Dorfchronik Bergerhausen - 1953 bis 1954

 

Donnerstag, 8. Januar 1953

An den Folgen eines Herzleidens verstirbt heute die am 20. Mai 1887 in Nörvenich als Gertrud Berger geborene Ehefrau des Wilhelm Dohmen. 1905 war sie nach Blatzheim gekommen, wo sie viele Jahre bei derselben Familie im Haushalt und im Geschäft gearbeitet hat. Am 18. September 1920 vermählte sie sich mit Wilhelm Dohmen aus Bergerhausen, der erst 1919 aus französischer Gefangenschaft zurückgekehrt war. Die Eheleute hatten drei Kinder: Agnes, Cilly und Franz.

 
Vorn die verstorbene Gertrud Dohmen mit
ihrem Ehemann Wilhelm. Dahinter Tochter
Agnes mit Schwiegersohn Erich Ebert.
(Foto aus dem Besitz von  Cilly Zaudig, geb. Dohmen)
     

Donnerstag, 15. Januar 1953

Bisher war die Nutzung des Grases der grasbewachsenen Feldwegen („grüne Wege“), der Böschungen des Neffelbachs und der Gräben verpachtet. Mit dem Besserwerden der Versorgungslage und dem daraus resultierenden Rückgang der Kleintierzucht ist das Interesse an der Pachtung solcher Grünstreifen zurückgegangen.1 Die Gemeinde ist deshalb bereit, diese Verpachtungen im Einzelfall aufzugeben und ermächtigt den Bürgermeister, Änderungen in der Verpachtung der Grasnutzung von sich aus selbständig vorzunehmen.2

Die Gemeinde erlässt den „Milchverteilerinnen“ aus Bergerhausen (Witwe Maria Lövenich) und aus Niederbolheim die Gewerbemindeststeuer.3

Januar 1953

Bernhard Cremer wird zum zweiten Vorsitzenden des Blatzheimer Kirchenchors „Cäcilia“ gewählt.4

 

Sonntag, 25. Januar 1953

Matthias („Mei“) Heller tritt als „Tippelbruder“ in der Karnevalssitzung der Ortsvereine im Saale Froitzheim auf.5


< Das nebenstehende Foto zeigt Hermann-Josef Over und Frau Heinrich mit ihren Töchtern Ingrid und Brunhilde, aufgenommen bei einem Spaziergang in den Feldern bei Bergerhausen. Familie Heinrich wohnte Anfang der 50er Jahre im Hause Hahnen in der Bahnhofstraße.

(Foto: Sammlung Franz-Peter Dohmen)

   

Freitag, 6. Februar 1953

Der Nachtragshaushaltsplan der Gemeinde Blatzheim weist für das Rechnungsjahr 1952 Einnahmen von 240.172 DM und Ausgaben von 274.549 DM aus, es muss also gespart werden. Die Gemeinde hat bis zu diesem Zeitpunkt zwei Mitarbeiter in Funktionen beschäftigt, die sie ab sofort einsparen will: einen Feldhüter und einen Gemeindeboten. 6

Feldhüter der Gemeinde war der Bergerhausener Peter Zaudig. Auf seine Dienste will die Gemeinde ab sofort ganz verzichten. Statt dessen soll er für die von ihm in den Sommermonaten auszuführende Arbeit als „Spritzwart“ unmittelbar von den Landwirten bezahlt werden.

Als Gemeindebote fungierte Engelbert Pingen aus Bergerhausen. Er soll als Vorarbeiter weiterbeschäftigt und damit ein Gemeindearbeiter eingespart werden. Der Verfasser erinnert sich noch gut daran, wie Pingen die Handglocke läutend mit dem Fahrrad durch den Ort fuhr und an geeigneten Stellen, wie etwa Bremers Tankstelle, mit kraftvoller Stimme „Bekaaanntmaachung“ rief, um dann die neuesten Verlautbarungen vorzutragen. Er hat zweifellos zumindest neben seiner neu übertragenen Tätigkeit die Aufgaben des Gemeindeboten noch einige Jahre ausgeübt.

