Dorfchronik Bergerhausen 1943 bis Februar 1945
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17. Februar 1943 Reiner Röder heiratet Elfriede Schütte. |
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1943 In den letzten drei Jahren hat die Freiwillige Feuerwehr 29 neue Mitglieder aufgenommen. 13 dieser Männer kommen aus Bergerhausen:i |
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ab Frühjahr 1941: |
Matthias Becker |
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Herbst
1941: |
Heinrich Dahl |
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1942: |
Reiner Senior II |
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1943: |
Willi Heinen |
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(Foto aus dem Besitz von Kathi Wittwer, geb. Steinke) |
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An die Stelle der Gewerkschaften war nach der Machtübernahme im Jahre 1933 die Deutsche Arbeitsfront (DAF) getreten. Die DAF war Trägerin der nationalsozialistischen Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF), die den Beschäftigten eine Fülle kultureller und touristischer Ablenkungskampagnen anbot. Das Foto oben entstand während einer KdF-Schiffstour. Es zeigt u.a. die Eheleute Elisabeth (1) und Christian Becker (6), Josefa Steinke (2), Peter Schütz (3) und seinen Vater Heinrich Schütz (4). Wer indessen mit Sparmärkchen einen KdF-Wagen (VW) ansparte (wie zum Beispiel mein Nachbar Willi Pingen), hatte das Nachsehen. Im Krieg wurden die Fahrzeuge konfisziert und nach dem Krieg gab es für die Märkchen nichts mehr. |
27. Juli 1943Im Hause Johann und Martha Jülich, Hauptstraße 6, wird Hochzeit gefeiert. Tochter Martha und der aus Hirschberg/Schlesien stammende August Walzel haben in der Pfarrkirche St. Kunibert geheiratet.Martha Jülich war zu dieser Zeit als Hausgehilfin in der Blatzheimer Bahnhof-Haagstraße 11 beschäftigt und ihr Ehemann musste als Oberjäger bald nach den Feierlichkeiten zurück an die Ostfront. Im Zivilberuf war August Walzel Hufschmied. |
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Am Tag zuvor hatte man sich vor dem Standesbeamten das
Ja-Wort gegeben. Voraussetzung dafür ist seit 22.10.1941 eine
gesundheitsamtliche Eheunbedenklichkeits-bescheinigung der
Heiratswilligen. (Foto und Urkunden befinden sich im Besitz von Karina Altmeyer) |
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7.
Oktober 1943 |
Franz
Hardebusch |
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Peter
Joseph Beusch |
4. November 1943 Der
Entschlafene wurde zu Bergerhausen am 26. April 1913 als
sechstes von neun Kindern der Eheleute Wilhelm Beusch und
Susanna Reimer geboren. Am 1. Mai erhielt er in der Pfarrkirche
zum hl. Kunibert in Blatzheim durch die Taufe das ewige Leben.
Im Elternhause fand dieses göttliche Leben sorgsame und
liebevolle Pflege. Nach der Schulentlassung war er zuerst in der
heimatlichen Landwirtschaft, dann als Kraftfahrer tätig. Im
Jahre 1939 wurde er bei Ausbruch des Krieges zu den Waffen
gerufen, um im folgenden Jahre an den siegreichen Zügen
gegen Holland, Belgien und Nordfrankreich teilzunehmen. Später
kämpfte er in Rußland. Dort wurde er am 23. Mai 1943
ernstlich verwundet. Nach seiner Genesung ging er wieder an die
Ostfront. Hier traf ihn am 4. November 1943 in dem hartnäckigen
Gefecht bei Gubin 70 km nördlich von Kiew ein Geschoß,
das seinen Tod alsbald herbeiführte. Von treuen trauernden
Kameraden wurde seine sterbliche Hülle auf dem
Heldenfriedhof Andrejevka in fremde Erde zur letzten Ruhe
gebettet. |
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31. Mai 1944 Reiner
Senior, der Goldhochzeiter von 1941 (siehe oben), stirbt
77jährig an den Folgen eines Herzschlags. Reiner Senior
wurde am 21. August 1866 in Blatzheim geboren. Am 19. August
1891 heiratete er Anna Maria Bohlen aus Bergerhausen. Aus der
Ehe gingen 14 Kinder hervor, von denen allerdings fünf
bereits früh verstarben. Zwei Söhne fielen im 1.
