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Chronik
der H. A. Goerke |
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EinleitungWesteuropa im frühen Mittelalter ist mit heutigen Vorstellungen kaum zu begreifen. Nationalstaaten sind unbekannt, es gibt nur kleine und kleinste Besitztümer. Grosse Länder sind nur ein loser Zusammenschluss unabhängiger Herzöge und Grafen, die einem fernen König zu Tribut verpflichtet nach Belieben walten. Mangels Landvermessung sind Grenzen und Flächen nur Schätzungen, zuverlässige Karten unbekannt. Nach der Landvermessung Frankreichs mit Hilfe neuer astronomischer Fixpunkte beklagte sich der Sonnenkönig, diese Landvermesser hätten ihm 15% seines Königreichs gestohlen. Um 1640 wird in den Niederlanden der Blaeu Atlas geschaffen, der heutigen Karten gerecht wird und nicht die Unkenntnis des Kartographen durch Fabeltiere kaschiert. Es gibt keine befestigten Strassen, Wegweiser, Brücken über große Flüsse und Verkehrsmittel, abgesehen von den ab 1550 aufkommenden Postkutschen. Mit der neuen Eisenbahn von München nach Augsburg um 1855 reisen im ersten Jahr 32.000 Personen. Nur 10 Jahre vorher waren es mit der Postkutsche auf gleicher Strecke ganze 360. Es gibt keine zuverlässige Kommunikation, zentrale Verwaltung, Ordnungsmacht, Gastronomie, Banken, feste Wechselkurse, einheitliche Gesetze, Maße und Gewichte. Reisen birgt viele Gefahren, allenthalben gibt es Zollschranken, werden Reisende eingesperrt und deren Besitz beschlagnahmt um Ansprüche der Machthaber gegenüber dem Landesherrn des Reisenden durchzusetzen oder einfach um sich zu bereichern. Auch können sich nur wenige wohlhabende Kaufleute und Adelige das Reisen leisten. König Richard II von England beklagt sich 1385 schriftlich beim Hochmeister Konrad Zöllner von Rotenstein über die Arrestierung englischer Kaufleute, die erst nach Zusage einer Genugtuung freikommen. Bekannt ist die Klage von 1389 des Herzog Swantibor III von Stettin einen in Danzig als vermeintlichen Seeräuber verhafteten Schiffer freizulassen und zu entschädigen. Typisch sind auch die Schreiben von König Karl VI von Frankreich von 1375 und 1383 als Garantie gegen französische Seeräuber für freie Passage zum Handelsverkehr mit Frankreich und für friedliche Verhältnisse sowie das Schreiben der Stadt Danzig an den Erzbischof Magnus von Lund (Bornholm) wegen zu hoher Zölle und Ausübung des Standrechts durch den dortigen Vogt. Bezeichnend ist der Brief des Großfürsten Jagiello von Litauen an den Hochmeister Konrad Zöllner von Rotenstein, in dem er die Fürsten Witold und Tokwyl von Litauen als wenig vertrauenswürdig anschwärzt und bis Ostern 1382 Frieden mit den Herzögen von Masowien (Masuren) in Aussicht stellt, wenn die arrestierten Waren der Kaufleute aus Wilna (Vilnius) freigegeben werden. Die Vielzahl dieser Schreiben und Klagen belegen eine unsicherere Zeit geprägt von Willkür. Das tägliche Leben in mittelalterlichen Orten ist sehr primitiv. Es fehlen Strom, befestigte Strassen, Gehwege, Straßennamen, Hausnummern, dauerhafte Farben, Stahl, armierter Beton, Rohrleitungen, Glasfenster, fließendes Wasser, sanitäre Einrichtungen, Entsorgung von Abfällen und Fäkalien, geschlossene Feuerstellen, Papier usw. - heutzutage alles Selbstverständlichkeiten. Mit wenigen Ausnahmen haben die Städte weniger als 1000 Einwohner, die Bebauung ist dicht an dicht und Viehhaltung in den Mauern durchaus üblich. Der Mist von Mensch und Tier wird vor die Stadtmauer gekippt, stinkt furchtbar, sorgt für Ungeziefer und hilft Angreifern und Dieben beim Übersteigen der Befestigungen. Städte sind starr abgegrenzte Siedlungen von einem Schulzen nach hoheitlicher Willkür als Gesetz geführt. Die Willkür von Dirschau hat 149 Artikel, die Willkür für die Altstadt von Königsberg von 1385 dagegen nur 10. Darin enthalten sind neben Strafen und Beschränkungen auch Vorschriften für Gewerbe, Markthandel und Bauwesen. Zu erwähnen ist auch die Ordnung für die Weiselfahrer von 1385 mit Löhnen, Strafen, Anordnungen zum Verhalten bei Eisgang und zur Nutzung von Brennholz. Die Willkür von Dirschau wird jährlich öffentlich verlesen, kaum jemand kann lesen und schreiben oder sich teure Folianten leisten. Der Text ist extrem fremdenfeindlich, Händlern ist ein längerer Aufenthalt verboten, der