Dorfchronik Bergerhausen - Das Jahr 1950

 

 

 

 

Samstag, 21. Januar 1950

Nachdem auch in einem zweiten Wahlgang keine Mehrheit für einen der beiden Kandidaten gefunden werden konnte, wird es nun zu einer Urwahl kommen, bei der die Wähler bestimmen, wer Bürgermeister sein soll.1 In einem am Vortag der Urwahl erschienen Zeitungsartikel erfahren wir mehr über Johann Senior und die bisherige Arbeit der Gemeinde Blatzheim nach dem Krieg:



Johann Senior (hier eine Kopie des mit dem nebenstehenden Artikel veröffentlichten Pressefotos) war von 1948 bis 1958 
Bürgermeister der Gemeinde Blatzheim
.





Zeichnung des Hauptportals von
Burg Bergerhausen aus dem Jahre 1950
von Walter Wegener2

Johann Senior, seit Ende 1948 Bürgermeister der Gemeinde Blatzheim, heißt der Kandidat der SPD bei der morgen stattfindenden Bürgermeister-Urwahl. Senior, der sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreut, wurde im Jahre 1898 in Bergerhausen geboren. Er ist also ein Sohn unserer Gemeinde. Nach kurzer Tätigkeit in der Landwirtschaft wurde er, 18jährig, Soldat, und nahm drei Jahre lang am ersten Weltkrieg teil. Seit 1919 ist er bei der Rheinischen AG, Grube Sibilla, in Benzelrath, als Grubenarbeiter und Streckenhauer tätig. 1940 wurde er wiederum für kurze Zeit als Soldat einberufen.

Schon frühzeitig fand er den Weg zur SPD und zur Gewerkschaftsbewegung. Die Tatsache, daß Johann Senior bereits vor 1933 mehrere Jahre Mitglied des hiesigen Gemeinderats war, bürgt neben seinen bisherigen Leistungen dafür, daß er über die für das Amt eines Bürgermeisters erforderlichen kommunalpolitischen Kenntnisse verfügt. Dies stellte er im vergangenen Jahre auch vollauf unter Beweis. Senior hat in seiner verhältnismäßig kurzen Tätigkeit in uneigennütziger Weise und in vorbildlicher Zusammenarbeit mit den Gemeindevertretern und der Amtsverwaltung Hervorragendes zum Wohle der Einwohnerschaft geleistet. Als er nicht allzu lange nach dem Währungsschnitt Bürgermeister wurde, übernahm er kein beneidenswertes Erbe. Dennoch scheute er keine Mühe, seine ganze Kraft zum Wohle der Allgemeinheit einzusetzen. Bevor wir dazu übergehen, einen Überblick über die wesentlichsten Erfolge der Gemeindeverwaltung zu geben, die nicht zuletzt ein Verdienst Seniors waren, verdient es besonders hervorgehoben zu werden, daß Senior allen Bürgern, gleich welcher politischen Richtung sie angehörten, stets hilfsbereit und mit Rat und Tat zur Seite stand.

Die völlig defekte Straßenbeleuchtung in Blatzheim, Bergerhausen und Niederbolheim wurde wieder in einwandfreien Zustand versetzt. Im Zuge der Verschönerung des Ortsbildes baute die Gemeinde den bis dahin störend wirkenden Platz vor der alten Schule in Blatzheim in geschmackvoller Weise zu einer Grünanlage aus. Die durch Kriegseinwirkungen stark beschädigten Bordsteinanlagen an der Hauptstraße in Blatzheim und Bergerhausen wurden völlig überholt und wieder instandgesetzt. Ebenso behoben Gemeindearbeiter alle Schäden an den Kanalanlagen. Der Neubau der vier Brücken über den Neffelbach und den Mühlengraben kann ohne Zweifel als die größte Belastung der Gemeindefinanzen angesehen werden. Dennoch ist im kommenden Frühjahr, nicht zuletzt auch durch die eifrige Mitarbeit der Gemeindearbeiter bei den Ausschachtungsarbeiten und bei der Kiesanfuhr, mit der Fertigstellung der Brücken zu rechnen.

