Dorfchronik Bergerhausen 1650 bis 1749

 

um 1650

Ferdinand Freiherr von dem Bongart, Herr zu Bergerhausen, Heiden und Niedermörmter lässt die alte Krümmelsburg abbrechen und an einem hochwassergeschützten Platz, an der Dorfstraße, wenige Meter oberhalb des Standorts der Burg den Krümmelshof erbauen.


30. September 1651

Maximilian Heinrich, Erzbischof von Köln, belehnt den Freiherrn Ferdinand von dem Bongart mit der Burg zu Bergerhausen in der Art, wie zuvor Wilhelm und Otto von dem Bongart damit belehnt wurden.1


1652

Maueranker in Form der Jahreszahl „1652“ auf dem großen Langhaus des Wirtschaftstraktes der Vorburg, lassen den Schluss zu, dass in diesem Jahr umfangreiche Bauarbeiten im Bereich der Vorburg durchgeführt worden sind.


Juni 1653

Anna Catharina, die Witwe des Otto von dem Bongart, verstirbt.2


1657

Ferdinand Freiherr von dem Bongart heiratet Maria Freiin von Nesselrode, Tochter des Bertram von Nesselrode zu Herten, Stein und Ehrenstein und der Luzia von Hatzfeld zu Wildenburg und Krottorf.


17. September 1661

Im kirchlichen Visitationsprotokoll wird angemahnt, dass das Öl für die Lampe am hochwürdigen Sakrament von seiten der Halbwinner der Scheiffartsburg nur nachlässig zugeführt wird.3


22. Februar 1663

Ferdinand von dem Bongart stirbt. Seine Witwe heiratet (später) in zweiter Ehe Emmerich Ernst Freiherr von Wildberg zu Aliken.


1669

Erneut ist es der Heimatforscher Dr. Stommel aus Lechenich, der uns interessante Einblicke in die Verhältnisse jener Tage gewährt:

Der Gerichtsbezirk Blatzheim, wie wir ihn mit dem Weg des Dinges im Jahre 1458 beschrieben haben und in den Gemeindegrenzen bis 1974 fortbestand, betrug nach der Landesbeschreibung von 1669 insgesamt 2.333 Hektar. In diesem Bezirk standen damals außer den adeligen und kirchlichen Häusern 155 sogenannte „Hausmannshäuser“, davon im Ort Blatzheim selbst 132. Auf die übrigen Orte (Bergerhausen und Niederbolheim sowie die Gehöfte Dorsfeld, Geilrath, Giffelsberg und Onnau) entfiel somit der Rest von 23 Hausmannshäusern.

Der größte Grundbesitz des Bezirks entfiel auf den Adelssitz Bongart zu Bergerhausen mit 814 Morgen, gefolgt von der Scheiffartsburg mit 427 Morgen. Zu den 155 Hausmannshäusern des Gesamtbezirks gehörten insgesamt 848 Morgen Ackerland, 59 Morgen Haus- und Gemüsegarten und 27 Morgen Baumgärten. Dazu besaßen die Einwohner noch 150 Morgen in der Jülich’schen Herrschaft und 300 Morgen in der Kerpener Hoheit. Insgesamt betrug also der Besitz der Hausmänner 1.395 Morgen, während der adelige Besitz mit 2.693 Morgen und der geistliche Besitz mit 1.000 Morgen angegeben ist.

Der Durchschnittshaushalt zählte 2 bis 4 Morgen als Eigentum. Einige Höfe, die sich in bürgerlichem Besitz befanden, ragten aus der Masse der Hausmannshäuser heraus. Aus jenen „besseren Kreisen“ rekrutierten sich dann auch die Schöffen des Blatzheimer Gerichtes.

Wovon lebten aber die gewöhnlichen Hausmannsleute? Auf ihrem kleinen Besitz hielten sie sich Kuh, Schwein und Schaf. Am Morgen um sieben ertönte das Horn des Kuhhirten, der die Kühe des Ortes auf das Gemeindeland zum Weiden trieb. Der Schweinehirte hütete zur Herbstzeit die Schweine in den Wäldern auf der Eckernmast. Die Masse der Bevölkerung verdiente ihren Unterhalt als Tagelöhner auf den großen Gütern oder als kleine Handwerker. Schneider und Schuster arbeiteten nicht in einer eigenen Werkstatt, sie gingen ihrem Handwerk im Tagelohn nach.

