Dorfchronik Bergerhausen - Frühzeit bis 11. Jhdt. n. Chr.

 

bis 2.500 v. Chr. 

Durch Artefakte, also von Menschenhand gemachte Gegenstände belegt, wissen wir, dass die Gebiete rechts und links des Neffelbachlaufs zwischen Niederbolheim und Kerpen bereits in vorgeschichtlicher Zeit relativ dicht besiedelt waren und schon in der Steinzeit unsere Bergerhausener Vorfahren am Neffelbach entlang gestreift sind und sich vermutlich dort auch niedergelassen haben.1 Entsprechende Nachweise verdanken wir u.a. dem Niederbolheimer Gutsbesitzer und Heimatforscher Alfons Commer, der vor 100 Jahren zusammen mit Prof. Dr. Schoop aus Düren zahlreiche Bodenfunde (bearbeitete Steinwerkzeuge, Spuren von Wohngruben und Lehmhütten) gesammelt und beschrieben hat.2 In unseren Tagen ist es vor allem der Kerpener Heimatforscher und Archäologe Bernhard Höhner, dem wir viele Funde in unserer Gegend und Veröffentlichungen hierüber verdanken. Belegt ist auch ein uralter steinzeitlicher Weg, der an der Neffel entlang, auch an Bergerhausen vorbei zur Mündung dieses Bachs östlich von Kerpen und erftabwärts bei Neuß bis zum Rhein führte.3 Im Zuge des Neubaus der jetzt und nächstens Kerpen, Bergerhausen und Blatzheim umgehenden Bundesstraße 264, wurden im Auftrag des Rheinischen Straßenbauamtes Euskirchen von Oktober 1997 bis Dezember 1998 in den ungefähr 1 Kilometer südöstlich von Bergerhausen liegenden Feldern von Archäologen unter der Leitung von Inga Drews umfangreiche Bodenuntersuchungen vorgenommen. Die ältesten Funde weisen in die Altsteinzeit und somit in eine sehr frühe Phase gesicherten menschlichen Daseins.

Wir könnten unseren frühgeschichtlichen Abriss auch mit Adam und Eva beginnen lassen. In deren Familienlinie bildet Noah die zehnte Generation seit Adam über Seth. Japhet ist sein erster nach der Sintflut geborene Sohn. Dessen Enkel Aschkenas gehört zu den Familien der Söhne Noahs und von diesen breiteten sich die Nationen nach der Sintflut auf der Erde aus.4 In den jüdischen Schriften des Mittelalters wurde der Begriff „Aschkenasi“ auf die germanischen Völker angewandt.


54 v. Chr.  

Bevor er im Jahre 54 v. Chr. von den römischen Truppen Cäsars vernichtet wurde, lebte vermutlich der germanisch-gallische Volksstamm der Eburonen in unserem Gebiet. Sie hatten sich zunächst gewehrt und den Römern eine Niederlage bereitet. Das veranlasste den Cäsar zu einem Rachefeldzug, bei dem er das Land verwüstet und die Ansiedlungen zerstört. Die Überlebenden flüchten in die Wälder und gehen später in anderen Völkern auf. 5


38 v. Chr.
 

In diesem Jahre siedelt der römische Feldherr M. Vipsanius Agrippa in dem von den Eburonen entvölkerten Gebiet das germanische Volk der Ubier an. Sie hatten ihre Wohnstätten bis dahin zwischen Lahn und Sieg, lebten mit den Römern friedlich zusammen und verschmolzen mehr und mehr mit ihnen. In ihrer neuen Heimat reicht ihr Siedlungsraum nach Westen noch über die Linie Zülpich-Düren hinaus. Sie gründen bald darauf das Oppidum Ubiorum, die Stadt der Ubier, das spätere Köln. Am 6. November 15 n. Chr. wird hier Agrippina die Jüngere geboren.6


50 n. Chr.
 

Die Herren des Ubierlandes waren und bleiben indes die römischen Eroberer. Sie nutzen das platte Land („locus planus“) ackerwirtschaftlich in Form großer Gutshöfe („villae rusticae“). Unser benachbartes Köln ist als Colonia Agrippina Garnison und Hauptstadt der Provinz Niedergermanien und eine Römerstraße dürfte auch von Köln über Kerpen (und Bergerhausen) nach Maastricht geführt haben.7 Eine weitere Heerstraße läuft von Neuß über Blatzheim nach Zülpich und zweigt von Thorr aus nach Lechenich ab.8 Die umfangreichsten Funde der bereits erwähnten Grabungen in den Jahren 1997/98 in der Nähe von Bergerhausen betrafen eine Siedlung aus der Römerzeit. Neben den Resten von drei Steinbauten wurden mehrere Pfostenbauten und ein Friedhof entdeckt. Alfons Commer hatte hier bereits um die Jahrhundertwende Forschungen betrieben, die er in seinen Beiträgen zur Geschichte Blatzheims so beschrieb: „Eine ganze Anzahl der römischen Siedlungen, kenntlich an den auf dem Acker zerstreut liegenden hellgelben quadratförmigen Dachziegeln und durchbrochenen Heizungskörpern aus gebranntem Ton lassen sich sehr leicht auf manchen Punkten links und rechts des Neffelbaches in der Gemarkung Blatzheim nachweisen. Während diese Siedlungen gemäß ihrer Umrisse wohl meistens allein liegende Bauernhöfe waren, fand sich im „Emerich“ einer Flur im Osten des Dorfes gelegen, Umrisse der Fundamente eines größeren Hauses, durch die mitgefundenen Säulenkapitäle mit Recht darauf schließen lassend, dass sich hier ein villenähnlicher Landsitz befand. An derselben Stelle fand sich in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts (ein) Altar, in Gestalt eines rechteckigen Kalksteines, 31 cm hoch, 28 cm breit, 12 cm dick, mit Sockel und Gesims, oben Reste des Giebelchens sowie der Voluten und Tellerchen, jetzt im Provinzial-Museum9 zu Bonn zu sehen.