Auch die Neffelbachbrücke bei dem Gutshof Commer in Niederbolheim wird bis zu diesem Zeitpunkt endgültig fertiggestellt. Im vergangenen Herbst wurde mit dem ersten Teilabschnitt der generellen Reinigung des Neffelbaches bei Niederbolheim begonnen. In diesem Zusammenhang muß noch erwähnt werden, daß im Laufe des Jahres die Gemeindegräben auf einer Länge von 800 Meter gründlich gereinigt wurden.

Zur Behebung der Wohnungsnot wurden im alten Schulgebäude sechs Zimmer zu Wohnzwecken hergerichtet. Ferner wurden durch den Ausbau des alten Bürgermeisteramtes zwei Wohnräume zur Verfügung gestellt. Sämtliche Wohnräume der alten Schule wurden gestrichen oder tapeziert. Auch die Feuerwehr bekam geholfen: die Kriegsschäden am Gerätehaus wurden unter tatkräftiger Mithilfe der Feuerwehrmänner endlich behoben. Durch Anstrich des Tores und der Eisengitter und gleichzeitig mit dem Ausbau der Wege und der Pflege der Soldatengräber wurde der Gemeindefriedhof nach der langen Vernachlässigung wieder in einen würdigen Zustand versetzt. Auch der Leichenwagen kann sich jetzt nach der durchgeführten Reparatur und nach dem neuen Anstrich wieder sehen lassen. Große Mühe erforderte die Reparatur und Herrichtung des Gemeindehauses, angefangen von dringend notwendigen Dachreparaturen bis zur Beschaffung von Möbel für den Sitzungsraum. Die Kriegsschäden an der stark mitgenommenen neuen Volksschule wurden ausgebessert. Durch die Raumnot bedingt, wurde auf dem Schulspeicher ein neuer Klassenraum ausgebaut.3

 

Sonntag, 22. Januar 1950

Der bisherige Bürgermeister Johann Senior wird mit 794 Stimmen wiedergewählt. 365 Stimmen entfallen auf den Kandidaten Walter Freiherr von Loë. Ungültig sind 35 Stimmen.4


Sonntag, 29. Januar 1950

Auf Veranlassung der Bergbau-Industriegewerkschaft, Zahlstelle Blatzheim, wird eine Gewerkschaftsjugendgruppe gegründet, deren Leiter Jakob Dohmen wird.5


Sonntag, 5. Februar 1950

In der Jahreshauptversammlung der Bürger-Schützen-Bruderschaft wird Schützenbruder Christian Dahl aus Bergerhausen mit der Gründung und Führung einer Jungschützengruppe beauftragt.6


Dienstag, 14. Februar 1950

 

Bahnhofstraße 2: Matthias Heller, Michael Linden, Gertrud Daniels, Kathi Steinke (strickt aus der Schale)
(Foto im Besitz von Kathi Wittwer, geb. Steinke)

 

(Foto im Besitz von Cilly Zaudig)

Es ist Karnevalszeit und auch im Schloss wird gefeiert. Auf dem vorstehenden Foto sieht man den Hausherrn - Walter von Loë - etwas versteckt im Hintergrund. Der streng drein blickende Herr links im Bild ist Hubert Stollenwerk, der Pächter der Burgmühle und Vater der späteren Konservenfabrikanten Josef und Willy Stollenwerk. Im Sessel sitzt ein leitender Angestellter der Bergbaugesellschaft, die zu dieser Zeit in der Burg Büros unterhält. 


