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5. Die Pest im Lande
Eine interessante Schilderung entwirft der evangelische Pfarrer Michael Richter im Totenbuch bei September 1708, die sinngemäß besagt: „Nachdem in diesem zehnjährigen Schwedisch-Muscowitisch-Sächsisch-Polnischen Kriege in Polen schon zwei Jahre die Pest grassiert und viel tausend Menschen hinweg genommen, hat sie im Monat September sowohl in Thorn und Graudenz als auch in Soldau und Hohenstein schon angefangen zu wüten. Die Galgen wurden auf die Grenzen gesetzt und die Kirchen alle Sonntage geräuchert, die Jahrmärkte im Land zu halten wurde verboten, Wachen in den Städten von Bürgern und in den Dörfern von Lehnbauern und Wybrancen mußten eingeteilt werden. Gott stehe uns Angrenzenden nun in Gnade bei, wende sie oder finde uns in seliger Stunde um Jesu Christi Willen. Amen."
Ende des Jahres drohte die Pest nach Preußen überzugreifen. In Graudenz starben in den 4 folgenden Monaten 400 Menschen (!), und Todesfälle in Niederzehren, Schönbrück und Erkrankungen in einem Garnseer Bürgerhaus steigerten die Angst.
Im August des folgenden Jahres setzte die Pest mit verstärkter Wirkung ein, doch blieb gerade der kleine Zipfel preußischen Landes verschont, in dem Garnsee und Marienwerder lagen, obwohl durch die Zusammenkunft des preußischen Königs Friedrich I. und des russischen Zaren Peter in der Zeit vom 26.9.-4.10.1709 viel fremdes Volk anwesend war. Schon im nächstfolgenden Jahr, wiederum im Spätsommer, lebte die Pest von neuem auf. Gemäß Pomes Conistorii, hiesig. Königl. Amts, wurde in den Pestgebieten das Abendmahl von fern auf ein reines Papier auf das Feld ausgelegt, nicht mit der Hand berührt, sondern niederknieend in den Mund genommen. Die Kinder taufte man von fern, indem man sie mit einer Spritze oder einem Wedel besprengte bzw. befeuchtete. Aus dem Kirchspiel Garnsee starben in Seubersdorf 6 Personen, so daß auch die Frühpredigten zum Weihnachtsfest ausbleiben mußten.
So ist demnach die Stadt durch sonderbare Gnade Gottes davon gänzlich verschont geblieben. Die benachbarten Städte, wie Thorn, Graudenz, Marienburg, Marienwerder, Lessen, Riesenburg, Rosenberg und Freystadt, waren gottlob im Januar folgenden Jahres von der Krankheit frei. Alle Wachen wurden aufgehoben und ein Dankfest veranstaltet.
6. Die Feuersbrunst 1877
Eine Beschreibung über den großen Brand, der die Stadt Garnsee heimsuchte, gibt uns Dr. Krieger, der als Augenzeuge mit großer Lebendigkeit darüber berichtet (gekürzt):
„In dem heißen Sommer 1877 war wochenlang kein Regen gefallen. Am 30. Juli herrschte gegen Abend ein starker Nordwestwind. Aus der Werkstätte eines Schlossers in der Seestraße sollen — 4.30 Uhr nachmittags war es — Funken aus der Esse auf einen mit Dachpfannen lose gedeckten, daneben stehenden Ziegenstall gefallen sein. Sie fielen wohl vom Winde getrieben durch die Ritzen zwischen den Dachpfannen in das darunter aufgestapelte Heu. Ein Hilfsstadtwachtmeister bemerkte den aufsteigenden Rauch. Er ergriff einen Eimer und rannte zum Brauhaussee. Als er aber mit dem gefüllten Eimer zurückkam, hatten die Flammen schon die Strohpuppen ergriffen, mit denen die Pfannen auf dem Dache des nebenstehenden Wohnhauses abgedichtet waren.
Der Wind trieb die hochlodernden Flammen quer über die Straße auf das Dach des Pferdestalles der Fosthalterei. Alles ging so plötzlich vor sich, daß kaum noch die Pferde gerettet werden konnten. Endlich dachten Besonnene an die Feuerspritzen. Andere schlugen die Fenster des Posthauses ein, um das Geld und die wichtigsten Akten zu retten.
Das Feuer sprang so schnell von Haus zu Haus, daß es nicht einmal mehr gelang, die zweite, die größere Spritze aus dem Rathaus zu ziehen, da brannte dieses schon. Nun besann sich der Posthalter auf die Telegrapheneinrichtung. Mit Marienwerder gelang ihm die Verbindung, mit Graudenz nicht mehr, da die Drähte durchgeschmolzen waren.