 

Requalivahanus

   

Dem Gott Requalivahan erfüllt Quintus Aprianus Fructus aus eigenem Antriebe für sich und die Seinen gern und pflichtgemäß sein Gelübde

 
Dieser Altar war wohl das Hausheiligtum des Besitzers der oben angeführten Villa. Ihn weihte Quintus Aprianius Fructus dem sonst unbekannten Gotte Requalivahanus aus eignem Antriebe für sich und die Seinen. Es ist diese Inschrift ein klares Beispiel dafür, dass ein römischer Vollbürger, kenntlich an seinen drei Namen, vielleicht ein ausgedienter Militär oder Beamter, der an dieser Stelle mit Landbesitz angefunden, als Pensionär lebte, eine römische Gottheit mit einer wesensverwandten keltischen Gottheit verschmolz, da dieses die Dehnbarkeit der römischen Gottheitsbegriffe gestattete. Der kaum aussprechbare eigentümliche Name Requalivahanus kommt sonst nirgendwo vor und ist ohne Zweifel keltischen Ursprunges, wohl die Lokalgottheit des damaligen Ortes“. Um 1988 fand man erneut einen Weihestein aus lothringer Kalksandstein für eine heimische Gottheit, den vermutlich ein Januarinius gestiftet hat.10 Der bei den Grabungen im Jahre 1997/1998 entdeckte Friedhof, war entlang einer Römerstraße angelegt und umfasste 73 Grabfelder, die sich in das zweite und dritte Jahrhundert datieren ließen. Die Toten waren mitsamt Geschirr, Speisen, Getränken und einigen Münzen verbrannt worden. Mindestens vier Brunnen dienten den Bewohnern der römischen Siedlung zur Versorgung mit Frischwasser.11 Alles in allem lassen die über Jahrzehnte zusammengetragenen Lesefunde von den Feldern und die jüngsten Ausgrabungen erkennen, dass die Bewohner bereits über eine Fußbodenheizung verfügten, dass sie Wein, Honig, Fischsud und andere pflanzliche und tierischen Produkte ebenso bevorrateten, wie Getreide und andere feste Nahrungsmittel. Es gibt Hinweise auf die Haltung von Vieh und die Herstellung von Mehl, Stoffen und viele andere Güter des täglichen Lebens. Als ungewöhnlich wird die Befundsituation bewertet, dass Teile der Ansiedlung sich an einer in römischer Zeit feuchten Senke befand, die von den Bewohnern mittels Planierschichten nutzbar gemacht wurde.12 Beschaffenheit und Ausdehnung der in Luftaufnahmen gut sichtbaren Umrisse des römischen Landsitzes lassen den Schluss zu, dass das Anwesen nicht irgend einer von vielen im Rheinland anzutreffenden römischen Bauernhöfe war, sondern ein großes Gut. 

Feldflur Emerich
Luftaufnahme der Feldflur „Auf dem Emmerich“ bei Bergerhausen. 
Die Fundamente der römischen Siedlung zeichnen sich im Bewuchs ab.

Quelle: Archäologische Funde und Denkmäler des Rheinlandes, Bd. 2, Kreis Bergheim, Düsseldorf 1969
Luftbild Juni 1963; freigegeben Reg.-Präs. Düsseldorf Nr. 16/606
 

In meiner Kindheit erzählten die alten Bergerhausener von einer versunkenen Stadt namens Emmerich. Ein entsprechender Hinweis findet sich auch in dem 1891 erschienen Buch „Volkstümliches aus der Erftniederung von Leonard Korth. Der Blatzheimer Bernhard Ripp, ein Experte für römische Geschichte, bewertet die vorgefundenen Belege so: „Dieser römische Gutsbesitz erstreckte sich bis zum Neffelbach, bis nach Onnau und im Osten bis etwa zur Linie Langenich-Onnau. Von dieser Villa können kleinere villae rusticae, die von Pächtern verwaltet wurden und im Gebiet des heutigen Blatzheim (Anm.: gemeint ist der alte Gemeindebezirk) lagen, abhängig gewesen sein. Wohnhäuser für das Gesinde werden ebenfalls zu dem Landgut gehört haben, das mit Dachziegeln gedeckt und mit Steinen erbaut war...“. Unter Hinweis auf Überlegungen zur Größe und personellen Ausstattung einer „normalen“ villa rustica, ermittelt Bernhard Ripp unter Annahme einer Ausdehnung des Gutes von 4.000 Morgen Land eine Zahl von 600 Menschen, die auf unserem römischen Gut lebten und arbeiteten: „Selbst wenn die Zahl zu hoch ist, mit 300 Menschen muss man auf einem solchen Riesengut rechnen.“13 Nach alledem ist festzuhalten, dass das römische Anwesen sich in seiner Gesamtheit auf das Gebiet des späteren Dorfes Bergerhausen und einen Teil der von dort aus bewirtschafteten Fluren erstreckt hat.