 

Samstag, 18. Februar 1950

Die Eheleute Wilhelm Beusch und Susanna, geb. Reimer, feiern Golden Hochzeit und das ganze Dorf feiert mit. Wilhelm Beusch ist 77 Jahre alt. Er war hat 18 Jahre lang in der Bergerhausener Mühle gearbeitet und danach 20 Jahre in der Grube Sibylla in Frechen. Seit 1928 ist er Invalide und beschäftigt sich als sein eigener Maurer und Schreiner mit dem Ausbau und der Verschönerung seines Heimes. Susanna Beusch ist 68 Jahre alt und geht neben ihren mütterlichen Aufgaben noch immer der Feldarbeit nach.
 

Foto aus dem Besitz von Sanni Gillessen, geb. Dickmann.
Sanni - eigentlich Susanne - ist nach Ihrer Großmutter - der Jubelbraut - Susanne Beusch benannt. Auf dem Bild sehen wir sie als 4. von links, wie sie zusammen mit einem Partner aus Langenich ein Silberhochzeitspaar darstellt. Die Kinder links und rechts von den Goldhochzeitern spielen ein Hochzeitspaar. In der Mitte hinter dem Jubelpaar sehen wir v.l.n.r. Sannis Eltern, Josef Dickmann und dessen Frau Barbara, geb. Beusch, sowie Sibylla Beusch, die beide Töchter des Jubelpaares sind.

Dem Jubelpaar gratulieren zum Festtag 7 Kinder, 20 Enkel und 1 Urenkel. Auch die Dorfgemeinschaft nimmt an dem Jubiläum herzlichen Anteil. Die Anwohner haben einen schönen Festbeitrag gesammelt und der Ort vorbildlich geschmückt. Der etwas weite Weg zur Pfarrkirche wird vom Jubelpaar im Auto zurückgelegt. Dort nimmt Pfarrer Wolters die Neueinsegnung vor. Beim Jubelpaar sind anschließend die Vertreter der geistlichen und weltlichen Behörden zu Gast. Als geschlossene Gruppe gratuliert zuerst die Knaben-Oberklasse als Vertreter der Volksschule Blatzheim mit frohen Volksliedern. Der Schule schließen sich die Ortsvereine an, so dass der Jubeltag zu einem echten Volksfest wird. 7

 

Mittwoch, 5. April 1950

In einem „unserer lieben Bahn“ gewidmeten Leserbrief macht Josef Schmitz von der Blatzheimer Zahlstelle des Industrie-Verbandes Bergbau seiner Verärgerung über die schlechten Zustände an den Bahnhöfen der Strecke Benzelrath - Nörvenich Luft: „Ganz besonders der Bahnhof Blatzheim mit seinen angegliederten Stationen Niederbolheim und Bergerhausen ist ein Schmerzenskind. Trotz starken Berufsverkehrs zur Stadt und zur Industrie findet der Reisende hier keine Unterstellmöglichkeit und er ist jeder Witterung ausgesetzt. Als zur Reichsmarkzeit Bemühungen um Abhilfe, in die sich auch die Gewerkschaften einschalteten, an den übermäßigen Materialforderungen des Verkehrsamtes Düren scheiterten, ging man unverständlicherweise noch dazu über, die Unterstellbaracken in Niederbolheim und Bergerhausen zu demontieren. Sehr zum Leidwesen der Bergerhausener wird ihre Baracke jetzt in sauberem Anstrich irgendwo zwischen Blatzheim und Bergerhausen als Bienenhaus verwandt. Die örtliche Gemeindevertretung nahm schon energisch dazu Stellung.8 Die Industriearbeiter, die diese Strecke benutzen müssen, führen auch lebhafte Klage über den Zustand der Wagen. Zum Schichtwechsel, insbesondere der Frühschicht, ist außerdem eine Wagenzahl von vier Stück bei dieser starken Beanspruchung eine Mindestforderung. Zeitweilig fahren aber auch nur drei Wagen, von denen zwei nur wenige Sitzplätze aufweisen.“9


 

