Dorfchronik Bergerhausen - 1955 bis 1957

 

 

  Winter 1954/55

Der kleine Michael, Sohn des Gärtners Josef Schneppenheim, führt den "ersten Spatenstich" zur Anlage einer Apfelplantage aus, die entlang des Südrandes des Schloßparks, gleich westlich der Gewächshäuser der von Loe'schen Gartenverwaltung, angelegt wird. Gepflanzt werden niedrigstämmige Formobstbäume ("Spalierobst").


Foto aus dem Besitz von Michael Schneppenheim

 

Samstag, 12. Februar 1955

Die katholische Kirche feiert das Jahr des Hl. Ulrich und so wird auch der heute geborene zweite Sohn von Jakob Dohmen auf den Namen Ulrich getauft.

Haus Hauptstraße 17
Dieses von dem Blatzheimer Johann Reuter in den 20er Jahren entworfene und 1930 um den Torflügel erweiterte Zwerchhaus gehörte den Eheleuten Andreas Müller. Nach dem Tode Müllers im Jahre 1955 kam es in den Besitz der Eheleute Kaspar Dohmen und Maria Sibylla Berger (vgl. Personenfoto unter 1948).
Rechts im Bild das alte Geschäftshaus der Bäckerei Peter Pingen.


Foto: Sammlung Franz-Peter Dohmen


 

Donnerstag, 10. März 1955

Bernhard Cremer wird als Vorsitzender des Kirchenchores „Cäcilia“ Blatzheim wiedergewählt.1

 

Dienstag, 10. Mai 1955

In der Gemeinde Blatzheim soll eine „staubfreie Müllabfuhr“ eingeführt werden.2 Bisher werden die Mülleimer in einen offenen Pferdewagen gekippt. Dass es dabei heftig staubt, liegt vor allem daran, dass der Inhalt der Mülltonnen vorwiegend aus Asche besteht. Fast alle Bewohner unseres Dorfes benutzen Öfen und Küchenherde, in denen Braunkohlebriketts verbrannt werden. Verpackungs- und sonstigen „Wohlstandsmüll“ gibt es in jenen Tagen noch so gut wie gar nicht. Alles was brennt, wird in den Öfen verbrannt und für größere Sachen wird ein Feuer im Garten entfacht. Alles was sonst so anfällt wird mittels Handkarren in die inzwischen stillgelegte Kiesgrube bei Dorsfeld verbracht.

Wegen der vorrangigen Nutzung der Mülltonnen werde diese Behältnisse allgemein als „Aischetonne“ (Aschetonnen) bezeichnet. Der Blatzheimer Fuhrunternehmer Georg Drexelius, der mit seinem Pferd „Mara“ die Müllabfuhr durchführt (und daneben den örtlichen Leichenwagen betreibt), wird folgerichtig „Aische Schösch“ genannt.

Nun droht dieser für „Schöschs“ Unternehmen wichtige Bereich wegzufallen. Aber Schösch denkt zukunftsorientiert und hat schon Neues im Sinn. Er bietet der Gemeinde an, ihm ein der Gemeinde gehörendes Grundstück am Buirer Weg zu verkaufen. Dort will er ein Behelfswohnheim und eine Hühnerfarm errichten.3

Für Behelfswohnheime herrscht großer Bedarf in diesen Jahren. Zehn Jahre nach Ende des verheerenden 2. Weltkrieges, herrscht immer noch große Wohnungsnot. Diese allgemeine Wohnungsnot wird verschärft, durch große Flüchtlingsbewegungen aus der „Ostzone“, also des sowjetisch besetzten Mitteldeutschlands und des jetzt unter polnischer Verwaltung stehenden Osten Deutschlands.

Auch in Bergerhausen gibt es solche Behelfswohnungen. Sie befinden sich auf dem Gelände hinter dem Wegkreuz in Höhe der Zufahrt zum Gutshof der Burg an der in Richtung Clemenshöfe und Onnau führenden Straße. Es handelt sich um ein einfaches barackenartiges, flaches Gebäude, das mit vielerlei Materialien von Pappe über alte Holzverschalungen bis zu Wellblech „wohnlich“ gemacht worden ist. Hier wohnen mehrere zum Teil kinderreiche Familien auf engsten Raum zusammen. In späteren Jahren würde man solche Behausungen als „Slum“ bezeichnen.