 

Dienstag, 14. April 1953

Die Freiherr von Loë’sche Renteiverwaltung erhält die Erlaubnis, entlang eines gemeindeeigenen Grabens am Forsthaus Bergerbusch einen Windschutz anzulegen, der aus einer Pappelreihe mit Erlen als Unterwuchs bestehen soll. Einigung und Instandhaltung obliegt dem Freiherrn. Die Gemeinde sichert sich an der Endnutzung eine Beteiligung von 30 % des Reinertrags.7

Ein großes Problem für die Gemeinde ist immer noch die Wohnungsnot jener Zeit. Jetzt steht auf Anregung der Kirchengemeinde und des Amtsbürgermeisters Dr. Schäfer ein Wohnungsbauprojekt durch die GSG im Gespräch. Bisher haben sich 20 Interessenten gemeldet, darunter 12 Bergarbeiter. Auch für Ostzonenflüchtlinge wird man 6 Wohnungen bauen müssen. Einmütig ist der Rat gegen große Mietshäuser und spricht sich für „Einfamilienhäuser in der Reihe aus, die zwar etwas teurer sind, dafür aber den heutigen Bestrebungen nach familiengerechtem Wohnen mehr entsprechen“. Das notwendige Bauland will die Kirche im Tausch zur Verfügung stellen.8

 


Donnerstag, 7. Mai 1953

Ältester Einwohner Blatzheims in jenen Jahren ist der in Bergerhausen geborene Landarbeiter Hubert Rockstroh, der jetzt im Haushalt seiner jüngsten Tochter in der Löhrsgasse (Blatzheim) wohnt und dort heute seinen 95. Geburtstag feiert.9


Foto: Kölnische Rundschau vom 7.5.1953

   

Donnerstag, 21. Mai 1953

Die Kölnische Rundschau vermerkt die neuen Klassen- und Schulpflegschaften: Klasse I vertritt Reiner Röder, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der Schulpflegschaft ist, Klasse Va vertritt Rosina Cremer und Stellvertreterin der evangelischen Schulpflegschaft wird Maria Bremer.

 

Freitag, 5. Juni 1953

Walter Freiherr von Loë empfängt heute aus der Hand des Blatzheimer Pfarrers, Geistlicher Rat Josef Wolters, im Auftrag seines Oberhirten eine Ernennungsurkunde, die folgenden Wortlaut beinhaltet: „Papst Pius XII. ernennt Herrn Walter Freiherr von Loë aus der Erzdiözese Köln zu seinem Päpstlichen Geheimkämmerer di spade e cappa.“ Die Urkunde trägt die Unterschrift des päpstlichen Staatssekretärs Kardinal Montini vom 15. Februar 1953 und ist mit dem Dienstsiegel des Hl. Stuhls versehen.10

 

Juni 1953

Auch in diesem Jahr feiern die Schützen in Bergerhausen. Der in der Vorburg wohnende Georg Wilden ist Schützenprinz.11

 

 

Familie Steinke
 


Josefa Steinke
aufgenommen am 28.6.1953


v.l.n.r.: Alois, Maria, geb. Schütz, Kathi, Peter, Alfred und Heinrich Steinke, Margarete Hall, geb. Schütz (Aufgenommen am Tage der Erstkommunion von Kathi Schütz, Hauptstraße 20)
(Fotos im Besitz von Marlene Kochs, geb. Senior)

 

 

Mittwoch, 1. Juli 1953

Die Kölnische Rundschau berichtet über die Generalversammlung der Blatzheimer Spar- und Darlehenskasse. Dem Aufsichtsrat gehört der Bergerhausener Landwirt Heinrich Weiers an. Im Vorstand sitzen - bereits seit Jahrzehnten - u.a. Anton Hoch (Gut Giffelsberg) und Walter Freiherr von Loë.