250 n. Chr.
 

Aus dem Rechtsrheinischen kommend dringen die Franken in unser Gebiet ein.


um 300 n. Chr.
 

Nach mancherlei Kriegsgetümmel zwischen den germanischen Franken und den hier ansässigen Römern, sieht sich der römische Kaiser Diokletian (284 – 305 n. Chr.) gezwungen, weitere Franken in unserer Gegend anzusiedeln, um Ackerbauern und Soldaten zu gewinnen.


350 n. Chr.
 

Der Kampf in unserer Heimat tobt aufs neue, da in den dreijährigen Kriegen zwischen den römischen Kaisern Constantin II. und Magnentius die hiesigen Franken auf Seiten des Magnentius stehen. Der Greuel ist fürchterlich, da rundum alle Gehöfte niedergebrannt und die Bewohner in Sklaverei geschickt werden.14 Man darf vermuten, dass auch die Römersiedlung südöstlich von Bergerhausen diesen Verwüstungen zum Opfer fällt. Die Archäologen stellten jedenfalls für diese Gemarkung anschließend eine Siedlungslücke von 1.000 Jahren fest.15 „So leer war damals unsere Gegend“, schreibt Alfons Commer, „dass der römische Kaiser Julian (361–363) sich veranlasst sah, wiederum eine große Menge Franken von jenseits des Rheines auf dem linken Rheinufer sesshaft zu machen, diese mit Getreide aus Britannien versorgte, da der zur Römerzeit hier blühende Ackerbau völlig untergegangen war. Es folgte eine 30jährige Friedenszeit, in welcher germanische Kultur hier Fuß fasste, und, nachdem die hier ansässigen Franken die Invasion anderer germanischer Stämme siegreich zurückgeschlagen hatten, blieben diese unbestrittene Herren des Landes (450 n. Chr.). Aber wie sah die Gegend aus! Zu Tausenden lagen die einst blühenden Ansiedlungen der Römerzeit in Schutt und Asche und über ihren Trümmern wuchs stellenweise ein dichter Wald.“16 Es entspräche durchaus den Gepflogenheiten der Zeit, wenn die Ruinen als “Steinbruch” für den Bau neuer Häuser in der Umgebung genutzt, römische Ziegel also in neu gegründeten oder erweiterten Ansiedlungen am Ufer des Neffelbachs verbaut worden sind.


356 n. Chr.
 

Seit dem Jahre 356 wird das Frankenland Francia (Franzien) genannt. Die Franken lassen die Ubier nach ihren Gesetzen, Sitten und Gebräuchen leben. Die beiderseits des Rheines wohnenden Franken heißen Ripuarier oder Uferfranken (ripa = Ufer).17 Nach den Ripuariern wird die in unserer Gegend gesprochene Mundart korrekterweise als „ripuarisch-fränkisch“ bezeichnet.


um 450 n. Chr.
 

An dieser Stelle sei auf eine bemerkenswerte Forschungsarbeit des durch zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen bekannt gewordenen Dr. phil. Heinz Ritter-Schaumburg hingewiesen. Ritter geht davon aus, dass die Helden der bekannten Dietrich-Saga (Thidrekssaga) bzw. der Nibelungensage (Niflungen/Die von der Neffel) im 5. Jahrhundert aus dem „Nifflungaland“ (=Neffel-Gau-Land) von ihrer Burg Vernica (Virnich bei Zülpich) den Neffelbach hinabzogen und dort wo die Dhünn (Duna) in den Rhein fließt, den Rhein überquerten.18 Könnte der mutige Drachentöter Siegfried seine Spuren auch in Bergerhausen hinterlassen haben? Man weiß es nicht, aber möglich wäre es immerhin. Deshalb hier das bekannte Helden-Epos in Kurzfassung: Der mächtige Hagen sorgt mittels eines Speeres für das plötzliche Ableben des als unbesiegbar geltenden Helden Siegfried. Der hinterlässt die trauernde Witwe Kriemhild, die alsbald auf Rache sann. Mittel zum Zweck war ihr der Herrscher der Hunnen, der sagenumwobene Attila (gest. 453). Es war der schönen Kriemhild ein leichtes, den grimmigen Barbaren zu verführen. Wenig später waren die beiden vermählt und Kriemhild ihrem Ziel einen Schritt näher. Mit einer List lockte sie die Nibelungen an den Hof des Hunnenfürsten. Dort warteten Attilas Mannen, zum Kampf bereit. Die Nibelungen schlugen sich tapfer, doch überlebt hat das Gemetzel keiner.19 Ritter-Schaumburg konnte die Wissenschaftler von seinen Theorien wohl nicht überzeugen. Aber es soll auch Historiker geben, die davon ausgehen, dass seine Arbeit dazu beiträgt, Licht in das Dunkel der rheinischen Geschichte zu bringen. Doch zurück zu gesicherteren Ereignissen:


470 n. Chr.
 