Marktverkauf ist mit Auflagen jährlich nur dreimal gestattet. Die Stadt hat ein Vorkaufsrecht auf alle Verkäufe der Bauern im Umland und kann deren Verträge nach Belieben auflösen. Niemand darf vor den Stadttoren Getreide, Holz oder Kohlen von den Bauern kaufen. Die Fischer müssen ihren Fang auf dem Markt anbieten. Kein Bürger darf Getreide per Schiff verladen, sofern daran Mangel herrscht. Beim Stapelrecht sind die Händler gezwungen ihre Waren der Stadt zum Verkauf anzubieten, was weite Reisen extrem verlängert. Die Städte sind auch Träger der ersten Pfarrschulen. Mangels ausreichender Mittel müssen die Lehrer zeitweilig im Armenhaus wohnen und genießen kein soziales Ansehen. Von einem Schulwesen im heutigen Sinn ist nicht zu reden, geht es damals nur darum Bibeltexte auswendig zu lernen etwa vergleichbar mit der Gehirnwäsche in den islamischen Koranschulen. Recht wird vom Schulzen oder Vogt gesprochen, der an den Geldstrafen mit bis zu 1/3 beteiligt ist. Zu den schweren Strafen gehört Wangen durchbohren, Zunge oder Ohren abschneiden, Hand abhacken, Augen ausbrennen, Hängen oder Köpfen. Bürger einer Stadt kann nur werden, wer eine einheimische Tochter heiratet und darüber hinaus eine hohe Summe bezahlt. Die handwerklichen Zünfte verlangen hohe Aufnahmegebühren, die einfache Gesellen nicht erwirtschaften können. Es bleibt ihnen nur, die Tochter oder Witwe des Meisters zu heiraten, denn ohne Zunft gibt es keine Aufträge. Mit dieser extrem restriktiven Wirtschaft gelingt es weder ständige Mängel zu beheben noch das vorhandene Potential zum Wohle aller zu nutzen. Geschichtlich einst bedeutende Städte wie Kulm und Mewe fallen dadurch zurück in die Bedeutungslosigkeit. Dabei ist der Zustand von Kulm im Jahr 2002 etwa wie der von 1772, nämlich hoffnungslos abgewirtschaftet. Politische Stabilität und Kontinuität ist im Mittelalter selten. Die Besitzrechte von Ländern und Gebieten werden gehandelt, vererbt, verspielt oder vielfach geraubt ohne dabei die Bewohner selber wesentlich zu beeinträchtigen. Es gilt die Macht des Stärkeren, durch die Lande ziehende Herrschaaren sind mangels regulärer Versorgung auf die Vorräte der rechtlosen Bauern angewiesen und plündern nach Bedarf. Zu Beginn der Christianisierung Preußens sind die Klöster erste Zellen örtlicher Besiedlung, Verwaltung und Kultur. Beginnend etwa ab 1350 verrät die Kirche als Träger weltlicher Macht mit Menschen verachtenden Absurditäten ihre christliche Aufgabe und verursacht selber Kriege, Enteignung, Mord, Folter, Erpressung und Willkür. Der Erzbischof von Gnesen gewährt 1384 jedem 40 Tage Ablass, der in Konitz bei den Augustiner-Eremiten die Reliquie vom Kreuz und Blut Christi verehrt. Papst Urban VI verfügt für die Besichtigung der Reliquie in der Marienburg einen Ablass von 2 Jahren zu verkaufen. Zweck diesen Unsinns ist Prunk und Protz der Kirche zu finanzieren und kirchliche Ämter durch Bestechung zu kaufen. Die schlimmsten Exzesse der Kirche sind wohl Ablasshandel, Hexenverbrennung, Exorzismus, Zensur, Gedankenverbot, heilige Inquisition, Aberkennung der Würde bzw. des Menschseins für alle Nichtchristen, die Allwissenheit des Papstes und eine zu 60% homosexuelle Priesterschaft mit 5% krimineller Auffälligkeit, wobei der Kirchenführung diese Zustände bestens bekannt sind. Es gab die Todesstrafe für den Besitz der originalen Bibelausgabe, die wegen abweichender Wahrheiten auf dem päpstlichen Index der verbotenen Schriften stand. Teile dieser ultra-konservativen Einstellung sind heute noch aktuell, obwohl die Naturwissenschaft die Dogmen des allwissenden Papstes zu Treppenwitzen der Geschichte gemacht hat. Dieser Dogmatismus wird heute noch von der Kirche in Rom und den christlichen Parteien gewollt und führt zu absurden Diskrepanzen zwischen dem kirchlichem Anspruch und dem aktuellem Leben der Menschen. Landschaften, ihre Bewohner mit Sprache, Sitten und Bräuchen bilden eine untrennbare Einheit. Man kann nicht ein ganzes Land gewaltsam entvölkern, mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, Kultur und Sprache auffüllen und annehmen es geht alles prima weiter. Die von Stalin nach Westpolen verschleppte Mischung von 1,5 Millionen Westrussen, Ostpolen, Galiziern, Usbeken, Kasachen und anderen asiatischen Stämmen sind weder Seefahrer