte einen schicken blauen, frackartigen Anzug für mich ausgewählt. Damit fiel mein Anzug sowohl vom Schnitt als auch farblich etwas aus dem im Dorf üblichen Rahmen. Ein „normaler“ Anzug, wie ihn die anderen trugen, wäre mir allerdings damals lieber gewesen.
Hochzeit und Erstkommunion das waren –und sind auch heute noch - die großen Familienfeste, die von langer Hand vorbereitet und mit großem Aufwand gefeiert werden. Und obwohl das Kommunionkind im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht, ist es in erster Linie ein Fest der Erwachsenen. Dennoch war es für mich ein wirklich großer Tag, denn ich glaubte damals noch fest an die katholische Lehre, wonach der Leib Jesu „wirklich“ in der Hostie gegenwärtig ist und er - Gott selbst - nun in meinen Körper eingezogen war.


Donnerstag, 30. April 1959

Der Gemeindebote Engelbert Pingen verstirbt an den Folgen der Verletzungen, die er bei einem Verkehrsunfall am vorangegangenen Montag erlitten hat. Aus dem Totenzettel:
 


(Ausschnitt eines Fotos aus dem Besitz von Michael Pingen)
 

Der Verstorbene erblickte am 23. März 1914 in Bergerhausen als Sohn der Eheleute Schmiedemeister Heinrich Pingen und Anna Maria geb. Köln das Licht der Welt. Nach der Schulentlassung war er zunächst in der Landwirtschaft tätig. 1935 wurde er Soldat der Infanterie in Hamburg-Altona. Im zweiten Weltkrieg kämpfte er zuerst in Frankreich, dann in Rußland. Hier wurde er 1941 schwer verwundet. Zwei Jahre war er im Kriegslazarett und geriet dann in franz. Gefangenschaft. Erst 1945 konnte er in die Heimat zurückkehren. Hier war er in der Gemeinde tätig und wurde als Gemeindebote angestellt.

Am 27. Juli 1947 schloß er den Ehebund mit Maria Müller aus Bergisch-Gladbach. Gott segnete diesen Bund mit 2 Kindern. Als Gemeindebote war er hilfsbereit und wurde allgemein sehr geschätzt. Schmerzlich war für die Seinigen und die ganze Gemeinde die Nachricht, dass er bei Ausübung seines Amtes am Montag, dem 27. April 1959 nachmittags gegen 16.30 Uhr auf der Straße schwer verletzt wurde.

Sehr groß war dabei der Blutverlust. Im Krankenhaus in Kerpen empfing er die hl. Sterbesakramente und entschlief am Donnerstag, dem 30. April gegen 13.20 Uhr im Herrn.

Um den teuern Verstorbenen trauern in großem Schmerz, seine Gattin mit ihren zwei noch jungen Kindern, seine Schwiegereltern, 3 Brüder, 1 Schwester, 3 Schwägerinnen, 1 Schwager, alle Verwandten und die Gemeinde.

Wie die leibliche Mutter ihm an der Wiege sein trautes Schlummerlied sang, so singt ihm die geistige Mutter am Sarge ein heiliges Trostlied. Sie wünscht ihm nach den Mühen, Plagen, Arbeiten und Sorgen des Lebens die ewige Ruhe und ihrem Sohne, der hienieden dem Licht des Glaubens folgte, das leuchtende Antlitz des verklärten Christus in der ewigen Heimat.
 


Müssen nun ohne Vater aufwachsen: Der zweijährige Michael (links) und der zehnjährige Klaus (rechts), die Söhne von Engelbert Pingen.
(Foto - 1959 - aus dem Besitz von Michael Pingen jun.)

 

Juni 1959

Ein Tag der offenen Tür lockt 250.000 Menschen auf den Flugplatz.15 Schon früh am Morgen staut sich der Besucherverkehr von der Zufahrt zwischen Niederbolheim und Oberbolheim bis zurück nach Bergerhausen.


Foto aus dem Besitz von Karl-Hans Brandt; links im Bild: Michael Pingen sen.

