Die Blatzheim/Bergerhausener Hauptstraße (Teil 2)

Ortsvorsteher Klaus Ripp (stehend) und
Amtsleiter Guido Ensemeier (sitzend) erläutern den aktuellen Planungsstand
Im Rahmen einer Bürgerversammlung (Foto oben) stellten Blatzheims Ortsvorsteher Klaus Ripp und Kerpens Verkehrsplaner Guido Ensemeier am 10.10.2002 die aufgrund früherer Bürgerbeteiligungen überarbeiteten Planungen für eine Umgestaltung der Dürener Straße vor.
Die Planskizze für den Ortskern von Bergerhausen finden Sie auf der Homepage des Ortsvorstehers, Klaus Ripp.
Plan zur Umgestaltung der Ortsdurchfahrt (Bereich Bergerhausen Zentrum): Dort wo heute halb auf dem Gehweg geparkt wird, sollen die Parkplätze auf die Straße verlegt werden. In diesem Bereich soll dann Tempo 30 vorgeschrieben werden. Fußgänger und Radfahrer sollen in diesem Teilstück gemeinsam den Gehweg benutzen. Im weiteren Verlauf Richtung Blatzheim sind wieder auf beiden Seiten die so genannten Radfahrstreifen vorgesehen.
E-mail vom 14.10.2002 an den Blatzheimer Ortsvorsteher, Klaus Ripp, und den Leiter des Planungsamtes der Stadt Kerpen, Guido Ensemeier:
Lieber Klaus, sehr geehrter Herr Ensemeier,
nachdem ich am Donnerstag, dem 10. Oktober 2002 an der abschließenden Bürgerversammlung zur weiteren Gestaltung der Ortsdurchfahrt Bergerhausen-Blatzheim teilgenommen habe, möchte ich mich bei Dir, lieber Klaus, und bei Ihnen, sehr geehrter Herr Ensemeier, herzlich für die Durchführung dieser und früherer Veranstaltungen sowie Deinen/Ihren erkennbaren Willen, die Vorschläge der Bürger ernsthaft zu berücksichtigen, herzlich bedanken.
Eine solche, wirklich demokratische Handlungsweise ist leider längst nicht selbstverständlich. Um so mehr verdienen die diesbezüglichen Bemühungen größten Respekt und Anerkennung.
In der Sache selbst möchte ich vor allem zwei Aspekte hervorheben und Dir/Ihnen dafür meine besondere Anerkennung zollen und zwar,
1. dass die Planungen unter dem Aspekt erfolgen, keine Kosten für die Anlieger entstehen zu lassen und
2. dass die praktische Ausführung – so habe ich es jedenfalls verstanden – nicht als Gesamtprojekt sondern nach Bedarf in Einzelschritten umgesetzt werden soll.
Leider ist gerade im öffentlichen Verkehrsbereich immer wieder zu beobachten – und damit spreche ich nicht unbedingt Kerpener Verhältnisse an – dass Lebenswirklichkeit und tatsächliche örtliche Gegebenheiten bei der Realisierung größerer „Planspiele“ unberücksichtigt bleiben und dann mit großem Aufwand revidiert werden müssen.
In unserer Gemeinde sind die vorhandenen Gegebenheiten im öffentlichen Verkehrsraum durchweg über Jahrzehnte und unter Berücksichtigung der jeweiligen Erfordernisse gewachsen. Wenn die Ergebnisse auch nicht immer ästhetischen Ansprüchen genügen mögen, so wird man doch feststellen können, dass das Vorhandene im Allgemeinen meistens sinnvoll und funktional ist/war.
Akuter Handlungsbedarf
Wenn ich als einer, der die Ortsdurchfahrt in fast seiner ganzen Länge zweimal täglich passiert, aktuellen Handlungsbedarf erkenne, dann im Bereich der Metzgerei Bongard/Bäckerei Schneider im Blatzheimer Oberdorf. Diese beiden Geschäfte haben sich in den letzten Monaten zu ausgesprochenen "Magneten" mit regem Kundenverkehr entwickelt, für den dringend verbesserte Möglichkeiten zum geschäftsnahen, kurzzeitigen, den Verkehrsfluss weniger behindernden Parken geschaffen werden sollten.
