Dorfchronik
Bergerhausen - Frühzeit
bis 11. Jhdt. n. Chr. Durch
Artefakte, also von Menschenhand gemachte Gegenstände belegt,
wissen wir, dass die Gebiete rechts und links des Neffelbachlaufs
zwischen Niederbolheim und Kerpen bereits in
vorgeschichtlicher Zeit
relativ dicht besiedelt waren und schon in der Steinzeit unsere Bergerhausener Vorfahren am Neffelbach entlang gestreift sind und
sich vermutlich dort auch niedergelassen haben.1
Entsprechende
Nachweise verdanken wir u.a. dem Niederbolheimer Gutsbesitzer und
Heimatforscher Alfons Commer, der vor 100 Jahren zusammen mit Prof.
Dr. Schoop aus Düren zahlreiche Bodenfunde (bearbeitete
Steinwerkzeuge, Spuren von Wohngruben und Lehmhütten) gesammelt
und beschrieben hat.2
In unseren Tagen ist es vor allem der Kerpener Heimatforscher und
Archäologe Bernhard Höhner, dem wir viele Funde in unserer
Gegend und Veröffentlichungen hierüber verdanken. Belegt
ist auch ein uralter steinzeitlicher Weg, der an der Neffel entlang,
auch an Bergerhausen vorbei zur Mündung dieses Bachs östlich
von Kerpen und erftabwärts bei Neuß
bis zum Rhein führte.3 Im
Zuge des Neubaus der jetzt und nächstens Kerpen, Bergerhausen
und Blatzheim umgehenden Bundesstraße 264, wurden im Auftrag
des Rheinischen Straßenbauamtes Euskirchen von Oktober 1997 bis
Dezember 1998 in den ungefähr 1 Kilometer südöstlich
von Bergerhausen liegenden Feldern von Archäologen unter der
Leitung von Inga Drews umfangreiche Bodenuntersuchungen vorgenommen. Die
ältesten Funde weisen in die Altsteinzeit und somit in eine sehr
frühe Phase gesicherten menschlichen Daseins.
Bevor
er im Jahre 54 v. Chr. von den römischen Truppen Cäsars
vernichtet wurde, lebte vermutlich der germanisch-gallische
Volksstamm der Eburonen in unserem Gebiet. Sie hatten sich zunächst
gewehrt und den Römern eine Niederlage bereitet. Das veranlasste
den Cäsar zu einem Rachefeldzug, bei dem er das Land verwüstet
und die Ansiedlungen zerstört. Die Überlebenden flüchten
in die Wälder und gehen später in anderen Völkern auf.
5
In
diesem Jahre siedelt der römische Feldherr M. Vipsanius Agrippa
in dem von den Eburonen entvölkerten Gebiet das germanische Volk
der Ubier an. Sie hatten ihre Wohnstätten bis dahin zwischen
Lahn und Sieg, lebten mit den Römern friedlich zusammen und
verschmolzen mehr und mehr mit ihnen. In ihrer neuen Heimat reicht
ihr Siedlungsraum nach Westen noch über die Linie Zülpich-Düren
hinaus. Sie gründen bald darauf das Oppidum Ubiorum, die Stadt
der Ubier, das spätere Köln.
Am 6. November 15 n. Chr. wird hier Agrippina
die Jüngere geboren.6
Die
Herren des Ubierlandes
waren und bleiben indes die römischen Eroberer. Sie nutzen das
platte Land (locus planus) ackerwirtschaftlich in Form
großer Gutshöfe (villae
rusticae). Unser benachbartes Köln ist als Colonia
Agrippina Garnison und Hauptstadt der Provinz Niedergermanien und
eine Römerstraße dürfte auch von Köln über
Kerpen (und Bergerhausen) nach Maastricht geführt haben.7
Eine weitere Heerstraße läuft von Neuß über
Blatzheim nach Zülpich und zweigt von Thorr aus nach Lechenich
ab.8 Die
umfangreichsten Funde der bereits erwähnten Grabungen in den
Jahren 1997/98 in der Nähe von Bergerhausen betrafen eine
Siedlung aus der Römerzeit. Neben den Resten von drei
Steinbauten wurden mehrere Pfostenbauten und ein Friedhof entdeckt.
Alfons Commer hatte hier bereits um die Jahrhundertwende Forschungen
betrieben, die er in seinen Beiträgen zur Geschichte Blatzheims
so beschrieb: Eine
ganze Anzahl der römischen Siedlungen, kenntlich an den auf dem
Acker zerstreut liegenden hellgelben quadratförmigen Dachziegeln
und durchbrochenen Heizungskörpern aus gebranntem Ton lassen
sich sehr leicht auf manchen Punkten links und rechts des
Neffelbaches in der Gemarkung Blatzheim nachweisen. Während
diese Siedlungen gemäß ihrer Umrisse wohl meistens allein
liegende Bauernhöfe waren, fand sich im Emerich
einer Flur im Osten des Dorfes gelegen, Umrisse der Fundamente eines
größeren Hauses, durch die mitgefundenen Säulenkapitäle
mit Recht darauf schließen lassend, dass sich hier ein
villenähnlicher Landsitz befand. An derselben Stelle fand sich
in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts (ein) Altar, in Gestalt
eines rechteckigen Kalksteines, 31 cm hoch, 28 cm breit, 12 cm dick,
mit Sockel und Gesims, oben Reste des Giebelchens sowie der Voluten
und Tellerchen, jetzt im Provinzial-Museum9
zu Bonn zu sehen.