Der Ort Blatzheim mit seinen 132 Bürgerhäusern war damals die größte Ansiedlung des ganzen Amtsbezirkes, größer als der Amtsort, die Stadt Lechenich, selbst.

Gemessen an dem, was die öffentliche Hand im 21. Jahrhundert an Steuern und Abgaben von seinen Bürgern erhebt, ist man in jener Zeit der Feudalherren geradezu bescheiden. Aber auch schon damals waren die Lasten beachtlich. Da gab es zunächst – wie schon in biblischen Zeiten – den großen Zehnten, das heißt, der zehnte Teil des Ertrages musste an die erzbischöfliche Verwaltung abgeliefert werden. Daneben gab es den kleinen Zehnten, auch Krautzehnten genannt, der meist durch einen Geldbetrag abgelöst wurde. Darüber hinaus finden wir den Rodtzehnten, eine Steuerlast auf neugerodetem Land, der ebenfalls in Geld entrichtet wurde. Schließlich musste für jeden Kamin jährlich ein fettes Huhn abgeliefert werden, das sogenannte Rauchhuhn.4


1670

Eine Deskription des Erzstifts Köln nennt für dieses Jahr noch vor der Bongartsburg die Scheiffartsburg: „Freiherr Scheiffart von Merode zu Allner hat zu Bergerhausen einen adligen seeß, die Scheiffartsburg genannt, hält artland (Ackerland) 234 Morgen und 2 ¼ Morgen Benden.“5 Damit hat die Scheiffartsburg nur 13 Morgen Landbesitz weniger als Burg Bergerhausen.6

Die zum „Seeß“ Bergerhausen gehörige Mühle wird mit 2 Gulden 16 Albus besteuert bei einem Roggenertrag von 24 Morgen.7

Ungesichert ist die Frage, ob es sich bei dieser Mühle um die Mühle der Bongartsburg oder eine weitere Mühle in Bergerhausen gehandelt hat, die zur Scheiffartsburg gehört haben könnte. Es gibt nur einige spärliche Hinweise auf eine zur Scheiffartsburg gehörenden Mühle: In einer „Specification aller Jülichschen und Cöllnischen auff der Bach die Naafel genannt gelegenen Müllen“ aus dem Jahr 1700 werden für Bergerhausen zwei Mühlen genannt.8 Überdies gibt es einen nicht eindeutig zu verstehenden Hinweis auf eine mögliche Mühle der Scheiffartsburg von Walram von Rodenkirchen aus dem Jahre 1682: „... Walrami Rodenkirchen alß possessoris der Scheffratsburg zu bergerhausen contra Adamum Krudener Molitorem daselbsten...“9

Außerdem ist auf einer Karte aus dem Jahr 1678 die „alte Scheiffartsarchen“10 eingezeichnet, was wiederum ein Hinweis auf eine Einrichtung wäre, die zum Betrieb einer Wassermühle erforderlich war.


21. Juni 1670

Wie schon neun Jahre zuvor wird im kirchlichen Visitationsprotokoll wieder die nachlässige Zuführung des Öls für die Sakramentslampe durch die Halbwinner der Scheiffartsburg beklagt.11


1671/1672

Nach der kurkölnischen Landesdeskription von 1671 und 1672, in der es heißt, dass zu Bergerhausen Freiherr von dem Bongart „von Crümmel einen adlichen seeß“ hat, hält die Krümmelsburg an Ackerland 150 Morgen (180 Morgen kölnisch); der Steuersatz beträgt 15 Gulden.12


1673

Auf dem Leerodt’schen Krümmelshof sitzen als Halbwinner Arnold Vaessen, wohl ein Bruder des Blatzheimer Halfen und Gerichtsschöffen Ferdinand Vaessen d. A., und seine Frau Gertrud Courtt (Curtius), Tochter des bekannten Ringsheimer Halfen Johann Courtt und der Catharina Meuser. Beide hatten am 12. Oktober 1670 zu Blatzheim geheiratet.13