Samstag, 6. Mai 1950

Es wurde beobachtet, daß am Neffelbach und am Parkrande junge Burschen alle Nistgelegenheiten der Vogelwelt aufstöbern und rücksichtslos zerstören“, liest man in der heutigen Zeitung. „Anwohner der Bergerhausener Parkseite klagen sehr über diese Naturfrevler. Die Verantwortlichen, Eltern und Erzieher, sollten sich der Sache einmal annehmen und durch Aufklärung und gegebenenfalls mit entsprechenden Maßnahmen Abhilfe schaffen.“


Zeichnung des Geländes am Batterieturm
aus dem Jahre 1950 von Walter Wegener

 

10. Mai 1950

In den Tageszeitungen dominieren zur Zeit die Textanteile. Für bildliche Darstellungen sind Zeichnungen neben Fotografien üblich und verbreitet. Weiter oben haben wir bereits zeichnerische Illustrationen von Walter Wegener gesehen. Daneben wirkte in unserer Region ein junger Angestellter der Stadtverwaltung Kerpen als Zeichner, der in späteren Jahren die darstellende Kunst zu seinem Hauptberuf machte und es bis zum Professor für Ästhetik mit eigenem Museum bringen sollte: Hermann-Josef Baum, der heute 23 Jahre alt wurde. Seine Zeichnungen erschienen von 1949 bis 1953 im Kölner Stadtanzeiger und in der Westdeutschen Zeitung. "Sechs bis acht Mark pro Veröffentlichung habe ich damals von den Zeitungen erhalten", erinnert Baum sich später, "für die Zeit kurz nach der Währungsreform war das gar nicht so übel."10

 

 

 

Bild 1:
Zufahrt zum Tesche-Hof am Ortseingang von Bergerhausen

Bild 2:
Schloss Bergerhausen

Bild 3:
Die Häuser Hauptstraße 17 (Müller/Dohmen), 19 (Bäckerei Pingen) und 21 (Beusch)

 

Der Text zu Bild 3 lautete: "Eingeklemmt zwischen die beiden ländlichen Behausungen, eine ältere zur Rechten, eine jüngere zur Linken, fühlt sich die dritte im Bunde, die kleinere, ihnen dennoch nachbarschaftlich verbunden und nimmt es nicht übel, daß die eine baufluchtgezwungenermaßen einen guten Schritt weiter als sie selbst von dem ausgetretenen Bürgersteig zurückgetreten ist."11




(Foto aus dem Besitz von Gerd Roß)

Samstag, 27. Mai 1950

In der Alten Straße (heute: Am Hubertushof 9) wird Hochzeit gefeiert. Johann Roß heiratet seine Christel und darf auf eine glücklichere Zukunft hoffen. Johann war mit einer schweren Verwundung am Bein aus dem Krieg gekommen, zwei Brüder waren gefallen und sein Vater war bereits im Februar 1926 in Ausübung seines Berufs als Bahnarbeiter vom Triebwagen überfahren worden.12


 

Mittwoch, 31. Mai 1950

In der heutigen Zeitung liest man, dass der Lehrling Alois Steinke vor der Prüfungskommission der Stellmacher-Innung des Kreises seine Gesellenprüfung bestanden hat.

 

Bergerhausener Kinder (1949 oder 1950) an der Bank vor dem Hause Meurer, Alte Straße
v.l.n.r.: Hans-Otto Bremer, Martha Bremer, Annemie Pingen, Annemie Dahmen, Karl-Hans Brandt, Marlene Senior, Maria Kinder
(Foto aus dem Besitz von Marlene Kochs, geb. Senior)

 

Juli 1950

Eine Reitergruppe holte Kardinal Frings an der Pfarrgrenze von Kerpen nach Bergerhausen ab und eskortierte ihn nach Blatzheim, wo er 160 Firmlingen das Sakrament spendete. Nachmittags galt sein Besuch der Schlosskapelle in Bergerhausen.13


Walter Freiherr von Loë (knieend) empfängt Josef Kardinal Frings vor seinem Schloss. Im Hintergrund sehen wir den Blatzheimer Pfarrer Pastor Josef Wolters.