Die Glocken vom Kirchturm läuteten den Hilferuf an die benachbarten Güter und Dörfer. Der Angriff der Feuerwehren begann von allen Seiten, aber nur die Häuser an den Stadtausgängen konnten gerettet werden. Auch die westwärts der Posthalterei gelegene Apotheke, von der der Wind das Feuer abtrieb, wurde erhalten, als das nebenstehende Haus eingerissen wurde. So ähnlich war es mit der Vorstadt im Osten. Die Häuser zu beiden Seiten des großen Marktes dagegen waren nicht zu retten. Bis an die Kirche drang das Feuer und erfaßte schon den Holzanbau vor dem Turmeingang. Rechtzeitiger Eingriff der Roggenhausener Spritze löschte hier die Flammen, und die unermüdliche Arbeit der Graudenzer Pioniere rettete den Rest der Stadt. Ein wüstes Trümmerfeld, aufflackerndes Feuer, Rauchschwaden, die über die stehengebliebenen Häuser hinzogen, jammernde Frauen, weinende Kinder, erschöpfte Männer, das war die Szene unmittelbar nach der Katastrophe.
Schon am nächsten Tage setzte die Hilfe ein, da es in Garnsee an Lebensmitteln mangelte, und eine Reihe von Familien die nötigsten Hausgeräte verloren hatte. Allein an barem Gelde, ganz abgesehen von den Lebensrnitteln und Kleidungsstücken, wurden 30.000 Mk. gespendet.
Abgebrannt waren 47 Wohngebäude mit ihren Stallungen. 84 Familien mit 241 Personen wurden obdachlos, und es waren Schäden in Höhe von 480.000 Mk. entstanden."
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7. Die geschichtliche Entwicklung von Garnseedorf
Die enge Verbundenheit zwischen Dorf und Stadt Garnsee hat die Ordensherrschaft nicht überdauert. Das Schicksal beider nach dem Hochmeisterkrieg ist schon erwähnt. Doch muß festgestellt werden, daß das „Wüstsein" des Dorfes sich nur auf die Bauernwirtschaften, nicht aber auf das Schulzengehöft bezieht. Die Inhaber dieses Gehöftes, die ja nach kulmischem Recht ihren Besitz innehatten, saßen, wie aus dem Vorhandensein des ordenszeitlichen Privilegs noch im 18. Jahrhundert ersichtlich ist, in ununterbrochener Besitzfolge im Schulzenamt. Das Dorf war um 1586 von Absalon Reimann wieder mit Bauern besiedelt worden. Der Schulze erhielt damals 4 Hufen frei und der Pfarrer 4,5 Hufen, die Bauern zusammen 71 Hufen, so daß 11,5 Hufen unbearbeitet liegen blieben. 23 Bauern auf je 3 Hufen waren ohne Kontrakte. Sie waren Untertänige des Amtes für ihre Person. Sie hielten trotz der Amtsuntertänigkeit keineswegs das erbliche Laßrecht an ihrem Hof, sondern waren unerbliche Bauern. Nur mit Zustimmung des Amtes verblieb der Sohn auf dem Hofe des Vaters. Viele Bauern waren damals aus Polen eingewandert, wie 1607 aus den Namen hervorgeht.
Diese Bauern überdauerten den ersten schwedisch-polnischen Krieg nicht, wie ja überhaupt dieser und noch mehr der nachfolgende zweite Krieg besonders die Landbevölkerung heimgesucht haben. Dazu kam das bevölkerungspolitisch sehr ungünstig wirkende Bestreben hinzu, die angesiedelten Bauern erbuntertänig zu machen. Infolgedessen benutzten sie die Unruhen des Krieges, um zu entlaufen. Neu Einwandernde wollten sich keinesfalls mehr in Erbuntertänigkeit begeben und verlangten Kontrakte. Häufig erschienen Bauern aus Pommern, Mecklenburg und Lauenburg, die aus ihrer Heimat verdrängt, um das Jahr 1620 sehr zahlreich nach Preußen einwanderten. Sie übernahmen wüste Ortschaften, aber auch einzelne Bauerngehöfte zu langjährigen Pachtzeiten, behielten sich aber die persönliche Freiheit vor.
Wie es in Garnseedorf nach den Kriegen Gustav Adolfs gegen Polen aussah, zeigt das Rechnungsbuch des Amtes 1641: „Das Dorf Garnsee enthält 98 Hufen, davon der Schulze 4 Hufen, der Pfarrer 4,5, der Biener 2, der Wildnisbereiter 2, so ihm auf Verordnung des Herrn Jägermeisters — bis auf Kurf. Durchl. ferner Ratifikation — zins- und scharwerksfrei eingeräumt."