Weltkrieg. Die verbliebenen Kinder sind: die Söhne Barthel,
Johann, Cornelius und Reiner, sowie die Töchter Mathilde
(Gebhard), Petronella (Münch) und Maria (Becker) |
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15. Juli 1944
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18. September 1944 Familie Daniels stellt sich zum Familienfoto auf. An diesem Tag ahnt keiner, wie hart das Schicksal die Familie treffen wird. Vater Michael Daniels wird bald darauf (> Januar 1945) als vermisst gemeldet. Der kleine Karl wird kurz nach Kriegsende im Alter von nur 16 Jahren an Typhus sterben, zusammen mit zwei anderen Kindern aus der Bahnhofstraße. Gertrud wird im Jahre 1955 ein Baby bei einer Sturzgeburt verlieren. Ihr einziger Sohn Karl-Michael wird eines Tages unter mysteriösen Umständen (> 29.6.1988) sterben und sie selbst wenige Jahre später (> 13.12.1991) ebenfalls. Familie
Daniels (v.l.n.r.): |
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1944 Ende 1944 rückt die Front immer näher und die Drangsal der Bevölkerung ist beträchtlich. Das normale Leben hatte längst aufgehört. Immer wieder kündigt das Heulen der Sirene herannahende Bomberverbände an und zwingt die Menschen Schutz in ihren Kellerräumen zu suchen. Schließlich richtete man sein Nachtlager komplett in den Kellern ein. Wer keinen Keller hatte und nicht bei Nachbarn unterschlüpfen kann, findet Schutz in den Gewölben des alten Batterieturms der Burg. Den Bewohnern der Hauptstraße 45 (Johann Senior) bis 55 (Peter Zaudig) steht ein Luftschutzbunker zur Verfügung, der sich an der Grenze zum Park vom Garten der Familie Zaudig bis in den Garten der Familie Baum erstreckt. Andere haben ihre Keller miteinander verbunden, um im Falle des Verschüttens über einen Fluchtweg zum Nachbarhaus zu verfügen. So treffen sich etwa die Nachbarn Hauptstraße 17 (Müller/Dohmen) und Hauptstraße 15 (Kania) in einem gemeinsamen Keller, den auch Familie Brandt (Hauptstraße 24) von gegenüber aufsucht. Wie riesige Vogelschwärme schrecken Tiefflieger die Menschen und ziehen die Flugzeugstaffeln über das Dorf hinweg um ihre todbringende Fracht über den benachbarten Städten und Industrieanlagen abzuwerfen. Am 28. und 31. Oktober wird Knapsack bombardiert. Von den von Bergerhausen aus gut erkennbaren Kaminen, „die zwölf Aposteln“ genannt, fehlt einer. Er ist nach einem Treffer umgestürzt und hat 13 Menschen unter sich begraben. Ebenfalls am 31. Oktober wird Efferen zum größten Teil zerstört. 36 Bürger - in der folgenden Nacht noch weitere zehn - und 48 Wehrmachtsangehörige kommen ums Leben. Am 2. November wird die Brikettfabrik „Ribbert“ zwischen Hermülheim und Kendenich durch eine Luftmine getroffen. Am 16. November wird die benachbarte Stadt Düren von alliierten Bomben nahezu vollständig zerstört. Am 29. November sterben 62 Zivilisten und um die 250 Soldaten bei Bombenangriffen in Elsdorf, am darauf folgenden Tag sind 80 Todesopfer in Erp zu beklagen. Am 5. Dezember gegen elf Uhr wird das neue Kraftwerk der Roddergrube bei Berrenrath schwer getroffen. Zehn Tote sind hier zu beklagen. ii Auch in Bergerhausen gab es Bombenabwürfe, und zwar auf der Hauptstraße im Bereich des Krümmelshofes (dabei wurde das erste Haus auf der rechten Seite – neben Familie