(Fotos aus dem Besitz von Michael Schneppenheim)

 

 

 

 

 

Sonntag, 6. August 1950

Bei herrlichem Sommerwetter beginnt um 13 Uhr im Schlosspark das in den letzten Jahren bekannt- und beliebt gewordene Reit-, Spring- und Fahrturnier des Bergerhausener Reit- und Fahrklubs, verbunden mit einer Pferdeleistungsschau, statt. Auf dem Programm stehen Jagdspringen A, L und M, Dressurprüfungen, Fahren, Ein-, Zwei- und Mehrspänner, Schaunummern und Trabreiten auf Kaltblutpferden. Das Turnier steht unter dem Protektorat von 14Baron Freiherr von Loë; als Preisrichter fungieren Hans Coenen (Gerdtshof bei Rodenkirchen, Gustav Platen (Kaarst Tönishof), Hermann Frenzen (Ficheln/Krefeld) und Lindemann (Krefeld). Durch vorhergegangene Regentage ist das inmitten der Parkanlagen idyllisch liegende Turniergelände für Reiter und Pferde wie geschaffen. Die von der Reitergruppe der Bergerhausener Abteilung gezeigten Leistungen bei den internen Prüfungen übertreffen bei weitem das im vergangenen Jahr gezeigte Können. Aber auch bei den offenen Dressurprüfungen, Jagdspringen usw. bieten Reiter und Pferde beste Leistungen.


Dieses Foto aus dem Jahre 1950 zeigt die junge Frau Zens, geb. Färber, vom Clemenshof.
(Foto aus dem Besitz von Brigitte Berg, geb. Zens)

 

 

Bereits am frühen Vormittag finden sich die ersten Schaulustigen und Freunde des Pferdesports auf dem Turnierplatz ein. In den Nachmittagsstunden sind mehrere tausend Zuschauer am Turnierplatz anwesend und werden Zeugen schöner Reiterkämpfe. Aber auch die Eignungsprüfungen für Wagenpferde im Einzel- und Zweispännerfahren werden vom Publikum begeistert verfolgt. Ganz besonders gefällt wieder das Glücksjagdspringen, bei dem 20 Hindernisse zu nehmen sind. Auch hierbei sind verschiedene Einzelleistungen hervorragend.

So verleben die vielen Zuschauer und Freunde des Pferdesports trotz der Sonnenhitze einen schönen genussreichen Sonntag im Park zu Bergerhausen.
 

Das Feld der Fuchsjagd wird von Josef Fischer (mit Hut) angeführt, daneben (halb verdeckt) seine Schwester Maria Weiers.

(Foto aus dem Besitz von Familie Fischer)

Am Abend wird im Jägerhof zu Blatzheim die Siegerehrung mit Preisverteilung vorgenommen. Hier die Wertungen:

Dressurprüfung Klasse A (Kat. B) für 4jährige und ältere Pferde (interne Prüfung für alle Mitglieder des Bergerhausener Reit- und Fahrclubs)
1. Preis: Heinz Zens, Manheim, auf „Ingo“
2. Preis: H. A. Esser, Wissersheim, auf „Rex“
3. Preis:
Maria Weiers, Bergerhausen, auf „Adler“

Jagdspringen Klasse A (Kat. B) Preis der Burg Bergerhausen (interne Veranstaltung für Mitglieder des Bergerhausener Reit- und Fahrclubs)
1. Preis: Baron Degenhard von Loë, Bergerhausen, auf „Locki“
2. Preis: Josef Brauers, Oberzier, auf „Troubadour“
3. Preis: Ludwig Destree, Kelz, auf „Nordsturm“