 
 
 

Fronleichnam, 9. Juni 1955


(Foto im Besitz von Marlene Kochs, geb. Senior)

Die Fronleichnamsprozession zieht von der Blatzheimer Kirche aus im jährlichen Wechsel einmal über Niederbolheim und einmal über Bergerhausen. In diesem Jahr zieht sie über Bergerhausen und Giffelsberg nach Blatzheim. Nach einem feierlichen Hochamt um 7.30 Uhr zieht die Prozession unter Mitwirkung der Musikkapelle aus.4 Der Prozessionsweg ist mit Fahnen und „Maien“ (jungen Birken) geschmückt. Die Gläubigen errichten kleine Altäre an ihren Häusern, Hauseingängen oder Fenstern und streuen Blütenblätter davor aus. An den Wegkreuzen - in Bergerhausen am Hof Klingenmaier und am Ortsausgang Richtung Onnau/Giffelsberg - finden feierliche Segnungen statt, die von Böllerschüssen begleitet werden. Das nebenstehende Foto zeigt einen typischen Fronleichnamsaltar, und zwar den der Familie Johann Senior.

 

 

Dienstag, 21. Juni 1955

Der Gemeinderat möchte die oftmals angeregten Gehwege, Bordsteine und Rinnen zwischen Bergerhausen und Blatzheim, ein besonderes Anliegen Bergerhausener Eltern, die ihre Kinder der Gefahr der Straße auf dem täglichen Schulweg, besonders bei schlechter Witterung, ausgesetzt wissen, anlegen lassen. Allerdings braucht man dazu die Mithilfe von Land und Kreis. Amtsbürgermeister Schaeven regt an, schnell besondere Hilfsmaßnahmen des Landes zu beantragen. Er empfiehlt, die zuständigen Landtagsabgeordneten zu einer Besichtigung der Gefahrenquelle einzuladen.5

Thema des Tages in der heutigen Gemeinderatssitzung ist die Realisierung der „staubfreien Müllabfuhr“. Es soll eigens ein Darlehen über 12.000 DM aufgenommen, um für alle Haushalte der Gemeinde geeignete, von der Firma Schmidt & Melmer aus Weidenau/Sieg angebotene 35- und 50-Liter-Tonnen zum Einzelpreis von 14 DM und 16,15 DM einzukaufen. Die ortsansässigen Fachgeschäfte Peter Wattler, Josef Bauer und Johann Kinder werden mit der Lieferung der Tonnen beauftragt. Die Müllabfuhrgebühr wird einschließlich einer Abnutzungsgebühr für die Tonnen größenabhängig auf 9 DM und 11,40 DM festgesetzt.

Als stellvertretender Schiedsmann der Gemeinde wird der Dorsfelder Landwirt Michael Bulig wiedergewählt.6

 

Anfang Juli 1955

Der Lehrermangel an der Blatzheimer Volksschule ist Gesprächsstoff bei den derzeitigen Elternversammlungen der Schule. Neugewählte Klassenpfleger sind u.a. Maria Weiers (Bergerhausen) und H. Hons (Dorsfeld).7

 

Ende Juli 1955

Im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau der Spar- und Darlehenskasse Blatzheim soll dort - wie bereits in Kerpen, Buir, Elsdorf und Kirchherten - eine Gefrieranlage eingebaut werden. Es sind 32 Fächer mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern geplant, wovon 22 bereits vergeben sind. Über die Vorzüge einer solchen Anlage referiert die Landwirtin Hons aus Dorsfeld. Dem neu gebildeten Vorstand der Gefrier-Gemeinschaft Blatzheim gehören u.a. Johann Färber von den Clemenshöfen und (Frau?) Klingenmaier sowie Maria Weiers aus Bergerhausen an.8

 

Dienstag, 30. August 1955

Auf einem Gartengrundstück im westlichen Ortsbereich baut die aus der „Ostzone“ kommende Familie Paul Horst ein Eigenheim. Der Gemeinderat beschließt, den an diesem Neubau vorbei führenden Straßenabschnitt „Alte Straße“ zu benennen.

