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Jakob Dohmen

 

12.10.1926
Jakob Dohmen wird in Nörvenich als zweiter Sohn des aus Bergerhausen stammenden Caspar Dohmen und der Nörvenicherin Maria Sibylla Berger geboren.

 

 

 

1928
Umzug nach Bergerhausen, Gemeinde Blatzheim. Die Familie zieht zum Großvater väterlicherseits, Franz (Josef) Dohmen in das Haus Hauptstraße 33

1933
Einschulung in die Volksschule Blatzheim, die er bis 1941 besucht.

 

 

 

1941
Pflichtlandjahr bei der Freiherr von Loë’schen Gutsverwaltung Burg Bergerhausen

01.10.1941
Nach Absolvierung des Pflichtlandjahres wollte Jakob Dohmen eine Verwaltungslehre beim Kreis Bergheim beginnen. Sein Vater lehnte es jedoch ab, das dafür erforderliche „politische Führungszeugnis“ vom kirchenfeindlichen Hauptlehrer und NSDAP-Ortsgruppenführer Tillmann einzuholen. Deshalb begann er eine Lehre bei dem Blatzheimer Elektrikermeister Josef Dohmen (bis 1.10.1943)

 

 

 

05.10.1943
Einberufung zum Reichsarbeitsdienst (bis 23.5.1944)

18.06.1944
Gesellenprüfung als Elektriker

 

 

 

30.06.1944
Einberufung zum Kriegsdienst. Ausbildung als Funker bei einer Luftnachrichteneinheit in Frankreich. Anschließend Ausbildung zum Panzergrenadier in Weimar und Rippin (Westpreußen)

Februar 1945
In Litzmannstadt (Lódz/Polen) eingeschlossen. Nach Verwundung Lazarettaufenthalte in Leipzig, Wurzen, Dresden und schließlich Leitmeritz (Nordböhmen).

Von dort vom 8. Mai bis 5. Juni 1945 zu Fuß nach Hause durchgeschlagen. Bei Festnahmen durch Russen und Amerikaner als Belgier ausgegeben.

 

 

 

 

25.06.1945
Fortsetzung der Beschäftigung als Elektrikergeselle bei Josef Dohmen in Blatzheim

August 1946
Eintritt in die CDU und in die Katholische Arbeiterbewegung (KAB).

 

 

 

 

09.09.1946
Wechsel zu Rheinbraun als Betriebselektriker der Hauptwerkstätte (HW) in Grefrath

26.10.1946
Eintritt in die Gewerkschaft IG Bergbau und Energie.

 

 

 

 

Juni 1947
Jugendsprecher bei der HW Grefrath (bis 1948),

 

Gruppenleiter der Gewerkschaftsjugend Blatzheim (bis 1951),

 

Besuch von Lehrgängen an Gewerkschaftsschulen und dem Walberberger Institut der Dominikaner (bis 1953)

1948

Mitglied des Betriebsrates der HW Grefrath,


Mitglied des Bezirksjugendausschusses der IG Bergbau und Energie (bis 1954),

 

Mitglied des Kreisjugendringes (bis 1960),


Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Blatzheim (mit kurzen Unterbrechungen bis 1974).

 

 

16.01.1949
Standesamtliche Eheschließung mit Maria („Marianne“) Kneutgen aus Lohmar/Siegkreis

21.05.1949
Kirchliche Trauung

 

 

 

 

1950
Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Blatzheim (mit kurzen Unterbrechungen bis 1974).

01.07.1950
Gewerkschaftssekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Kreis Bergheim.

 

 

 

 

27.11.1950
Geburt des ersten Sohnes, Franz-Peter

01.01.1951
Sekretär beim DGB Kreis Gummersbach.

 

 

 

01.07.1951
Wieder Sekretär beim DBG Kreis Bergheim

1952
Vorsitzender des Kreisjugendrings (bis 1956),

 

Mitglied des Vorstandes der AOK Bergheim.

 

 

 

 

November 1952
Mitglied des Gemeinderates Blatzheim (bis 1974).

15.05.1953
Bis 03.10.1974 ständiger (danach alternierender) Vorsitzender des Vorstandes der AOK Bergheim bzw. der AOK Erftkreis.

