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Auf den Spuren der
Vorfahren 3. Tag: Zu den Wohnplätzen der Vorfahren - Fahrt zum Kuchnia-See
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den Wohnplätzen der Vorfahren unserer mütterlichen Seite, wollen wir
zunächst den Raum um den Kuchnia-See anfahren. Von Garnsee südlich
Marienwerders biegen wir östlich auf untergeordnete Straßen ab und
erreichen nach wenigen Kilometern ein Ortsschild "Szembruk", was zu
preußischer Zeit Groß Schönbrück hieß und nach kurzer Fahrt ein
Ortsausgangsschild, ohne einen Ortskern oder eine Kirche gesehen zu haben.
Doch bald danach zeigt links, d.h. nach Norden ein kleiner Hinweis auf
Nogat, das 6 km entfernt sein soll. Abzweigung nach Nogat (Foto: Herbert Baur) |
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Groß Nogat hieß der Gutsbezirk, zu dem das Gut Bozepole gehörte. Die Nebenstraße ist holprig, doch rechter Hand nimmt uns ein parallel zur Straße eingebetteter See unter schwerem Wolkenhimmel gefangen. Ein Angler sitzt zwischen dem Schilf und es ist totenstill. |
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![]() Angler am Nogat-See (Foto: Herbert Baur) |
![]() Landschaft zwischen Nogat- und Kuchnia-See (Foto: Günter Baur) |
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Ich weiß, dass der Nogatsee über die durchfließende Gardenga mit dem gesuchten Kuchniasee verbunden ist und wir finden diese Senke, die unser Feldweg mit einem Brückchen überspannt. Die von blauen Kornblumen und rotem Mohn sowie vielen andersfarbigen Blumen durchsetzten gelben Kornfelder reizen zur Fotopause. Es ist eine sachte schwingende Felder-Landschaft mit Gehölzgruppen und im weiteren Verlauf auch mit dichten Waldgebieten. Menschen und Vieh scheint es hier nicht zu geben, ebenso keine Laute außer denen der Vögel, die vielfach beträchtliche Spannweiten haben. |
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Gehöfte zwischen Nogatsee und Kuchniasee (Fotos: Herbert Baur) |
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Die Sandpiste kreuzt an einem heruntergekommenen kleinen Gehöft einen gleich großen Weg, den wir aber nach einem Fahrversuch wieder verlassen. Schilder gibt es nicht und fragen kann man keinen. |
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Beim Austritt aus einem Waldstück liegt plötzlich der Kuchniasee links hinter blühenden Wildwuchsflächen in einer vielformig bewegten Mulde unter uns, weite Strecken umsäumt von dichtem Wald und Schilf. |
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Nach dem Messtischblatt von 1909 müsste rechts des Weges das gesuchte Gut "Göttliche Auen/ Gottesfeldchen" liegen, aber nur links liegt ein kleineres Gehöft von 1912. Eine Karte von 1938 weist seinerzeit ein Vorwerk bzw. eine Meierei aus, wie sie in früheren Zeiten zu jedem Gutsbezirk (oft als steinerne befestigte Anlagen) gehörte.
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"Unser Nachbargut hieß Groß
Nogat" hatte Ignaz Kowalski diktiert. Aber auch Groß Nogat, von dem ich
einmal ein imposantes Foto gesehen habe und das dem Bezirk den Namen gab,
haben wir nicht gefunden. Weiter entfernt auf gleicher Uferseite befinden
sich mehrere Gebäude und deutlich sind die Ansätze zu Ferienhäusern
erkennbar. Der See soll das Zentrum eines Erholungsgebiets werden.
Bei mehreren Gebäuden sind die Ansätze zu
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| Größere Gehöfte scheint es nicht mehr zu geben
und wir beschließen, es bei dem einmaligen Natureindruck zu belassen. Wir
verfransen uns im sumpfig feuchten Waldgebiet, landen schließlich am
ehemaligen Forsthaus Schönbrück und müssen wenden.
Foto rechts: Forsthaus "Zwierziniec" |
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An einer matschigen
Waldwegkreuzung finden wir einen Hinweis auf Czarne Dolne und wissen, dass
dies Niederzehren ist, aus dem unsere Urgroßmutter Zuzanna Tucholska
stammte. Susannas Mann, Andreas Kowalski, unser Urgroßvater, war Anfang
des 19.Jh. der Gutsherr von Bozepole und nach einem Kirchenbucheintrag
"Einsasse", was Eigentümer bedeutete. Das ist bemerkenswert, da in dem
Gebiet erst um 1825 die Leibeigenschaft abgeschafft wurde. Bereits 1852
ist er mit 45 Jahren gestorben und hinterließ 7 Kinder. Unser Großvater
Ignaz war da 10 Jahre alt. Seine Mutter heiratete bald Franz Lipowski und
hatte weitere Kinder.