noch Händler und wissen nichts mit Seehafen oder großen Flüssen wie Oder und Weichsel anzufangen. Die Werften in Danzig, Stettin sowie Rostock, Strahösund und Wismar müssen 45 Jahren lang für die UDSSR Schiffe bauen und bekommen dafür nur 60% der Materialkosten bezahlt. Die durch Millionen von Soldaten kontrollierten sowjetischen Satellitenländer werden systematisch ausgebeutet, finanzieren so den Kommunismus und machen das Märchen einer bestens funktionierenden Wirtschaft mit paradiesischen Verhältnissen für die Menschen glaubhaft. Besonders die Dörfer in der Umgebung Stettins verfallen in Verwahrlosung fast so extrem wie der nach 1945 russische Teil von Ostpreußen. Dazwischen im Großraum Danzig findet ein erstaunliches Wirtschaftswunder statt. Bezeichnend ist, dass in Stettin nur wenige Leute Deutsch oder Englisch sprechen, während im restlichen Polen das Interesse daran groß ist. Die Kommunisten als Urheber dieser kulturellen Barbarei gründen ihren Weltanspruch auf eine irreale Weltordnung, die in 23 Jahren bis 1941 etwa 25 Millionen Landsleute verhungern lässt oder in Sibirien gezielt durch Arbeit vernichtet, wobei die eigenen Toten durch den Fleischwolf gedreht und an die Hühner verfüttert werden. Die Menschen in den politisch zu Russland geschlagenen Landesteilen leben seit 60 Jahren in den alten Häusern und warten vergeblich darauf, dass der Staat als Eigentümer kleinste Reparaturen ausführt oder den Lohn pünktlich auszahlt. Zum Schluss wird die Ruine abgebrochen, die Ziegel gegen Schnaps getauscht und versoffen. Von etwa 1.600 unversehrt gebliebenen Herrensitzen steht keiner mehr und an die 10.000 Gehöfte in über 500 Dörfern sind verwüstet. Dagegen laufen in vielen Teilen Polens die Menschen mit vollen Einkaufstüten von Real, Hit, Auchan, Geant, Rewe herum, kaufen Werkzeuge bei Praktiker, Castorama oder Obi und Möbel bei Ikea oder Walter. Die Autos verstopfen die Straßen so schlimm wie in Westeuropa, das mobile Telefon reicht bis ins letzte Dorf, die großen Hotels heißen Novotel, Mercure, Dorint, Hyatt oder Hilton, die Fernsehwerbung ist identisch blöd und im Urlaub fährt man vorzugsweise ans Mittelmeer in die Sonne. Im heutigen Zustand polnischer Orte ist ein deutlicher
Unterschied zwischen links und rechts der Weichsel zu erkennen, die
Ostseite hat viele neuere und besser gepflegte Häuser. Ursache ist
die zusammengewürfelte Bevölkerung in Westpolen. Auf vielen Reisen
durch Polen fiel besonders auf, dass die Straßenränder und Straßengräben
durchweg gemäht sind, der von Autofahrer allenthalben weggeworfene
Wohlstandsmüll wird aufgesammelt und liegt sauber in Müllbeuteln
gestapelt bereit zum Abtransport – ein überraschender Anblick nur
vergleichbar mit der Schweiz oder Nordspanien. In der Literatur und von der älteren Generation mit ihren Geschichtskenntnissen aus dem Dritten Reich wird gerne publiziert, der Ordenstaat war ein blühendes Land, welches nur durch die polnische Verwaltung verwahrloste. Die Regesten des Ritterordens zeichnen ein anderes Bild. Mit dem Hochmeister Konrad von Erlichshausen beginnt ab 1420 der wirtschaftliche und moralische Niedergang mit einem Staatsbankrott als Ausklang. Die ambitiöse Landentwicklung der Hochmeister, ständige Kriege und die Interessen Dritter zusammen mit der Abführung großer Vermögen nach Rom ist dem armen, dünn besiedelten Land nicht abzupressen. Handel war nur mit den wenigen Erzeugnissen der arbeitenden Landbevölkerung möglich und die teilweise enormen Handelsspannen des Mittelalters bleiben ganz selten im Ordensland selber. Zudem fehlte dem Ordensstaat in den letzen 100 Jahren die Existenzberechtigung. Die Nachbarstaaten sind bereits alle christianisiert und somit keine Heiden mehr, wofür der Hochmeister 1389 in Verhandlungen vom polnischen König Wladislaw sogar eine Sicherheit für die tatsächliche Bekehrung fordert. Die vielen Kriegszüge nach Litauen sind nur bestes Raubrittertum. Dazu werden wie bei heutigen Staatsjagten junge Edelleute eingeladen und abschließend gegen eine satte Gebühr zu Rittern des Ordens geschlagen. Die Ehrentafel nach dem Feldzug von 1385 weist 95 adlige Teilnehmer aus, für deren freie Reise sich sogar Bischof Heinrich von Ermland als päpstlicher Kommissar verwendet. |
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