Schon mehr als einmal habe ich dort problematische Verkehrssituationen beobachtet, wobei die Problematik keinesfalls in zu schnellem Fahren, sondern im unvernünftigen Abstellen der Fahrzeuge (beidseitig der Straße) oder "blindem" Einfädeln in den Verkehrsfluss von aus dem Innenhof kommenden Fahrzeugen besteht. Lösungsvorschläge vermag ich in diesem Fall jedoch nicht zu machen.
Dagegen hätte ich einen Lösungsvorschlag für ein weiteres Problem, das vor allem am späten Nachmittag häufig entsteht und zwar wenige Meter östlich der vorgenannten Stelle, vor dem Blumenhaus und den beiden Gaststätten an der Ecke zur Brauereigasse. Vor dem Blumenladen wurde im Zuge der Neugestaltung der Brauereigasse ein Beet angelegt, welches das Abstellen von Fahrzeugen in unmittelbarer Nähe des Einmündungsbereichs der Gasse verhindern soll. Diese, im Hinblick auf aus der Gasse kommende Abbieger sicher zweckmäßige und gutgemeinte Lösung, führt indes bei der Warenanlieferung in diesem Bereich zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, die sich je nach den Umständen durch die nahe Bushaltestelle und den daran anschließenden Problembereich im Umfeld der oben genannten Geschäfte Bongard/Schneider potenzieren können. Gelegentlich geht dann gar nichts mehr und der Verkehr staut sich zurück bis zum Ortsausgang. Als Lösung schlage ich vor, das Beet vor dem Blumenladen zu entfernen, die dortige Fläche durch Aufmalen einer entsprechenden Markierung zur Halteverbotszone zu erklären und für die LKWs zur Warenanlieferung eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Es ist sicher eher für die wenigen Anlieger der Brauereigasse zumutbar in den kurzen Phasen der Warenanlieferung - wie früher - mit erhöhter Sorgfalt in die Hauptstraße einzubiegen, als den kompletten Durchgangsverkehr zum Erliegen zu bringen.
Mit diesen Einzelfällen habe ich nicht nur auf zwei bevorzugt abzuarbeitende Problemzonen hingewiesen, sondern zugleich auch deutlich gemacht, dass man tatsächlich gut beraten ist, die Verhältnisse Schritt für Schritt der Gesamtplanung anzupassen, weil man dadurch leicht und kostengünstig auf die danach anzutreffende Situation mit womöglich neuen Problemen reagieren kann.
Immer die Radfahrer...?
Wenn ich eingangs meine Begeisterung über die Veranstaltungen zum Ausdruck gebracht habe, möchte ich indes auch mein Unverständnis und meine Verärgerung über weite Passagen der Veranstaltung nicht verhehlen.
Wäre ich als Besucher von einem fernen Planeten unvermittelt in diese Veranstaltung geraten, ich hätte den Eindruck gehabt, dass unsere Verkehrsverhältnisse denen von Peking oder Saigon entsprechen, wo das Straßenbild von Fahrradfahrern geprägt ist. Tatsächlich könnte man als Autofahrer die einzelnen Fahrradfahrer in Blatzheim ohne nennenswerten Zeitverlust bequem persönlich – vielfach sogar namentlich – begrüßen. Mir scheint, dass diesbezügliche Diskussionen eher modisch-ideologischen Hintergründen als sachdienlichen Überlegungen entspringen. Dementsprechend sollte man damit umgehen. Wenn man von 100 Autofahrern erwartet, dass sie geduldig geschwindigkeitsgeminderte Strecken akzeptieren, dann darf man von einem einzigen Radfahrer (größer dürfte der prozentuale Anteil kaum sein) mit mindestens ebensoviel Recht erwarten, dass er/sie hier und da auch einmal von seinem Drahtesel absteigt und einige Meter zu Fuß zurücklegt.