Dem
Gott Requalivahan erfüllt Quintus Aprianus Fructus aus
eigenem Antriebe für sich und die Seinen gern und
pflichtgemäß sein Gelübde In
meiner Kindheit erzählten die alten Bergerhausener von einer
versunkenen Stadt namens Emmerich. Ein entsprechender Hinweis findet
sich auch in dem 1891 erschienen Buch Volkstümliches aus
der Erftniederung von Leonard Korth. Der
Blatzheimer Bernhard Ripp, ein Experte für römische
Geschichte, bewertet die vorgefundenen Belege so:
Dieser
römische Gutsbesitz erstreckte sich bis zum Neffelbach, bis nach
Onnau und im Osten bis etwa zur Linie Langenich-Onnau. Von dieser
Villa können kleinere villae rusticae, die von Pächtern
verwaltet wurden und im Gebiet des heutigen Blatzheim (Anm.: gemeint
ist der alte Gemeindebezirk) lagen, abhängig gewesen sein.
Wohnhäuser für das Gesinde werden ebenfalls zu dem Landgut
gehört haben, das mit Dachziegeln gedeckt und mit Steinen erbaut
war.... Unter Hinweis auf Überlegungen zur Größe
und personellen Ausstattung einer normalen villa rustica,
ermittelt Bernhard Ripp unter Annahme einer Ausdehnung des Gutes von
4.000 Morgen Land eine Zahl von 600 Menschen, die auf unserem
römischen Gut lebten und arbeiteten: Selbst wenn die Zahl
zu hoch ist, mit 300 Menschen muss man auf einem solchen Riesengut
rechnen.13 Nach
alledem ist festzuhalten, dass das römische Anwesen sich in
seiner Gesamtheit auf das Gebiet des späteren Dorfes
Bergerhausen und einen Teil der von dort aus bewirtschafteten Fluren
erstreckt hat.
Aus
dem Rechtsrheinischen kommend dringen die Franken
in unser
Gebiet ein.
Nach
mancherlei Kriegsgetümmel zwischen den germanischen Franken und
den hier ansässigen Römern, sieht sich der römische
Kaiser Diokletian (284 305 n. Chr.) gezwungen, weitere Franken
in unserer Gegend anzusiedeln, um Ackerbauern und Soldaten zu
gewinnen.
Der
Kampf in unserer Heimat tobt aufs neue, da in den dreijährigen
Kriegen zwischen den römischen Kaisern Constantin II. und
Magnentius die hiesigen Franken auf Seiten des Magnentius stehen. Der
Greuel ist fürchterlich, da rundum alle Gehöfte
niedergebrannt und die Bewohner in Sklaverei geschickt werden.14
Man darf vermuten, dass auch die Römersiedlung südöstlich
von Bergerhausen diesen Verwüstungen zum Opfer fällt. Die
Archäologen stellten jedenfalls für diese Gemarkung
anschließend eine Siedlungslücke von 1.000 Jahren fest.15
So
leer war damals unsere Gegend, schreibt Alfons Commer,
dass der römische Kaiser Julian (361363) sich
veranlasst sah, wiederum eine große Menge Franken von jenseits
des Rheines auf dem linken Rheinufer sesshaft zu machen, diese mit
Getreide aus Britannien versorgte, da der zur Römerzeit hier
blühende Ackerbau völlig untergegangen war. Es folgte eine
30jährige Friedenszeit, in welcher germanische Kultur hier Fuß
fasste, und, nachdem die hier ansässigen Franken die Invasion
anderer germanischer Stämme siegreich zurückgeschlagen
hatten, blieben diese unbestrittene Herren des Landes (450 n. Chr.).
Aber wie sah die Gegend aus! Zu Tausenden lagen die einst blühenden
Ansiedlungen der Römerzeit in Schutt und Asche und über
ihren Trümmern wuchs stellenweise ein dichter Wald.16
Es
entspräche durchaus den Gepflogenheiten der Zeit, wenn die
Ruinen als Steinbruch für den Bau neuer Häuser
in der Umgebung genutzt, römische Ziegel also in neu gegründeten
oder erweiterten Ansiedlungen am Ufer des Neffelbachs verbaut worden
sind.
Seit
dem Jahre 356 wird das Frankenland Francia (Franzien) genannt. Die
Franken lassen die Ubier nach ihren Gesetzen, Sitten und Gebräuchen
leben. Die beiderseits des Rheines wohnenden Franken heißen
Ripuarier oder Uferfranken (ripa = Ufer).17
Nach den Ripuariern wird die in unserer Gegend gesprochene Mundart
korrekterweise als ripuarisch-fränkisch bezeichnet.
An
dieser Stelle sei auf eine bemerkenswerte Forschungsarbeit
des durch zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen bekannt
gewordenen Dr. phil. Heinz Ritter-Schaumburg hingewiesen. Ritter geht
davon aus, dass die Helden der bekannten Dietrich-Saga (Thidrekssaga)
bzw. der Nibelungensage (Niflungen/Die von der Neffel) im 5.
