Dorfchronik Bergerhausen 1943 bis Februar 1945


17. Februar 1943

Reiner Röder heiratet Elfriede Schütte.


(Foto im Besitz von Hans-Dieter Röder)

 

1943

In den letzten drei Jahren hat die Freiwillige Feuerwehr 29 neue Mitglieder aufgenommen. 13 dieser Männer kommen aus Bergerhausen:i

 

 

ab Frühjahr 1941:

Matthias Becker
Theodor Roß

Herbst 1941:
(HJ-Feuerwehr)

Heinrich Dahl
Willi Fuhs
Reiner Senior

1942:

Reiner Senior II
Johann Becker
Franz Becker
Cornelius Senior

1943:

Willi Heinen
Bertram Schmitz
Johann Schmitz
Hubert Linden

 

 

(Foto aus dem Besitz von Kathi Wittwer, geb. Steinke)

 


(Bitte anklicken für Informationen zum KdF-Plakat)

An die Stelle der Gewerkschaften war nach der Machtübernahme im Jahre 1933 die Deutsche Arbeitsfront (DAF) getreten. Die DAF war Trägerin der nationalsozialistischen Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF), die den Beschäftigten eine Fülle kultureller und touristischer Ablenkungskampagnen anbot. Das Foto oben entstand während einer KdF-Schiffstour. Es zeigt u.a. die Eheleute Elisabeth (1) und Christian Becker (6), Josefa Steinke (2), Peter Schütz (3) und seinen Vater Heinrich Schütz (4).

Wer indessen mit Sparmärkchen einen KdF-Wagen (VW) ansparte (wie zum Beispiel mein Nachbar Willi Pingen), hatte das Nachsehen. Im Krieg wurden die Fahrzeuge konfisziert und nach dem Krieg gab es für die Märkchen nichts mehr.

 

27. Juli 1943
Im Hause Johann und Martha Jülich, Hauptstraße 6, wird Hochzeit gefeiert. Tochter Martha und der aus Hirschberg/Schlesien stammende August Walzel haben in der Pfarrkirche St. Kunibert geheiratet.

Martha Jülich war zu dieser Zeit als Hausgehilfin in der Blatzheimer Bahnhof-Haagstraße 11 beschäftigt und ihr Ehemann musste als Oberjäger bald nach den Feierlichkeiten zurück an die Ostfront. Im Zivilberuf war August Walzel Hufschmied.
Stammbucheintrag Hochzeit Walzel-Jülich
 
27.7.1943 Hochzeit August Walzel - Martha Jülich
 
Eheunbedenklichkeitsbescheinigung vom 19.5.1943 Am Tag zuvor hatte man sich vor dem Standesbeamten das Ja-Wort gegeben. Voraussetzung dafür ist seit 22.10.1941 eine gesundheitsamtliche Eheunbedenklichkeits-bescheinigung der Heiratswilligen. 

(Foto und Urkunden befinden sich im Besitz von Karina Altmeyer)
   

 