Dressurprüfung Klasse A (Kat. B) zugelassen alle Reiter und Reiterinnen, die im Besitz des Reitausweises 1950 des Prov.-Verb. Rheinland sind:
1. Preis: Wiesel, Enzen, auf „Damara“
2. Preis: C. Bolten, Enzen, auf „Almstolz“
3. Preis: A. Schmitz, Enzen, auf „Odin“ und Josef Cremer, Haus Perings, auf „Olga“

Jagdspringen Klasse A (Kat. B.)
1. Preis: J. Hermann , Oberbachem, auf „Fipp“ (Besitzer E. Broich)
2. Preis: Clemens Hons, Crouwen, auf „Harras“ und Constantin Simons, Jülich, auf „Hexe“
3. Preis: Albert Thelen, Eschweiler, auf „Hella“

Jagdspringen Klasse A I (Kat. B.) Ausgleich). Preis der Zuckerfabrik Düren
1. Preis: Jochen Wolfgarten, Heimerzheim, auf „Merry“
2. Preis: W. Christ, Klein-Vernich, auf „Lina“
3. Preis: Freiin von Geyr, Müddersheim, auf „Olga“

Glücksjagdspringen (20 Hindernisse nicht über 1,20 Meter waren zu nehmen)
1. Preis: Paul Winand Nesseler, Gillehöfe bei Grevenbroich, auf „Caluta“ (20 Hindernisse fehlerfrei in 89 Sekunden)
2. Preis: Karl Schwan, Widdendorf, auf „Katja“ (20 Hindernisse fehlerfrei in 119 Sekunden)
3. Preis: J. Hermann, Oberbachem, auf „Fipp“

Eignungsprüfung für Wagenpferde - Einspänner:
1. Preis: F. C. Schwecht, Sievernich, mit „Fürst“
2. Preis: Landgestüt Wickrath mit „Fafner“ (Fahrer Gustav Dienst)
3. Preis: Josef Geilenkirchen, Siersdorf, mit „Protze“

Eignungsprüfung für Wagenpferde - Zweispänner
1. Preis: Max Geilenkirchen, Siersdorf, mit „Betty“ und „Grete“
2. Preis: Landgestüt Wickrath mit „Fafner“ und „Fasolt“ (Fahrer Gustav Dienst)
3. Preis: Jakob Schüller, Bergerhausen, mit „Bob I“ und „Merry“
4. Preis: Fr. C. Schwecht, Siebernich, Josef Fischer, Bergerhausen, mit „Fürst“ und „Loretto“

Trabrennen für Kaltblüter
1. Preis: Andreas Axer auf „Marnix“
2. Preis: Heinrich Bergerhausen auf „Rosa“.15

 

 

Samstag, 9. September 1950

Der als Bohrer bei der Hauptwerkstätte Grefrath arbeitende Kaspar Dohmen kann sein silbernes Betriebsjubiläum feiern.16

 

1950 (genaues Datum nicht bekannt)

Heinrich Weiers eröffnet neben seinem Hof an der Hauptstraße 1 eine Sauerkrautfabrik.17 Das Sauerkraut wird unter der Produktbezeichnung „Heinzelmännchen's Sauerkraut“ vermarktet.

 

Herbst 1950

Georg Klingenmaier atmet auf. Seine erste Ernte war gut und nun stehen ihm die Geldmittel zur Verfügung, um Haus und Hof weiter bewirtschaften zu können. Im vergangenen Winter hat er den Hof der Gymnasial- und Stipendienstiftung an der Ecke Hauptstraße/Bahnstraße übernommen. Der alte, vormals von der Familie Hoch und zuletzt von Karl Fischer bewirtschaftete Hof, war nach Fischers Tod renoviert worden. Insbesondere das Wohngebäude wurde durch ein neues, größeres Gebäude ersetzt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die alte Dorfpumpe, die dort samt einem Brunnenbecken seinen Platz hatte und dem Anwesen den Namen „An dr Pomp“ eingebracht hatte, abmontiert.