Jahrhundert aus dem Nifflungaland (=Neffel-Gau-Land) von
ihrer Burg Vernica (Virnich bei Zülpich) den Neffelbach
hinabzogen und dort wo die Dhünn (Duna) in den Rhein fließt,
den Rhein überquerten.18
Könnte der mutige Drachentöter Siegfried seine Spuren auch
in Bergerhausen hinterlassen haben? Man weiß es nicht, aber
möglich wäre es immerhin. Deshalb hier das bekannte
Helden-Epos in Kurzfassung: Der
mächtige Hagen sorgt mittels eines Speeres für das
plötzliche Ableben des als unbesiegbar geltenden Helden
Siegfried. Der hinterlässt die trauernde Witwe Kriemhild, die
alsbald auf Rache sann. Mittel zum Zweck war ihr der Herrscher der
Hunnen, der sagenumwobene Attila (gest. 453). Es war der schönen
Kriemhild ein leichtes, den grimmigen Barbaren zu verführen.
Wenig später waren die beiden vermählt und Kriemhild ihrem
Ziel einen Schritt näher. Mit einer List lockte sie die
Nibelungen an den Hof des Hunnenfürsten. Dort warteten Attilas
Mannen, zum Kampf bereit. Die Nibelungen schlugen sich tapfer, doch
überlebt hat das Gemetzel keiner.19 Ritter-Schaumburg
konnte die Wissenschaftler von seinen Theorien wohl nicht überzeugen.
Aber es soll auch Historiker geben, die davon ausgehen, dass seine
Arbeit dazu beiträgt, Licht in das Dunkel der rheinischen
Geschichte zu bringen. Doch
zurück zu gesicherteren Ereignissen:
Die
Franken
treten als Reichsvolk auf. Das Weltreicherbe Köln
gilt als die Hauptstadt der Uferfranken
(Ripuarier).20
Der
Merowinger
Chlodwig gründet das Frankenreich. Der zwanzigjährige Fürst
der salischen Franken erobert in raschem Ansturm das
gallisch-römische Reich; an die Spitze der größeren
Bezirke treten fränkische Beamte (Grafen, comites). Die römische
Bevölkerung behält Grundbesitz, Freiheit und zum Teil
römisches Recht. Die herrenlosen Grundstücke und die
Krongüter kommen an den König und sein Gefolge.
Chlodwig
besiegt mit Hilfe der ripuarischen Franken die Alemannen bei
Tolbiacum (Zülpich). Er wird katholischer Christ (im Gegensatz
zu den ariamschen Germanenfürsten). Dieser Übertritt
vollzieht sich unter dem Einfluß seiner Gemahlin, der
burgundischen Prinzessin Chlodhilde.
Chlodwig
entwickelt das stammesgebundene Heerkönigtum zum umfassenden
Reichskönigtum. Die Merowingerzeit ist geprägt vom Kampf
zwischen Königsgewalt und Volksgewalt. Die zentralistische
Königsherrschaft verwandelt die alten Gaugemeinden mit dem frei
gewählten Thunkin (Gauvorsteher) an der Spitze in königliche
Grafschaften. Der beamtete königliche Gaugraf entwindet dem
Thunkin das Führungszepter. 21
Das Gebiet um Bergerhausen gehört vermutlich
zum Zülpichgau.22
Unter
den merowingischen Beamten bedarf der Hausmeier (major
domus) besonderer Erwähnung. Mit dem Hausmeier Karl
Martell kommt im 8. Jahrhundert das Haus der Karolinger zur
Herrschaft, dessen namhaftester Vertreter Karl
der Große (768 814) gewesen ist. Bevor dieser
berühmte Herrscher in seinen letzten Lebensjahren Aachen zu
seiner festen Residenzstadt macht, zieht er mit seinem Hofstaat von
Pfalz zu Pfalz und von Meierhof zu Meierhof. Da er Düren (Villa
publica duria) zu einer solchen Königspfalz und Kerpen zu einem
Meierhof (villa regia) erkoren hat, wird man ihn und sein Gefolge
wohl auch in Bergerhausen gesehen haben. Und wenn die Behauptung
stimmt, dass letztlich jeder zweite Deutsche von jenem Karl, der auch
bei Frauen großes geleistet haben soll, abstammt,
dann mag vielleicht auch in dem einen oder anderen Bergerhausener
karolingisch-kaiserliches Blut fließen. Um
Karl den Großen ranken sich viele Geschichten und so ist auch
eine Legende überliefert, die im Ergebnis bis in unser
Jahrhundert hinein von Bedeutung für die hier ansässige
Bevölkerung sein wird:
Am
Hofe Karls zu Aachen lebte ein griechischer Edelmann namens Arnold,
der wusste die Waffe, das Saitenspiel und seine Stimme gleichermaßen
meisterlich zu gebrauchen. Darum stand er in der Gunst des Kaisers,
der ihm schon lange eine Belohnung zukommen lassen wollte, aber
Arnold hatte stets bescheiden abgelehnt. Einst
lud der Kaiser zur Jagd in den Bürgewald23,
der urwüchsig dicht zwischen Rur und Erft sich zur Eifel hinzog.