7. Oktober 1943

Der Entschlafene wurde am 3. Juli 1910 in Bergerhausen, Pfarre Blatzheim, als Sohn der Eheleute Theodor Hardebusch und Franziska Spinker geboren. Nach seinen Studien am Dürener Gymnasium schuf er sich durch seinen Fleiß, sein Wissen und seine Zuverlässigkeit die Existenz eines Inspektors des Vermessungsamtes in Siegen. Sorgfältig traf er die Wahl seiner Lebensgefährtin. Er schaute dabei vor allem auf Gottesfurcht und Frömmigkeit und häuslichen Sinn. Nach guter Vorbereitung schloß er am 24. Juli 1935 am Altar den heiligen Bund mit Magda Kreutz aus Blatzheim. Diese Ehe wurde durch gegenseitige aufopfernde Liebe glücklich und harmonisch. Dieses kleine Paradies hat der Krieg jäh zerstört. Schmerzlich war die Trennung der Gatten zu Beginn der kriegerischen Auseinandersetzung. Der besorgte Gatte erhielt zunächst eine längere Ausbildung bei der Luftwaffe. Am 25. März vorigen Jahres kam er in Rußland zum Einsatz. Nachdem er schon bald Wachtmeister geworden war, erhielt er am 25. September 1943 für seine Tapferkeit das E.K. 2 aus der Hand seines Kommandeurs. Die Beförderung zum Offizier sollte bald folgen. Aber ganz unerwartet wurde er schon am 7. Oktober 1943, abends ½ 7 Uhr, an der Seite seines Batteriechefs und dessen Ordonnanz bei einem feindlichen Bombenabwurf getötet. Trauernd betteten sein Divisionspfarrer und die überlebenden Kameraden ihre treuen Freunde auf dem in einem schönen Waldwinkel gelegenen Heldenfriedhof Hegewald 7 km seitlich Schitomir in weiterer Entfernung von Kiew in die fremde Erde am Samstag, dem 9. September nachmittags 3 Uhr. Dort schlummert die sterbliche Hülle unseres Kriegers und wartet im Schatten des schlichten Soldatenkreuzes auf die glorreiche Auferstehung.
Unser Held lebte nur für die Seinen. Alles hat er für sie hingegeben, auch das letzte, sein junges frisches Leben. Diese gottesfürchtige Haltung ist für die trauernden Angehörigen Trost und Licht in dem namenlosen Schmerz , der ihnen bereitet wurde. Sie trauern, aber nicht wie solche, die keine Hoffnung haben. Sie wissen, dass alles Leid uns Segen bringen wird durch Christus, der aus Liebe zu uns am Kreuze starb und durch seinen Schmerz und seinen Tod unser Leid und unsern Tod besiegte, um alle Tränen der Seinen zu trocknen. Um diesen Segen, der aus dem Kreuze quillt, und um das frohe Wiedersehen im Himmel wissen seine Gattin, die mit ihrem zarten Kind bitterlich weint, darum wissen seine bejahrten Eltern, seine vier Brüder, von denen einer im Felde ist und ein anderer als Stalingradkämpfer vermißt ist, seine vier Schwestern, seine Schwiegereltern, fünf Schwäger, sechs Schwägerinnen und die übrigen Verwandten. Sie bitten Gott, er möge dem teuren Toten alle Liebe, die er ihnen so freudig schenkte, belohnen. Sie bitten Priester und Gläubige, mit ihnen den Himmel zu bestürmen, damit Christus der König, seinen treuen Gefolgsmann bald aufnehmen möge in die große Schar seiner Getreuen, in die Schar der Helden und Heiligen des Himmels.

 


Fotokopie vom Totenzettel
(Sammlung Hans Elmar Onnau)

Franz Hardebusch
Oberwachtmeister der Flak,
Inh. Des E.K. 2

 


Fotokopie vom Totenzettel
(Sammlung Hans Elmar Onnau)

Peter Joseph Beusch
Obergefreiter in einer Pionierabteilung, Inhaber der Ostmedaille, des Verwundetenabzeichens in Schwarz, des Pionier-Sturmabzeichens und des Kriegsverdienstkreuzes 2. Kl. mit Schwertern

 4. November 1943

Der Entschlafene wurde zu Bergerhausen am 26. April 1913 als sechstes von neun Kindern der Eheleute Wilhelm Beusch und Susanna Reimer geboren. Am 1. Mai erhielt er in der Pfarrkirche zum hl. Kunibert in Blatzheim durch die Taufe das ewige Leben. Im Elternhause fand dieses göttliche Leben sorgsame und liebevolle Pflege. Nach der Schulentlassung war er zuerst in der heimatlichen Landwirtschaft, dann als Kraftfahrer tätig. Im Jahre 1939 wurde er bei Ausbruch des Krieges zu den Waffen gerufen, um im folgenden Jahre an den siegreichen Zügen gegen Holland, Belgien und Nordfrankreich teilzunehmen. Später kämpfte er in Rußland. Dort wurde er am 23. Mai 1943 ernstlich verwundet. Nach seiner Genesung ging er wieder an die Ostfront. Hier traf ihn am 4. November 1943 in dem hartnäckigen Gefecht bei Gubin 70 km nördlich von Kiew ein Geschoß, das seinen Tod alsbald herbeiführte. Von treuen trauernden Kameraden wurde seine sterbliche Hülle auf dem Heldenfriedhof Andrejevka in fremde Erde zur letzten Ruhe gebettet.
Unser Held zeichnet sich durch seine schlichte, ruhige und freundliche Haltung aus. Sein Kompaniechef und seine Kameraden liebten und schätzten den tapferen, pflichttreuen und opferbereiten Soldaten. Er war besonders die Freude seiner Eltern, die einen sehr guten Sohn verlieren. Innig liebte er seine Geschwister, die den Verlust eines herzensguten Bruders beklagen. Seine Pfarrfamilie beweint einen treuen Sohn, der sich mit ihr zutiefst verbunden fühlte. Wenn sein sterblicher Leib auch in der Fremde seine Ruhestätte fand, so werden doch die Engel seine Seele auf zur ewigen Heimat geleiten, damit sie dort die unverwelkliche Krone empfange, die Gott ihm geben wird, weil er den guten Kampf gekämpft und den Glauben bewahrt hat.
Um den teuren Toten trauern seine tiefbetrübten Eltern, vier Brüder, von denen zwei unter den Waffen stehen, vier Schwestern, drei Schwäger, drei Schwägerinnen und die übrigen Verwandten. Sie empfehlen seine Seele dem hl. Opfer der Priester und der Fürbitte der Gläubigen, besonders der Kriegskameraden der Heimat, damit sie bald eingehen darf in die Weihnachtsfreuden des Himmels, um dort Christus in seinem göttlichen Glanze zu schauen und an seiner Herrlichkeit teilzunehmen.