Wenn man zudem berücksichtigt, dass man rund um Blatzheim ein außergewöhnlich dichtes Netz an Feld- und Wanderwegen vorfindet, das dem Radfahrer echte und oftmals bessere Alternativen zur Benutzung der Hauptverkehrsstraße bietet, wird man unsere Region sogar als überdurchschnittlich radfahrerfreundlich bezeichnen dürfen. Weitere radfahrerorientierte Überlegungen dürfen deshalb getrost zurücktreten gegenüber den Belangen derer, die darauf angewiesen sind, sich mit Kraftfahrzeugen fortzubewegen. Als Alternativen hervorzuheben sind die nur wenige Meter parallel zur Hauptstraße verlaufenden Strecken entlang des Neffelbachs sowie entlang des Friedhofs (ggf. unter Einbeziehung der Haagstraße). Vor allem der Neffelbachrandweg erfreut sich übrigens gerade bei Fahrrad fahrenden Pendlern ebenso wie bei Freizeitfahrern zunehmender Beliebtheit!
Wenn dies von einigen Anwesenden nicht erkannt wird, bestätigt das nur meine Vermutung, dass einige der Wortführer entweder gar keine Blatzheimer waren oder jedenfalls mit den örtlichen Verhältnissen nicht vertraut sind. (Hier könnten einige Radtouren durch unsere Gefilde für die gebotene Aufklärung sorgen.)
Vox populi und die „Raser“
Mir fiel ein gewisser Konsens auf bei der Forderung nach geschwindigkeitsreduzierenden Maßnahmen im Umfeld der Blatzheimer Geschäfte. Offenbar wird dabei übersehen, dass die konkrete Verkehrssituation in Zeiten erhöhter Geschäftstätigkeit ohnehin nicht erlaubt, den Ort durchgängig mit der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit zu durchfahren. In der Praxis ist das allenfalls zu Zeiten möglich, wenn in Blatzheim sowieso „die Bürgersteige hochgeklappt“ sind, und dann macht auch eine verordnete Geschwindigkeitsbeschränkung keinen Sinn mehr. Da u.a. § 1 der Straßenverkehrsordnung als „lex generalis“ den Teilnehmern am öffentlichen Straßenverkehr ohnehin eine der konkreten Verkehrssituation angemessene Verhaltensweise auferlegt, sind fest vorgegebene Geschwindigkeitsbeschränkungen m. E. entbehrlich. Im konkreten Einzelfall kann nämlich sogar Tempo 30 eine unangemessen hohe Geschwindigkeit sein. Auf meinem täglichen Weg von oder zur Arbeit finde ich eigentlich nie die komfortable Situation vor, das Zentrum von Blatzheim ohne Herabsetzung der Geschwindigkeit und gelegentlichen Stopps durchfahren zu können.
Absolut vernachlässigenswert sind m. E. die Einwände jener Zeitgenossen, die sich über gelegentliche Extrem-Raser aufregen und glauben, das Mittel der Wahl sei eine Gängelung aller Fahrzeuglenker. Rechnet man den Anteil solcher Diskussionsteilnehmer auf die derzeitigen Benutzer der Straße hoch, dann müsste man als Autofahrer eigentlich täglich hinter Einheimischen herbummeln, die den Ort mit Tempo 30 durchfahren, denn „verboten“ ist das ja auch heute schon nicht! Dies mag deutlich machen, dass man nicht alles ernst zu nehmen hat, was Volkes Stimme bei solchen Veranstaltungen meint von sich geben zu müssen.
An dieser Stelle möchte ich einen Kontrapunkt zu der einschlägigen Diskussion setzen und fordere für den Streckenabschnitte zwischen der Einmündung Kunibertusstraße/Kommandeursburg und der Tankstelle Weyrich in Bergerhausen die Freigabe der Geschwindigkeit auf 70 km/h, wie das vor einigen Jahren dort tatsächlich und ohne Probleme gestattet war. Diesen Vorschlag mache ich mit mindestens so viel Ernsthaftigkeit und Engagement, wie die einzelnen Sprecher für einen Tempo-30-Abschnitt auf dieser Teilstrecke.