Im selben Jahr verpfänden ein Goerth Bergerhausen und seine Frau ihre in Bergerhausen gelegene Behausung mit Hof und Garten dem vorgenannten Arnold Vaessen gegen ein Darlehen zum Unterhalt der 100jährigen Petronella Ponsert, Mutter des Goert Bergerhausen. Petronella ist erblindet und schon seit über 30 Jahren Witwe eines Gerhart Bergerhausen.14


1676

Hermann Glasmächer ist Pächter der Burgmühle.15


um 1678

Eine historische Flurkarte der Gegend zwischen Blatzheim und Kerpen, die aus dem Archiv von Schloß Harff stammt16 gibt uns eine Vorstellung, wie das Dorf Bergerhausen mit seinen (inzwischen nur noch zwei) Herrschaftshäusern ausgesehen hat:
 


Die im Original undatierte Karte zeigt dem verweilenden Betrachter viele, zum Teil überraschende Details. Im Mittelpunkt steht die als wehrhafte Ringanlage ausgebaute Bongartsburg. Kenner werden bemerken, dass der Zeichner die Anlage gegenüber den tatsächlichen Verhältnissen um etwa 45 Grad nach Süden verdreht hat. Das hier rechts auszumachende Herrenhaus müsste richtigerweise oben (nördlich) zu sehen sein.

Hans Elmar Onnau weist zudem darauf hin, dass auch die Wehrmauer, die die beiden Batterietürme miteinander verbindet, nicht gezeichnet ist und merkt an, dass man nicht annehmen dürfe, es handele sich um eine einteilige Wasserburg, während die Burg in Wirklichkeit aus einer durch einen Zwischengraben getrennten Hauptburg und einer Vorburg bestanden hat.17

Innerhalb desselben von Neffel- (“Die alte Bach“) und Mühlenbach („Die neue Bach“) umflossenen Bereichs entdecken wir weiter rechts die Scheiffartsburg. Bei der Anlage des Dorfes fällt die vorwiegend in einer Nordsüdachse verlaufende Bebauung auf, im Gegensatz zur heutigen Ostwestausprägung. Das Dorf hat sich also offenbar entlang der von Lechenich nach Bergheim führenden Straße entwickelt.

Im Norden des Dorfes sehen wir den (St.) Huppertzbusch, dessen Reste sich heute nach Nordwesten in weitem Abstand vom Ort befinden. Man beachte auch den etwas anderen Verlauf der Köln-Dürener-Straße oder die Mäander des Neffelbachs.

Am unteren Bildrand sind die ausgedehnten Hofanlagen von Gut Onnau eine nähere Betrachtung wert. Gegenüber der Darstellung von 1587 haben wir einen wesentlich größeren Hof vor uns, der hier als sechseckige Anlage dargestellt ist. Eine andere Version dieser Handzeichnung stellt den Hof als eine Vierflügelanlage dar.18

An der Straße nach Kerpen entdecken wir bei Langenich eine Kapelle (St. Hubertuskapelle, abgerissen 180319), die Markierung eines weiteren Heiligtums (ein Kruzifix, das 1768 durch die Kalvarienberggruppe „An den drei Bildern“ ersetzt wird20) und – recht bedrohlich – einen Galgen („Kerpener Gericht“), damit die Richtstätte als warnendes Rechtszeichen gut zu sehen war und „das Volk heilsam erschüttert und von Übeltaten abgeschreckt werde“21.


1680

Margarete von Waha, eine Tochter von Johann Scheiffarts Schwester Elisabeth und deren Ehemann Wilhelm von Waha, Herr von Waha, Mabouge und Charveux, hatte inzwischen die Scheiffartsburg sowie Haus Mabouge geerbt. Aus ihrer Ehe mit Karl von Lardenois de Ville war eine Erbtochter namens Anna Josefine von Waha hervorgegangen. Diese hatte die Scheiffartsburg und Haus Mabouge geerbt. Vor 1680 muß sie sich mit ihrem Vetter Johann Philipp von Waha, Herrn von Grampfienne, Rienne und Sart-Custine, verheiratet haben, womit die Scheiffartsburg und Haus Mabouge wieder an die Familie von Waha zurückkehrte.22