Statt nun hinter dem Wild her zu sein, jagte Arnold der Armut nach.
Nicht einmal Holz genug für ihre Feuerstellen hatten die
Bauern, die in den Dörfern am Rande des Waldes wohnten, obwohl
der Wald bis an ihre dürftigen Gärten wuchs, denn der
Wildbann des Kaisers verbot bei härtester Strafe, den Wald auch
nur zu betreten. Das und von sonstiger Not erzählten die Bauern
dem Edelmann, der geduldig zuhörte, und als die Hörner
endlich zur Umkehr riefen, trug Arnold statt Beute einen Plan mit
heim. In
der Halle des Saalhofes der Dürener Pfalz trat Arnold vor den
Hochsitz des Kaisers und trug, angesprochen, was sein Begehr sei,
vor, dass er sich nun doch dafür entschieden habe, einen
Wunsch zu äußern. Der Herrscher möge ihn aber nicht
habgierig nennen, wenn er sich nun wünsche, ihm so viel Wald zu
schenken, wie er umreiten kann, während der Kaiser zum Essen bei
Tisch verweilt. Dem
Kaiser schien der Wunsch so bescheiden, dass er ihn gleich
erfüllte. Er gedachte sogar, sein Mahl heute etwas auszudehnen.
Arnold küsste ihm dankbar die Hand und eilte davon, die Zeit bis
zum Mahl schon zu nutzen. Als der Kaiser sich zu Tisch setzte, konnte
Arnold sich gleich in den Sattel schwingen und losreiten, wie er noch
nie im Leben geritten war. Ehe
das Pferd ermüdet war, bestieg er an vorher verabredeten Stellen
ein anderes, frisches, und hieb von Zeit zu Zeit mit seinem Schwert
ein Zeichen in die Bäume. So verfuhr er, bis er das ganze
Waldstück, zwei Meilen lang und halb so breit, (von Düren
bis hinauf nach Paffendorf, über Sindorf hinunter nach
Bergerhausen und über Binsfeld zurück nach Düren)
umritten hatte. Als
er die Jagdgesellschaft wieder erreichte, tafelte der Kaiser noch.
Arnold verkündete froh: Herr der Ritt ist beendet! Was ich
gewonnen habe wird von Kerben und Knechten bezeugt. Allzuviel
kann es nicht sein, wenn du zurück bist, noch ehe die Tafel zu
Ende ist, meinte der Kaiser. Da berichtete Arnold, wie er es
angestellt hatte, in der kurzen Zeit das gesamte Waldgebiet zu
umreiten. Aber nicht mir zunutze ersann ich die List,
fuhr er fort. Sieh doch das arme Volk, das in den Walddörfern
wohnt. Verschlingt ihm der Wald fast die Hütten, so hat es doch
nicht des Holzes genug, sich im Winter zu wärmen, denn dein
Wildbann verbietet ihm Holz zu schlagen. Nur um dieses Volkes willen
habe ich Deine Gunst erbeten. Der Himmel möge es dir lohnen, dass
in den Dörfern hier nun das Volk nicht mehr zu frieren braucht! Schien
es zuerst, als wollte der Kaiser sich unmutig zeigen, so erhellte
sich doch bald sein Gesicht und kaum das Arnold geendet hatte,
schritt Karl auf den Knienden zu, zog sich den Ring vom Finger,
steckte ihn Arnold an und bekundete so, dass der umrittene Wald
nun ihm gehöre. Da
jubelte die ganze Tafelrunde und pries den Sieg, den zwei gütige
Herzen errungen hatten.24
Lesen Sie zu
diesem Thema auch: Ein Gang durch den Bürgewald,
Beilage Dürener Zeitung von Februar 1950: hier Als
geschichtlich gesichert gilt die Tatsache, dass die fränkischen
Könige erobertes Land an ihre Krieger verteilen und es ihnen als
Dank für ihren Kriegsdienst zu Lehen geben, die im Jahre 887
erblich werden. Die ansässige Bevölkerung sinkt in den
Stand der Hörigkeit. So dürfen wir es wohl als Folge der
fränkischen Landnahme ansehen, wenn wir in den meisten Orten zu
der Zeit des frühen Mittelalters Ritterfamilien finden, die den
Namen des Ortes tragen. Diese Ritter besitzen ihren Bezirk als
Eigenbesitz (Allod) und gleichzeitig die Gerichtsbarkeit über
die Hörigen ihres Bannbezirkes oder des Beyfanges.