Die Franken treten als „Reichsvolk“ auf. Das Weltreicherbe Köln gilt als die Hauptstadt der Uferfranken (Ripuarier).20


486 n. Chr.  

Der Merowinger Chlodwig gründet das Frankenreich. Der zwanzigjährige Fürst der salischen Franken erobert in raschem Ansturm das gallisch-römische Reich; an die Spitze der größeren Bezirke treten fränkische Beamte (Grafen, comites). Die römische Bevölkerung behält Grundbesitz, Freiheit und zum Teil römisches Recht. Die herrenlosen Grundstücke und die Krongüter kommen an den König und sein Gefolge.


496 n. Chr.
 

Chlodwig besiegt mit Hilfe der ripuarischen Franken die Alemannen bei Tolbiacum (Zülpich). Er wird katholischer Christ (im Gegensatz zu den ariam’schen Germanenfürsten). Dieser Übertritt vollzieht sich unter dem Einfluß seiner Gemahlin, der burgundischen Prinzessin Chlodhilde. Chlodwig entwickelt das stammesgebundene Heerkönigtum zum umfassenden Reichskönigtum. Die Merowingerzeit ist geprägt vom Kampf zwischen Königsgewalt und Volksgewalt. Die zentralistische Königsherrschaft verwandelt die alten Gaugemeinden mit dem frei gewählten Thunkin (Gauvorsteher) an der Spitze in königliche Grafschaften. Der beamtete königliche Gaugraf entwindet dem Thunkin das Führungszepter. 21 Das Gebiet um Bergerhausen gehört – vermutlich ­– zum Zülpichgau.22


um 800 n. Chr.
 

Unter den merowingischen Beamten bedarf der „Hausmeier“ (major domus) besonderer Erwähnung. Mit dem Hausmeier Karl Martell kommt im 8. Jahrhundert das Haus der Karolinger zur Herrschaft, dessen namhaftester Vertreter Karl der Große (768 – 814) gewesen ist. Bevor dieser berühmte Herrscher in seinen letzten Lebensjahren Aachen zu seiner festen Residenzstadt macht, zieht er mit seinem Hofstaat von Pfalz zu Pfalz und von Meierhof zu Meierhof. Da er Düren (Villa publica duria) zu einer solchen Königspfalz und Kerpen zu einem Meierhof (villa regia) erkoren hat, wird man ihn und sein Gefolge wohl auch in Bergerhausen gesehen haben. Und wenn die Behauptung stimmt, dass letztlich jeder zweite Deutsche von jenem Karl, der auch bei Frauen „großes“ geleistet haben soll, abstammt, dann mag vielleicht auch in dem einen oder anderen Bergerhausener karolingisch-kaiserliches Blut fließen. Um Karl den Großen ranken sich viele Geschichten und so ist auch eine Legende überliefert, die im Ergebnis bis in unser Jahrhundert hinein von Bedeutung für die hier ansässige Bevölkerung sein wird: Am Hofe Karls zu Aachen lebte ein griechischer Edelmann namens Arnold, der wusste die Waffe, das Saitenspiel und seine Stimme gleichermaßen meisterlich zu gebrauchen. Darum stand er in der Gunst des Kaisers, der ihm schon lange eine Belohnung zukommen lassen wollte, aber Arnold hatte stets bescheiden abgelehnt. Einst lud der Kaiser zur Jagd in den Bürgewald23, der urwüchsig dicht zwischen Rur und Erft sich zur Eifel hinzog. Statt nun hinter dem Wild her zu sein, jagte Arnold der Armut nach. Nicht einmal Holz genug für ihre Feuerstellen hatten die Bauern, die in den Dörfern am Rande des Waldes wohnten, obwohl der Wald bis an ihre dürftigen Gärten wuchs, denn der Wildbann des Kaisers verbot bei härtester Strafe, den Wald auch nur zu betreten. Das und von sonstiger Not erzählten die Bauern dem Edelmann, der geduldig zuhörte, und als die Hörner endlich zur Umkehr riefen, trug Arnold statt Beute einen Plan mit heim. In der Halle des Saalhofes der Dürener Pfalz trat Arnold vor den Hochsitz des Kaisers und trug, angesprochen, was sein Begehr sei, vor, dass er sich nun doch dafür entschieden habe, einen Wunsch zu äußern. Der Herrscher möge ihn aber nicht habgierig nennen, wenn er sich nun wünsche, ihm so viel Wald zu schenken, wie er umreiten kann, während der Kaiser zum Essen bei Tisch verweilt. Dem Kaiser schien der Wunsch so bescheiden, dass er ihn gleich erfüllte. Er gedachte sogar, sein Mahl heute etwas auszudehnen. Arnold küsste ihm dankbar die Hand und eilte davon, die Zeit bis zum Mahl schon zu nutzen. Als der Kaiser sich zu Tisch setzte, konnte Arnold sich gleich in den Sattel schwingen und losreiten, wie er noch nie im Leben geritten war. Ehe das Pferd ermüdet war, bestieg er an vorher verabredeten Stellen ein anderes, frisches, und hieb von Zeit zu Zeit mit seinem Schwert ein Zeichen in die Bäume. So verfuhr er, bis er das ganze Waldstück, zwei Meilen lang und halb so breit, (von Düren bis hinauf nach Paffendorf, über Sindorf hinunter nach Bergerhausen und über Binsfeld zurück nach Düren) umritten hatte. Als er die Jagdgesellschaft wieder erreichte, tafelte der Kaiser noch. Arnold verkündete froh: „Herr der Ritt ist beendet! Was ich gewonnen habe wird von Kerben und Knechten bezeugt.“ „Allzuviel kann es nicht sein, wenn du zurück bist, noch ehe die Tafel zu Ende ist“, meinte der Kaiser. Da berichtete Arnold, wie er es angestellt hatte, in der kurzen Zeit das gesamte Waldgebiet zu umreiten. „Aber nicht mir zunutze ersann ich die List“, fuhr er fort. „Sieh doch das arme Volk, das in den Walddörfern wohnt. Verschlingt ihm der Wald fast die Hütten, so hat es doch nicht des Holzes genug, sich im Winter zu wärmen, denn dein Wildbann verbietet ihm Holz zu schlagen. Nur um dieses Volkes willen habe ich Deine Gunst erbeten. Der Himmel möge es dir lohnen, dass in den Dörfern hier nun das Volk nicht mehr zu frieren braucht!“ Schien es zuerst, als wollte der Kaiser sich unmutig zeigen, so erhellte sich doch bald sein Gesicht und kaum das Arnold geendet hatte, schritt Karl auf den Knienden zu, zog sich den Ring vom Finger, steckte ihn Arnold an und bekundete so, dass der umrittene Wald nun ihm gehöre. Da jubelte die ganze Tafelrunde und pries den Sieg, den zwei gütige Herzen errungen hatten.24 Lesen Sie zu diesem Thema auch: „Ein Gang durch den Bürgewald“, Beilage „Dürener Zeitung“ von Februar 1950: hier