 

 

 

 

16.09.1953
Mitglied des Vorstandes des AOK Landesverbandes (LdO) Rheinland.

1954
Stellvertretendes Mitglied der Vertreterversammlung des AOK Bundesverbandes.

 

 

 

 

12.02.1955
Geburt des zweiten Sohnes, Ulrich.

1956
Mitglied des Kreistages (zunächst bis 1957),

Stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Blatzheim (bis 1958).

 

 

 

 

1957
Geschäftsführender Vorsitzender des DGB Kreis Bergheim bzw. Erftkreis (bis 31.8.1989)

1958
Vorsitzender der Vereinigten Ortsvereine Blatzheim (bis April 1988)

 

 

 

November 1958
Bürgermeister der Gemeinde Blatzheim (bis 31.12.1974)

1960
Mitglied der Vertreterversammlung des AOK-Bundesverbandes,

Präsident der Karnevalssitzungen der Vereinigten Ortsvereine Blatzheim (leitete vom 4.2.1960 bis zum 28.1.1986 insgesamt 37 von 39 Sitzungen).

 

 

 

1961
Bürgermeister des Amtes Kerpen (zunächst bis 1965),

 

Präsident der Karnevalssitzungen der Vereinigten Ortsvereine Blatzheim (bis Januar 1986).

1965
Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Kreis Bergheim (bis 1969).

 

 

 

 

1968
Stellvertretender Vorsitzender der CDU Kreis Bergheim (bis 1974).

Oktober 1969
Erneut Bürgermeister des Amtes Kerpen (bis 31.12.1974),

Mitglied des Kreistages,

Fraktionsvorsitzender der CDU,

Stellvertretender Landrat des Kreises Bergheim (bis 3.12.1974).

 

 

 

1970
Sitzungspräsident der Karnevalsgesellschaft „Spies erop“ Köln (leitete 5 Sitzungen bis 1973).

 

 

Hörprobe: Eröffnung der Karnevalssitzung 1971 der Vereinigten Ortsvereine Blatzheim durch Sitzungspräsident Jakob Dohmen
(mp3-Datei, Größe ca. 2,4 MByte).

1974
Vorsitzender der CDU Kreis Bergheim (bis 1975).

 

 

 

 

01.01.1975
Beirat Erftkreis (kommunale Neuordnung – bis 1.5.1975),
 

Stellvertretender Vorsitzender der CDU Erftkreis (bis 1981).

31.05.1975
Mitglied des Kreistages Erftkreis (bis 26.10.1989)

Mitglied des Rates der Stadt Kerpen (bis 8.11.1977)

Vorsitzender der CDU-Fraktion (bis 6.10.1976)

Kandidatur für den Landtag NRW.

 


Prominente Unterstützung im Wahlkampf 1975: Rainer Barzel
(im Hintergrund der, der es später schaffte: Werner Stump)

 

 

Oktober 1976
Stellvertretender Landrat des Erftkreises (bis 18.10.1984).

Mai 1981
(Alternierender) Vorsitzender der Vertreterversammlung des AOK Bundesverbandes.

 

 

 

1986
Mitglied des Vorstandes des DGB-Landesbezirks NRW (bis 1990)

1988
Ehrenvorsitzender der Vereinigten Ortsvereine Blatzheim.

 

 

 

Oktober 1989
Eintritt in den Ruhestand unter Fortführung der Funktionen im Bereich der AOK.

1991
Erkrankung an einem Magen-Carcinom. Genesung nach Operation.

 

 

 

1992
Erneute Erkrankung (Metastasen). Jakob Dohmen verstirbt an den Folgen der Erkrankung in den frühen Morgenstunden des 9. September 1992.

Wichtige Auszeichnungen

05.10.1973
Bundesverdienstkreuz am Bande

 


Mit Sohn Ulrich und Ehefrau Marianne während der Laudatio

 

 

28.11.1985
Ehrenring des Erftkreises

06.10.1987
Hans-Böckler-Medaille

 

 

 

 

September 1990
Ehrenbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Blatzheim

10.05.1992
Päpstlicher Orden „Pro ecclesia et pontefice“

 

 

1994
Auf Initiative von Bernhard und Klaus Ripp wird eine Straße, die ein Neubaugebiet in Blatzheim erschließt, „Jakob-Dohmen-Straße“ genannt.