 

 

31. Mai 1944

Reiner Senior, der Goldhochzeiter von 1941 (siehe oben), stirbt 77jährig an den Folgen eines Herzschlags. Reiner Senior wurde am 21. August 1866 in Blatzheim geboren. Am 19. August 1891 heiratete er Anna Maria Bohlen aus Bergerhausen. Aus der Ehe gingen 14 Kinder hervor, von denen allerdings fünf bereits früh verstarben. Zwei Söhne fielen im 1. Weltkrieg. Die verbliebenen Kinder sind: die Söhne Barthel, Johann, Cornelius und Reiner, sowie die Töchter Mathilde (Gebhard), Petronella (Münch) und Maria (Becker)
 

 

 

Cornelius Senior

15. Juli 1944

Kornelius wurde am 20. Nov. 1926 in Mariaweiler Krs. Düren als Sohn der Eheleute Barthel Senior u. Helena geb. Romkema geboren. Nach seiner Schulentlassung war er in Bergerhausen als landwirtschaftlicher Gehilfe tätig. Im Juli 1943 rief ihn der Arbeitsdienst nach Oedt bei Krefeld. Am 20. Dez. 1943 forderte ihn die Wehrmacht. Er ahnte an diesem Tage nicht dass er die Heimat mit seinen Eltern und Geschwistern nicht mehr sehen werde.
Nach kurzer militärischer Ausbildung kam er im Frühjahr 1944 zum Einsatz in Italien. Bei den schweren Abwehrkämpfen an der Ligurichen Küste fand er am 15. Juli 1944 bei Lorenzana, ostwärts von Livorno als SS Panzer-Grenadier den tot.
Er Hinterließ in seiner Heimat seine Eltern, 6 Brüder von denen einer zurzeit im Osten im Abwehrkampf stand und 4 Schwestern und die übrigen Verwandten.



18. September 1944

Familie Daniels stellt sich zum Familienfoto auf. An diesem Tag ahnt keiner, wie hart das Schicksal die Familie treffen wird. Vater Michael Daniels wird bald darauf (> Januar 1945) als vermisst gemeldet. Der kleine Karl wird kurz nach Kriegsende im Alter von nur 16 Jahren an Typhus sterben, zusammen mit zwei anderen Kindern aus der Bahnhofstraße. Gertrud wird im Jahre 1955 ein Baby bei einer Sturzgeburt verlieren. Ihr einziger Sohn Karl-Michael wird eines Tages unter mysteriösen Umständen (> 29.6.1988) sterben und sie selbst wenige Jahre später (> 13.12.1991) ebenfalls.

Familie Daniels (v.l.n.r.):
 Maria, geb. Rehfeldt, Karl, Michael und Gertrud

(Foto aus dem Besitz von Karin Knipprath geb. Müsker)

 



 

1944

Ende 1944 rückt die Front immer näher und die Drangsal der Bevölkerung ist beträchtlich. Das normale Leben hatte längst aufgehört. Immer wieder kündigt das Heulen der Sirene herannahende Bomberverbände an und zwingt die Menschen Schutz in ihren Kellerräumen zu suchen. Schließlich richtete man sein Nachtlager komplett in den Kellern ein. Wer keinen Keller hatte und nicht bei Nachbarn unterschlüpfen kann, findet Schutz in den Gewölben des alten Batterieturms der Burg.