Des weiteren beschließt der Rat, einen in Aussicht gestellten Zuschuss von 12.000 DM für die Anlage eines Gehweges zwischen Blatzheim und Bergerhausen zu nutzen, wenn das Landesstraßenbauamt bereit ist, den Anschluss der Fahrbahn an die neue Straßenrinne zu übernehmen.

Die Verärgerung über die von den Baufahrzeugen ruinierten Straßen und Wege im Umfeld der Flugplatzbaustelle eskaliert. Die Fahrer der Milchfahrzeuge weigern sich, die an diesen Wegen liegenden Höfe überhaupt noch anzufahren, weil das nur noch im Schritttempo geht, dabei die Fahrzeuge über Gebühr beansprucht werden und überdies die abgeholten Milchkannen überschwappen oder umkippen. Jetzt wird auch noch das Einholen der Ernte erschwert, so dass die örtliche Bauernschaft in ihrer letzten Versammlung einmütig zu dem Entschluss gekommen ist, in einen Steuerstreik zu treten, wenn nicht unverzüglich Abhilfe geschaffen wird. Weil es der Gemeinde bei ihrer „überaus schlechten Finanzlage“ überhaupt nicht möglich ist, selbst Instandsetzungsarbeiten vorzunehmen, wird der Bürgermeister beauftragt, nochmals bei allen Stellen vorstellig zu werden, die mit einer Schadensregulierung zu tun haben könnten.9

 

Samstag, 24. September 1955

In Blatzheim eröffnet eine Unterhaltungseinrichtung, die selbstverständlich auch für die Bergerhausener interessant ist: Auf dem Gelände der alten Brauerei hinter dem „Deutschen Haus“ hat Rudolf Richter in fast einjähriger Arbeit ein Kino mit 350 Plätzen gebaut, das „Casino-Filmtheater“. Richter bringt eine 40jährige Branchenerfahrung mit. Er lernte in der Fotoindustrie Dresdens und war später jahrelang Kameramann. Zur Eröffnung läuft der Streifen „Der Förster vom Silberwald“. Das Kino wird an allen Tagen der Woche, außer montags und donnerstags spielen.10 Was gespielt wird erfahren die Bergerhausener über Plakatanschläge auf dem Tor des Hauses Beusch, Hauptstraße 21.

 

Dienstag, 4. Oktober 1955

Da der vom Landschaftsverband in Aussicht gestellte Zuschuss von 12.000 DM trotz Eigenbeteiligung der Gemeinde für den Ausbau des Gehweges zwischen Blatzheim und Bergerhausen nicht reichen wird, beschließt der Rat, ausgehend von Bergerhausen an den dort vorhandenen Bordstein anzuknüpfen und so weit in Richtung Blatzheim weiter zu arbeiten, bis ein Betrag von 15.000 DM aufgebraucht ist.

Das Bundesfinanzministerium hat für die beim Flugplatzbau zerstörten Wege eine Entschädigung von genau (!) 112.514,40 DM bewilligt. Da die bisherige „wassergebundene Schotterdecke den schnellfahrenden Kraftfahrzeugen nicht mehr standhält“, soll der von Blatzheim nach Giffelsberg führende und ebenso der Bergerhausener Weg bis zum Ausgang von Bergerhausen, also bis zum letzten Haus, eine „doppelte Oberfläche aus Teer und Splitt“ erhalten. Die übrige Strecke soll instand gesetzt werden, soweit die Restmittel dann noch reichen.

Zusätzlich werden Mittel bereitgestellt, um den Dorsfelder Weg von Bergerhausen bis zur Siedlung Hons mit einer „doppelten Oberflächenbehandlung zu versehen“, weil die Schotterpiste trotz der im Vorjahr erfolgten Sanierung bereits wieder Schlaglöcher aufweist.11

 

November 1955

Da sich in Sachen Fußweg noch nichts getan hat, haben Bergerhausener Bürger jetzt die Presse eingeschaltet. In Leserbriefen fordern sie einen sichereren Fußweg entlang der Straße nach Blatzheim. Es ist die Rede von einem „hindernis- und pfützenreichen Bürgersteig“, „zwangsläufigem Benutzen der Fahrbahn“ und einer „nicht gerade idealen Ortsbeleuchtung“.12

 

Donnerstag, 8. Dezember 1955

Auf dem britischen Ausweichflugplatz „Nörvenich“ ziehen die ersten deutschen Luftwaffensoldaten ein.13

 

Samstag, 17. Dezember 1955

Der Weg von Bergerhausen nach Forsthaus Bergerbusch soll im Zuge der Arbeiten zur Instandsetzung der zum Flugplatz führenden Wege auf der Teilstrecke neue Clemenshöfe bis Forsthaus Bergerbusch mit einem „Teerteppich“ versehen werden.