In
der folgenden Periode kommen Ortsnamen auf, die auf dorf und
hausen
enden, wobei letztere erst im 10. Jahrhundert vornehmlich für
feste, umwehrte Hofanlagen üblich werden. Im Gegensatz zur
bisherigen Besiedlung durch freie Franken sind dies nunmehr bewusste
Ansiedlungen auf den großen Landbesitzen der Kirchen, Klöster
und weltlicher Grundherren, denn herrenloses Land gibt es in jener
Zeit kaum noch.25 Aus
verschiedenen Gründen wird angenommen, dass der Ort
Bergerhausen unter diesem Namen bereits vor der Jahrtausendwende
bestanden hat.26
Die
erste offizielle Erwähnung eines gemeinsamen Waldes für
unser Gebiet findet sich in einer Urkunde, ausgestellt durch
Erzbischof Hermann I. von Köln am 11. August 922. Die Urkunde
gibt erstmals Kenntnis davon, dass hier eine Gemeinsamkeit von
Gemeinden an diesem Wald bestand.27
Seit
dem elften Jahrhundert versuchen die mächtigsten der weltlichen
und geistlichen Großen möglichst viele Gerichtsbezirke in
ihre Hand zu bringen und sich so eine Landeshoheit anzueignen, das
heißt, einen Staat im Staate zu bilden. In unserem Gebiet
versuchen das mit Erfolg die späteren Grafen
von Jülich und die Erzbischöfe
von Köln. In dem Kampf dieser beiden Territorialherren kommt
dem Raum um Blatzheim eine hervorragende Bedeutung zu. Wann und wie
der Kölner Erzbischof in den Besitz des Ortes Blatzheim
gekommen ist, lässt sich nicht mehr genau nachweisen. Es muß
jedoch schon früh gewesen sein, denn aus einer Urkunde vom 25.
Juni 1057 ersehen wir bereits, dass der Kölner Erzbischof
Anno
II. der Königin
Richeza seine Güter in Blatzheim und Müddersheim auf
Lebenszeit zur Verfügung stellt.28 Es
ist nicht auszuschließen, dass die Gründung
einer Mühle am Neffelbach der Ursprung für ein Anwesen
ist, aus dem Nachkommen erwachsen, die dann wieder in das Licht der
Geschichte treten werden. Belegt ist eine solche Spekulation indessen
nicht. Der
Blatzheimer Heimatforscher Hans Elmar Onnau schrieb in diese Richtung
weisend im Jahre 1963 in den Kerpener Heimatblättern: Vom
Neffelbach wurde schon sehr früh bei Bergerhausen ein mehr
südlich verlaufender Graben abgeleitet, der als der neue Bach
bzw. Mühlenbach in die Erscheinung tritt und weiter östlich
wieder in den natürlichen Bach einmündet. In
dem langgestreckten Bereich des von beiden Bächen
eingeschlossenen Talgrundes entstanden im Mittelalter in ursächlichem
Zusammenhang mit vorerwähnter Wasserführung im Talgrund,
die Gunst des Wasserschutzes ausnutzend, zwei ziemlich nahe
beieinander liegende feste Höfe mehr oder weniger
herrschaftlichen Charakters: Im Westen, also in der Nähe der
Grabenableitung, eine wasserumwehrte Anlage, die einmal als Castrum
Bergerhausen, ein andermal als ritterliche Wohnung, Haus und Hof zu
Bergerhausen, dann als Bongartsburg und neuerdings als Schloss
Bergerhausen bezeichnet worden ist.
Östlich
dieser Anlage lag die sogenannte Scheiffartsburg, ein ebenfalls
fester, wasserumwehrter Hof offensichtlich herrschaftlichen
Charakters, der in entsprechender Abwandlung noch (Anm.:
bis 1976) besteht. Zwischen
diesen beiden Anlagen lag etwas nördlich, also auf dem Nordufer
des Neffelbaches, noch ein weiterer Hof, der als das Oberste
Haus und Hof zu Bergerhausen und später als Krümmelsburg
bezeichnet wird, aber vollständig untergegangen ist und seinem
Standort nach sich nur noch schwach im Gelände
abzeichnet. Bei
diesen beiden festen Adelssitzen konnten Ursprung und früheste
Besitzverhältnisse bisher nicht ermittelt werden. Onnau geht
davon aus, dass sie im 13./14. Jahrhundert entstanden sind, schließt
aber auch nicht aus, dass sie wie übrigens auch Burg
Bergerhausen aus älteren, grabenumwehrten Adelshöfen,
vielleicht auch aus mittelalterlichen kleineren Motten hervorgegangen
sein könnten. Bei der Datierung stützt er sich auf das
Vorkommen von Bergerhausenern Ortsadligen, die nicht auf Burg
Bergerhausen ansässig waren (siehe unter 1221). Unmittelbar
an der Burg Bergerhausen und der zugehörigen Bann- und späteren
Zwangsmühle führte in mittel- und nachmittelalterlicher
Zeit der von Lechenich nach Bergheim führende Weg, den Talgrund
überquerend, vorbei, der sich nördlich des aufgezeichneten
Geländes im Flecken Bergerhausen mit der von Köln nach
Aachen führenden alten Landstraße kreuzte, die eine
Verkehrsader erster Ordnung war und unweit der heutigen Straße
verlief. Damit ist die verkehrspolitische Situation und Bedeutung der
Örtlichkeit dargetan. Im
Zuge der mittelalterlichen Auseinandersetzungen um die Erlangung von
Landeshoheit, deren Festigung und weitere Ausdehnung, letztlich also
der Entwicklung vom Personenverbands- zum institutionellen
Flächenstaat ging der Bereich um Bergerhausen im Erzstift Köln
auf, das freilich hier nicht weiter vordringen konnte als bis
Blatzheim und Niederbolheim, Dorsfeld und Geilrath. Dieser Bereich
war letztlich sogar völlig eingekreist vom Jülicher
Territorium im Norden, Westen und Süden und dazu im Osten von
der brabantischen und späteren Reichsgrafschaft Kerpen und die
weit über dieses nach Osten übergreifenden zu Jülich
gehörigen Gebiete. Nur eine schmale Verbindung verblieb in etwa
südöstlicher Richtung zu dem übrigen kurkölnischen
Territorium, dem späteren Amt Lechenich.