Den Bewohnern der Hauptstraße 45 (Johann Senior) bis 55 (Peter Zaudig) steht ein Luftschutzbunker zur Verfügung, der sich an der Grenze zum Park vom Garten der Familie Zaudig bis in den Garten der Familie Baum erstreckt. Andere haben ihre Keller miteinander verbunden, um im Falle des Verschüttens über einen Fluchtweg zum Nachbarhaus zu verfügen. So treffen sich etwa die Nachbarn Hauptstraße 17 (Müller/Dohmen) und Hauptstraße 15 (Kania) in einem gemeinsamen Keller, den auch Familie Brandt (Hauptstraße 24) von gegenüber aufsucht.

Wie riesige Vogelschwärme schrecken Tiefflieger die Menschen und ziehen die Flugzeugstaffeln über das Dorf hinweg um ihre todbringende Fracht über den benachbarten Städten und Industrieanlagen abzuwerfen. Am 28. und 31. Oktober wird Knapsack bombardiert. Von den von Bergerhausen aus gut erkennbaren Kaminen, „die zwölf Aposteln“ genannt, fehlt einer. Er ist nach einem Treffer umgestürzt und hat 13 Menschen unter sich begraben. Ebenfalls am 31. Oktober wird Efferen zum größten Teil zerstört. 36 Bürger - in der folgenden Nacht noch weitere zehn - und 48 Wehrmachtsangehörige kommen ums Leben. Am 2. November wird die Brikettfabrik „Ribbert“ zwischen Hermülheim und Kendenich durch eine Luftmine getroffen. Am 16. November wird die benachbarte Stadt Düren von alliierten Bomben nahezu vollständig zerstört. Am 29. November sterben 62 Zivilisten und um die 250 Soldaten bei Bombenangriffen in Elsdorf, am darauf folgenden Tag sind 80 Todesopfer in Erp zu beklagen. Am 5. Dezember gegen elf Uhr wird das neue Kraftwerk der Roddergrube bei Berrenrath schwer getroffen. Zehn Tote sind hier zu beklagen. ii

Auch in Bergerhausen gab es Bombenabwürfe, und zwar auf der Hauptstraße im Bereich des Krümmelshofes (dabei wurde das erste Haus auf der rechten Seite – neben Familie Jülich - am Ortseingang von Kerpen her beschädigt), in der Bahnhofstraße im Garten von Haus-Nr. 4 und vor allem im Bereich der Einmündung Hauptstraße/Alte Straße. Dort war eine Flakstellung eingegraben, auf die vier Fliegerbomben abgeworfen wurden und einen dort abgestellten Munitionstransporter zur Explosion brachten. Kinder aus den umliegenden Häusern hatten sich auf der freien Fläche zwischen der Hauptstraße und den etwas zurückliegenden Häusern „ein Häuschen“ gebaut. Fünf dieser Kinder und eine Frau kommen ums Leben: Willi Fuß, Theo Over, Heinz Pingen, Willi Reuter und Johannes Röder sowie eine in den Grouven-Häusern wohnende polnische Zwangsarbeiterin namens „Stanislawa“. Annemie Pingen wird verschüttet und kann gerettet werden.iii Auch die berüchtigten Tiefflieger ängstigen die Bewohner. Maria Peter (geb. Kania) und Käthe Senior (geb. Wilschrey) berichten unter anderem von einem Angriff auf Frauen, die im Bereich einer Pferdekarre arbeiteten. Damit die Frauen es beim Beladen der Karre etwas leichter hatten, stand sie schräg. Dabei wiesen die beiden Deichseln gen Himmel und hatten somit das Aussehen eines Flakgeschützes...