887 n. Chr.  

Als geschichtlich gesichert gilt die Tatsache, dass die fränkischen Könige erobertes Land an ihre Krieger verteilen und es ihnen als Dank für ihren Kriegsdienst zu Lehen geben, die im Jahre 887 erblich werden. Die ansässige Bevölkerung sinkt in den Stand der Hörigkeit. So dürfen wir es wohl als Folge der fränkischen Landnahme ansehen, wenn wir in den meisten Orten zu der Zeit des frühen Mittelalters Ritterfamilien finden, die den Namen des Ortes tragen. Diese Ritter besitzen ihren Bezirk als Eigenbesitz (Allod) und gleichzeitig die Gerichtsbarkeit über die Hörigen ihres Bannbezirkes oder des Beyfanges.


10. Jahrhundert
 

In der folgenden Periode kommen Ortsnamen auf, die auf –dorf und –hausen enden, wobei letztere erst im 10. Jahrhundert vornehmlich für feste, umwehrte Hofanlagen üblich werden. Im Gegensatz zur bisherigen Besiedlung durch freie Franken sind dies nunmehr bewusste Ansiedlungen auf den großen Landbesitzen der Kirchen, Klöster und weltlicher Grundherren, denn herrenloses Land gibt es in jener Zeit kaum noch.25 Aus verschiedenen Gründen wird angenommen, dass der Ort Bergerhausen unter diesem Namen bereits vor der Jahrtausendwende bestanden hat.26


11. August 922
 

Die erste offizielle Erwähnung eines gemeinsamen Waldes für unser Gebiet findet sich in einer Urkunde, ausgestellt durch Erzbischof Hermann I. von Köln am 11. August 922. Die Urkunde gibt erstmals Kenntnis davon, dass hier eine Gemeinsamkeit von Gemeinden an diesem Wald bestand.27


