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Schlosspark oder Schilderwald?
     
Wilton House Gardens in Wilton, England
Landschaftspark Wilton House Gardens in Wilton, England
Wie die Parks auf den nebenstehenden Fotos ist auch der Schlosspark von Bergerhausen von seinen Schöpfern in der Art des englischen Landschaftsgartens angelegt worden. Klicken Sie die Bilder an und lassen Sie sie auf sich wirken, bevor wir uns der Realität des aus derselben Epoche stammenden Schlossparks Bergerhausen zuwenden.
Überraschend sich eröffnende lange Sichtachsen sind prägende Elemente des Parks
Überraschend sich eröffnende lange Sichtachsen sind prägende Elemente des Fürst-Pückler-Parks, Bad Muskau
Quelle: Wikipedia    
 

Im historischen Schlosspark Bergerhausen darf sich offenbar jeder austoben, der bereit ist, sich in irgendeiner Form an seiner Verschandelung zu beteiligen. Besonders ärgerlich ist es, wenn dabei öffentliche Dienststellen, die eigentlich anderes im Sinn haben sollten, als Urheber ausgemacht werden können: die Stadt darf 08/15-Blechkübel aufhängen, der Erftverband darf eine "Brennnesselzucht" entlang des Neffelbachs anlegen und irgend jemand (wer eigentlich?) stellt Verkehrsschilder auf, die ursprünglich für den allgemeinen Straßenverkehr produziert worden sind.

 
 
Die Visitenkarte - Parkeingang in Bergerhausen   Nach Düren geht es überall hin... (Fotos vom 18.12.2004)

Während die alten Parkbäume immer weniger werden (und keine Ersatzpflanzungen in Sicht sind) wird der Schilderwald im Park immer üppiger. Die jüngste Verschlimmbesserung steuerte ausgerechnet das Land NRW im Rahmen einer Maßnahme bei, deren ursprünglicher Sinn wohl einmal umweltfreundlich gemeint war, nämlich das Fahrradfahren in der Natur attraktiver zu machen. Auf ihrer Homepage http://www.radverkehrsnetz.nrw.de verkündet das Ministerium für Verkehr, Energie und Landesplanung voller Stolz:

"Die Förderung des Radverkehrs hat in Nordrhein-Westfalen eine lange Tradition. In den letzten beiden Jahrzehnten wurden rund 1 Mrd. Euro allein für den Bau von 6.700 km Radwegen bereitgestellt. Damit und mit einer Vielzahl weiterer Maßnahmen ist es gelungen, den Radverkehrsanteil kontinuierlich zu erhöhen. NRW ist das Fahrradland Nr. 1 in Deutschland."

Was man für eine Milliarde Euro (also für tausend mal eine Million Euro) alles so anschaffen kann, demonstriert das Land seit Dezember 2004 nun auch im historischen Schlosspark. Während Generationen von Radfahrern problemlos den Weg von Ost nach West, von Kerpen nach Blatzheim oder weiter nach Düren gefunden haben, geht das Land offenbar davon aus, dass heutige Radfahrer ganz besonders beschränkt sein müssen und ohne aufwändige Beschilderung hilflos umherirren.
 

Damit auch der dümmste Drahteselreiter den Weg nach Düren findet, genügt es offenbar nicht, einen Wegweiser an der Zufahrtsstraße zum Park  aufzustellen, der den Weg Richtung Westen weist, nein, in Abständen eines Steinwurfes wurden an jeder Weggabelung über zwei Meter hohe Metallpfosten eingerammt, an denen großflächige Pfeile die Richtung weisen. Gibt es mehr als eine Weggabelung, weisen Pfeile in alle Richtungen, denn im Park geht es überall in Richtung Düren. Und warum sollte man die Radler am Neffelbachrandweg vorbeilotsen, wenn es auch noch andere Wege gibt, die bisher ruhesuchenden Spaziergängern vorbehalten waren?  
Nach Düren kommt man überall hin - 1 Ziel, 3 Wegweiser
(Dabei sei nur am Rande vermerkt, dass ausgerechnet die größten Schilder, nämlich jene am südlichen Eingang des Parks, ortsunkundige Radfahrer die nach Kerpen wollen, statt dessen nach Erftstadt leiten!)
 
 
Radwegweiser und städtischer Abfallkübel mitten in einer der besten Fotoperspektiven auf das Schloss   Auch aus dieser Perspektive kann das Schloss nicht mehr ungehindert betrachtet oder fotografiert werden.

Aber nicht erst das Land zeigte Engagement bei der Aufforstung des Schilderwaldes. Das Unwesen der Schild-Bürger hat im Schlosspark leider Tradition. Und häufig stehen die Schilder ausgerechnet inmitten der schönsten Fotoperspektiven. Muss das wirklich sein?
 