Georg Klingenmaier war mit seiner Frau Agnes sowie seinen Söhnen Franz und Gerd nach Bergerhausen gekommen. Dort wohnte die Familie zunächst im Hause Hauptstraße 8 (bei Steingaß). Georg Klingenmaier stammt aus der Gegend bei Aalen im Schwäbischen und war vor einigen Jahren als Verwalter auf den Hof Commer in Niederbolheim gekommen. In Niederbolheim lernte er dann auch Agnes Pesch, seine spätere Ehefrau kennen.18

Nun hatte die junge Familie ihr gesamtes Vermögen in ein paar Kühe und einige bescheidene landwirtschaftliche Maschinen gesteckt. Für die letzten Ersparnisse wurde Saatgut gekauft. Danach war die Familie im Grunde mittellos und wurde in den folgenden Monaten von Georg Klingenmaiers Bruder, der in Aalen eine Schumacherwerkstatt betreibt, am Leben erhalten.19

 

Dienstag, 7. November 1950

Bürgermeister Johann Senior und der im vorigen Jahr als Stellvertreter gewählte Johann Rockstroh werden vom Gemeinderat einstimmig wiedergewählt.20

 

Montag, 27. November 1950

Im Hause Hauptstraße 17 erblickt Franz-Peter Dohmen gegen 21 Uhr das (novemberabendliche elektrische) Licht der Welt.

 

        

 

1Zeitungsbericht vom 3.1.1950

2Walter Wegener war Stadtbaumeister in Köln. Bekannt ist Wegener vor allem durch seine Bleistift- und Federzeichnungen von Kölner Winkeln und Ansichten. Der Kerpener Heimatverein veröffentlichte einige seiner Ansichten aus dem Raum Kerpen als Kalender 1986 mit Zeichnungen aus den Jahren 1947 bis 1959. 1.300 seiner Zeichnungen werden in der graphischen Sammlung der Stadt Köln aufbewahrt. Wegener verstarb im Jahre 1973 (vgl. Kölnische Rundschau vom 19.12.1985).

3Abschrift eines kopierten Zeitungsausschnitts ohne Quellenangabe. Es kann sich auch um eine Wahlwerbung gehandelt haben. Der Schluss fehlt.

4Zeitungsbericht vom 25.1.1950

5Zeitungsbericht vom 31.1.1950

6Zeitungsbericht vom 8.2.1950

7Zeitungsberichte vom 16.2.1950 (?) und 22.2.1950

8Vgl. Zeitungsbericht vom 7.3.1950 zur ersten Gemeinderatssitzung nach der Bürgermeisterwahl

9Zeitungsbericht vom 5.4.1950

10Zitiert nach Joachim Röhrig im Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 113 vom 16.5.2007

11Die Federzeichnungen und die zitierte Bildunterschrift wurden dem Buch „Orte der Erinnerung – Frühe Federzeichnungen von Hermann Josef Baum“ entnommen. Bearbeitet von Fritz Hemmersbach und Rolf Axer, erschienen 2006 als Band IX der Beiträge zur Kerpener Geschichte und Heimatkunde der Heimatfreunde Stadt Kerpen e.V., 144 Seiten, DIN A 5, 70 Abbildungen.

12Mündlicher Bericht Gerd Ross, Brüggen, 2000

13Undatierter Zeitungsbericht

14Undatierter Zeitungsbericht

15Undatierter Zeitungsbericht, vermutlich Kölnische Rundschau vom 8.8.1950

16Undatierter Zeitungsbericht

17Mündlicher Bericht Renate Dieckmann, geb. Weiers, 19.4.2000

18Mündlicher Bericht Gerd Klingenmaier, 22.4.2000

19Mündlicher Bericht Maria Dohmen, 22.4.2000, die es so von Georg Klingenmaier erfahren hat.

20Zeitungsbericht vom 14. November 1950