Von den Waha geht die Scheiffartsburg vermutlich durch Verkauf, spätestens anfangs 1680, an Walram von Rodenkirchen über. Im Visitationsprotokoll vom 23. Mai 1680 der Blatzheimer Kirche ist festgehalten, dass das Kirchenöl für das ganze Jahr von Walram Rodenkirchen gespendet wird wegen des von ihm erworbenen Hauses Scheiffart zu Bergerhausen.23

Walram von Rodenkirchen, Herr von Bergerhausen, ist Rat des Deutschen Ordens und stammte aus der Kölner Patrizierfamilie von Rottkirchen. Er war 1640 geboren als Sohn des Kölner Bürgers Rutger von Rodenkirchen und dessen Frau Helene Berg. Verheiratet ist er mit Sara Quix, einer Tochter des Kölner Ratsherrn und Bürgerhauptmanns Hermann Quix un der Katharina Mertens.24


1682

Der als „Molitor“ bezeichnete Adam Krudener ist Pächter einer Mühle in Bergerhausen.25


1683

In diesem Jahr sorgt die Nutzung des Neffelbachs für mancherlei Aufregung. Friedensrichter Johann Peter Dethier hat uns gleich drei Vorkommnisse hinterlassen, bei denen einem diensteifrigen Bach-Schultheißen wohl eine besondere Bedeutung zukommt. Bachschultheiß ist jeweils der Müller der letzten Mühle auf dem Neffelbach. Dadurch besaß der Kerpener „herrschaftliche Müller auf dem Neffelbach“ die Oberaufsicht über den gesamten Lauf des Neffelbachs, unabhängig vom jeweiligen Hoheitsgebiet. Er hatte die Macht, alle Vergehen, die den ungehinderten Lauf des Wassers und damit die Arbeit der Mühlen beeinträchtigten, zu ahnden. Er erteilt die dazu erforderlichen Anordnungen, setzt Strafen fest und zieht bei den Zuwiderhandelnden auf dem Wege der Pfändung Vieh und Gerätschaften ein.

Dies widerfährt auch Johann Vaeß, dem Hofpächter der Scheiffartsburg. Wie dem Protokoll vom 1. März 1683 eines vom Kölner Schultheiß Schreiber zu Kerpen im kurfürstlichen Auftrag abgehaltenen Zeugenverhörs zu entnehmen ist, war Vaeß von dem Müller dabei ertappt worden, wie er den Damm des Baches durchstochen hatte, vermutlich um seine Wiesen und Felder zu bewässern. Jener pfändete kurzerhand die Pferde des Sünders und führte sie nach Kerpen, wo Vaeß sie um zwei Malter Äpfel und zehn Quarten Wein einlösen musste.26

Aus einer Akte des Gerichtsschöffen zu Blatzheim anlässlich einer prozessualen Auseinandersetzung zwischen dem Bergerhausener Müller und Walram Rodenkirchen über die Bewässerung des Neffelbachs vom 8. März 1683:

„Item vrogen wir vor gemeine Strassen durch das Dorf, ein nacher Collen, ein nacher Dueren, ein nacher Bercheim. Ein nacher Lechenich. Und vrogen so viel Wassers in die alte Bach, dass die Nachbarn Nothdurst haben, und vrogen alle Weiden und Hecken langs die Bach gemein.“

Gleichzeitig erklärt der Kurfürst Maximilian, Heinrich von Köln, in einem in derselben Streitsache am 26. Februar 1683 an den Schultheiß von Kerpen erteilten „Commissorium“, „dass Walram Rodenkirchen bei Führung des Prozesses vor dem Offizial zu Köln erwiesen, dass die Nachbaren aus dem Neffelbach Samstags von 12 Uhr bis Sonntags 12 Uhr ihre Benden zu wässern berechtigt seien.“27


17. Jahrhundert

Der heute noch als Senke im Park westlich der Burg zu sehende äußere Graben der Burg wird geschleift.28


1684 - 1685

Walram von Rodenkirchen ist Bürgermeister von Köln. Es ist dies die Zeit der Rebellion des Nikolaus Jülich, eines Band- und Manufakturwarenhändlers der Kölner Zunft Himmelreich.29