Das
Erzstift Köln stand also hier seinem großen Gegner Jülich
selbst unter Berücksichtigung des bedingt Schutz bietenden
nördlich vorgelagerten auch nicht völlig zur Bürge
gehörigen Waldgebietes in recht schwacher Position gegenüber.29
1vgl.
Hinz, H., Archäologische Funde und Denkmäler des
Rheinlandes, Bd. 2, Bergheim 1969, S. 38; Krings,
Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Kerpener Wasserburgen, Kerpen 1989, S.
6
2Commer,
Alfons, Efeuranken Beiträge zur Geschichte Blatzheims im
Festbuch zum 50-jährigen Jubel-Feste des Männergesangvereins
Eintracht Blatzheim, 1925
3Abriß
unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963
Seite 42; vgl dazu auch R. Mainz in auch Fußnote 18
41.
Moses 10:3,32
5Abriß
unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963
S. 42
6Abriß
unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963
S. 43
7Reinhold
Mainz (Nörvenich) teilte dem Verfasser dazu am 13. und
15.4.2001 folgendes mit: Eine Römerstraße von Köln
über Kerpen nach Maastricht ist nicht anzunehmen, da ja eine
solche über Jülich und Heerlen nach Maastricht führte;
dagegen wird man über Bergerhausen und Mariaweiler
(Rurübergang) nach Aachen (Garnisonskurbad der Römer)
gekommen sein. Die wichtigste vorrömische Straße
(Rhein-Maas-Straße) lief wohl von Wesseling über
Nörvenich, Distelrath, Mariaweiler Richtung Maas, die Eifel
meidend.
8Abriß
unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963
S. 43
9heute:
Rheinisches Landesmuseum Bonn; dortige Inventar-Nr. 3476)
10Bonner
Jahrbücher 188, Bonn 1988, Seite 414/415 nach Krings,
Josef/Harke-Schmidt, Susanne, Kerpener Wasserburgen, Kerpen 1989, S.
6
11Zingsheim,
Georg, Sonntagspost vom 11.4.1999
12Zittrich,
M., Stadtblatt vom 10.4.1999
13Ripp,
Bernhard, Blatzheim zur Römerzeit, Kerpener Heimatblätter
3/1974, S. 267 f.
14Commer,
Alfons, Efeuranken Beiträge zur Geschichte Blatzheims im
Festbuch zum 50-jährigen Jubel-Feste des Männergesangvereins
Eintracht Blatzheim, 1925
15Zittrich,
M., Stadtblatt vom 10.4.1999
16Commer,
Alfons, Efeuranken Beiträge zur Geschichte Blatzheims im
Festbuch zum 50-jährigen Jubel-Feste des Männergesangvereins
Eintracht Blatzheim, 1925
17Abriß
unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963
S. 43
18Ritter-Schaumburg,
Heinz, Die Nibelungen zogen nordwärts, Herbig-Verlag
1981
19Kühlhorn,
Gerd, Kölner Stadtanzeiger, 9.10.1981
20Abriß
unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1963
S. 43
21Abriß
unserer Heimatgeschichte, Kerpener Heimatblätter, Heft 1/1964,
S. 63
22vgl.
Kirchhoff, Hans Georg/Braschoss, Heinz/Schoser, Franz, Heimatchronik
des Kreises Bergheim, Köln 1974, S. 32;
23Der
Bürgewald ist die nördliche Fortsetzung des Ardennenwaldes
und war wie dieser ursprünglich Eigentum der fränkischen
Krone. Aus den zu diesen Wäldern gehörenden Forsthöfen
entwickelten sich einige zum Oberforsthof, Düren darüber
hinaus zur königlichen Pfalz, im Volksmund Die Burg
(Bürg) genannt. (Schläger, P.H.: Der Bürgewald,
Bergheim 1950, S. 5)
24vgl.
Arnold der Edelmann in Zwischen Dom und Münster,
Sagen, Legenden, Märchen und Schwänke aus den Landschaften
zwischen Köln und Aachen, Paul Weitershagen Greven Verlag Köln,
1959.
25Ellscheid,
S. 236 f. nach Die Landkreise in Nordrhein-Westfalen, Bd. 2 der
Landkreis Bergheim, 1954, S. 82
26vgl.
Die Landkreise in Nordrhein-Westfalen, Bd. 2 der Landkreis Bergheim,
1954, S. 82
27Schläger,
P. H., Der Bürgewald, Bergheim 1950, S. 5
28Stommel,
Karl, Das Gericht Blatzheim im kurkölnischen Amte Lechenich,
Kerpener Heimatblätter, Heft 2/1965, S. 143
29Onnau,
Hans Elmar, Burg Bergerhausen, Kerpener Heimatblätter 2/1963,
S. 22
bis
2.500 v. Chr.