 

21. Juli 1953

Der Gemeinderat beschließt, die neuen Häuser zwischen Bergerhausen und Blatzheim mit Hausnummern versehen zu lassen.12

 

6. September 1953

Der Turnverein Viktoria Blatzheim weilt heute in Heimbach/Eifel, wo auch das nachstehende Foto entsteht. Dieser Blatzheimer Verein hat eine besondere Beziehung zu Bergerhausen, denn die Übungsabende finden in den Lagerhallen ihres Vereinsvorsitzenden, des Bergerhausener Spediteurs Johann Bremer statt. Außerdem turnen nicht wenige Bergerhausener(innen) aktiv mit:

 

1 Helga Senior (Trainerin), 2 Luise Peters, 3 Heide-Hede Melcher, 4 Katharina Kick, 5 Otti Kuchenmeister, 6 Kathrinchen Peters, 7 Gerda Büth, 8 Martha Bremer, 9 Marlene Senior, 10 Johann Bremer (Vorsitzender), 11 Magdalena Steinke, 12 Waltrude Schander, 13 Marianne Rey, 14 Marianne Pingen, 15 Anneliese Kick, 16 Maria Christen, 17 Mechtilde Thuir, 18 Marita Walzel, 19 Kethi Schütz, 20 Renate Kemmerling, 21 Magdalene Peters, 22 Ingrid Senior, 23 Magdalene Jülich, 24 Christoffel
(Für das Foto und die Namensliste danke ich Marlene Kochs geb. Senior)
 

24. September 1953

„Wildwest-Methoden“ bescheinigt die „Bergheimer Kreiszeitung“ einer Horde Jugendlicher, die einen anderen Jungen wegen einer Flasche Likör überfiel. Den Likör nahmen die Räuber mit, überdies setzten sie ihrem Opfer so übel zu, dass es mit verbundenem Kopf umherlaufen muss.13

 

2. Oktober 1953

Dem Gemeinderat liegen zwei Anträge auf käufliche Überlassung des brachliegenden Gemeindelandes neben der Kiesgrube am Dorsfelder Weg vor. In einem Fall sollen zwei Wohnungen und später eine Fuchsfarm errichtet werden, im anderen Fall ist die Unterhaltung einer Hühnerfarm beabsichtigt.

Dem Landwirt Josef Fischer wird rückwirkend für das Jahr 1952 ein Zuschuss in Höhe von 100 DM für die Haltung eines Milchschaf- und Ziegenbockes zugesprochen. Für das Jahr 1953 kommt ein solcher Zuschuß nicht mehr in Betracht, weil die Deckstation nicht mehr mit Vatertieren besetzt wurde.

Der Rat beschließt die Instandsetzung des Dorsfelder Weges von der Siedlung Hons in Richtung Dorsfeld auf einer Länge von 800 Metern. Die Strecke soll mit Teersplitt vorgeflickt und anschließend mit einer doppelten Oberflächenbehandlung versehen werden. Die Kosten werden mit 6.720 DM veranschlagt.

Der Geilrather Weg soll auf eine Länge von 150 Metern instandgesetzt werden. Es wird angemerkt, dass die vorgesehenen Straßenarbeiten nur bei günstigem, d.h. trockenem Wetter ausgeführt werden.

Die Neffelbachbrücke in Bergerhausen soll für 1.563 DM instandgesetzt werden.

Außerdem soll die Straßenbeleuchtung zwischen Blatzheim und Bergerhausen um fünf Brennstellen erweitert werden.

