Dorfchronik Bergerhausen 1938 bis 1942
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Fröhliche Runde in der Gastwirtschaft Klosterhalfen.
Das Foto dürfte
irgendwann in den 30er Jahren entstanden sein. Links im Bild
sieht man die Gastwirtinnen Elise Klosterhalfen und Gertrud
Hahnen, in der Mitte die Müller-Eheleute Dreiner.
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1938 Bergerhausen, Blatzheim, Niederbolheim und die umliegenden Gehöfte bilden zusammen mit Kerpen, Langenich und Mödrath das Amt Kerpen. Auch das aus den Gemeinden Buir und Manheim bestehende Amt Buir wird diesem Amtsbezirk (bis 1954) zugeschlagen.1
Die Eheleute Stephan Robens und Frau Barbara geb. Dorweiler feiern an ihrem Wohnsitz auf dem Hindenburghügel (Bergstraße in Blatzheim) das Fest der Goldenen Hochzeit. Der 75jährige Stephan Robens ist in Bergerhausen geboren und verrichtet heute noch in einem Bergerhausener Gutsbetrieb „leichtere Arbeit., wozu er stets die Strecke Weges mit dem Fahrrad zurücklegt“.2
Natürlich bemühten sich die Nationalsozialisten auch in der Gemeinde Blatzheim darum, die Bevölkerung auf ihre Linie zu bringen. Insbesondere in der Schule ergaben sich dafür ideale Bedingungen zumal man in dem 1935 nach Blatzheim versetzten Schulleiter Theo Tillmann, zugleich Ortsgruppenleiter des NSDAP, einen überzeugten Vermittler einschlägiger Propaganda hatte. Dabei konnte verantwortungsbewusste elterliche Pädagogik bisweilen in Konflikt mit jener der Partei geraten. So hatte eine Mutter aus Bergerhausen eine propagandistisch geprägte Hausaufgabe kurzerhand aus dem Schulheft ihres Sprösslings gerissen, was diesem Ärger und der Mutter den nachstehend abgedruckten Brief einbrachte: Volksschule Blatzheim Blatzheim, den 15.9.38 An Bergerhausen Wie mir Ihr Sohn Jakob mitteilt, haben sie die von der Schule gestern aufgegebene schriftliche Rechtschreibeübung vernichtet und somit die Ausübung der schulischen Pflichten bei Ihrem Sohne verhindert. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie sich unbefugt in die Hoheitsrechte der deutschen Volksschule gemischt haben, welches ich mir als Schulleiter energisch verbitte. Einen nochmaligen Versuch betrachte ich als Sabotage an unserer nat.-soz. weltanschaulich-aufbauenden Erziehungsarbeit. Über die Folgen derartigen Handelns mögen Sie sich im klaren sein. Das Schulamt ist hiervon in Kenntnis gesetzt worden. Herr Schulrat behält sich im Wiederholungsfalle weitere Schritte vor. Der Schulleiter Tillmann
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1939
Maria
Dohmen mit ihrem Patenkind Maria (links) und Elisabeth Kania
(rechts) im Garten von Haus Hauptstraße 33. (Foto aus dem Besitz von Maria Peter geb. Kania) |
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Februar
1940 Infolge der Schneeschmelze stieg der Neffelbach so hoch, wie seit 150 Jahren nicht mehr.3 Im großen und ganzen hielt sich der Schaden bei den im Februar/März häufig auftretenden Überflutungen in Bergerhausen im Rahmen. Gefährdet waren vor allem die in der Talsenke des Neffelbachs liegenden Höfe Graß (Teschenhof), Stollenwerk (Burgmühle) und die Burg. Ansonsten konnte der Bach sich problemlos auf den „Benden“, das sind vor allem die Wiesen im Park und nach Blatzheim zu, verteilen. Das war sogar vorteilhaft für das Graswachstum. Nach Abklingen der Flut konnte man dann die Wiesen nach Aalen absuchen, die dort zurückgeblieben waren.4
24. Mai 1940 Mathilde Freifrau von Loë, geborene von Fürstenberg, Witwe des Clemens Freiherr von Loë, verstirbt.5
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19.