Mit dem Ausbau des Gehweges (Bürgersteig) nach Blatzheim soll mit Beginn des neuen Rechnungsjahres begonnen werden.14

 

1955

In diesem Jahr versterben Wilhelm Beusch (Beusche Willem) von der Hauptstraße 21 und sein Nachbar Andreas Müller (Hauptstraße 17).

 

Ende 1955

Die im Schloss untergebrachten Räume der Rheinische Braunkohlen Tiefbau AG werden aufgegeben. Unter der Leitung des technischen Direktors Dr. Schmitz bzw. Dr. Jansen (bis Kriegsende) waren von hier aus seit den dreißiger Jahren die Geschicke der Grube Morschenich verwaltet worden. Von 1939 bis 1955 wurde in Morschenich in einer Großversuchsanlage Braunkohle im Untertagebau gewonnen. Die Förderung wurde schließlich eingestellt, da kein rentierliches Abbauverfahren im Untertagebau gefunden wurde. Die Büros befanden sich im Ostflügel des Schlosses sowie im Hauptflügel, links des Eingansportals (Einkauf). Direktor Schmitz bewohnte zeitweise private Räumlichkeiten im Turm. 35

 

Januar 1956

In der Generalversammlung der Industrie-Gewerkschaft Bergbau, Zahlstelle Blatzheim, wird Johann Münch zum stellvertretenden Jugendleiter gewählt.15

 

17. Mai 1956

Inzwischen ist der neue Flugplatz eingezäunt und somit endet der bis dahin in den Nörvenicher Wald führende „Buschweg“ gegen den Zaun des Militärgeländes. Deshalb beabsichtigt die Gemeinde, den seiner Funktion entledigten „Buschweg“ zu verkaufen. Walter Freiherr von Loë, der zu beiden Seiten des Buschweges Ackerflächen besitzt, schlägt vor, den Weg nicht zu verkaufen, sondern gegen eine in Bergerhausen zwischen Hof Fischer und der Mühlengasse gelegene Parzelle zu tauschen.

Mit dem Ziel der Begradigung von Flurgrenzen, erfolgt auch ein Tausch von Gemeindeland mit Parzellen des Dorsfelder Landwirts Michael Bulig.16

 

19. Juli 1956

Mit dem Ausbau des Gehweges Bergerhausen-Blatzheim konnte wegen Finanzierungsproblemen immer noch nicht begonnen werden. Nun sollen die Arbeiten im September aufgenommen werden.17

 

24. August 1956

Für die neue Amtszeit der Schöffen und Geschworenen vom 1.1.1957 bis 31.12.1959 benennt die Gemeindevertretung zur Aufnahme in die dem Amtsgericht einzureichende Vorschlagsliste aus Bergerhausen wiederum Kaspar Dohmen und Johann Senior sowie aus Dorsfeld Michael Bulig.18

 

Herbst 1956
 
Betriebsausflug der Freiherr von Loë'schen Gutsverwaltung
1: Walter Freiherr von Loë, 2: NN, 3: Josef Dickmann, 4: Barbara Dickmann, 5: Rainer Röder, 6: NN, 7: Reiner Gebhard, 8: Hanna Blume, 9: Georg Blume; 10: Johann Hall, 14-15: NN, 16: Elfriede Röder, 17: Heinz Cremer, 18: NN, 19: Josef Schneppenheim, 20: Herta Schneppenheim, 21: NN, 22: Melker Schwoch,  23: Frau Johann Schmitz, 24: Paula Freifrau von Loë, 25: NN, 26: Freifräulein Annegitt von Loë, 27-28: NN, 29: Clemens Freiherr von Loë, 30-31: NN, 32: Margarete Hall
(Foto aus dem Besitz von Michael Schneppenheim)
 

 