 

2. Juli 1959

Der Kölner Stadtanzeiger bringt folgenden bemerkenswerten Brief eines Lesers mit den Initialien D.E.B.:
Bergerhausen - Die 480 Einwohner16 unseres Ortes gehören zur politischen Gemeinde Blatzheim. Von den 135 Kindern sind 52 schulpflichtig und besuchen die Volksschule in Blatzheim. Der Schulweg beträgt 1,8 km und führt größtenteils über die B 264. Dieser gefahrvolle Weg hat den Eltern seit eh und je große Sorgen bereitet.
Da in Blatzheim außer der Schule auch der Kindergarten, der Sportplatz und das Jugendheim sind, ist es nur zu verständlich, dass die Bergerhausener Kinder sich nur zu gern aufhalten. Das erhöht nun die Sorgen der Eltern, denn es kommt oft vor, dass die Kinder nach Schulschluß die wartende Mutter und das Mittagessen vergessen, um auf dem Sportplatz zu spielen.


3 von 135 Bergerhausener Kinder im "Jahrhundertsommer" 1959: Joachim, Thomas und Klaus Horst aus der "Alten Straße"
(Foto vom 08.08.1959, Charlotte Horst)

Nun stehen die großen Ferien bevor. Wo sollen dann die Kinder ihre Spiele, ihren Sport betreiben? Der Bergerhausener Schloßpark steht unter Naturschutz, die Wiesen der Landwirte sind in diesem Jahr so ausgetrocknet, dass auch hier das Spielen untersagt werden muß.
„Alles ist verboten, und das war in Bergerhausen seit Jahren so“, sagen die Eltern. Einige wandten sich an die Mitglieder des Gemeinderats, sich dafür einzusetzen, dass für die Schulkinder in Bergerhausen wenigstens eine Schulklasse und ein Spielplatz geschaffen würde. „Woher soll die arme Gemeinde Blatzheim das Geld für diesen Zweck nehmen?“ konterten die Räte.
Nun beschloß der Gemeinderat Blatzheim schon vor einem Jahr einstimmig, für Bergerhausen und für Niederbolheim, das mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat und viel weiter von Blatzheim entfernt liegt, je einen Kinderspielplatz einzurichten und zu unterhalten, nur fehlte geeignetes Land.

Ein Versuch, dieses Gelände im Austausch mit Landwirten zu erhalten, scheiterte an deren Forderung, im Werte 1:5 zu tauschen.
Das kann der Gemeinderat natürlich nicht verantworten, und deshalb ist über die Sache Gras gewachsen. Die Bevölkerung von Bergerhausen war immer stolz darauf, im Gemeinderat drei Vertreter zu haben und seit 12 Jahren sogar den Bürgermeister zu stellen. Deshalb verstehen sie umso weniger, dass für die Kinder nichts getan werden kann. Sie hoffen, dass der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung das Problem erneut aufgreift.


Elisabeth Senior

 

16. August 1959

Elisabeth Senior
heiratet in
St. Kunibert
Blatzheim

 

Fotos aus dem Besitz von Marlene Kochs, geb. Senior


21. August 1959

Der Gemeinderat beschließt, das 600 Meter langen Teilstück von Hof Hons bis zum „Grünen Weg“ des Weges von Blatzheim nach Geilrath auszubauen. Außerdem soll das aus einer Schotteroberfläche bestehende Zwischenstück des Weges von Bergerhausen nach Forsthaus Bergerbusch ausgebessert und einer Oberflächenbehandlung unterzogen werden.17

 

12. November 1959

Das Haus Hauptstraße 48 wird von den Bergerhausenern „de Villa“ genannt. Es handelt sich nicht wirklich um eine Villa, aber gemessen an den bescheideneren älteren Häusern ist es ein Haus der gehobenen Art. Die Eigentümerin, eine alleinstehende Frau, gab aufgrund von „Herrenbekanntschaften“ und einem gehobenen Lebensstil Anlaß für mancherlei Spekulationen. Die Besitzerin der „Villa“ muß einen sozialen Abstieg erlebt haben, denn im Protokoll der heutigen Sitzung des Gemeinderates findet man ihren Namen unter vier Obdachlosen, die in eine von vier neuerbauten Notunterkünften am Buirer Weg in Blatzheim eingewiesen werden sollen.18




Foto: Sammlung Cilly Zaudig

 

1. Dezember 1959

Dichter Nebel liegt über der Autobahn 4, als Amtsdirektor Schweren das neue 8,3 Kilometer lange Teilstück Buir-Kerpen für den Verkehr frei gibt.19 Für den Verkehr in Bergerhausen ist dieses Autobahnteilstück von Vorteil, denn nun kann der von Köln kommende Verkehr in Richtung Düren und Aachen ab Kerpen die Autobahn benutzen. Die wichtige Anbindung Kerpen-Köln, die dann Aachen direkt mit Köln verbindet, wird erst in einigen Jahren fertiggestellt.