Die näheren
Umstände, unter denen die Bürger von Garnsee die Hufen im Dorfe zur
Ausnutzung überwiesen erhielten, schildert ein Aktenstück aus dem
Staatsarchiv in Königsberg. Vier Gesellschafter, Michael Lukpette, Joachim
Abraham, Joachim Sterkmann und Mathias Freiwald, erhielten die 67
Bauernhufen gegen einen jährlichen Zins von 1005,- Mk, Nach Erledigung
der Pachtzeit sollten 22 Bauernhöfe erbaut und besiedelt abgeliefert
werden. Da die vier Männer Bürger der Stadt Garnsee waren, neideten ihnen
die übrigen den vorteilhaften Handel. Der Bürgermeister, der Rat, das
Gericht und die ganze Gemeinde wandten sich bittend an den Kurfürsten
Georg Wilhelm, den Vertrag auf das ganze Städtchen zu übertragen. Aus den
Kirchenbüchern können wir die Namen folgender Bauern feststellen. Mancher
in der Umgebung von Garnsee wohnhaft gewesene wird seinen Namen darunter
finden. Der Freischulze, d. h. der kölmische Schulze hieß Hintz, die
anderen Bauern waren:
Die Verkleinerung der Bauerngüter machte schnelle Fortschritte. Im Jahre 1729 besaßen nur noch 4 Bauern Grundstücke von drei Hufen, die übrigen ehemaligen Erben (Hufen) hatten zum Teil drei Besitzer. Unter den Familiennamen dieser Zeit sind 23 unzweifelhaft deutschen Ursprungs, 10 dagegen unbestimmt. Unter den 24 Kaufgärtnern — die Bauerngärtner bleiben außer Betracht — sind 18 deutsche Familiennamen zu finden.
Im Jahre 1784 waren außer dem kölmischen Schulzen wohnhaft: 32 Hochzinser, 30 Eigenkätner, l Radmacher, l Maurer, l Zimmermann, 3 Leineweber, l Krüger, l Schmied, l Pfarrhufenpächter, l Schulmeister, l Unterförster, l Schäfer und l Kuhhirt. Somit waren es insgesamt 75 Familien. In der Beschreibung des Dorfes wird der jämmerliche Zustand des Forstgebietes besonders erwähnt. Bauholz mußten die Bauern deswegen sehr weit aus der Umgebung von Löbau herholen. Schuld war das Recht auf freie Hütung im Walde und Entnahme der Nadelstreu. Die Wiesen waren schlecht, man schätzte, daß nur 3-4 Fuder Heu von der Hufe geerntet wurden. Die Äcker galten als geringwertig. Nur Roggen, Gerste, Hafer, Erbsen und Lein wurden gesät und brachten mäßige Erträge.
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Grundstücksverzeichnis Garnsee Stadtmitte (aus der Erinnerung) |
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1 Restauration und Saalbau Engel
gegenüber Villa |
Marienwerder Straße |
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Marienwerder Straße mit den Häusern Schütz und Engel |
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Haus- und Grundstückseigentümer des Ortsteils
Garnseedorf |
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1 Strehlau, Hermann |
Graudenzer Straße |
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Aus historischen Quellen |
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Stadtrechturkunde |
I. Garnsee, Gardensee, war schon 1285 als Cistercienserkloster bekannt, welchem Friedrich Stange 200 Hufen angewiesen1. 1328 wurde die Stadt (auch Schlomowo genannt) gegründet2, welche vom Bischof Berthold 1334 die Handfeste erhielt. Unter Erhard v. Queiß wurde hier die Reformation eingeführt. Das alte aus vorreformatorischer Zeit stammende Kirchengebäude mußte, weil zu klein und baufällig, mit Ausnahme des Thurmes, welcher in dem Plan der alten Festung erbaut ist, abgebrochen werden. Der Grund zur jetzigen Kirche im gothischen Stil 29. Mai 1729 gelegt. — Die Kirche königl. Patronats, 11. S. v. Tr. 1731 eingeweiht, hat die Richtung von N. nach S. und lehnt sich an der Mitte der östlichen Langseite an den alten starken pyramidalen Thurm. 3 Glocken. Im Innern Holzdecke. Orgel im Süden mit Pedal und 13 Stimmen, 1649 erbaut. Altar und Kanzel an der Mitte der östlichen Langseite ein Ganzes. Hinter der Kanzel unter dem Thurm die gewölbte Sacristei, die auch früher als solche gedient haben muß. — Zu Garnsee gehörte noch 1727 eine Filialkirche zu Zigahnen3. |
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III. Schulorte: Garnsee, Garnseedorf, Treugenkohl, Gr. Attlau, Zigahnen, Seubersdorf, Gr. Schönbrück, Sarosle, Daßoczin, Niederhof und Roggenhausen mit Albertsfelde, Dienenberg, Dietrichswalde, Karlshof, Olschow-ken. Kl. Ottlau (Kreis Marienwerder), Buden, Gapiarna, Grünfelde, Gubin, Herminendorf, Jammi, Kalmusen, Ludwigswalde, Kl. Schönbrück und Sobotta (Kreis Graudenz). 6100 Seelen. IV. Kath. Kirchen in Gr. Schönbrück, Roggenhausen und Gubin.
1 Voigt,
Cod. dipl. Pr. 11., n. 8. |
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