9. November 1956

Die Bürger haben gewählt. Der Gemeinderat besteht jetzt aus acht Personen, und zwar vier Vertretern der CDU, Jakob Dohmen und Walter Freiherr von Loë (Bergerhausen), Michael Bulig (Dorsfeld) und Johann Färber (Clemenshöfe) sowie vier Vertretern der SPD, Johann Senior (Bergerhausen), Johann Esser und Rudolf Eckelmann (Blatzheim) und Josef Knopp (Niederbolheim). Bei der Wahl des Bürgermeisters, bei der ein weiteres Mal die beiden Bergerhausener Kontrahenten Jakob Dohmen und Johann Senior gegeneinander antreten, ergibt sich Stimmengleichheit, so dass ein neuer Sitzungstermin für einen zweiten Wahlgang festgelegt wird.19

 

15. November 1956

Da auch im zweiten Wahlgang kein eindeutiges Ergebnis zu erwarten ist, wird eine Absprache getroffen, wonach die Gemeindevertretung heute einstimmig den von der SPD vorgeschlagenen Kandidaten Johann Senior wählen wird. Letztgenannter legt zum 28. Oktober 1958 sein Amt als Bürgermeister nieder. Beide Fraktionen wählen sodann den von der CDU nominierten Kandidaten für die Restzeit der Amtsperiode zum Bürgermeister.20 Verabredungsgemäß werden der Bürgermeister (Senior) und sein Stellvertreter (Dohmen) jeweils einstimmig gewählt.

Außerdem wird der Ausbau des von Blatzheim nach Heppendorf und Sindorf führenden Weges, von der Kreuzung bei Hons beginnend in Richtung Geilrath beschlossen.21

 

Sonntag, 25. November 1956

Anlässlich der Einweihung des neuen Jugendheims in der Au in Blatzheim, überreicht Dekanatsführer Hellebrandt dem Pfarrjugendführer Georg Wilden die Ehrennadel des Bundes der Deutschen katholischen Jugend für verdienstvolle Mitarbeit. Pfarrer Wolters dankte in seiner Ansprache unter anderem dem Kirchenvorstand, an der Spitze Arthur Commer und Baron von Loë, die durch ihren Einsatz viel zum Gelingen des Jugendheimbaus beigetragen hätten.22

 

11. Januar 1957

Der Gemeinderat bemängelt, dass der erst im vergangenen Jahr ausgebaute Weg nach Onnau durch landwirtschaftliche Fahrzeuge des Bergerhausener Landwirts Stollenwerk, vor allem durch eingesetzte Schlepper ohne Reifenschutz, ganz erheblich beschädigt worden ist. Das Amtsbauamt wird beauftragt, den eingetretenen Schaden zu beziffern und Ersatzansprüche geltend zu machen.

Die Aufwandsentschädigung für den Bürgermeister wird auf 1.200 DM jährlich festgesetzt.23

 

29. März 1957

Der Gemeinderat erklärt sich damit einverstanden, dass ein dem Barthel Senior überlassenes Gemeindegrundstück an den Bauinteressenten Walter Lerwe weiterveräußert wird.24

 

9. Mai 1957

Die Gemeindevertretung vergibt den Auftrag zum geplanten Ausbau der Straße vom Hof Hons nach Geilrath. Der Voranschlag geht von Kosten in Höhe von 26.440 DM je Kilometer aus.25

 

17. Juni 1957

Tag der Deutschen Einheit, ein arbeitsfreier Feiertag. In der Gaststätte Klosterhalfen treffen sich ein paar Fußballenthusiasten, von denen einige aktiv beim Blatzheimer Sportverein mitspielen, um einen eigenständigen Fußballclub für Bergerhausen zu gründen. Man gibt sich den Namen „Bergerhausener SC 1957 e.V.“. Zum Training trifft man sich auf einer Brache gegenüber dem Vereinslokal, wo auch bald ein einzelnes, in den Vereinsfarben bemaltes Fußballtor aufgestellt wird.

Auf dem Gelände steht heute das Wohnhaus der Familie Gustav Gillessen. Damals war es der Spiel- und Bolzplatz der Bergerhausener Kinder und – eben auch – am Abend die Trainingsstätte des SC Bergerhausen.