11. Jahrhundert
 

Seit dem elften Jahrhundert versuchen die mächtigsten der weltlichen und geistlichen Großen möglichst viele Gerichtsbezirke in ihre Hand zu bringen und sich so eine Landeshoheit anzueignen, das heißt, einen Staat im Staate zu bilden. In unserem Gebiet versuchen das mit Erfolg die späteren Grafen von Jülich und die Erzbischöfe von Köln. In dem Kampf dieser beiden Territorialherren kommt dem Raum um Blatzheim eine hervorragende Bedeutung zu. Wann und wie der Kölner Erzbischof in den Besitz des Ortes Blatzheim gekommen ist, lässt sich nicht mehr genau nachweisen. Es muß jedoch schon früh gewesen sein, denn aus einer Urkunde vom 25. Juni 1057 ersehen wir bereits, dass der Kölner Erzbischof Anno II. der Königin Richeza seine Güter in Blatzheim und Müddersheim auf Lebenszeit zur Verfügung stellt.28 Es ist nicht auszuschließen, dass die Gründung einer Mühle am Neffelbach der Ursprung für ein Anwesen ist, aus dem Nachkommen erwachsen, die dann wieder in das Licht der Geschichte treten werden. Belegt ist eine solche Spekulation indessen nicht. Der Blatzheimer Heimatforscher Hans Elmar Onnau schrieb in diese Richtung weisend im Jahre 1963 in den Kerpener Heimatblättern: „Vom Neffelbach wurde schon sehr früh bei Bergerhausen ein mehr südlich verlaufender Graben abgeleitet, der als der neue Bach bzw. Mühlenbach in die Erscheinung tritt und weiter östlich wieder in den natürlichen Bach einmündet.


Von dem alten Mühlenbach ist nur noch ein unansehnlicher Graben übrig geblieben. Auf dem Bild sehen wir im Hintergrund
das Turbinenhaus der ehemaligen Wassermühle. - Foto vom 27.1.2000 © Franz-Peter Dohmen
 

In dem langgestreckten Bereich des von beiden Bächen eingeschlossenen Talgrundes entstanden im Mittelalter in ursächlichem Zusammenhang mit vorerwähnter Wasserführung im Talgrund, die Gunst des Wasserschutzes ausnutzend, zwei ziemlich nahe beieinander liegende feste Höfe mehr oder weniger herrschaftlichen Charakters: Im Westen, also in der Nähe der Grabenableitung, eine wasserumwehrte Anlage, die einmal als Castrum Bergerhausen, ein andermal als ritterliche Wohnung, Haus und Hof zu Bergerhausen, dann als Bongartsburg und neuerdings als Schloss Bergerhausen bezeichnet worden ist.


Schloss Bergerhausen mit der Vorburg (unten), dem alten Batterieturm (rechts) sowie der Burgmühle (hinten rechts).
(Luftbild vom 4.6.2002
© Klaus Sagel) 

Östlich dieser Anlage lag die sogenannte Scheiffartsburg, ein ebenfalls fester, wasserumwehrter Hof offensichtlich herrschaftlichen Charakters, der in entsprechender Abwandlung noch (Anm.: bis 1976) besteht.


Eine landwirtschaftlich genutzte Halle und zwei Silos haben den Platz der ehemaligen Scheiffartsburg eingenommen. Die
dahinter liegende Baumgruppe verdeckt die Gebäude der alten Bongartsburg. Die links im Bild zu sehende Baumreihe bezeichnet
den Verlauf des Mühlenbachs. - Foto vom 27.1.2000 © Franz-Peter Dohmen
 

Zwischen diesen beiden Anlagen lag etwas nördlich, also auf dem Nordufer des Neffelbaches, noch ein weiterer Hof, der als das „Oberste Haus und Hof“ zu Bergerhausen und später als Krümmelsburg bezeichnet wird, aber vollständig untergegangen ist und seinem Standort nach sich nur noch schwach im Gelände abzeichnet.


Der Standort der Krümmelsburg zeichnet sich noch im Gelände ab. Links im Bild - von Bäumen verdeckt - der Nachfolgehof.
Rechts davon das Wohnhaus der Familie Josef Fischer, des letzten Pächters. - Foto vom 27.1.2000 © Franz-Peter Dohmen
 

Bei diesen beiden festen Adelssitzen konnten Ursprung und früheste Besitzverhältnisse bisher nicht ermittelt werden. Onnau geht davon aus, dass sie im 13./14. Jahrhundert entstanden sind, schließt aber auch nicht aus, dass sie – wie übrigens auch Burg Bergerhausen – aus älteren, grabenumwehrten Adelshöfen, vielleicht auch aus mittelalterlichen kleineren Motten hervorgegangen sein könnten. Bei der Datierung stützt er sich auf das Vorkommen von Bergerhausenern Ortsadligen, die nicht auf Burg Bergerhausen ansässig waren (siehe unter 1221). Unmittelbar an der Burg Bergerhausen und der zugehörigen Bann- und späteren Zwangsmühle führte in mittel- und nachmittelalterlicher Zeit der von Lechenich nach Bergheim führende Weg, den Talgrund überquerend, vorbei, der sich nördlich des aufgezeichneten Geländes im Flecken Bergerhausen mit der von Köln nach Aachen führenden alten Landstraße kreuzte, die eine Verkehrsader erster Ordnung war und unweit der heutigen Straße verlief. Damit ist die verkehrspolitische Situation und Bedeutung der Örtlichkeit dargetan. Im Zuge der mittelalterlichen Auseinandersetzungen um die Erlangung von Landeshoheit, deren Festigung und weitere Ausdehnung, letztlich also der Entwicklung vom Personenverbands- zum institutionellen Flächenstaat ging der Bereich um Bergerhausen im Erzstift Köln auf, das freilich hier nicht weiter vordringen konnte als bis Blatzheim und Niederbolheim, Dorsfeld und Geilrath. Dieser Bereich war letztlich sogar völlig eingekreist vom Jülicher Territorium im Norden, Westen und Süden und dazu im Osten von der brabantischen und späteren Reichsgrafschaft Kerpen und die weit über dieses nach Osten übergreifenden zu Jülich gehörigen Gebiete. Nur eine schmale Verbindung verblieb in etwa südöstlicher Richtung zu dem übrigen kurkölnischen Territorium, dem späteren Amt Lechenich. Das Erzstift Köln stand also hier seinem großen Gegner Jülich selbst unter Berücksichtigung des bedingt Schutz bietenden nördlich vorgelagerten auch nicht völlig zur Bürge gehörigen Waldgebietes in recht schwacher Position gegenüber.“29

