Dorfchronik Bergerhausen 1919 bis 1924

 

   
1919

Am „Gutshof Mühle“ werden umfassende Bauarbeiten vorgenommen. Neben etlichen Veränderungen am Wohnhaus lässt man neben dem Turbinenhaus einen Anbau für ein Sägewerk errichten.30


30. September 1919

Karl Fischer vom Krümmelshof heiratet Margarete Herzog, geb. 20.5.1866 in Düren.31


Dezember 1919

Die Feuerwehr hat dem Gemeinderat einen Katalog von Wünschen vorgelegt, in dem unter anderem 100 Meter Schlauch für Bergerhausen gefordert wird.32


1919/1920

Und nochmals Alfons Commer: „Als treue Deutsche zeigte sich unsere Bevölkerung bei der nach dem verlorenen Weltkriege einsetzender separatistischen Bewegung, denn mit Ausnahme nur eines Abtrünnigen stand der Ort geschlossen hinter seiner Regierung. Beim passiven Widerstande waren Buir, Blatzheim und Niederbolheim die letzten Stationen des Eisenbahnbezirkes Köln und wurden dortselbst sämtliche für Düren, Aachen und deren Hinterländer bestimmten Eisenbahnfrachten und Personen ausgeladen. War das ein Trubel! Tausende von Gefährten, Last- und Personenautos durchfuhren den Ort.“33
 


Maria Sofia Dohmen, geborene Ulrich und Franz Josef Dohmen
(Genealogische Sammlung Franz-Peter Dohmen/Agnes Dohmen-Hampicke)

Dienstag, 28. September 1920

Maria Sofia Dohmen, unser „Größchen“, verstirbt nachmittags um 5 Uhr im Alter von 67 Jahren. Aus der Ehe mit ihrem Mann Franz waren 10 Kinder hervorgegangen. Nachdem vier von ihnen im Kindesalter verstorben waren, blieben ihr fünf Söhne und eine Tochter, darunter Franz („Stroße Fränz“) von dem viele der in Blatzheim existierenden Dohmens abstammen, Georg, der seine Ambitionen Priester zu werden wegen Geldmangels aufgeben musste und dann in Niederaußem eine Familie gründete, sowie Wilhelm und Caspar, die den Bergerhausener Familienzweig aufrecht erhielten. Sohn Adolph war im Ersten Weltkrieg gefallen. Tochter Agnes wohnt bei ihrem nun alleinstehenden Vater und versorgt ihn an Mutters Stelle.

 
 
29. November 1920

Anton Hoch gehört zu den Gründern der „Freien Turnerschaft“ Blatzheim.34


Weihnachten 1923

Eine neuseeländische Einheit löst die britische Besatzung auf Burg Bergerhausen ab.35


 
(vermutlich:) Sommer 1924
 

Die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Vereine führt im Schlosspark das viel beachtete Schauspiel „Elmar“ nach Friedrich Wilhelm Webers „Dreizehnlinden“ auf. Wesentliche Elemente dieses dem christlichen Spielgut zugerechneten Stücks sind das aufblühende Christentum auf der einen und das versinkende Heidentum auf der anderen Seite, die Seelenkämpfe des Helden Elmar, bis er Christ wird, und sein Zwiespalt in der Liebe zu dem Frankenmädchen, die endlich den Sachsentrotz besiegt.36

Hier einige fotografischen Impressionen:

 

 

     

 

1924

Clemens von Loë läßt eine beschädigte Scheune des Giffelsberger Hofes wieder aufbauen.37 Eine andere zu seinem Besitz gehörende Scheune, die des Gutsverwalters Peter Schüller, wurde in diesem Jahr ein Raub der Flammen:

22. September 1924:
„Der Großbrand brach aus am 22. September 1924 nachmittags halb vier Uhr in der Scheune infolge Kurzschluß hinter der elektrischen Tafel in der linken Tenne. Noch ehe das Feuer losging, waren sämtliche auf der Burg gelagerten Feuerlöschgeräte von Bergerhausen zu Stelle, jedoch im Augenblick stand die ganze Scheune in Flammen. Hydranth und Schläuche versagten und es war unmöglich, mit Wasser dem Feuer Herr zu werden. Nach Alarmierung der Wehr war die Scheune verloren und richtete die Wehrleitung ihr direktes Unternehmen auf die anschließenden Gebäude. Herr stellvertretender Brandmeister Pingen übernahm den anschließenden Burgturm von historischer Bedeutung, erhielt denselben vollständig und kam außer Gefahr. Herr Brandmeister Dackweiler übernahm die ganze Innen- und Außenleitung des Brandes und übergab dem Steigerführer Johann Rick die Leitung für den inneren Hof. Stellvertretender Spritzenführer Josef Färber übernahm, weil es an Mannschaften fehlte, selbst das Strahlrohr und arbeitete mit seinen zur Verfügung stehenden Mannschaften unermüdlich. Die Steigerabteilung kämpfte mit den größten Schwierigkeiten und hielt freie Bahn zwischen Stallungen rechts und links der Wirtschaftsgebäude. Um 6 Uhr abends war die Gefahr beseitigt und war das Alarmieren der fremden Wehren von Kerpen und Buir überflüssig. Sie mußten unverrichteter Weise abrücken. Um 10 Uhr wurde die erste Wache eingeteilt. Herr Brandmeister und 6 Mann hielt den zum Löschen des Brandes Teil vollständig bis morgens 7 Uhr.“

Gelöscht wurde mit einer Druckpumpe, die mindestens vier Mann bedienen mußten. Ein hartes Stück Arbeit!38

 

        

 

30Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Mühlen an Neffel und Erft, Kerpen 1997, S. 137. Dieser, zwischen Turbinenhaus und Hofeinfahrt zur Straßenfront angefügte Anbau wurde mit Backsteinen und Fachwerk errichtet. Er ist auf einem Luftbild, das im Stadtarchiv aufbewahrt wird, zu sehen. (Ausgestellt im Rathaus-Foyer zum „Tag des offenen Denkmals“ im Oktober 2000.)

31Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 275

32Jacobi, Klaus, Festschrift 70 Jahre Freiwillige Feuerwehr Blatzheim, 1970, S. 21

33Commer, Alfons, Efeuranken – Beiträge zur Geschichte Blatzheims im Festbuch zum 50-jährigen Jubel-Feste des Männergesangvereins „Eintracht“ Blatzheim, 1925

34Festschrift 60 Jahre T.V. Viktoria Blatzheim e.V. 1980

35Clemens Freiherr von Loë, Chronik der Burg Bergerhausen, Festschrift 5 Jahre Burg Bergerhausen, Psychotherapeutisches Institut Berg Bergerhausen e.V. 1982

36Mehr über Webers „Dreizehnlinden“ unter http://www.immaculata.ch/archiv/weber_dreizehnlinden1.htm

37Degenhard von Loë, Schloß Mheer; Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Höfe und Güter in Kerpen, Kerpen 1990, S. 82

38Originalaufzeichnungen der Feuerwehr nach Jacobi, Klaus, Festschrift 70 Jahre Freiwillige Feuerwehr Blatzheim, 1970, S. 35