Niederzehren (Foto: Herbert Baur) |
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Gegenüber der Kirche von Groß Schönbrück trägt die alte Karte den Hinweis "Schule" und wenn er diese dort besucht hat, musste er über die Feldwege mindestens 5 km, bzw. 1 Stunde laufen. Er sollte Lehrer werden und hat ungewöhnlich viele Semester in Thorn ohne Abschluss studiert. |
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Welche Voraussetzungen er mitbrachte, ist unbekannt. Nach der Kriegsverwundung 1866 durch die Österreicher hat er 1871 laut Eintrag im Heiratsort Jastrzebie seinen Dienst als Grenzaufseher angetreten, der ihn letztlich in den Aachener Raum führte. An einem verfallenen preußischen Gehöft in rotem Backstein, aus dem sich zum Teil schon die Fensterstürze absetzen, erreichen wir wieder eine Asphaltstraße. Mehr durch Zufall erreichen wir am Ende einer fahrbaren Straße Groß Schönwalde. Die Backsteinkirche ist verschlossen, doch der Friedhof birgt auch hier noch Kowalskis. Die auf dem Friedhof werkelnde Nonne ist die einzige Person, die wir in diesem Nest zu Gesicht bekommen. Kirche von Groß Schönwalde |
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Mit Hilfe der vorbereiteten
Karten finden wir Lessen, ein totes graues Kleinstädtchen unter
regenverhangenem Himmel oberhalb eines langgezogenen Sees. Wir könnten
auch in Kalabrien sein, wenn die Sonne schiene und der Himmel nicht immer
so dramatische Wolken präsentierte.
Lessen (Foto: Herbert Baur) |
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| Die Kirche mit Teil
aus der Kreuzritterzeit ist wie gewohnt verschlossen, aber auch dieser
Friedhof birgt noch Kowalskis und andere Namen aus dem Verfolg der
Ahnenlinien. In dieser aus zwei hintereinander gestellten Schiffen
entstandenen Kirche ließ das Ehepaar Ignaz Kowalski und Rosalia Drozdowska
1872 ihren ersten Sohn Ignaz Aloys taufen, bevor es die Reise ins
Rheinland antrat. Grabplatte auf dem Friedhof von Lessen (Foto: H. Baur) |
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![]() Holzkirche Groß Schönbruck (Foto: Herbert Baur) |
Nun suchen wir zwischen den Schildern "Szembruk" erneut nach dem Ortskern von Groß Schönbrück. Aber es gibt wohl keinen. Dorfnamen beziehen sich hier offensichtlich auf Gemeinden, die eine Zahl von Weilern im Umland erfassen. Hinter der erwähnten Kreuzung mit dem verfallenen preußischen Gehöft in Schulnähe läuft im Seitenweg eine Kettensäge. Auf die Frage nach der "Parafia" zeigt einer der Männer auf eine gegenüberliegende Baumgruppe. Da ist die Holzkirche der seit 1308 bestehenden Gemeinde im frisch renovierten Zustand sofort hinter dem hohen Kreuz inmitten der Gräber erkennbar. | |
| Vizedekan Flisikowski, dem ich schon an einer Tankstelle begegnet war, kommt gerade mit einem frischen Blumenschmuck zur Kirche und wir können mit Kopf, Händen und Füßen das auch innen renovierte Gebäude besichtigen. Lagerhafte naturbelassene Balkenwände überspannt ein blaues, barock ausgemaltes flaches Gewölbe. Der Taufbrunnen, der nach den Kirchenbuch-Verfilmungen auch den Kowalski von Bozepole diente, steht vor dem Choransatz der kleinen Kirche. Auf diesem Friedhof muß 1852 auch der Urgroßvater Andreas Kowalski begraben worden sein. |
![]() In der Kirche von Groß Schönbruck (Foto: Herbert Baur) |
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![]() Tabakanpflanzungen bei Bozepole (Foto: Herbert Baur) |
Auf der Sandpiste, der im Messtischblatt dargestellten Verbindung zwischen Groß Schönbrück und Bozepole, erreichen wir den Zufluss des Sees und machen von dieser Seite aus noch eine Visite in dem Bereich, wo das namensgebende Gut gestanden haben könnte. Es wird hier trotz Sommerzeit früh dämmerig, so dass wir über Weiler von Niederzehren das Standquartier ansteuern. | |