Kochrezepte aus der Region Blatzheim-Bergerhausen

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Melechzupp (süße Milchsuppe)

 

In vielen Haushalten ist es bis auf den heutigen Tag üblich, abends eine Milchsuppe auf den Tisch zu bringen. Wichtig ist es, dazu einen glatten Topf zu nehmen, weil Milchsuppe leicht ansetzt. Deshalb muss man beim Kochen auch sorgfältig vorgehen, immer wieder rühren und den Topf vorher mit kaltem Wasser ausspülen, das nicht abgetrocknet wird. Eine Prise Salz soll auch helfen, das Anbrennen zu vermeiden, und hebt bei süßen Speisen den Geschmack (so wie umgekehrt eine Zucker den Geschmack salziger Speisen hebt). Früher nahm man einen eigenen Topf für Milchspeisen, weil die Milch leicht den Geschmack anderer, zuvor darin gekochter Speisen, annimmt. (Übrigens eine alte biblische Gepflogenheit mit weiterem Sinngehalt.)

Damit es nicht langweilig wurde, nahm man wechselnde Zutaten: Reis, Sago, Gries, Graupen, Haferflocken, Nudeln, Mehl usw. und variierte mit Eiern, Eischnee, Rosinen, Zimt, aber auch Mohn, Schokolade und sogar Bier und Wein.

Basis für 4 Personen ist im allgemeinen eine Menge von 1 1/2 Liter Milch und vier Esslöffel Zucker. Tasten Sie sich bei der Zuckermenge an Ihren persönlichen Geschmack heran, es darf gerne deutlich mehr sein - das ist lecker und Ihr Zahnarzt freut sich, sie öfter mal zu sehen. (Deshalb bald nach der Mahlzeit gründlich die Zähne putzen, dann machen auch Ihre Zähne mit!)

Bei stark einkochenden Zutaten (wie Reis und Nudeln) empfiehlt es sich, einen Teil der Milch durch Wasser zu ersetzen. Umgekehrt hebt bei schwächer einkochenden Zutaten Vollmilch oder die Zugabe von Sahne deutlich den Geschmack. Auch ein Stich Butter, kurz vor dem Servieren eingerührt ist in diesem Sinne gut. (Sie haben sicherlich schon bemerkt, dass man in unserem Dorf das Kalorienzählen nicht kannte, auch nicht brauchte, denn die üblicherweise schwere Arbeit erforderte eine energiereiche Ernährung.)

     
   

Mein persönlicher Favorit ist eine ganz simple Mehlknödelchen-Suppe:

Knüddelsches Zupp
Man rührt zwei Eier mit Weizenmehl und einem Hauch Salz zu einem dickflüssigen Teig. Diesen läßt man von einem Quirl ab in 1 !/2 Liter kochende Milch laufen. Danach lässt man die Suppe bei schwacher Hitzezufuhr noch 5 bis 10 Minuten weiterkochen und süßt sie nach Geschmack (siehe oben) mit Zucker.

Herrlich fand ich auch immer die Sagosuppen. Meine Mutter nannte sie „Froschäugelchen-Suppe“:

Froschöjelches Zupp
Man setzt 4 Esslöffel echten Sago mit wenig kochendem Wasser auf und lässt ihn (ohne zu kochen) und lässt ihn (ggf. unter Beigabe von etwas Zimt und etwas Zitronenschale) langsam ausquellen. Dann kocht man gut einen Liter Milch auf, gibt den Sago hinein, schmeckt mit Zucker ab und lässt die Suppe einmal aufkochen.
Bei Verwendung von Kartoffelsago entfällt das Vorquellen. Man kann ihn gleich in die kochende Milch geben.

Haferschleimsuppen habe ich nicht so gerne gemocht. Aber noch heute esse ich gerne kalt angerührte Haferflocken. Einfach eine beliebige Menge Haferflocken und ganz viel Kristallzucker mit kalter Milch anrühren - und genießen!

Auch Bier- und Weinsuppen haben mir als Kind nicht besonders geschmeckt, sie sind aber wirklich lecker und eine Erwähnung wert. Basis ist ein dünnflüssiger Vanillepudding. Den können Sie auf alte Weise mit Mehl und Vanilleschoten machen, aber es schmeckt natürlich auch mit dem heute üblichem Pudddingpulver. Mein Rezept basiert auf Mehl und Vanillinzucker:

Weng- (oder Bier-) Zupp
Man nimmt 4 Eier und trennt sorgfältig das Eiklar von dem Eigelb. Das Eiklar wird mit ein wenig Zucker zu einem festen Schnee aufgequirlt. Das Eigelb verrührt man mit 100 Gramm Mehl, 100 Gramm Zucker, 1 Tütchen Vanillinzucker und - nach und nach zum Kochen bringend - mit einem Liter Milch. Dann gibt man eine halbe Flasche Weißwein oder Bier dazu, läßt das Ganze abbinden und hebt zum Schluss vorsichtig den Eischnee unter.
Man kann auch gut ein paar Rosinen oder Korinthen mitkochen.

Nach diesen Hinweisen sollten Sie die verschiedenen Varianten mit unterschiedlichen Beigaben selber durchprobieren. Die Suppen schmecken warm und kalt gut. Manche steifen beim Erkalten ein. Akzeptieren Sie das einfach oder verwenden Sie von vornherein mehr Flüssigkeit. Die Mengenangaben können ganz nach Geschmack verändert werden. Schließlich muss man das verwenden, was gerade da ist oder aufgebraucht werden muss. So haben das unsere Großmütter auch gehalten.

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