Wir
könnten unseren frühgeschichtlichen Abriss auch mit Adam
und Eva beginnen lassen. In deren Familienlinie bildet Noah die
zehnte Generation seit Adam über Seth. Japhet ist sein erster
nach der Sintflut geborene Sohn. Dessen Enkel Aschkenas gehört
zu den Familien der Söhne Noahs und von diesen breiteten sich
die Nationen nach der Sintflut auf der Erde aus.4
In den jüdischen Schriften des Mittelalters wurde der Begriff
Aschkenasi
auf die germanischen Völker angewandt.
54
v. Chr.
38
v. Chr.
50
n. Chr.

Dieser
Altar war wohl das Hausheiligtum des Besitzers der oben angeführten
Villa. Ihn weihte Quintus Aprianius Fructus dem sonst unbekannten
Gotte Requalivahanus aus eignem Antriebe für sich und die
Seinen. Es ist diese Inschrift ein klares Beispiel dafür, dass
ein römischer Vollbürger, kenntlich an seinen drei Namen,
vielleicht ein ausgedienter Militär oder Beamter, der an dieser
Stelle mit Landbesitz angefunden, als Pensionär lebte, eine
römische Gottheit mit einer wesensverwandten keltischen Gottheit
verschmolz, da dieses die Dehnbarkeit der römischen
Gottheitsbegriffe gestattete. Der kaum aussprechbare eigentümliche
Name Requalivahanus kommt sonst nirgendwo vor und ist ohne Zweifel
keltischen Ursprunges, wohl die Lokalgottheit des damaligen Ortes. Um
1988 fand man erneut einen Weihestein aus lothringer Kalksandstein
für eine heimische Gottheit, den vermutlich ein Januarinius
gestiftet hat.10 Der
bei den Grabungen im Jahre 1997/1998 entdeckte Friedhof, war entlang
einer Römerstraße angelegt und umfasste 73 Grabfelder, die
sich in das zweite und dritte Jahrhundert datieren ließen. Die
Toten waren mitsamt Geschirr, Speisen, Getränken und einigen
Münzen verbrannt worden. Mindestens vier Brunnen dienten den
Bewohnern der römischen Siedlung zur Versorgung mit
Frischwasser.11 Alles
in allem lassen die über Jahrzehnte zusammengetragenen Lesefunde
von den Feldern und die jüngsten Ausgrabungen erkennen, dass die
Bewohner bereits über eine Fußbodenheizung verfügten,
dass sie Wein, Honig, Fischsud und andere pflanzliche und tierischen
Produkte ebenso bevorrateten, wie Getreide und andere feste
Nahrungsmittel. Es gibt Hinweise auf die Haltung von Vieh und die
Herstellung von Mehl, Stoffen und viele andere Güter des
täglichen Lebens. Als
ungewöhnlich wird die Befundsituation bewertet, dass Teile der
Ansiedlung sich an einer in römischer Zeit feuchten Senke
befand, die von den Bewohnern mittels Planierschichten nutzbar
gemacht wurde.12 Beschaffenheit
und Ausdehnung der in Luftaufnahmen gut sichtbaren Umrisse des
römischen Landsitzes lassen den Schluss zu, dass das Anwesen
nicht irgend einer von vielen im Rheinland anzutreffenden römischen
Bauernhöfe war, sondern ein großes Gut.

Luftaufnahme
der Feldflur Auf dem Emmerich bei Bergerhausen.
Die
Fundamente der römischen Siedlung zeichnen sich im Bewuchs
ab.
Quelle:
Archäologische Funde und Denkmäler des Rheinlandes, Bd. 2,
Kreis Bergheim, Düsseldorf 1969
Luftbild Juni 1963;
freigegeben Reg.-Präs. Düsseldorf Nr. 16/606
250
n. Chr.
um
300 n. Chr.
350
n. Chr.
356
n. Chr.
um
450 n. Chr.
470
n. Chr.
486
n. Chr.
496
n. Chr.
um
800 n. Chr.
887
n. Chr.
10.
Jahrhundert
11.
August 922
11.
Jahrhundert 
Von
dem alten Mühlenbach ist nur noch ein unansehnlicher Graben
übrig geblieben. Auf dem Bild sehen wir im Hintergrund
das
Turbinenhaus der ehemaligen Wassermühle. - Foto vom 27.1.2000 ©
Franz-Peter Dohmen 
Schloss
Bergerhausen mit der Vorburg (unten), dem alten
Batterieturm (rechts) sowie der Burgmühle (hinten rechts).
(Luftbild vom
4.6.2002
©
Klaus Sagel) 
Eine
landwirtschaftlich genutzte Halle und zwei Silos haben den Platz der
ehemaligen Scheiffartsburg eingenommen. Die
dahinter liegende
Baumgruppe verdeckt die Gebäude der alten Bongartsburg. Die
links im Bild zu sehende Baumreihe bezeichnet
den Verlauf des
Mühlenbachs. - Foto vom 27.1.2000 © Franz-Peter Dohmen 
Der
Standort der Krümmelsburg zeichnet sich noch im Gelände ab.
Links im Bild - von Bäumen verdeckt - der Nachfolgehof.