August 1941
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(Foto im Besitz von Marlene Kochs, geb. Senior)
Reiner
Senior und seine Frau Maria, geb. Bohlen, feiern Goldene Hochzeit.
Die Familie Senior spielt schon wegen ihrer zahlreichen Nachkommen
eine große Rolle in Bergerhausen. Wohl die Hälfte aller
alteingesessener Bergerhausener dürfte mit einem der auf dem
Foto abgebildeten Menschen verwandt sein. |
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2.
September 1941
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Seit Januar ist der Schulweg für die Kinder aus Bergerhausen deutlich länger. Das alte Schulgebäude neben der Kirche (das heutige Kunibertushaus) hatte ausgedient. Die neue „Dietrich-Eckart-Schule“, so genannt nach einem 1923 verstorbenen Protagonisten Hitlers, liegt auf dem Gelände des ehemaligen Kosterbungerts dem „Hindenburghügel“ an der südliche Peripherie von Blatzheim. 6 Hauptlehrer Theo Tillmann empfängt die Kinder an ihrem ersten Schultag in Parteiuniform. Mit seinem stattlichen Körperbau und mit dröhnender Stimme entspricht er voll und ganz dem Klischee des Nazibonzen und macht einen einschüchternden Eindruck auf die Kinder. |
| In ihren Erinnerungen an die Schulzeit schreibt Maria Pesch, geb. Kelleners, aus Dorsfeld: „Wir waren eine Klasse von ungefähr 40 Schülern, die sich aus Kindern von Blatzheim, Bergerhausen, Niederbolheim und den umliegenden Höfen Dorsfeld, Geilrath und Onnau zusammensetzte. Die Bolheimer und die Bergerhausener Kinder hatten es etwas leichter, die Schule zu erreichen. Sie fuhren mit der sogenannten Bimmelbahn, die zwischen Nörvenich und Mödrath verkehrte. Schwierig dagegen hatten es die Kinder von den umliegenden Höfen, besonders von Dorsfeld und Geilrath. Oft war es schon eine Strapaze. Wer zu dieser Zeit ein Fahrrad besaß, konnte sich glücklich schätzen. Bei jeder schlechten Witterung, bei Sturm, Regen und Kälte legten wir die Strecke von ungefähr vier bis fünf Kilometer zu Fuß zurück. Zur Herbst- und Winterzeit kam es des öfteren vor, dass wir triefnaß und schlotternd vor Kälte in der Schule ankamen.“7 | |
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Weihnachten
1941
Das
nebenstehende Foto (aus dem Besitz von Hans-Dieter Röder) zeigt die Familie Becker/Röder
(v.l.n.r.): Käthe (geb. Kremer) - die Frau von Johann Röder,
Maria Becker, verw. Röder (geb. Hambach), ihr Sohn Reiner
Röder, der kleine Johannes, dessen Vater Johann Röder,
Stiefvater Johann Becker, Maria Lövenich, geb. Becker. |
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17.
Februar 1942 Josef August Hubert Fischer verstirbt.8 Der Hof wird von seinem Sohn Josef weiter geführt.