Alternativen für Bergerhausen/Persönliche Beeinträchtigungen
Die jetzt vorgestellte Planung sieht für die nördliche Straßenseite im historischen Ortskern von Bergerhausen einen Radstreifen auf dem Gehweg und das Parken von Autos auf der Straße vor. Als „Preis“ für diese Variante ist für diesen Abschnitt eine Tempo-30-Zone vorgesehen.
Da der in Rede stehende Abschnitt keine besonderen Gefährdungspotentiale aufweist und die vorhandenen Verkehrsanlagen ausreichend breit sein dürften, ist die Vorgabe „Parken auf der Fahrbahn“ in Verbindung mit einer ist ein Tempo-30-Zone m. E. nicht zwingend erforderlich. Es sollte möglich sein, die bestehende Regelung des Parkens auf halbem Gehweg mit einem auf der Fahrbahn zu markierenden Schutzstreifen für Radfahrer zu kombinieren.
Radfahrer mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis hätten überdies ohne weiteres die Möglichkeit, die Hauptstraße in diesem Abschnitt zu umgehen, indem sie aus Richtung Kerpen kommend in den nördlichen Teil der Straße „Wasserburg“ einbiegen, um über die Nebenstraße „Am Hubertushof“/“Alte Straße“ den Ortskern zu umfahren.
Im übrigen wäre ich als Anlieger des Abschnittes, an dem der geplante Tempo-30-Bereich beginnen bzw. enden soll, unmittelbar persönlich betroffen. Bekanntlich führen Geschwindigkeitsänderungen zu erhöhten Fahrgeräuschen und unterschiedliche Fahrbahnbeläge verursachen zudem erhöhte Rollgeräusche. Jedes dieser erhöhten Geräuschimmissionen, und erst Recht deren Zusammentreffen, bitte ich mir nicht zuzumuten, da sich nur ca. drei Meter von der Straße entfernt mein Arbeitszimmer sowie das Schlafzimmer meines Sohnes befinden.
Nur der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle vermerkt, dass das Einpflanzen von Bäumen an der Straße in Bergerhausen sich schon wegen der vielen dort vorhandenen unterirdischen Versorgungsleitungen (Gas, Wasser, Strom, Telefon bis hin zum „Natokabel“ der Bundeswehr!) verbieten dürfte. Baumspenden seitens der Stadt werden in Bergerhausen dennoch gern entgegengenommen – z.B. als Ersatzanpflanzungen für die in den letzten Jahren durch Alter, Windbruch, Blitzeinschlag oder auch Vandalismus entstandenen Lücken im historischen Baumbestand unseres von den Kerpener Bürgern stark frequentierten Schlossparks!
Leiten statt gängeln
In der Bürgerversammlung wurde wiederholt die Erwartung zum Ausdruck gebracht, dass man die Ortsdurchfahrt für den Durchgangsverkehr unattraktiv machen müsse, um möglichst viele Autofahrer dazu zu bewegen, die Umgehungsstraßen zu nutzen. Auch ich würde mir weniger Durchgangsverkehr wünschen; wer täte dies nicht! Anstelle der Variante „unattraktiv machen“ bevorzuge ich allerdings die Möglichkeit „attraktive Alternativen schaffen“.
Eine solche „attraktive Alternative“ wird den überörtlichen Verkehrsströmen durch die bereits vorhandene B264n und die noch zu erwartende B477n geboten. Insbesondere ortsfremden Reisenden sind diese Alternativen jedoch noch nicht in ausreichendem Maße bekannt. Das mag zum einen an veraltetem Kartenmaterial liegen, das die Betroffenen für ihre Routenplanung heranziehen (hierzu ist einfach ein wenig Geduld erforderlich), das mag zum Teil aber auch daran liegen, dass die vorhandene Hinweisbeschilderung noch nicht optimal ist. Hier wäre zu beachten, dass über Blatzheim hinaus weisende Ziele nur noch auf die Umgehung verweisen. Zudem wäre zu überlegen, ob es Sinn machen könnte, das Ziel Blatzheim nennende Wegweiser an der Umgehungsstraße in „Bergerhausen/Blatzheim-Ost“ und „Blatzheim-West/Niederbolheim“ aufzuteilen und den überörtlichen Schwerlastverkehr grundsätzlich um den Ort herum zu leiten.