1686

Von Ferdinand von dem Bongart und Maria von Nesselrode ging der Krümmelshof an ihre Tochter Maria Catharina Margarete von dem Bongart zu Heiden über. Diese heiratet 1686 Franz Wolfgang Werner Josef Freiherr von Leerodt zu Leerodt und brachte ihm den Hof zu. Leerodt ist pfalz-neuburgischer Geheimer Rat und kurkölnischer Amtmann zu Heinsberg.30


6. November 1697

Im Visitationsprotokoll der Blatzheimer Kirche ist vermerkt, dass der Küster (Tilmann Schein) (neben Abgaben aus Blatzheim und Niederbolheim) von der Scheiffartsburg 4 Blatzheimer Sümmer sowie 3 Korngaben, von der Bongartsburg 1 Malter Roggen und vom großen Dorsfelder Hof 24 Korngarben erhält.

Neben Rodenkirchen als Besitzer der Scheiffartsburg wird der Rentmeister der Bongartsburg, Franz Brewer, namentlich erwähnt.31


1700

Walram von Rodenkirchen hatte mit seiner Frau elf Kinder, von denen sechs Geistliche waren. Die Tochter Maria Sophia Agnes verheiratete sich mit dem Odentaler Richter Johann Maximilian Franziskus Reuter und brachte ihm die Scheiffartsburg zu. Das Burghaus wird nach 1700 von der Familie Reuter bewohnt.32

Auf dem Krümmelshof sitzen in dieser Zeit Johann Heinrich Virmenich und seine Frau Anna Sybilla Kemmerlings als Halbwinner.33


1701

Der Sohn Karl Ferdinand des Rentmeisters der Bongartsburg, Salentin Mazza, läßt sich an der Universität zu Köln immatrikulieren.34

Etwa um die Mitte des 17. Jahrhunderts, in der Zeit des Abbruchs der alten Krümmelsburg, gerät auch die alte Jülicher Lehensbindung dieses Anwesens in Vergessenheit. Man war der Ansicht, dass die Krümmelsburg, ähnlich wie die Burg Bergerhausen, ein kölnisches Lehen sei und nur einige Ländereien von Jülich zu Lehen gingen. Um 1701 ist in der herzoglich-jülichschen Lehenskammer nicht bekannt, wo das Bergerhausener Lehen lag und wer sein Besitzer war.35

Von kurz nach 1700 an ist eine Linie der Familie Bergerhausen auf Hof Onnau beurkundet.36


1708

Seit 1706 schwelt eine vor dem Hofrat ausgetragene Auseinandersetzung zwischen der Familie von Bongart und der Familie von Leerodt um die zu Bergerhausen einschließlich Onnau gehörenden Güter. Offensichtlich haften auf diesen Gütern Schuldforderungen, auf die die Familie von Leerodt Anspruch erhebt.37


26. November 1708

Salentin Mazza verstirbt. Der Abkömmling aus dem Tiroler Geschlecht von Mazza war kaiserlicher Notar, kurkölnischer Gerichtsschöffe zu Blatzheim und Rentmeister der Bongartsburg.38


1715

Um 1715 lebt in unserem Dorf ein Reinat Bergerhausen, der einen „Hausmannß hoff“ besitzt.39


1719

Maximilian Reuter und seine Frau gehören zu den Gründern der vom Blatzheimer Pfarrer Christoph Meyer errichteten Kirchlichen Bruderschaft.40


1725

Die bereits unter 1708 vermerkte Streitakte Bongart/Leerodt trägt den Vermerk, dass Bergerhausen kurzzeitig an die Familie von Leerodt fällt.41


1727

Johann Heinrich Virmenich verstirbt zu Bergerhausen. Sein Sohn Heinrich Virmenich (geb. 1720) wird später Halfe der Krümmelsburg sein.


9. September 1728

Eine frühere Einrichtung, das Sendgericht lebt in Blatzheim wieder auf. Johann Brewer aus Bergerhausen, Pächter der Vehlens Erben zu Gymnich, wird als einer von vier Sendschöffen benannt. „Der Send“ war ein kirchliches Sitten- und Rügegericht, in das Bischof, Archidiakon, Landdechant und Pfarrer sich teilten. Er wurde früher meist an einem Sonntag der Fastenzeit gehalten, ab 1728 aber am ersten Sonntag nach Ostern („Weißer Sonntag“).