 

Zwischen Blatzheim und Bergerhausen soll ein Baugebiet mit 18 Grundstücken („Hubertussiedlung“) erschlossen werden. Für den Anliegerbeitrag wird ein Pauschalbetrag von 500 DM festgesetzt.14 Auf dem ehemals Amtsbürgermeister Dr. Schäfer gehörenden Grundstück sollen von der GSG fünf Doppelhäuser mit Einliegerwohnungen - also 20 Wohnungen - im Rahmen des Bergarbeitersiedlungsprogramms errichtet werden. Auf dem unmittelbar anschließenden Gelände der Kirche und des Herrn Bongard ist der Bau von sechs Einzelhäusern und einem Doppelhaus - ebenfalls alle mit Einliegerwohnungen - geplant. Bei der Finanzierung des zweiten Teils dieses Kleinsiedlungsvorhabens wird die Erftland sich einschalten.


 

Die Größe einer jeden Baustelle wird 761 Quadratmeter betragen. Die Nutzfläche der Wohnungen wird rund 92 Quadratmeter betragen. Die Kellergeschosse werden je zwei Kellerräume und eine Waschküche haben. Die Erdgeschosse werden über ein Wohn- und ein Schlafzimmer sowie über Küche, Spind und Klosett verfügen, während für die Einliegerwohnungen Wohn- und Schlafzimmer sowie Küche und Badezimmer mit Klosett vorgesehen sind. Dieses Badezimmer soll, solange die Einliegerwohnung vermietet ist, vom Hauseigentümer mitbenutzt werden. Es ist daran gedacht, dass dieser auf die Dauer das ganze Haus für sich in Anspruch nehmen wird, so dass der Einbau eines zweiten Badezimmers überflüssig erscheint. Im übrigen kommt zu jeder Siedlerwohnung noch ein Stall mit Abstellraum sowie Hühner- und Schweinebox.15

 

 

Samstag/Sonntag, 17./18. Oktober 1953
 

Foto aus dem Besitz von Michael Schneppenheim

 

Gegen 21 Uhr versammeln sich der Kirchenchor, die Bürger-Schützenbruderschaft und der Männergesangverein „Eintracht“ am Parkeingang und ziehen unter Vorantritt der Freiwilligen feuerwehr und des Tambourcorps „Edelweiß“ vor das Burgportal um ihrem Förder und Ehrenmitglied Baron von Loë am Vorabend seiner silbernen Hochzeit die Ehre zu geben. Nach zwei Gesangsdarbietungen des Kirchenchores richtet Kaplan Wirtz herzliche Glückwunsch- und Dankesworte an den Förderer des Blatzheimer Vereinslebens. Herzlich ist auch der Dank des Freiherrn, der den angetretenen Jungschützen eine neue Fahne überreicht. Nach Übernahme der Fahne dankt ein Beauftragter der Schützen dem Stifter, der auch Anno-Santo-Kreuzträger der Bruderschaft ist, und überreicht eine Ehrenurkunde, in der der Baron zum Protektor der Bruderschaft ernannt wird. Nach einer ehrenden Ansprache von Oberkreisdirektor Kloos trägt der Männergesangverein zwei Volkslieder vor, gefolgt von zwei Märschen des Tambourcorps. Dann beglückwünschen die Vertreter der einzelnen Vereine das Jubelpaar und überreichen ihre Angebinde. Anschließend bleibt man noch einige Zeit festlich zusammen. Am nächsten Morgen zelebriert ein Kriegskamerad, der ehemalige Divisionspfarrer des Barons, eine heilige Messe in der Burgkapelle.16

 


 

Auf dem nebenstehenden Foto, das vermutlich im Jahre 1954 entstand, wird die von Baron von Loë gestiftete Schwenkfahne gezeigt. Der Stifter ist als herausragende Person in der Bildmitte (rechts hinter dem Schützenkönig) auszumachen.

Foto: Sammlung Hans-Elmar Onnau

   

Dienstag, 1. Dezember 1953

Die Gemeindevertretung beschließt, den neugebauten Straßenteil zwischen Bergerhausen und Blatzheim in „Bundesstraße“ zu benennen, um eine gesonderte Hausnumerierung zu ermöglichen.