Rechts
davon das Wohnhaus der Familie Josef Fischer, des letzten Pächters.
- Foto vom 27.1.2000 © Franz-Peter Dohmen
Auf Karten wichtiger Römerstraßen
taucht dieser Verbindung (= Rhein-Maas-Straße - Anm. d. Verf.)
häufig nicht auf, da sie zur Römerzeit an Bedeutung
verloren hat. Allerdings besitze ich eine Handzeichnung von Dr. J.
Heinrichs, Uni Köln. Diese Straße diente wohl der
Verbindung der Wasserwege Rhein und Maas schon in der Frühzeit
und umging das Gebirge. In der Handzeichnung läuft sie in der
Nähe von Aachen vorbei und kommt etwas nördlich von
Maastricht zur Maas, soweit die Genauigkeit der Skizze solche
Aussagen überhaupt zuläßt. Zur Zeit der Ubier (19 v.
Chr.) war sie noch in Benutzung.
.
Reinhold Mainz (Nörvenich) teilte dem Verfasser am
15.4.2001 folgendes mit: Ritter-Schaumburg hat die Stelle
gefunden, wo Rhein und Duna zusammenfließen. Nach seiner
schlüssigen Auffassung ist nicht die Donau gemeint, sondern die
Dhünn, die heute vor der Wuppermündung in die Wupper
fließt, früher aber an einem wichtigen Rheinübergang
(Heerstraße über Wipperfürth nach Dortmund) direkt
in den Rhein floß. Er nimmt die weiteren Ortsangaben und
Entfernungen insbesondere in der Thidrekssage (Dietrich-Sage,
Didrekssage) ernst und legt schließlich das Gebiet der
Nibelungen in das obere Neffeltal, das Herrschaftsgebiet Dietrichs
von Bern (Bonn) zwischen Siegburg, Bonn und Trier und den Untergang
der Nibelungen nach Soest, wo eine entsprechende Stadtsage
überliefert ist. Münzfunde beweisen im übrigen eine
enge Verbindung zwischen dem Neffeltal und dem Lippegebiet, was
sicherlich durch den Verlauf wichtiger Straßen begründet
ist.
Reinhold Mainz
(Nörvenich) teilte dem Verfasser am 13.4.2001 dazu mit:
Bergerhausen lag nicht im Zülpichgau, sondern im
Iulichgowe (Jülichgau) oder in einem Teil dieses Gaus, der in
der Karte "Deutschlands Gaue, Mittleres Lothringen" von
Th. Menke unter der Bezeichnung Cuzzihgewe auftaucht. Eine Grenze
zwischen Cuzzihgewe und Iulichgowe ist leider nicht eingezeichnet.
Der Cuzzihgewe lag links entlang der Erft nördlich des
Zulpihgowe (Zülpichgau) bis zu der Stelle, an der die Erft
gegen Osten abknickt. Auf der rechten Seite der Erft - mit einem
Abstand weniger Kilometer - liegt dem Cuzzihgewe das Kölner
Gebiet (Coloniensis) gegenüber, etwas nördlicher der
Gelegovi (Gillgau) und Nivanheim (der Nivenheimgau).
Nachdem
ich dazu Vorbehalte geltend gemacht hatte und ironisierend angemerkt
hatte, dass Jülich für die Bergerhausener am
Niederrhein liegt, entgegnete R. Mainz am 15.4.2001: Nach
der von mir zitierten Karte wäre der Kutziggau (Kützgau)
zu favorisieren, der zur Zeit der Römer zum Gebiet der Ubier
gehörte, so dass Ihre Zuordnungsbedenken zerstreut werden
könnten. dass der Kutziggau evtl. zum Jülichgau kam
im Rahmen der Machtausdehnung der Herren von Jülich, mag Sie ja
stören. Allerdings zählt der Jülichgau nach meiner
Auffassung noch nicht zum Niederrhein: der Niederrhein beginnt mit
der Nordgrenze dieses Gaus, des Kutziggaus und des Nievenheimgaus.
Diese Grenze entspricht der Grenze der ripuarischen Gaue
(Rheinuferfranken) nach Norden. (Nach Westen ist dies die Grenze der
Bistümer Köln und (ehemals) Lüttich.) Wo verlief denn
im Raum Blatzheim die Grenze zwischen Jülich und Köln?
Allerdings gibt Ihnen der Geschichtliche Handatlas der deutschen
Länder am Rhein (Verlag Bachem, Köln) recht, dort gehört
Bergerhausen zum Zülpichgau. Wobei manche Angaben in diesem
Schulatlas wohl eher dem Wunsch des Autors entsprechen als der
Wirklichkeit. Blatzheim gehört zum ältesten Besitz des
Kurfürsten Köln, allerdings kann ich mit der mir
vorliegenden Karte nicht entscheiden, ob auch Bergerhausen dazu
gehörte, da Blatzheim eine in das Jülicher Land
hineinragende Enklave bildet; große Stücke der
Verbindungslinie nach Köln gehören jedenfalls Ende des 15.
Jahrhunderts nicht zu Kurköln. Auf der entsprechenden Karte der
Jülicher Gebiete gehört andererseits Bergerhausen auch
nicht zu Jülich.