Februar 1960

Walter Freiherr von Loë wird zum Vorsitzenden des Kreisgartenbauvereins gewählt.20


26. Februar 1960

Die von Diergardt’sche Gutsverwaltung hat die Beteiligung der Gemeinde bei der Befestigung des offenen Wassergraben entlang der Hauptstraße am Krümmelshof beantragt. Die Gemeinde erklärt sich bereit, durch die Gemeindearbeiter Sohlschalen oder besser noch Rohre verlegen zu lassen, wenn die Diergardt’sche Verwaltung das benötigte Material liefert. Der Gemeindevertretung ist dabei auch an einer Verbesserung der Gehwegverhältnisse gelegen.21

Zu dieser Zeit führt am Krümmelshof nur ein sehr schmaler Fußpfad direkt an der Bürgersteigkante vorbei. Von dieser Kante fällt dann unmittelbar die Grabenböschung ab. Die Gebäude des Hofes liegen unterhalb des Straßenniveaus.


ca. März 1960

Die beiden nebeneinander gelegten Fotos vermitteln uns einen Eindruck von der Häuserzeile Hauptstraße 40 (links) bis 34 (rechts) zwischen Alte Straße und Esso-Tankstelle mit der nach dem Krieg nur notdürftig aufgebauten Gärtnerei Rockstroh in der Bild-Mitte)

(Fotos: Sammlung Cilly Zaudig; die Fotos zeigen im übrigen die Kinder Peter, Willi und Johannes Zaudig mit ihrer Mutter Cilly)


 

20. Mai 1960

Johann Färber von den Clemenshöfen wird als Schiedsmann für den Schiedsmannsbezirk Blatzheim wiedergewählt. Für die Vorschlagsliste zur Wahl der Schöffen und Geschworenen sind für die Jahre 1961/62 aus dem Raum Bergerhausen Kaspar Dohmen, Clemens von Loë und Johann Senior aus Bergerhausen sowie Michael Bulig aus Dorsfeld vorgesehen.

Recht unkompliziert verläuft in jener Zeit die Müllentsorgung. Wenn in Bergerhausen Müll anfällt, der nicht in die „Aschentonnen“ passt, bringt man ihn mit dem Handkarren zur Kiesgrube in Dorsfeld, südlich gegenüber dem Hof Hons. Der Gemeinderat beschließt, dass auch das Müllabfuhrunternehmen Wagner innerhalb der Gemeinde nur noch die Dorsfelder Grube benutzen soll.22

 

        
 

1Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 17.1.1958

2Kölnische Rundschau Nr. 98 vom 28.4.1983

3vgl. Informationsschrift des Jagdbombergeschwaders 31 Boelcke, 1983, S. 19

4Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 21.3.1958

5Dankschreiben des Commanders vom 30.4.1958, Archiv Jakob Dohmen

6Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 1.8.1958

7Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Höfe und Güter in Kerpen, Kerpen 1990, S. 79

8vgl. Festschrift des SC Bergerhausen zum 25jährigen Bestehen im Jahre 1982

9Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 15.9.1958

10vgl. auch Jacobi, Klaus, Festschrift 70 Jahre Freiwillige Feuerwehr Blatzheim, 1970, S. 37: Scheunenbrand Grass, 1958

11Sitzungsprotokolle der Gemeindevertretung Blatzheim vom 15.9.1958 und 8.12.1958

12Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 19.1.1959

13Archiv Jakob Dohmen, Dankschreiben vom 24.3.1959

14Sitzungsprotokolle der Gemeindevertretung Blatzheim vom 19.1.1959 und 20.3.1959

15Informationsschrift des Jagdbombergeschwaders 31 Boelcke, 1983, S. 19

16Der Verfasser des Leserbriefes hat vermutlich die Bewohner der Blatzheim zugerechneten Bundesstraße mitgezählt.

17Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 21.8.1959

18Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 12.11.1959

19Kölnische Rundschau vom 1.12.1989

20Archiv Jakob Dohmen, Gratulationsschreiben vom 22.2.1960

21Sitzungsprotokolle der Gemeindevertretung Blatzheim vom 22.12.1959 und 26.2.1960

22Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 20.5.1960