Heinrich Huth aus Mödrath wird zur Errichtung einer Hühnerfarm die Parzelle neben der Kiesgrube in Dorsfeld überlassen.

Bei Stollenwerk in Bergerhausen soll eine Straßenlampe angebracht werden.17

 

 
Winter 1953/1954

Herta Schneppenheim stellt den Familiennachwuchs der Familie des Schloßgärtners vor: Die kleine Franziska hatte am 17. November 1953 das Licht der Welt erblickt. Und weil ihr knapp vier Jahre älterer Bruder Michael diesen langen Namen nicht so gut aussprechen konnte, nannte er sie einfach "Itta". Bei dieser Kurzform ist es dann auch als Rufname für Franziska geblieben.

Foto aus dem Besitz von Michael Schneppenheim

 
 

22. Januar 1954

Ein im Eigentum des Freiherrn von Loë befindliches 330 Meter langes Teilstück des Weges von Bergerhausen nach Dorsfeld soll an die Gemeinde übergehen, sofern durch den Eigentumsübergang keine Kosten entstehen.18

 

Ende Januar 1954

In Blatzheim wird ein Pfarrfamilienrat der bundesweiten Selbsthilfeeinrichtung „Katholischer Familienbund“ gegründet. Zum „Vater“ wird Reiner Röder gewählt.19

 

Ende Februar 1954

In der diesjährigen Karnevalssitzung der Ortsvereine im Saale Froitzheim tritt Matthias Heller mit einer Rede „Goldene Zigge“ auf.20

 
 

Rodungsarbeiten für den Bau des Flugplatzes
v.l.n.r.: Reiner Röder, Michael Krauß, Förster Lutzke
(Foto aus dem Besitz von Willi Berger, Blatzheim)
 

26. März 1954

Auf dem Gelände des Klosterbuschs und des Nörvenicher Waldes finden seit dem vergangenen Jahr Arbeiten zum Bau eines Militärflugplatzes für die britische Royal Air Force21 statt. Dadurch werden die dort befindlichen Straßen und Wege weit über das normale Maß hinaus beansprucht. Im Protokoll des Gemeinderats ist vermerkt: „Über den augenblicklichen Zustand dieser Straßen herrscht in der gesamten Bevölkerung große Unzufriedenheit und Erregung.“22

 

Ende März 1954

Auf der Strecke von Bergerhausen nach Blatzheim steht zwischen dem Siedlungs-Neubaugebiet und dem Friedhof bisher nur eine kleine Häuserreihe, die im Volksmund sinnigerweise „An de 5 Hüser“ (An den fünf Häusern) genannt wird. Dort findet jetzt „ein in Blatzheim wohnender Flüchtling“ die Aktentasche einer Dürener Firma mit einem hohen Geldbetrag, der für Löhne bestimmt war.23

 

Sonntag, 11. April 1954

In schlichter Form begeht die Spar-und Darlehenskasse in Blatzheim im Rahmen ihrer Generalversammlung ihr goldenes Jubiläum, das eigentlich im Jahre 1947 fällig war, worauf man aber wegen der Zeitumstände verzichtet hatte. Anton Hoch wurde dafür geehrt, dass er acht Jahre dem Aufsichtsrat und 32 Jahre dem Vorstand angehört hat und Baron von Loë für seine 25jährige Tätigkeit als Vorsitzender.24

 

Mittwoch, 14. April 1954

Die „Kreiszeitung“ berichtet, dass zwischen Blatzheim und Bergerhausen mit den Ausschachtungsarbeiten für die neue Kleinsiedlung mit 36 Wohnungen begonnen werden konnte.25

 

11. Mai 1954

In Bergerhausen sollen die Alarmsirenen wieder angeschlossen werden.