 

        

 

1vgl. Hinz, H., Archäologische Funde und Denkmäler des Rheinlandes, Bd. 2, Bergheim 1969, S. 38; Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Kerpener Wasserburgen, Kerpen 1989, S. 6

2Commer, Alfons, Efeuranken – Beiträge zur Geschichte Blatzheims im Festbuch zum 50-jährigen Jubel-Feste des Männergesangvereins „Eintracht“ Blatzheim, 1925

3Abriß unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963 Seite 42; vgl dazu auch R. Mainz in auch Fußnote 18

41. Moses 10:3,32

5Abriß unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963 S. 42

6Abriß unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963 S. 43

7Reinhold Mainz (Nörvenich) teilte dem Verfasser dazu am 13. und 15.4.2001 folgendes mit: „Eine Römerstraße von Köln über Kerpen nach Maastricht ist nicht anzunehmen, da ja eine solche über Jülich und Heerlen nach Maastricht führte; dagegen wird man über Bergerhausen und Mariaweiler (Rurübergang) nach Aachen (Garnisonskurbad der Römer) gekommen sein. Die wichtigste vorrömische Straße (Rhein-Maas-Straße) lief wohl von Wesseling über Nörvenich, Distelrath, Mariaweiler Richtung Maas, die Eifel meidend.“

„Auf Karten wichtiger Römerstraßen taucht dieser Verbindung (= Rhein-Maas-Straße - Anm. d. Verf.) häufig nicht auf, da sie zur Römerzeit an Bedeutung verloren hat. Allerdings besitze ich eine Handzeichnung von Dr. J. Heinrichs, Uni Köln. Diese Straße diente wohl der Verbindung der Wasserwege Rhein und Maas schon in der Frühzeit und umging das Gebirge. In der Handzeichnung läuft sie in der Nähe von Aachen vorbei und kommt etwas nördlich von Maastricht zur Maas, soweit die Genauigkeit der Skizze solche Aussagen überhaupt zuläßt. Zur Zeit der Ubier (19 v. Chr.) war sie noch in Benutzung.“
.

8Abriß unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963 S. 43

9heute: Rheinisches Landesmuseum Bonn; dortige Inventar-Nr. 3476)

10Bonner Jahrbücher 188, Bonn 1988, Seite 414/415 nach Krings, Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Kerpener Wasserburgen, Kerpen 1989, S. 6

11Zingsheim, Georg, Sonntagspost vom 11.4.1999

12Zittrich, M., Stadtblatt vom 10.4.1999

13Ripp, Bernhard, Blatzheim zur Römerzeit, Kerpener Heimatblätter 3/1974, S. 267 f.

14Commer, Alfons, Efeuranken – Beiträge zur Geschichte Blatzheims im Festbuch zum 50-jährigen Jubel-Feste des Männergesangvereins „Eintracht“ Blatzheim, 1925

15Zittrich, M., Stadtblatt vom 10.4.1999

16Commer, Alfons, Efeuranken – Beiträge zur Geschichte Blatzheims im Festbuch zum 50-jährigen Jubel-Feste des Männergesangvereins „Eintracht“ Blatzheim, 1925

17Abriß unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963 S. 43

18Ritter-Schaumburg, Heinz, Die Nibelungen zogen nordwärts, Herbig-Verlag 1981

Reinhold Mainz (Nörvenich) teilte dem Verfasser am 15.4.2001 folgendes mit: „Ritter-Schaumburg hat die Stelle gefunden, wo Rhein und Duna zusammenfließen. Nach seiner schlüssigen Auffassung ist nicht die Donau gemeint, sondern die Dhünn, die heute vor der Wuppermündung in die Wupper fließt, früher aber an einem wichtigen Rheinübergang (Heerstraße über Wipperfürth nach Dortmund) direkt in den Rhein floß. Er nimmt die weiteren Ortsangaben und Entfernungen insbesondere in der Thidrekssage (Dietrich-Sage, Didrekssage) ernst und legt schließlich das Gebiet der Nibelungen in das obere Neffeltal, das Herrschaftsgebiet Dietrichs von Bern (Bonn) zwischen Siegburg, Bonn und Trier und den Untergang der Nibelungen nach Soest, wo eine entsprechende Stadtsage überliefert ist. Münzfunde beweisen im übrigen eine enge Verbindung zwischen dem Neffeltal und dem Lippegebiet, was sicherlich durch den Verlauf wichtiger Straßen begründet ist.“