Negative Auswirkungen für den Ort
So wünschenswert eine Verkehrsentlastung für die meisten Anwohner auch sein mag, werden dabei jedoch zwangsläufige Wirkungen unterschätzt, ignoriert oder schlicht übersehen, die letztlich ebenfalls nicht erwünscht sind: Kaum jemand scheint den Zusammenhang von Verkehr und Handel zu berücksichtigen.
Nahezu alle ortsansässigen Handels- und Gewerbebetriebe reihen sich entlang der Hauptstraße. Die oben angeführten Verkehrsprobleme im Umfeld von Geschäften legen ein beredtes Zeugnis davon ab, dass die Geschäfte von den Menschen leben, die in den Ort hinein (!) fahren. Entzieht man der Straße (Auto-)Verkehr, entzieht man den Geschäftsleuten ihre Kunden.
Ich muss gestehen, dass auch ich diese Abhängigkeit lange Zeit übersehen und konkrete Beeinträchtigungen nur für wenige Betriebe, wie etwa für die Tankstelle in Bergerhausen, in Betracht gezogen habe. Tatsächlich betrifft es aber jeden Handelstreibenden: den Tankstellenpächter ebenso, wie den Bauern, der mit einem handgemalten Schild auf seine Gemüseverkauf hinweist, den Hotelier ebenso, wie den Bäcker, bei dem der zur Arbeit fahrende Mensch noch rasch sein Pausenbrot einkauft, die Versicherungsagentur ebenso, wie den Schmied, dessen Produkte „zufällig“ in das Blickfeld des Vorbeifahrenden fallen.
Die weitaus meisten dieser Gewerbetreibenden werden kaum mehr existieren können, wenn sich ihre Kundschaft nahezu ausschließlich auf Einheimische beschränkt und selbst die Einheimischen werden vermehrt dort ihre Besorgungen tätigen, wo sie (außerhalb Blatzheims) ohnehin vorbeifahren. Wie aber werden die Menschen, die heute noch lautstark „Verkehrsberuhigungen“ einfordern, reagieren, wenn sie in wenigen Jahren feststellen müssen, dass man in Blatzheim keine Brötchen und keine Zeitung, keine Wurst und kein Türschloss mehr kaufen kann?
Herzliche Grüße
Dein und Ihr
Franz-Peter
Dohmen
Bergerhausen
Ein (gleichlautender) Vorentwurf des vorstehenden Schreibens war bereits am 12.10.2002 an Ortsvorsteher Klaus Ripp gegangen. Hier seine Antwort vom 13.10.2002:
Hallo Franz-Peter,
nach dem ersten, oberflächigen Lesen weiß ich noch nicht so richtig, wie du dich
letztlich entschieden hast. Zum einem glaube ich, dass du auch willst, dass
viele die Ortsumgehung benutzen (Leiten statt gängeln). Zum anderen plädierst du
aber auch dafür, dass alle wieder durch Blatzheim fahren, damit sie hier
einkaufen. Beides geht nicht. Der Handel hat durch die Ortsumgehung Nachteile,
aber die Vorteile für die anderen sind umso deutlicher. Bei 3.500 Einwohnern
kann der Handel auch existieren, ohne auf Durchgangsverkehr angewiesen zu sein.
Qualität spricht sich rund.
Zum Thema Fahrradverkehr auch eine spontane Erwiderung: Derzeit beschreibst du
die Situation relativ treffend. Aber damit man in Zukunft auch mal als
Bergerhausener oder Blatzheimer mit dem Fahrrad zu den Geschäften fährt, ist die
Idee, bessere Angebote für Fahrradfahrer zu schaffen, gar nicht so schlecht. Und
wenn morgens einer seine Brötchen mit dem Fahrrad holt, was ja auch gesund ist
(mußt du doch von Dienstwegen empfehlen), fährt er nicht über Feldwege.