Der Gemeinderat empfiehlt der Amtsverwaltung einige Landwirte als Hilfsfeldhüter gemäß § 58 des Feld- und Forstpolizeigesetzes bestellen zu lassen. Für unseren Bereich werden Willi Dickmann (Dorsfeld), Georg Klingenmaier (Bergerhausen) und Josef Pesch (Clemenshof) benannt.

„Die Gemeindewege im Bereich des Flugplatzes sind nun restlos ausgefahren.“26

 

Pfingstmontag, 7. Juni 1954

Ein Ausflug des Gartenbauvereins mit ungefähr 100 Personen führt zum Stammsitz derer von Loë nach Mheer/Limburg.27

 

Sonntag, 13. Juni 1954

Im Rahmen des Kreisgruppentages der Feuerwehr wurde gestern das neue Blatzheimer Gerätehaus eingeweiht. Heute findet um 14 Uhr im Burgpark eine Alarm- und Schauübung statt, für die Fachleute später voll des Lobes sind. Alles klappte wie am Schnürchen und aus dem Munde des Burgherrn, Baron von Loë, vernehmen später auf der Delegiertentagung die Wehrmänner mit Genugtuung die anerkennenden Worte, die dieser für ihr vorbildliches Verhalten im Bereich des Parks und ganz besonders im Innern des Schlosses fand.
Bei der Alarmübung war ein Totalbrand im Ostflügel des Schlosses angenommen, bei dem auch Menschenleben im Obstkeller in Gefahr waren und dem nur durch einen Außenangriff beizukommen war. Bevor die zunächst alarmierte Blatzheimer Wehr eingriff, ließ der Einsatzleiter die Horremer Wehr mit schwerem Gasschutzgerät zur Menschenrettung und die Kerpener Wehr zur Verstärkung des Löschangriffs alarmieren. Die angenommene Bekämpfungsaktion wurde in ihren einzelnen Phasen zügig vorgeführt. Als Schauübung wurde im Anschluss daran die Wasserkanone Fortuna, die durch die Kerpener und Blatzheimer TS 8 gespeist wurde, eingesetzt. Eine Selbstrettungsübung am Turm der Burg, von Männern der Blatzheimer Wehr vorgeführt, beendet zu aller Zufriedenheit die gesamte Schauübung.

 
 
 

1. Juli 1954

Die Gemeindevertretung beschließt einstimmig, den bisherigen Schiedsmann Johann Färber (Clemenshof) für die nächste Wahlperiode wiederzuwählen.28


9. Juli 1954

Dem Bürgermeister wird als Pauschalentschädigung für die Haltung eines Kraftrades zur Durchführung seiner dienstlichen Fahrten im ausgedehnten Gemeindebezirk ein Jahresbetrag von 200 DM festgesetzt.29

Foto rechts: Johann Senior auf seinem Kraftrad
(Foto aus dem Besitz von Marlene Kochs geb. Senior)


 

 

Ende Juli 1954

Burggärtner Josef Schneppenheim ist kundiger Führer beim Ausflug des Blatzheimer Kirchenchors zur Gruga Essen.30

Auf dem nebenstehenden Foto aus dem Besitz von Michael Schneppenheim sehen wir v.l.n.r. den früheren Gärtner und Jagdaufseher Hardebusch, Herta Schneppenheim, geb. Meisen und ihren Ehemann Josef Schneppenheim, den jetzigen Schloßgärtner.

 

Donnerstag, 12. August 1954

Der alte, südlich von Gut Onnau gelegene Clemenshof, muss dem im Bau befindlichen Flugplatz weichen. An neuer Stelle, einen guten Kilometer südöstlich von Bergerhausen, werden statt dessen zwei neue Gehöfte neu errichtet. Zur Sicherstellung des Feuerschutzes verlangt die Gemeindevertretung, dass an den neu erstellten Gehöften wiederum ein Löschteich geschaffen wird.