 

 

 

Wer hätte das gedacht? Ab hier darf spaziert und geradelt werden! Das hier keine Autos durchkommen, ist wohl auch ohne Schilder klar, oder?   Wer sich allerdings aus der Gegenrichtung, vom Parktor her, mit dem Fahrrad nähert, darf gar nicht erst weiterfahren. Reiten ist ebenfalls verboten. Übrigens: Auf der Weide im Bildhintergrund werden Pferde gehalten. Tja...
 

Foto links: Das Verkehrszeichen Z 250 verbietet jeden Fahrzeugverkehr (auch das Fahrradfahren!) im gesperrten Raum inklusive aller Abzweigungen, die nur von der gesperrten Straße erreicht werden können.


Die Schilder im Park sind nicht nur ästhetisch, sondern auch rechtlich problematisch. So ist das  Reiten von und zu den Pferdeweiden verboten, ebenso das Fahrradfahren bis zur ausgewiesenen Fahrradroute. Und sogar das Befahren der ausgewiesenen Fahrradroute selbst wird durch das Verkehrszeichen Z 250 (Verbot für Fahrzeuge aller Art) verboten.  

Es mag durchaus sinnvoll sein, den Besuchern des Parks Verhaltenshinweise zu geben und Wege zu markieren. Nur sollte dabei komplett auf Verkehrszeichen, wie sie in städtischen Bereichen und im öffentlichen Straßenverkehr üblich sein mögen verzichtet werden.

Beispiele dafür, wie es auch anders geht, sind sogar im Park selbst zu finden:
 

 

Die Wegweiser des Jakob-Pilgerweges sind ein Beispiel dafür, wie man Wege angemessen ausweisen kann. Die abgebildete Tafel steht in der Nähe des alten Gärtnerhauses. Im Original sind auf ihr Singvögel dargestellt (von denen man viele im Bergerhausener Park übrigens noch nie gesehen hat!). Mit der hier vorgenommenen Fotomontage möchte ich eine Anregung geben, wie man effizient und wirkungsvoll sämtliche denkbaren Schilder mit einer einzigen Hinweistafel ersetzen und zudem noch auf sämtliche Abfallkübel verzichten kann, wenn man nur bereit ist, einmal einen anderen Weg zu versuchen. Nicht verbieten, woran sich eh kaum jemand hält, sondern an die Vernunft der dafür empfänglichen Menschen appellieren, die dadurch motiviert werden, ihrerseits auf weniger vernünftige Menschen einzuwirken. (Die Welt verbessern kann man sowieso weder auf die eine noch auf die andere Weise.) 

Man könnte solche Tafeln außerhalb des Parks, an den jeweiligen Eingängen, aufstellen. Der Text könnte lauten:

Herzlich Willkommen im Schlosspark Bergerhausen!

Wir haben in diesem Park bewusst auf das Aufstellen von Hinweis- und Verbotsschildern sowie von Abfallbehältern verzichtet.

Wir gehen davon aus, dass unsere Besucher sich an der Schönheit der Anlagen erfreuen und von sich aus dafür sorgen, dass die Anlagen sauber bleiben und nicht zerstört werden.

Der Park soll für Sie und für andere ein Ort der Erholung und der Besinnung sein. Bitte machen Sie keinen Lärm.

Hundebesitzer sollten ihre Tiere bei der Annäherung von Passanten bei Fuß/an die Leine nehmen.

Fahrradfahrer werden gebeten, auf den Hauptwegen zu bleiben und vorzugsweise den Neffelbachrandweg zu benutzen.

Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.

Ihre
Familie S..........
 

Einstweilen behält  jedoch die blinde Regelungswut die Oberhand:

Der Schilderwald von Schloss Bergerhausen
Foto vom 18.04.2008

Eigentlich fehlt jetzt nur noch ein Schild, dass das hier keine Schifffahrtsstraße ist...


Zur Zeit des Freiherrn von Waldbott-Bassenheim-Bornheim war (und ist zum Teil auch heute noch) der Bergerhausener Schlosspark (Bild unten, um 1865) ein Landschaftsgarten nach englischem Vorbild. Es wäre schön, wenn es gelänge, das Bewusstsein der Verantwortlichen (und der Besucher!) herzustellen für die Bewahrung der ursprünglichen Schönheit und Vielfalt dieses Landschaftsgartens.
 

     

 

Mithelfen, einmischen, Anteil nehmen!

 

Weiterführende Links:

Historische Gärten Spezialseite über Parks und Gärten

Gartendenkmalpflege (Leitlinien)

Gärten Europas Kultur, Natur, Erlebnis 

Das Gartenreich Dessau Wörlitz Schätze der Welt, Erbe der Menschheit

Crossing Fences - ein EU-gefördertes INTERREG III B-Projekt

 

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