Tempo 70? Zum Glück hast du diesen Vorschlag nicht in der Versammlung gebracht.
Als hier 70 offiziell gefahren wurde, gab es auch Tote.
Gewisse Kompromisse muss man einfach eingehen. Ich glaube, was die Verwaltung
vorgeschlagen hat, ist insgesamt ein guter Kompromiss, wobei wir über
Einzelheiten noch reden können, aber das Gesamtkonzept sollte nicht mehr in
Frage gestellt werden.
Viele Grüße
Klaus
Meine Antwort dazu vom 14.10.2002:
Hallo lieber Klaus,
danke für Deine Mail, die trotz Deiner Zeitnot und nur oberflächlichen Lesens
schon recht umfassend war.
Mir geht es (eigentlich immer und nicht nur bei dem Thema Verkehr) darum, das
meinige dazu beizutragen, dass unsere Kommune (und darüber hinaus unser Land,
unsere Welt...) lebenswert und funktionsfähig bleibt. Warum ist denn unser
Gemeinwesen (im Großen wie im Kleinen) inzwischen so unbeweglich, wieso können
engagierte Menschen wie Du fast nichts mehr bewegen? Weil in den 57 Jahren seit
Kriegsende alles immer feiner reguliert und festgeschrieben worden ist, immer
mehr Funktions-- und Bedenkenträger mitmischen usw.
Mag die einzelne Maßnahme auch so reizvoll und sanft wie eine Schneeflocke sein,
muss man doch leider feststellen, dass es inzwischen so viel geschneit hat, dass
wir wie Lawinenopfer unter Schneemassen zu ersticken drohen. Im Großen wird das
Problem wohl leider nur noch durch eine schwere Krise (Krieg, Revolution o.ä.)
zu lösen sein. Aber wenn der Einzelne sich des Problems bewusst ist und immer
dort, wo er kann, dagegen hält, können wir uns zumindest etwas Luft zum Atmen
verschaffen. Mehr will ich mit Eingaben der in Rede stehenden Art gar nicht
erreichen.
In meinem Text habe ich schon das Wesentliche gesagt. Wozu bedarf es z.B. der
festen Vorgabe einer Geschwindigkeitsbeschränkung, wenn § 1 der StVO ohnehin
eine an den individuellen Verkehrsverhältnissen angepasstes Fahrverhalten
vorschreibt und Zuwiderhandlungen unmittelbar sanktionsfähig sind?
Und was bedeutet schon erhöhte Sicherheit? Wer sich allzu sehr in Sicherheit
wiegt, vernachlässigt die gebotene Sorgfalt und ist am Ende sogar noch mehr
gefährdet.
Bei uns im Ort soll es bei Tempo 70 Tote gegeben haben? Das war, wenn ich mich
nicht irre zu der Zeit, als auf der Strecke zwischen Blatzheim und Bergerhausen
noch Bäume längs der Straße standen. Auch bei Vorgabe "Tempo 20" hat es (letztes
Jahr auf dem Schmitteweg) eine Tote gegeben!
Wenn unsere Verwaltungen und Politiker nach dem Krieg so "sorgfältig" gearbeitet
hätten wie es heute üblich ist, dann säßen wir heute noch in Ruinen. Und wenn
wir so weiter machen, wie es heute üblich ist, sitzen wir wohl bald wieder in
Ruinen.
Machen wir uns bewusst, dass politisch gesehen unser kostbarstes Gut die
Freiheit ist und hören wir endlich damit auf, uns selber zu versklaven! Wir
dürfen nicht ständig nach noch mehr Beschränkungen und Regelungen suchen,
sondern danach, welche Beschränkungen und Regelungen man aufheben kann. Dann
können wir bald wieder freier atmen und am Ende fühlen wir uns nicht nur
menschlich besser, es geht uns auch materiell besser, denn jedes Verkehrsschild,
das nicht aufgestellt wird, jeder Plan, der nicht gezeichnet wird, jedes
Gutachten, das nicht geschrieben wird, spart uns so viel Geld, dass wir uns am
Ende wieder etwas Sinnvolles leisten können.