Für die dem Amtsgericht einzureichende Vorschlagsliste zur Wahl der Schöffen, der Strafkammerschöffen und der Geschworenen für die Amtszeit vom 1.1.1955 bis 31.12.1956 werden von der Gemeindevertretung unter anderem Kaspar Dohmen und Johann Senior aus Bergerhausen sowie Michael Bulig aus Dorsfeld benannt.31

Durch den Flugplatzbau sind rund 15 Kilometer Wirtschaftswege total zerfahren. Die wiederholten Anträge der Gemeinde fanden bisher keinen Widerhall, und nicht einmal die Kreisverwaltung ist zu einer dringend geforderten Besichtigung erschienen. Die Gemeinde fühlt sich sehr vernachlässigt, zumal sie zu den finanzschwachen gehört.32

 

Sonntag, 15. August 1954

Ein heftiger Gewitterregen macht gegen 6.30 Uhr einen Feuerwehreinsatz beim Clemenshof erforderlich. Die Geländeveränderungen durch die Anlage des Flugplatzes ließen unerwartet große Wassermassen auf das tiefer liegende Gehöft zufließen, die Wohnung und Stallungen mit den umliegenden Fruchtflächen in einen großen See verwandelten. Die bisherige Sicherung der Abflussgräben zum Neffelbach kann das Wasser nicht mehr abführen. Die notwendigen Neuanlagen sind noch nicht fertig gestellt. So muss die Wehr mit Spaten Abflüsse schaffen und mit der Motorspritze Keller und Wasserbassin leer pumpen. Nach sechs Stunden Einsatz ist die Gefahr beseitigt. Aber dem Zuschauer bietet sich ein trostloses Bild. Der entstandene Schaden, hauptsächlich an Hackfrucht und Hafer, wird auf 4.000 bis 5.000 DM geschätzt.33

 

November 1954

Nachdem drei Doppelhäuser und ein weiteres zur Hälfte im Rohbau fertig gestellt ist, wird in der neuen GSG-Siedlung zwischen Blatzheim und Bergerhausen in kleinem Rahmen Richtfest gefeiert. Es können sich weitere Baulustige melden. Man hofft, dass in Kürze alle Schwierigkeiten für Bauwillige außerhalb der GSG beseitigt werden, damit auch sie in den Genuss eines Eigenheims kommen können.34

 

Dezember 1954

Anton Hoch, der Pächter von Gut Giffelsberg, erleidet, nachdem er tagsüber noch „bei den Druscharbeiten“ angepackt hatte, einen Gehirnschlag an dem er wenig später verstirbt.35 Unter starker Anteilnahme der Bevölkerung wurde er zu Grabe getragen. Seine gerechte und soziale Einstellung sowie seine rege Mitarbeit in den verschiedensten Vereinigungen sicherten ihm bereits zu Lebzeiten besondere Achtung und Beliebtheit. Der Männergesangverein „Eintracht“, dessen Geschicke er fast 30 Jahre als Vorsitzender leitete, sang ihm in der Kirche, wo er aufgebahrt war, und am offenen Grab einen letzten Gruß. Die Schützenbruderschaft stellte die Ehrenwache, Träger und Ehrengeleit. Mit bewegten Worten würdigte Baron von Loë die Verdienste des Verstorbenen, vor allem auch als zweiter Vorsitzender der Spar- und Darlehenskasse. Besonders dankte er dem Verstorbenen dafür, dass er lange Jahre als Gutspächter den Besitz seiner Familie in mustergültiger Weise betreut habe.36

 

16. Dezember 1954

Der Gemeinderat beschließt, dass auch die neuen Höfe die Bezeichnung „Clemenshöfe“ erhalten.