Klärungsbedürftig ist die Frage, ob die Bombenabwürfe über Bergerhausen im Zusammenhang mit der Operation „Mission 650“ der US-Airforce standen. Im Kriegstagebuch der amerikanischen Luftwaffe taucht nämlich ein einziges Mal der Name „Blatzheim“ auf, und zwar unter Mittwoch, dem 27. September 1944iv:

421 von 462 B-17-Bombern treffen ein nachrangiges Ziel (Köln) und 10 weitere treffen Blatzheim; eine B-17 wurde unrettbar beschädigt, 165 beschädigt; drei Flieger kamen um, sieben wurden verwundet und einer vermisst. Begleitschutz erfolgte durch 221 P-47 und P-51; sie brachten 500 Flugzeuge in die Luft; drei P-47 wurden beschädigt.“

Die Blatzheimer Feuerwehr konnte zuletzt nur noch über vier Aktive verfügen, weil alle anderen Mitglieder im Kriegseinsatz waren. Deshalb wurde „eine Gruppe Mädel“ ausgebildet, die sich im Einsatz zu bewähren hatten. Diese Löschgruppe bestand aus 12 Frauen, von denen wohl einige aus Bergerhausen stammen: Anna Brand, Sibilla Beusch, Maria Esser, Maria Senior und Maria Wilschrey.v

 

Januar 1945

Der am 25. März 1942 zum Landes-Schützen-Bataillon eingezogene Bergerhausener Gemüsebauer Michael Daniels wird als in Ostpreußen vermisst gemeldet. Daniels war im Januar 1938 von Schloss Türnich nach Bergerhausen, Hauptstraße 36 gezogen, pachtete von den Landwirten Fischer, Grouven und Weiers Land zum saisonmäßigen Anbau von Gartenerzeugnissen und lieferte es an den Erzeugergroßmarkt nach Köln.vi

 

21. Februar 1945 – 27. Februar 1945

Teils hoffend, teils befürchtend, dass die alliierten Truppen rasch vorrücken würden, mussten die Menschen noch lange Wochen mit dem geschilderten Terror leben. Die Flutung der Rur und ein starker Winter hatten nämlich das Überschreiten dieses sonst zahmen Flüsschens für lange Zeit unmöglich gemacht. Im benachbarten Kerpen notiert Konrektor Bernards am 25. Februar den 1.919ten Fliegerangriff in seinem Tagebuch. Die Martinuskirche fällt in Schutt und Asche und 28 Menschen verlieren ihr Leben.vii

Fünf Tage lang, vom 21. bis 25. Februar, werden Blatzheim und Bergerhausen unter Artilleriebeschuss genommen. Am Montag, dem 26. Februar herrscht plötzlich Stille in den von Trümmern übersäten Straßen. Dann heißt es auf einmal „De Amis sen do“.viii

Mit Blatzheim erreichten die Alliierten die erste linksrheinische Gemeinde, deren Bevölkerung nicht evakuiert worden ist. In den offiziellen Berichterstattungen heißt es „Blatzheim ging ohne Schuss verloren“.ix Trotzdem kommen in der auf beiden Seiten der kriegführenden Parteien herrschenden Verwirrung, mehrere Menschen in Blatzheim zu Tode. In der Nacht fallen noch einmal Bomben. Vermutlich sind es deutsche. Dabei geht auch die alte Vikarie in Trümmer. Neun amerikanische Soldaten werden von den einstürzenden Mauern erschlagen.x Ein harmloser, geistig behinderter Junge wird „auf der Flucht“ erschossen.

Nur noch Routineangelegenheit ist für die amerikanischen Truppen die Einnahme des Blatzheimer Ortsteils an der Landstraße sowie Bergerhausens in den Morgenstunden des folgenden Dienstags. Deutsche Soldaten sind nicht mehr da gewesen und der Volkssturm, der am Sonntag noch zur Verteidigung des Ortes aufgerufen worden war, ist erst gar nicht mehr angetreten.xi Die Bergerhausener Bevölkerung hat sich wieder in ihren Kellern und in den Gewölben des alten Batterieturms der Burg verschanzt. Die amerikanischen Soldaten finden durchweg völlig verängstigte Menschen vor, die ihre Sprache nicht verstehen. Mit der Aufforderung „come on, come on“ und „let's go, let's go“ werden sie mit dem Gewehr im Anschlag aus ihren Unterschlüpfen geholt und in die Blatzheimer Kirche verlagert.