19Kühlhorn, Gerd, Kölner Stadtanzeiger, 9.10.1981

20Abriß unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963 S. 43

21Abriß unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 1/1964, S. 63

22vgl. Kirchhoff, Hans Georg/Braschoss, Heinz/Schoser, Franz, Heimatchronik des Kreises Bergheim, Köln 1974, S. 32;

Reinhold Mainz (Nörvenich) teilte dem Verfasser am 13.4.2001 dazu mit: „Bergerhausen lag nicht im Zülpichgau, sondern im Iulichgowe (Jülichgau) oder in einem Teil dieses Gaus, der in der Karte "Deutschlands Gaue, Mittleres Lothringen" von Th. Menke unter der Bezeichnung Cuzzihgewe auftaucht. Eine Grenze zwischen Cuzzihgewe und Iulichgowe ist leider nicht eingezeichnet. Der Cuzzihgewe lag links entlang der Erft nördlich des Zulpihgowe (Zülpichgau) bis zu der Stelle, an der die Erft gegen Osten abknickt. Auf der rechten Seite der Erft - mit einem Abstand weniger Kilometer - liegt dem Cuzzihgewe das Kölner Gebiet (Coloniensis) gegenüber, etwas nördlicher der Gelegovi (Gillgau) und Nivanheim (der Nivenheimgau).“

Nachdem ich dazu Vorbehalte geltend gemacht hatte und ironisierend angemerkt hatte, dass Jülich für die Bergerhausener „am Niederrhein liegt“, entgegnete R. Mainz am 15.4.2001: „Nach der von mir zitierten Karte wäre der Kutziggau (Kützgau) zu favorisieren, der zur Zeit der Römer zum Gebiet der Ubier gehörte, so dass Ihre Zuordnungsbedenken zerstreut werden könnten. dass der Kutziggau evtl. zum Jülichgau kam im Rahmen der Machtausdehnung der Herren von Jülich, mag Sie ja stören. Allerdings zählt der Jülichgau nach meiner Auffassung noch nicht zum Niederrhein: der Niederrhein beginnt mit der Nordgrenze dieses Gaus, des Kutziggaus und des Nievenheimgaus. Diese Grenze entspricht der Grenze der ripuarischen Gaue (Rheinuferfranken) nach Norden. (Nach Westen ist dies die Grenze der Bistümer Köln und (ehemals) Lüttich.) Wo verlief denn im Raum Blatzheim die Grenze zwischen Jülich und Köln? Allerdings gibt Ihnen der Geschichtliche Handatlas der deutschen Länder am Rhein (Verlag Bachem, Köln) recht, dort gehört Bergerhausen zum Zülpichgau. Wobei manche Angaben in diesem Schulatlas wohl eher dem Wunsch des Autors entsprechen als der Wirklichkeit. Blatzheim gehört zum ältesten Besitz des Kurfürsten Köln, allerdings kann ich mit der mir vorliegenden Karte nicht entscheiden, ob auch Bergerhausen dazu gehörte, da Blatzheim eine in das Jülicher Land hineinragende Enklave bildet; große Stücke der Verbindungslinie nach Köln gehören jedenfalls Ende des 15. Jahrhunderts nicht zu Kurköln. Auf der entsprechenden Karte der Jülicher Gebiete gehört andererseits Bergerhausen auch nicht zu Jülich.“

23Der Bürgewald ist die nördliche Fortsetzung des Ardennenwaldes und war wie dieser ursprünglich Eigentum der fränkischen Krone. Aus den zu diesen Wäldern gehörenden Forsthöfen entwickelten sich einige zum Oberforsthof, Düren darüber hinaus zur königlichen Pfalz, im Volksmund „Die Burg“ (Bürg) genannt. (Schläger, P.H.: Der Bürgewald, Bergheim 1950, S. 5)

24vgl. „Arnold der Edelmann“ in Zwischen Dom und Münster, Sagen, Legenden, Märchen und Schwänke aus den Landschaften zwischen Köln und Aachen, Paul Weitershagen Greven Verlag Köln, 1959.

25Ellscheid, S. 236 f. nach Die Landkreise in Nordrhein-Westfalen, Bd. 2 der Landkreis Bergheim, 1954, S. 82

26vgl. Die Landkreise in Nordrhein-Westfalen, Bd. 2 der Landkreis Bergheim, 1954, S. 82

27Schläger, P. H., Der Bürgewald, Bergheim 1950, S. 5

28Stommel, Karl, Das Gericht Blatzheim im kurkölnischen Amte Lechenich, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1965, S. 143

29Onnau, Hans Elmar, Burg Bergerhausen, Kerpener Heimatblätter 2/1963, S. 22