Jülich - am Ortseingang von Kerpen her beschädigt), in der Bahnhofstraße im Garten von Haus-Nr. 4 und vor allem im Bereich der Einmündung Hauptstraße/Alte Straße. Dort war eine Flakstellung eingegraben, auf die vier Fliegerbomben abgeworfen wurden und einen dort abgestellten Munitionstransporter zur Explosion brachten. Kinder aus den umliegenden Häusern hatten sich auf der freien Fläche zwischen der Hauptstraße und den etwas zurückliegenden Häusern „ein Häuschen“ gebaut. Fünf dieser Kinder und eine Frau kommen ums Leben: Willi Fuß, Theo Over, Heinz Pingen, Willi Reuter und Johannes Röder sowie eine in den Grouven-Häusern wohnende polnische Zwangsarbeiterin namens „Stanislawa“. Annemie Pingen wird verschüttet und kann gerettet werden.iii Auch die berüchtigten Tiefflieger ängstigen die Bewohner. Maria Peter (geb. Kania) und Käthe Senior (geb. Wilschrey) berichten unter anderem von einem Angriff auf Frauen, die im Bereich einer Pferdekarre arbeiteten. Damit die Frauen es beim Beladen der Karre etwas leichter hatten, stand sie schräg. Dabei wiesen die beiden Deichseln gen Himmel und hatten somit das Aussehen eines Flakgeschützes... Klärungsbedürftig ist die Frage, ob die Bombenabwürfe über Bergerhausen im Zusammenhang mit der Operation „Mission 650“ der US-Airforce standen. Im Kriegstagebuch der amerikanischen Luftwaffe taucht nämlich ein einziges Mal der Name „Blatzheim“ auf, und zwar unter Mittwoch, dem 27. September 1944iv: „421 von 462 B-17-Bombern treffen ein nachrangiges Ziel (Köln) und 10 weitere treffen Blatzheim; eine B-17 wurde unrettbar beschädigt, 165 beschädigt; drei Flieger kamen um, sieben wurden verwundet und einer vermisst. Begleitschutz erfolgte durch 221 P-47 und P-51; sie brachten 500 Flugzeuge in die Luft; drei P-47 wurden beschädigt.“ Die Blatzheimer Feuerwehr konnte zuletzt nur noch über vier Aktive verfügen, weil alle anderen Mitglieder im Kriegseinsatz waren. Deshalb wurde „eine Gruppe Mädel“ ausgebildet, die sich im Einsatz zu bewähren hatten. Diese Löschgruppe bestand aus 12 Frauen, von denen wohl einige aus Bergerhausen stammen: Anna Brand, Sibilla Beusch, Maria Esser, Maria Senior und Maria Wilschrey.v
Januar 1945 Der am 25. März 1942 zum Landes-Schützen-Bataillon eingezogene Bergerhausener Gemüsebauer Michael Daniels wird als in Ostpreußen vermisst gemeldet. Daniels war im Januar 1938 von Schloss Türnich nach Bergerhausen, Hauptstraße 36 gezogen, pachtete von den Landwirten Fischer, Grouven und Weiers Land zum saisonmäßigen Anbau von Gartenerzeugnissen und lieferte es an den Erzeugergroßmarkt nach Köln.vi
21. Februar 1945 – 27. Februar 1945 Teils hoffend, teils befürchtend, dass die alliierten Truppen rasch vorrücken würden, mussten die Menschen noch lange Wochen mit dem geschilderten Terror leben. Die Flutung der Rur und ein starker Winter hatten nämlich das Überschreiten dieses sonst zahmen Flüsschens für lange Zeit unmöglich gemacht. Im benachbarten Kerpen notiert Konrektor Bernards am 25. Februar den 1.919ten Fliegerangriff in seinem Tagebuch. Die Martinuskirche fällt in Schutt und Asche und 28 Menschen verlieren ihr Leben.vii Fünf Tage lang, vom 21. bis 25. Februar, werden Blatzheim und Bergerhausen unter Artilleriebeschuss genommen. Am Montag, dem 