Erster Vorsitzende des Vereins ist der aus Frechen stammende und seit einigen Jahren in Bergerhausen ansässige Textilgroßhändler Johann Meul. Zu den Gründungsmitgliedern des Sportclubs gehören Reiner Gebhardt, Michael Heinen, Karl Hofma, Oskar John, Franz Klingenmaier, Gerhard Lerwe, Stefan Münch und Herbert Parpart.26

 

19. Juni 1957

Der neu gegründete Sportverein SC Bergerhausen beantragt bei der Gemeinde, den Sportplatz in Blatzheim mitbenutzen zu dürfen.27

 

Dienstag, 9. Juli 1957

Auf dem Standesamt in Kerpen geben sich heute Vormittag Anna-Margaretha Reichsfreiin von Loë und Richard Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos, einem Neffen des Kardinals Preysing von Berlin, das Ja-Wort. Damit beginnt ein zweitägiges Fest, das nicht nur in der regionalen Presse gewürdigt wird:

„Der Schloßpark hat der Feste schon viele gesehen, aber niemals zuvor haben ihn die Besucher so gefüllt wie am Dienstagabend, dem Polterabend der entzückenden Reichsfreiin Anna-Margaretha von Loë“ wird man in der Donnerstagausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers lesen. „Hier dokumentierte sich vielfältig die Liebe und Verbundenheit, die von der Burg ausgeht und auf Bergerhausen und Blatzheim ausstrahlt, um von dort aus herzlich erwidert zu werden.

Die Bürger wollten ihre Baroness sehen. Sie hatten bereits am Montagabend beim Schützenfest der St. Kunibertus-Schützen Blatzheims Gelegenheit, ihre Freude über die bevorstehende Verehelichung mit dem Grafen Richard von Preysing-Lichtenegg-Moos aus Niederbayern auszudrücken. Am Dienstagabend nun kamen sie zu Besuch in den weiträumigen Schloßpark, wie sie allesamt liebe Gäste des Brautpaars und der Brauteltern waren und sich im Schatten alter Bäume beim Umtrunk gütlich taten.

Die Burg empfing die Besucher, unter denen viele Vertreter des Adels, hoher Behörden und Dienststellen zugegen waren, in festlichem Schmuck. Hoch vom Turm flatterte die Fahne derer von Loë, der weite Park war mit Fahnen in den Farben Schwarz-Weiß und Rot-Weiß geziert.

Nach der Abendtafel in der prächtig in den Vorhof eingepaßten Veranda verkünden Buntlichtsignale der motorisierten Feuerwehr von Blatzheim das Herannahen des Fackelzuges, den die Bevölkerung aus übervollem Herzen dem Brautpaar darbrachte.

 

Das Schloss im Glanz der Scheinwerfer
(Foto aus dem Besitz von
Michael Schneppenheim)

 Unter Vorantritt der „Knöppelches Jonge“ und in Begleitung der aus Mheer (Holland) herbeigeeilten Musikkapelle, deren Schirmherr der Brautvater ist, ging es den geschwungenen Pfaden des Parks entlang vor das Hauptportal, wo das Brautpaar mit seinen Eltern und die illustren Gäste eine Welle von herzlicher Liebe und Freundschaft verspürten, die ihnen die Bürger entgegenbrachten.28

Zwischendurch sang der Kirchenchor „Wie schön blüht der Maien“ und die beiden Fändelschwenker, Hermann Josef Erken und Gerd Breuer, zeigten unter dem Beifall der Hochzeitsgäste ihre Kunst.29

Burg Bergerhausen, die, während die letzten Kriegswirren in Blatzheim und Kerpen erheblichen Schaden anrichteten, glücklicherweise unversehrt blieb, wirkte im Glanz der Scheinwerfer und nach der Gratulationscour in zusätzlicher bengalischer Beleuchtung und damit verbundenem Feuerwerk wie ein Märchenschloß.“30

 

Im Rahmen der Berichterstattung erhalten wir auch einige interessante Informationen über die vielfältigen Aktivitäten unseres Barons: So ist Reichsfreiherr Walter von Loë unter anderem Geheimkämmerer di spada e cappa Sr. Heiligkeit des Papstes, Ehrenritter des Souveränen Malteserritterordens und Vorsitzender der Katholischen Landvolkbewegung Deutschlands.31
   

10. Juli 1957

Stand gestern Bergerhausen im Glanz der Hochzeitsfeierlichkeiten, ist es heute Blatzheim. Dort findet heute die kirchliche Hochzeitsfeier statt:

„Für den Ort war es ein Feiertag, als um 9.30 Uhr die Glocken zu leuten begannen. Vor dem Portal hatte die Schuljugend beider Schulen mit ihren Lehrern Aufstellung genommen, die uniformierten Schützen mit ihrer Bruderschaftsfahne bildeten vor der Kirchentür Spalier. Die Bevölkerung aller Altersstufen säumte die Straßen, durch die die Kette der Wagen anfuhr. Die Polizei hatte die Einfahrt zur B 264 vorsichtig abgeschirmt. Das Herr der Fotografen hielt den Augenblick fest, als der Bräutigam, Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos, am Arm seiner Mutter den Brautzug anführte. Er trug ebenso wie Brautvater Freiherr von Loë, der die Braut begleitete, die Uniform eines Malteserritters, rot mit schwarzem Zweispitz. Der Braut schritten die Brautmutter und sechs Brautjungfern in Weiß und Himmelblau voran.“32


Foto: Josuweck, Köln (Sammlung Cilly Zaudig)

 

25. Juli 1957

Die Gemeindevertretung gestattet dem SC Bergerhausen die Mitbenutzung des Blatzheimer Sportplatzes mit der Maßgabe, dass die Belange des Spielvereins Blatzheim gewahrt bleiben und gewährleistet ist, dass der Platz sauber und in Ordnung gehalten wird.33

 

15. Oktober 1957

Der Bau der Autobahn Köln-Aachen hat unser Gemeindegebiet erreicht.

Ein Antrag des Heinrich Andreas Dahmen auf käufliche Überlassung einer Bauparzelle an der Kiesgrube konnte keine Berücksichtigung finden, weil der Gemeinde dort keine Baustellen zur Verfügung stehen.34

 
 

um 1957/58

Matthias Brandt erweitert sein Haus Hauptstraße 24.






Foto aus dem Besitz von Karl-Hans Brandt

 

        

 

1Kölnische Rundschau vom 12.3.1955

2Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 10.5.1955

3vgl. Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 21.6.1955

4Kölnische Rundschau vom 6.6.1955

5Kölnische Rundschau vom 13.5.1955

6Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 21.6.1955

7Kölnische Rundschau vom 6.7.1955

8Kölnische Rundschau vom 2.8.1955

9Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 30.8.1955

10Kölnische Rundschau vom 23.9.1955

11Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 4.10.1955

12vgl. Leserbriefe in der „Rundschau“ vom 24.11., 29.11. und 9.12.1955

13Informationsschrift des Jagdbombergeschwaders 31 Boelcke, 1983, S. 19

14Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 17.12.1955

15Kölnische Rundschau vom 11.1.1956

16Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 17.5.1956

17Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 19.7.1956

18Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 24.8.1956

19Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 9.11.1956

20Vereinbarung der Mitglieder der SPD- und der CDU-Fraktion vom 15.11.1956, Archiv Jakob Dohmen

21Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 15.11.1956

22Kölnische Rundschau vom 27.11.1956

23Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 11.1.1957

24Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 29.3.1957

25Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 9.5.1957

26vgl. Festschrift des SC Bergerhausen zum 25jährigen Bestehen im Jahre 1982

27vgl. Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 25.7.1957

28Weingarten, Helmut, Kölner Stadt-Anzeiger vom 11. Juli 1957, Land an der Erft, BG Nummer 158 - Seite 9

29Anderer Zeitungsbericht zur Hochzeitsfeier

30Weingarten, Helmut, Kölner Stadt-Anzeiger vom 11. Juli 1957, Land an der Erft, BG Nummer 158 - Seite 9

31Andere Zeitungsberichte zur Hochzeitsfeier

32Weingarten, Helmut, Kölner Stadt-Anzeiger vom 11. Juli 1957, Land an der Erft, BG Nummer 158 - Seite 9

33Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 25.7.1957

34Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 15.10.1957

35mündlicher Sibilla Steinmann, geb. Nonn, 25.10.2001. Frau Steinmann war seit 24.9.1945 bei der Rheinbraunverwaltung auf dem Schloss beschäftigt. Zu Morschenich:  http://www.gemeinde-merzenich.de/geschichte.htm; http://www.wisoveg.de/elsdorf/etzweiler/morschenich/morsch-schacht.html ;