Nördlich der Bundesstraße ist eine neue Straße in die dort im Bau befindliche Siedlung angelegt worden. Diese soll die Bezeichnung „Hubertusstraße“ erhalten. 37 Sie gehört zum Ort Blatzheim.38

Anmerkung des Verfassers:
Bis in die 60er Jahre stand das Ortsschild von Blatzheim an der Haagstraße (Anwesen Maassen) und das von Bergerhausen neben dem Hause Zaudig (heute Nebbe Thies, Dürener Straße 91). Dem Verfasser leuchtet die Zuordnung zu Blatzheim des Wohngebietes westlich von Bergerhausen nicht ein. Zumindest das auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegende Gebiet dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit jahrhundertelang zum Besitz der Bergerhausener Burg gehört haben. Auch das in den 90er Jahren erschlossene Neubaugebiet (bis Dürener Straße 136) trägt die Flurbezeichnung „Burgbenden“. Ein unbefangener Betrachter, der sich die heute (im Jahre 2000) beinahe zu einem einzigen Dorf zusammengewachsenen Ortsteile Blatzheim und Bergerhausen von Norden her oder aus der Luft ansieht, wird auch von der Siedlungsstruktur her davon ausgehen, dass der Ort Blatzheim östlich mit der Kunibertusstraße/Haagstraße bzw. der dort gelegenen Kommandeursburg abschließt und der Ort Bergerhausen auf Höhe des Friedhofs/Anwesen Noe (Dürener Straße 171) beginnt.

Eine Erklärung könnte sein, dass in diesem Gebiet, nördlich des Neffelbachs gelegene Ländereien der Bergerhausener Bauernfamilie Gürtzenich von der letzten des Geschlechts der (Blatzheimer) Kirche "vermacht" worden sind und das in Rede stehende Gebiet somit als "Blatzheimer Kirchenland" dem Pfarrort zugerechnet worden ist.
 

        

 

1Kölnische Rundschau vom 17.1.1953

2Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 15.1.1953

3Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 15.1.1953

4Undatierter Zeitungsbericht (vermutlich Kölnische Rundschau vom 15.1.1953)

5Kölnische Rundschau vom 30.1.1953

6Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 6.2.1953

7Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 14.4.1953

8Kölnische Rundschau vom 17.4.1953

9Kölnische Rundschau vom 7.5.1953

10Kölnische Rundschau vom 11.6.1953

11vgl. Onnau, Hans Elmar, Festschrift der Bürger-Schützenbruderschaft St. Kunibert 1849 Blatzheim e.V., 1974, S. 81

12Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 21.7.1953

13Rubrik „Vor 30 Jahren an der Erft“ in der Kölnischen Rundschau vom 24.9.1983

14Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 2.10.1953

15Kölnische Rundschau vom 14.4.1954

16Kölnische Rundschau vom 20.10.1953

17Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 1.12.1953

18Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 22.1.1954

19Kölnische Rundschau vom 30.1.1954

20Kölnische Rundschau vom 26.2.1954

21Informationsschrift des Jagdbombergeschwaders 31 Boelcke, 1983, S. 19

22Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 26.3.1954

23Kölnische Rundschau vom 1.4.1954

24Kölnische Rundschau vom 13.4.1954

25Vgl. Rubrik „Bergheimer Kreiszeitung vor 30 Jahren“ in der Kölnischen Rundschau vom 14.4.1984

26Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 11.5.1954

27Kölnische Rundschau vom 10.6.1954

28Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 1.7.1954

29Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 9.7.1954

30Kölnische Rundschau vom 30.7.1954

31Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 12.8.1954

32Kölnische Rundschau vom 14.8.1954

33Kölnische Rundschau vom 17.8.1954

34Kölnische Rundschau (vermutlich) vom 30.11.1954

35Totenzettel (im Besitz von Toni Beyenburg, Langenich) nach Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Höfe und Güter in Kerpen, Kerpen 1990, S. 70

36Kölnische Rundschau vom 14.12.1954

37Sitzungsprotokoll der Gemeindevertretung Blatzheim vom 16.12.1954

38Undatierter Ausschnitt aus der Kölnischen Rundschau von Dezember 1954