Die Sendschöffen haben die Pflicht, ihnen bekanntgewordene Sendvergehen, worunter auch Klagen gegen die Geistlichkeit, Küster und Lehrer fallen, anzuzeigen.42


1731

Bertram Boer übernimmt die Burgmühle von der bisherigen Pächterin, der Witwe Virmenich.43


1735

Müller Boer hat einen dänischen Soldaten zehn Tage lang auf der Mühle verpflegt und ihm „bier, brandewein und täglich dreymal die kost“ gegeben. Das Pferd eines dänischen Reiters musste ebenfalls versorgt und sogar beschlagen werden. Hessen, Musketiere, Hannoveraner und kaiserliche Soldaten geben sich in dieser Zeit die Klinke in die Hand und der Müller muss ihnen geben, was sie verlangen. Die Durchzüge der Truppen verursachen ebenfalls große Schäden.44


1736

Gemäß kirchlichem Visitationsprotokoll vom 31. Oktober 1736 wird für die Scheiffartsburg eine Hauskapelle genehmigt „zum geistlichen Troste des Herrn Reuter wegen der zu großen Entfernung bis zur Pfarrkirche in Blatzheim, die er zumal im Winter bei den schwierigen Wegeverhältnissen nicht besuchen konnte.“45


1737

Das Gericht in Lechenich „verdammet“ den Müller der Bongartsburgmühle Bertram Boer zu einer Strafe und zur Wiederherstellung der Arche, nachdem er die zum Bewässern der kurkölnischen Wiesen angelegten Stauvorrichtungen am Neffelbach eigenmächtig zum Vorteil seines Mühlenbetriebs verändert hatte.46


1738

Der Besitzer des Krümmelshofes, Franz Wolfgang Freiherr von Leerodt war am 28. August 1724 verstorben. Nachdem jetzt auch seine Witwe verstirbt ist deren Sohn Ludwig Lambert Lothar Freiherr von Leerodt, jülichscher Amtmann zu Heinsberg, Besitzer des Krümmelshofes.


1742/43

Erneut gibt es Einquartierungen, die vom Müller Boer als „Zeit des französischen Kriegs“ beschrieben werden.47


Mitte 18. Jahrhundert

Zu dieser Zeit wird die Bongartsburg bewohnt von Freiherr Hugo von dem Bongart, welcher, als sein ältester Bruder Joseph Clemens, vermählt mit Philippine, Gräfin Waldbott von Bassenheim, kinderlos starb, in den Besitz von dessen Gütern gelangte, und nun seinen Wohnsitz von Bergerhausen nach der Burg Paffendorf verlegt. Von da an wird die Burg bis 1830 unbewohnt bleiben und ziemlich in Verfall geraten. 48


        

 

1Dethier, Johann Peter, Beiträge zur vaterländischen Geschichte des Landkreises Bergheim, Köln, 1833

2Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 272

3Onnau, Hans Elmar, Die Visitationsprotokolle des kurkölnischen Blatzheim 1616-1791, Kerpener Heimatblätter 1/1991, S. 15

4Stommel, Karl, Das Gericht Blatzheim im kurkölnischen Amte Lechenich, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1965, S. 143

5NRW-Hauptstaatsarchiv, Kurköln II, 1132, zitiert nach Onnau

6Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 261

7Hist. Archiv der Stadt Köln, Description des Erzstifts Köln von 1669-1672 in Margot Porschen, Kerpener Heimatblätter 2/1974, Seite 224

8NW HstA, Düsseldorf, Kurköln IV, 278, Bl. 26-27 in Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Mühlen an Neffel und Erft, Kerpen 1997, S. 114 und 149

9Kreisarchiv Viersen, Archiv Schaesberg, 1910, Bl. 106 zitiert nach Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Mühlen an Neffel und Erft, Kerpen 1997, S. 152

10vgl. auch Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Mühlen an Neffel und Erft, Kerpen 1997, S. 149

11Onnau, Hans Elmar, Die Visitationsprotokolle des kurkölnischen Blatzheim 1616-1791, Kerpener Heimatblätter 1/1991, S. 15