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Das nachstehende Essay von Peter Josef Bock ist dem Buch „Im Prinzip sozial - Die großen Parteien und die Arbeitnehmer“ entnommen.

© 1976 Fackelträger-Verlag Schmidt-Küster GmbH, Hannover

 

Vor Ort - oder: Das alltägliche Zusammenleben von CDU und DGB in einer Person

„Unsere Familie war, wie man so sagt, 'stockschwarz' “, berichtet Dohmen, „mein Vater, ein angelernter Arbeiter im Braunkohlenbergbau, war in der Katholischen Arbeiter-Bewegung und bis zum Verbot 1933 christlicher Gewerkschafter. Er kam aus dem Zentrum. Ein Bild von Brüning (1930-32 Reichskanzler des Zentrums) hing auch noch nach 1933 in unserer Wohnung.“ Nach dem Volksschulabschluß wollte Jakob Dohmen eigentlich als Verwaltungslehrling bei der Kreisverwaltung anfangen. Sein Vater weigerte sich jedoch, ein dafür notwendiges „politisches Führungszeugnis“ vom Hauptlehrer, einem kirchenfeindlichen NSDAP-Anhänger, ausstellen zu lassen. Die Weigerung bedeutete damals Berufsverbot für den öffentlichen Dienst. Der Vierzehnjährige erlernt das Elektro-Handwerk.

Noch nicht 17 Jahre alt, wird Dohmen eingezogen. Kurz nach dem Krieg kehrt er 1945 aus amerikanischer Gefangenschaft zurück nach Blatzheim, arbeitet sofort wieder bei einem Handwerksbetrieb, wird in der Katholischen Jugend aktiv. 1946 geht Dohmen als Betriebselektriker zum Braunkohlenbergbau, gleichzeitig Eintritt in den Industrieverband Bergbau, die spätere Industriegewerkschaft Bergbau und Energie. Bereits nach wenigen Monaten im Betrieb ernennt ihn die Gewerkschaft zum kommissarischen Jugendsprecher. Auf Empfehlung eines Akademikers und eines Arbeitskollegen, die ihn fördern wollen, wird Jakob Dohmen ebenfalls 1946 Mitglied der damals jungen CDU. Seine Motive: „Ich war ein begeisterter Gewerkschafter, aber es war mir klar, daß es ohne ein politisches Konzept schwierig war, in der Gewerkschaftsbewegung mitzuarbeiten. Bedingt durch das Elternhaus hatte ich eine gewisse Antipathie gegen den Sozialismus, gegen die SPD. Der Eintritt in die Union paßte zu meiner politischen Entwicklung, die durch das Christentum und seine sozialen Forderungen bestimmt war.“ Dohmen besucht sozialpolitische Schulungen der Katholischen Arbeiter-Bewegung und der Gewerkschaften. 1948 wird er als Betriebsrat gewählt. Selbststudium, Diskussionskreise und Besuch von Abend- und Wochenendschulungen, auch im nahen Kloster Walberberg, dessen Dominikaner an der CDU-Gründung in Köln beteiligt waren.

Politische Vorbilder sind ehemalige christliche Gewerkschafter wie Karl Arnold (1947 bis 1956 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen) und Johannes Albers, einer der Mitbegründer der CDU in Köln, aber auch der Sozialdemokrat Hans Böckler, der erste Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

„Diese Leute haben damals am Abend nach Tagungen noch Zeit gefunden, sich mit uns jungen Kollegen zu unterhalten“, erinnert sich Dohmen.

1950 wechselt er vom Braunkohlenbergbau zum DGB-Kreis Bergheim/Erft, wo er seither als Gewerkschaftssekretär tätig ist . in diesem Wahlamt wiederholt bestätigt durch die überwiegend sozialdemokratisch orientierte Kreisdelegiertenversammlung. Parallel dazu die „Karriere“ in der Partei: Seit 1949 Ortsverbandsvorsitzender der CDU in Blatzheim, bis zur kommunalen Neuordnung Bürgermeister in diesem 2500 Einwohner großen Ort und stellvertretender Landrat im Kreis. Bis zur Mitte der fünfziger Jahre hat die SPD im Gemeinderat die Mehrheit. Das Mehrheitsverhältnis ändert sich dann im Lauf der Jahre zugunsten der CDU. Als Kandidat für den Düsseldorfer Landtag scheitert Dohmen bei den Wahlen im Mai 1975 an seinem sozialdemokratischen Konkurrenten, ebenfalls einem Gewerkschafter, mit dem er sich duzt.