26. Februar herrscht plötzlich Stille in den von Trümmern übersäten Straßen. Dann heißt es auf einmal „De Amis sen do“.viii Mit Blatzheim erreichten die Alliierten die erste linksrheinische Gemeinde, deren Bevölkerung nicht evakuiert worden ist. In den offiziellen Berichterstattungen heißt es „Blatzheim ging ohne Schuss verloren“.ix Trotzdem kommen in der auf beiden Seiten der kriegführenden Parteien herrschenden Verwirrung, mehrere Menschen in Blatzheim zu Tode. In der Nacht fallen noch einmal Bomben. Vermutlich sind es deutsche. Dabei geht auch die alte Vikarie in Trümmer. Neun amerikanische Soldaten werden von den einstürzenden Mauern erschlagen.x Ein harmloser, geistig behinderter Junge wird „auf der Flucht“ erschossen. Nur noch Routineangelegenheit ist für die amerikanischen Truppen die Einnahme des Blatzheimer Ortsteils an der Landstraße sowie Bergerhausens in den Morgenstunden des folgenden Dienstags. Deutsche Soldaten sind nicht mehr da gewesen und der Volkssturm, der am Sonntag noch zur Verteidigung des Ortes aufgerufen worden war, ist erst gar nicht mehr angetreten.xi Die Bergerhausener Bevölkerung hat sich wieder in ihren Kellern und in den Gewölben des alten Batterieturms der Burg verschanzt. Die amerikanischen Soldaten finden durchweg völlig verängstigte Menschen vor, die ihre Sprache nicht verstehen. Mit der Aufforderung „come on, come on“ und „let's go, let's go“ werden sie mit dem Gewehr im Anschlag aus ihren Unterschlüpfen geholt und in die Blatzheimer Kirche verlagert.
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iJacobi, Klaus, Festschrift 70 Jahre Freiwillige Feuerwehr Blatzheim, 1970, S. 12 iiDuell, Hans, Als die Amis kamen, Kölner Stadt-Anzeiger vom 25.2.1985 iiiPesch, Maria, Meine Schulzeit von 1941 bis 1950, Festschrift zum 50jährigen Bestehen der St.-Elisabeth-Schule Blatzheim, 1991 nennt die Namen von vier Kindern. Ergänzungen aufgrund mündlicher Berichte von Hans-Dieter Röder, 2/2000 (nennt Heinz Pingen), Karl-Hans Brandt (nennt Annemie Pingen), 3/2000 und Peter Zaudig, 4/2000 (nennt Munitionswagen), Maria Peter, geb. Kania und Käthe Senior, geb. Wilschrey , 8.8.2000, nennen eine Flakstellung sowie eine polnische Arbeiterin, Kathi Wittwer, geb. Steinke, 11.8.2000, bezeichnete die übrigen Abwurfstellen. ivWEDNESDAY,
27 SEPTEMBER 1944 1,192 bombers and 678 fighters
are dispatched to hit industrial and transportation targets in W
Germany and use PFF methods for all targets; 28 bombers and 2
fighters are lost: vKrings,
Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Feuer und Flamme – Zur
Geschichte der Kerpener Feuerwehren,Kerpen 1995, S. 63. viArchiv Jakob Dohmen, Januar 1967 viiFritz Hemmersbach in der Kölnischen Rundschau vom 26.2.1985 viiiSpiller, Harald, Kölnische Rundschau vom 2.4.1975; der Artilleriebeschuss der Burg wird von Cilly Zaudig, geb. Dohmen bezeugt. ixKölner Stadtanzeiger, Sonderdruck „Bomben und Barrikaden“, 1995 xSpiller, Harald, Kölnische Rundschau vom 2.4.1975 xiElektromeister Josef Dohmen zitiert nach Spiller, Harald, Kölnische Rundschau vom 2.4.1975 Verwendung der Grafik "KdF-Plakat" mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Historischen Museums Berlin, 11.01.2007 |
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