3. März 1942 Der auf dem Hubertushof, Bahnhofstraße 8, sitzende Werner Grouven verstirbt.9
3. April 1942 ![]() |
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Für
die Erstkommunionkinder und ihre Freunde wird eine Feier auf Burg
Bergerhausen ausgerichtet. Hintere Reihe (v.l.n.r.): Heinrich Berger, Matthias Heller, Christian Linden, Heinz Linden. Mittlere Reihe: Katharina Krautz, Maria John, N.N., Irmgard Dreiner, Elisabeth Meurer, Maria Kania, Gertrud Daniels, Frau Esser. Untere Reihe: Käthe Jülich, Maria Jülich, N.N., Hans-Peter Hahnen, Billa Münch, Anne-Gitte von Loë, Kathi Steinke, N.N., Franz Stollenwerk, Willi Stollenwerk. (Foto aus dem Besitz von Karin Knipprath, geb. Müsker. Für die Namen danke ich Kathi Wittwer, geb. Steinke) |
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Gruppenbild
zur Feier bei Familie Steinke, aufgenommen am Hintereingang des
Hauses Hauptstraße 15 (Eigentümer: Fischer) 1. Heinrich Schütz, 2. Reiner Senior, 3. Heinz Breuer, 4. Johannes Breuer, 5. Herbert Behrens, 6. Kathi Steinke, 7. Heinz Titze, 8. Alois Steinke, 9. Heinrich Steinke, 10. Maria Steinke, 11. Alfons Steinke, 12. Margarete Utzerath, 13. Wilhelm Utzerath, 14. Johann Utzerath, 15. Robert Titze, 16. Einquartierungssoldat, 17. Elisabeth Senior, 18. Gerta Utzerath, 19. Katharina Breuer, geb. Schütz, 20. Johann Breuer, 21. Josefa Steinke, 22. Elisabeth Utzerath, 23. Sofia Viktor, 24. Johann Senior, 25. Helene Behrends, 26. Peter Viktor, 27. Agnes Senior, 28. Alex Senior, 29. Peter Schütz, 30. Einquartierungssoldat, 31. Johanna Viktor, 32. Einquartierungssoldat, 33. Adele Titze, 34. Johann Hall, 35. Margareta Hall, 36. Einquartierungssoldat. |
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11. Mai 1942
Der
Verstorbene wurde am 6. März 1915 in Benzelrath bei Köln
als Sohn der Eheleute Alexander und Josepha Steinke geboren und in
der Pfarrkirche zum heiligen Severin in Frechen in der Taufe zum
ewigen Leben wiedergeboren. |
Heinrich
Steinke |
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12. Juli 1942 Bei der Generalversammlung der Spar- und Darlehenskasse werden Walter Freiherr von Loë als Vorsitzender und Kaspar Dohmen als Aufsichtsratsmitglied wiedergewählt.
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Franz Dohmen |
24.
Juli 1942 |
| Hier die amtlich beglaubigte Abschrift der Benachrichtigung an die Eltern: | |
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Weihnachten
1942 |
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„Weihnachten
1942“ ist auf der Rückseite dieses Fotos aus dem Besitz
von Cilly Dohmen (Zaudig) vermerkt. Das Foto zeigt den Schlossherrn
von Bergerhausen, Walter Freiherr von Loe, in Wehrmachtsuniform.
Cilly Dohmen (Foto unten, mit Tablett) arbeitet als „Mädchen“
auf dem Schloss. (Das Foto unten - ebenfalls aus dem Besitz von Cilly Zaudig, geb. Dohmen, stammt vermutlich aus der Nachkriegszeit.) |
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1www.stadt-kerpen.de 2Zeitungsberichte vom 8. und 14.2.1938 3Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, Nr. 2973, Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Der Neffelbach-Kerpens Hausfluß, 1996, S. 11; Höhner, Hans, in Kerpener Heimatblätter 1/1967, S. 251 ..erreichte aber bei weitem nicht die Höhe und Gefährlichkeit der Flut von 1784- 4Der Hinweis auf die Aale stammt vom Blatzheimer Locher Hof-Landwirt Axer, dessen Schwiegersohn Josef Küpper es mir am 19.4.2000 erzählte. 5Mündlicher Bericht Wilhelm Pingen, Bergerhausen, Ende 1999 6Dohmen, Jakob, Zur Geschichte der Blatzheimer Schule, Festschrift zum 50jährigen Bestehen der St.-Elisabeth-Schule Blatzheim, 1991 7Pesch, Maria, Meine Schulzeit von 1941 bis 1950, Festschrift zum 50jährigen Bestehen der St.-Elisabeth-Schule Blatzheim, 1991 8Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 275 9Archiv Jakob Dohmen |
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