Lange Jahre war der DGB-Sekretär auch Vorsitzender der Sozialausschüsse im Kreis Bergheim. Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft bietet ihrer rund 150 Mitglieder starken Basis im Land an der Erft in erster Linie „praxisbezogene Arbeit, betriebsbezogene Bildung im Sozialrecht, im Tarifrecht“. Auseinandersetzungen mit der Partei? „Ich habe innerhalb der CDU nie deshalb Schwierigkeiten gehabt, weil ich Arbeitnehmer war“, antwortet Jakob Dohmen.

„Böse war ich auf Adenauer, wenn er den DGB angriff. Wir in den Sozialausschüssen haben auch sehr viel an Erhard zu kritisieren gehabt. Zweifel sind uns auch bei der Wiederbewaffnung gekommen. Zu keinem Zeitpunkt aber gab es ernsthafte Überlegungen, zur SPD zu wechseln.“

Dennoch ist er 1956 einmal aus der Kreistagsfraktion der Union ausgetreten, weil ihn zwei „Parteifreunde“ aus der Grünen Front als zu „links“ bezeichneten. Der Grund: Dohmen hatte bei einer öffentlichen DGB-Kundgebung zum 1. Mai die niedrigen Löhne der Landarbeiter angeprangert. Und sein Verhältnis zu den Gewerkschaften? „Ich bin mit den anderen christdemokratischen Kollegen in der Minderheit, deshalb muß ich mich vielleicht etwas mehr anstrengen als ein sozialdemokratischer Kollege. Aber im persönlichen Bereich gibt es kaum Konflikte. Wenn ich in einen Betrieb komme, dann fragen die Leute nicht: Kommt da ein CDU-Mann oder ein SPD-Mann? Die brauchen Hilfe und Information. Wir haben zwar Tarifverträge, aber trotzdem gibt es immer noch Arbeitnehmer, die nicht den ihnen zustehenden Urlaub bekommen oder bei der erstbesten Gelegenheit entlassen werden. Solange es solche Vorfälle gibt, ist für mich die soziale Frage nicht gelöst.“ Dohmens parteipolitisches Credo: „Die CDU hat sicherlich zur sozialen Emanzipation der Arbeitnehmer beigetragen, aber sie muß sich noch weiter anstrengen. Das 'C' ist für mich ein Programm, das, banal ausgedrückt, von den zehn Geboten abgeleitet ist. Beispielsweise kann man mit dem Verbot: Du darfst nicht stehlen! Den gerechten Lohn begründen. Ich weiß nicht, ob die Union ohne das 'C' im Parteinamen überleben würde.“

„Im 'schwarzen' Lager sind wir die 'Roten', und im 'roten' Lager sind wir die 'Schwarzen!.“ Pointiert beschreibt Jakob Dohmen, DGB-Funktionär und CDU-Mann, das Spannungsfeld, in dem gewerkschaftlich organisierte Mitglieder der „Sozialausschüsse der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft“ leben müssen: In den Gewerkschaften und in der Union eine Minderheit, war und ist der christdemokratische Arbeitnehmerflügel gezwungen, sich in beiden Organisationen zu behaupten. Dohmen, Jahrgang 1926, wohnt in Blatzheim, einem Ortsteil von Kerpen. Diese Kleinstadt liegt im Erftland, ungefähr zwanzig Kilometer westlich von Köln: Riesige Braunkohlengruben, Großkraftwerke und Zuckerrübenfelder bestimmen das Bild der Landschaft und haben die Strukturen der Wirtschaft geprägt. Ein Industriegebiet mit katholischer Tradition. In Kerpen wurde 1813 Adolf Kolping geboren, der als Priester die später nach ihm benannten Gesellenvereine gründete und der auch als Publizist auf die Proletarisierung der Handwerksgesellen reagierte.

Link-Hinweis: Genealogische Daten der Familie Dohmen

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