 

        

 

iJacobi, Klaus, Festschrift 70 Jahre Freiwillige Feuerwehr Blatzheim, 1970, S. 12

iiDuell, Hans, Als die Amis kamen, Kölner Stadt-Anzeiger vom 25.2.1985

iiiPesch, Maria, Meine Schulzeit von 1941 bis 1950, Festschrift zum 50jährigen Bestehen der St.-Elisabeth-Schule Blatzheim, 1991 nennt die Namen von vier Kindern. Ergänzungen aufgrund mündlicher Berichte von Hans-Dieter Röder, 2/2000 (nennt Heinz Pingen), Karl-Hans Brandt (nennt Annemie Pingen), 3/2000 und Peter Zaudig, 4/2000 (nennt Munitionswagen), Maria Peter, geb. Kania und Käthe Senior, geb. Wilschrey , 8.8.2000, nennen eine Flakstellung sowie eine polnische Arbeiterin, Kathi Wittwer, geb. Steinke, 11.8.2000, bezeichnete die übrigen Abwurfstellen.

ivWEDNESDAY, 27 SEPTEMBER 1944
EUROPEAN THEATER OF OPERATIONS (ETO)
STRATEGIC OPERATIONS (Eighth Air Force):

Mission 650:

1,192 bombers and 678 fighters are dispatched to hit industrial and transportation targets in W Germany and use PFF methods for all targets; 28 bombers and 2 fighters are lost:

421 of 462 B-17s hit a secondary target (Cologne) and 10 others hit Blatzheim; 1 B-17 is damaged beyond repair and 165 damaged; 3 airmen are KIA; 7 WIA and 1 MIA. Escort is provided by 221 P-47s and P-51s; they claim 5-0-0 aircraft in the air; 3 P-47s are damaged.

415 B-17s are dispatched to hit Ludwigshafen/Opau oil refinery (214) and Mainz (171); 4 others hit targets of opportunity; 2 B-17s are lost and 142 damaged; 3 airmen are KIA, 9 WIA and 19 MIA. Escort is provided by 212 P-47s and P-51s; they claim 1-0-0 aircraft in the air; 1 P-47 is damaged.

315 B-24s are dispatched to hit Kassel / Henschel aircraft plant (248); 35 also hit Goettingen*; they claim 5-3-0 aircraft; 26 B-24s are lost*, 6 damaged beyond repair and 41 damaged*; 20 airmen are KIA, 2 WIA and 245 MIA. Escort is provided by 207 P-38s, P-47s and P-51s; they claim 25-0-6 aircraft in the air and 5-0-1 on the ground; 2 P-51s are lost (pilots MIA), 1 P-51 damaged beyond repair, and 2 P-38s and 2 P-47s damaged.

*Webmaster’s Note: So much for the write-up of the Kassel Mission where the 445
th Bomb Group was so badly mauled. See Memorable Missions page for individual accounts of the mission.

Quelle:
US ARMY AIR FORCE EUROPEAN THEATER OF OPERATIONS SEPTEMBER 1944 - http://hometown.aol.com/jlowry3402/sep44.html

vKrings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Feuer und Flamme – Zur Geschichte der Kerpener Feuerwehren,Kerpen 1995, S. 63.

Die Zuordnung der aufgeführten Namen zu Bergerhausen basiert auf Mutmaßung des Verfassers. Die über 80jährige Maria Esser bestritt auf Befragen (13.04.2002), in der Feuerwehr gewesen zu sein. Alfons Steinke (Mai 2002) bestätigte, dass Bergerhausener Frauen, u.a. auch „Honnechs Johan“ (Johanna Kurth), bei der Feuerwehr waren und mehrfach zu Löscheinsätzen in Köln herangezogen worden seien.

viArchiv Jakob Dohmen, Januar 1967

viiFritz Hemmersbach in der Kölnischen Rundschau vom 26.2.1985

viiiSpiller, Harald, Kölnische Rundschau vom 2.4.1975; der Artilleriebeschuss der Burg wird von Cilly Zaudig, geb. Dohmen bezeugt.

ixKölner Stadtanzeiger, Sonderdruck „Bomben und Barrikaden“, 1995

xSpiller, Harald, Kölnische Rundschau vom 2.4.1975

xiElektromeister Josef Dohmen zitiert nach Spiller, Harald, Kölnische Rundschau vom 2.4.1975

Verwendung der Grafik "KdF-Plakat" mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Historischen Museums Berlin, 11.01.2007