12NW HstA Düsseldorf, Kurköln II, 1132, bei Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 261

13Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 261

14Onnau, Hans Elmar, Die alten Blatzheimer Grabsteine, Kerpener Heimatblätter 3/1969, S. 464

15Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Kurköln IV, Nr. 2298 in Margot Porschen, Kerpener Heimatblätter 2/1974, Seite 225

16Clemen, Paul (Bearb.), Die Kunstdenkmäler des Kreises Bergheim; Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, IV/3 (Düsseldorf 1899) Tafel IV, S. 27, aus dem Mirbachschen Archiv auf Schloß Harff; Scan aus den Kerpener Heimatblättern Nr. 18, Jahrg. VII, Heft 1/1969, S. 365

17Onnau, Hans Elmar, Der Batterieturm der Burg Bergerhausen aus dem 16. Jahrhundert, Kerpener Heimatblätter 3/1997, S. 169

18Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Höfe und Güter in Kerpen, Kerpen 1990, S. 68

19Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Höfe und Güter in Kerpen, Kerpen 1990, S. 36

20Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Höfe und Güter in Kerpen, Kerpen 1990, S. 35

21Kerpener Heimatblätter, Heft 1/1969, S. 364

22Richardson, Geschichte Merode, zitiert nach Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 263

23Historisches Archiv des Erzbistums Köln, Dec. Bergh. B, zitiert nach Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 263

24Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 263

25Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Mühlen an Neffel und Erft, Kerpen 1997, S. 131

26Dethier, Johann Peter, Beiträge zur vaterländischen Geschichte des Landkreises Bergheim, Köln, 1833, S. 103-104

27Dethier, Johann Peter, Beiträge zur vaterländischen Geschichte des Landkreises Bergheim, Köln, 1833

28Meynen, Henriette, Wasserburgen, Schlösser und Landsitze im Erftkreis, 1985

29Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 263

30Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 273

31Onnau, Hans Elmar, Die Visitationsprotokolle des kurkölnischen Blatzheim 1616-1791, Kerpener Heimatblätter 1/1991, S. 18-19

32Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 263

33Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 275

34Onnau, Hans Elmar, Das freiadelige Cisterzienserinnenkloster Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 1/1970, S. 485

35Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 273

36Onnau, Hans Elmar, Die alten Blatzheimer Grabsteine, Kerpener Heimatblätter 3/1969, S. 464

37Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Höfe und Güter in Kerpen, Kerpen 1990, S. 68 unter Hinweis auf NW HstA, Kurköln, Lehen Spezialia, Nr. 14 III

38Onnau, Hans Elmar, Das freiadelige Cisterzienserinnenkloster Blatzheim (Nachtrag), Kerpener Heimatblätter 2/1970, S. 517

39Onnau, Hans Elmar, Die alten Blatzheimer Grabsteine, Kerpener Heimatblätter 3/1969, S. 464

40Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 263

41Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Höfe und Güter in Kerpen, Kerpen 1990, S. 68

42Onnau, Hans Elmar, Die Visitationsprotokolle des kurkölnischen Blatzheim 1616-1791, Kerpener Heimatblätter 1/1991, S. 11, Fußnote 2.8 und S. 20-21

43NW HstA, Paffendorf, Akten 5/150 in Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Mühlen an Neffel und Erft, Kerpen 1997, S. 131 und 134

44NW HstA, Paffendorf, Akten 5/153, nach Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Mühlen an Neffel und Erft, Kerpen 1997, S. 132

45Historisches Archiv des Erzbistums Köln, Dec. Bergh. B, zitiert nach Onnau, Hans Elmar, Die wehrhaften Adelssitze Scheiffartsburg und Krümmelsburg in Bergerhausen im kurkölnischen Gericht Blatzheim, Kerpener Heimatblätter 3/1998, S. 263

46Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Mühlen an Neffel und Erft, Kerpen 1997, S. 131

47NW HstA, Paffendorf, Akten 5/153, nach Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Mühlen an Neffel und Erft, Kerpen 1997, S. 132

48Text zu einem Kunstdruck der Burg Bergerhausen aus dem 19. Jhdt., Verlag Alexander Duncker, Königlicher Hofbuchhändler in Berlin im Besitz des Verfassers