Zum Abschluss möchte ich noch eine Anregung zur Dorfverschönerung machen:
Du hast ja völlig Recht, wenn Du beklagst, dass
unsere Dorfdurchfahrt eine öde Betonwüste ist. Das zu ändern liegt aber weniger
an der Stadt, als an den Anwohnern. Wenn jeder (oder auch nur einige) ihre
Häuser ein wenig begrünen würden, könnte unsere Ortsdurchfahrt richtig heimelig
werden. Das kann auf "anspruchsvolle" Weise geschehen, mit Grundkosten für
Blumenkästen und Pflanzen sowie Folgeaufwand für Pflege und Gießen, das kann
aber auch kostenlos und annähernd ohne Pflegeaufwand sein, wenn man bloß eine
einzige Gehwegplatte vor seinem Haus entfernt und dort ein Zweiglein Efeu
pflanzt, das man sich in jedem Wald holen kann oder eine Kletterrose, die man
als Ableger von seinem Nachbarn erbitten kann usw.
Mach doch mal einen entsprechenden Aufruf im gelben Polit-Info (und wiederhole
den immer wieder mal). Oder machst Du im Wahlkampf Hausbesuche mit überreichen
einer Rose, eines Apfels oder so? Dann nimm doch dafür beim nächstenmal ein
Zweiglein Efeu aus dem Gemeindewald (oder dem Park) mit. Letzteres könntest Du
zuvor mit der JU in großem Stil besorgen und das zudem auch noch als freiwillige
Pflegeaktion vermarkten, denn viele Kletterpflanzen drohen die Bäume zu
ersticken.
(Ein kleines Beispiel dafür, dass nicht alles Geld und schon gar nicht
Steuergeld kosten muss. Und während das Blättern in Gemeindesatzungen,
Verordnungen und Paragraphen lästig und zeitraubend ist, ist es entspannend,
kurzweilig und angenehm, bisweilen einfach mal seiner Phantasie freien Lauf zu
lassen...)
Herzliche Grüße
Dein
Franz-Peter
Antwort Guido Ensemeier, Stadt Kerpen, vom 15.10.2002:
Sehr geehrter Herr Dohmen,
danke für Ihre ausführlichen Schilderungen. Sie werden Verständnis haben, dass
ich nicht auf alle vorgebrachten Argumente eingehen kann.
Es ist beabsichtigt für den westlichen Teil der B 264 Alternativpläne zu
erarbeiten, bei denen die Parkraumproblematik Berücksichtigung finden soll,
hierbei werde ich Ihre Überlegungen einbeziehen.
Zum Thema Pekinger Verhältnisse kann ich Ihnen mitteilen, dass alle Planungen
für den Radverkehr sogenannte Angebotsplanungen darstellen. Würde man sich
ausschließlich an der heute vorhandenen Nachfrage orientieren wären sicherlich
kaum Verkehrsanlagen für den Radverkehr erforderlich. Ihre Auffassung zur
Fahrradfreundlichkeit in Kerpen kann ich nicht ganz teilen und dabei handelt es
sich weder um moderne noch um idiologische Einstellungen, sondern um einfach
vernünftige Überlegungen=
E-Mail von Franz-Peter Dohmen an Guido Ensemeier, Stadt Kerpen, vom 20.10.2002:
Sehr geehrter Herr Ensemeier,
schönen Dank für Ihre prompte Antwort. Dass ich erst jetzt antworte, bitte ich
zu entschuldigen, aber ich habe erst jetzt die Muße gefunden, eine kleine Skizze
anzufertigen, die ich Ihnen als Anlage zur Verfügung stelle.
Da sie auf die Schnelle aus dem Gedächtnis angefertigt worden ist, bitte ich
über mögliche Unzulänglichkeiten hinweg zu sehen.
Auf der Grundlage zweier Kartensegmente aus dem aktuellen ADAC-Stadtatlas habe
ich in roter Farbe all jene Strecken eingezeichnet, die im Raum
Blatzheim-Bergerhausen als fahrradfreundliche Alternative zur
Hauptortsdurchfahrt zur Verfügung stehen. Ich meine, ein Autofahrer kann von so
vielen Alternativen nur träumen...
Da Sie mich persönlich nicht kennen, halten Sie mich möglicherweise für einen
"Autofetischisten". Dazu möchte ich anmerken, dass ich - heute knapp 52 Jahre
alt - bis zu meinem 39. Lebensjahr einer der letzten konsequenten
Nicht-Autofahrer der Region war, denn erst dann wurde es auch für mich
unumgänglich, ein Auto anzuschaffen. Auch heute bewege ich mich in meiner
Freizeit vorzugsweise ohne Auto und weiß deshalb vielleicht besser als andere,
was ein hiesiger Radfahrer wirklich braucht. Und das sind weder "neue Angebote"
noch Vorrechte gegenüber dem Kfz-Verkehr, sondern - wenn man uns wirklich etwas
Gutes tun will - allenfalls bessere Verknüpfungen der vorhandenen Straßen und
Wege. Solche Verknüpfungsstrecken habe ich in der Karte als gepunktete Linie
eingezeichnet. Es handelt sich dabei um Feld- und Wiesenwege, die bei nasser
Witterung (Feldwege) oder wegen ihres Grasbewuchses für das Befahren mit dem
Fahrrad nicht geeignet sind. Da ich allerdings nicht zu den Menschen gehören,
die ständig nach "Wohltaten" der öffentlichen Hand rufen, sage ich: Wie das
dichte Netz an roten Linien
beweist, geht es auch ohne diese Verknüpfungen!
Im Hinblick auf die Ortsdurchfahrt plädiere ich weiterhin dafür, sie in erster
Linie Kfz-freundlich zu gestalten. Dabei gilt es stets zu bedenken, dass
Verkehrsbeeinträchtigungen und -probleme immer den MENSCHEN beeinträchtigen,
denjenigen der im Auto sitzt ebenso, wie den Betrachter von außen - auf der
Straße, wie auch in den anliegenden Wohnungen und Betrieben! Ich hoffe deshalb
sehr, dass am Ende der gesunde Menschenverstand siegen wird und auch weiterhin
eine funktionale Ortsdurchfahrt für die Menschen hier zur Verfügung steht.
Wer bisweilen die volle Distanz vom Ortseingang Blatzheim bis ins Zentrum von
Bergerhausen (wo ich wohne) hinter einem langsamen Traktorgespann herfahren
muss, weiß, was es bedeuten würde, die vorhandene Straße noch langsamer zu
machen, als sie eh schon ist. Auch ich träume gern von "paradiesischen
Zuständen", doch leider gehen solche Träume bisweilen an der
Lebenswirklichkeit vorbei. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass Sie, Herr
Ensemeier, ebenso wie auch unser Ortsvorsteher, Männer sind, die im Leben stehen
und am Ende ein vernünftiges Ergebnis vorlegen werden. Schon die jetzt
vorgestellte Planung ist deutlich realitätsnäher, als so manches, was in anderen
Kommunen ausgebrütet wird. Und das ist heutzutage schon etwas,
was Lob und Anerkennung verdient!
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Ihr
Franz-Peter Dohmen
Bergerhausen
1 Dateianlage:
(Wegen problematischer Urheberrechtslage wurde die ursprünglich
hier abgebildete modifizierte Straßenkarte entfernt.)
Links
Vorschläge Franz-Peter Dohmen von 1999
< hier >
Planungsstand Herbst 2000
http://www.kerpen-blatzheim.de/daten/umgestaltung01.html
Planungsskizzen dazu:
http://www.kerpen-blatzheim.de/daten/umgestaltung02.html
Planungsstand Herbst 2001
http://www.kerpen-blatzheim.de/daten/umgestaltung01.html
Planungsstand Herbst 2002
http://www.kerpen-blatzheim.de/daten/umgestaltung03.html
dazu - Ortskern von Bergerhausen:
http://www.kerpen-blatzheim.de/fotos/fotos0203/planod04.html
Über die weitere Entwicklung kann man sich auf der Homepage des Ortsvorstehers informieren:
http://www.kerpen-blatzheim.de